Samstag, 31. August 2013

Herbstwanderungen

In der letzten Zeit schmeckten mir die Wanderungen durchs Internet nicht mehr so recht. Es wird Zeit, wieder ins reale Leben, in die Natur und Kultur unseres Landes abzutauchen. Gestern liefen wir durch ein Meer von Kalkastern, Herbstenzian und Zwergginster, eine Reminiszenz an den Sommer, später gekrönt von einem Eis beim Lieblingsitaliener. Das ist eines der schönsten Mittel, wieder aufzutanken! Den PC möchte ich gerade in erster Linie zum Schreiben hochfahren. Alles andere macht irgendwie nur müde.

Mittwoch, 28. August 2013

Warum war Homo sapiens so erfolgreich?

Am letzen Sonntag war es bitter kalt, und es regnete in Schüben. Kein Wetter, um einen Hund oder einen Schreiber hinter dem Ofen hervorzulocken. Da konnte ich sicher den ganzen Tag lang nach Herzenslaune schreiben, wird jetzt der eine oder andere denken. Nein, damit habe ich erst abends angefangen. Denn im ZDF Info lief ein total spannender Themennachmittag mit dem Titel:
"Wie der Mensch die Welt eroberte." Alle Menschen stammen von einer schwarzen Frau in Äthiopien ab. Über Saudi-Arabien und Indien wanderte eine Gruppe von ein paar Hundert oder tausend Leuten nach Australien, nach Sibirien und China. Von dort nach Amerika. Ein Verwandter des Homo sapiens ging nach Europa und lebte dort lange als Neandertaler. Irgendwann traf Homo sapiens mit dem Neandertaler zusammen und musste sich mit ihm über die Fanggründe streiten. Der Neandertaler wurde nach Südfrankreich und Spanien verdrängt und starb schließlich aus. Warum hat Homo sapiens überlebt, und was machte ihn so erfolgreich? Seine Intelligenz, wird man vermuten, seine Fähigkeit, vorauszuplanen. Das Eichhörnchen sorgt aber auch für den Winter vor. War es das viele Fleisch, das die Neantertaler aßen, sorgte die Flexibilität bei der Nahrungsaufnahme für den Erfolg der anderen? Da wurde eine sehr verblüffende These aufgestellt: Homo sapiens überlebte vor allem deswegen (Vulkanausbrüche, Erdbeben, Eiszeiten), weil er in der Lage war, soziale Netzwerke zu bilden und mittels Sprache zu kommunizieren. Auch früheste Kunstwerke wie eine Flöte wurden gefunden.

Wenn man sich sein heutiges, stark fortgeschrittenes und im Vergleich wahrscheinlich recht entfremdetes Leben anschaut, kommt man zu dem selben Schluss. Wer hat meinem Partner eine Wohnung verschafft? Ein Bekannter aus politischen Tagen. Wer hilft mir, meinen Job auszuhalten, ohne wegen nervöser Erschöpfung wochenlang krankgeschrieben zu sein? Ein Netzwerk aus Kollegen, Ärzten, Psychologen und Supervisoren. Wer animierte mich, Romane zu schreiben und stand mir zur Seite, wenn es immer mal wieder nicht so lief? Meine Autorenkollegen und der Agent. So überlebt man auch im Kleinen mit Netzwerken und Kommunikation - wenn es echte Netzwerke sind.

Dienstag, 27. August 2013

Stell dir vor, alle wollen lesen und kein Autor schreibt ...

Es gab ja in der Zeit der Friedensbewegung so etliche Parolen wie "Stell dir vor, es wäre Krieg und keiner geht hin". Manchmal denkt jetzt mein Hirn überspitzt, weil eigentlich alles, was mit Autoren, Verlagen, Agenten, Self Publishing und Büchern überhaupt geschieht, immer absurder wird. Oder sagen wir abstruser. Autoren sitzen an den ersten Produktionsstätten der geistigen Nahrungskette. Die großen Verlage nehmen kaum noch Newcomer auf, halten sich stattdessen noch auf der Basis ihrer erfolgreichen Hausautoren und auf der Ausschlachtung neuer Trends, bis die Leserschaft abwinkt. Agenturen machen eigentlich nichts für den Autor bzw. machen nur das für den Autor, was dem Verlag und ihnen selbst nützlich ist. Self Publisher sind die freiesten in dieser Landschaft, beuten sich aber mehr oder weniger selber aus. Letztendlich gibt es dann noch die Schmarotzer, die das, was der Autor produziert, der Agent vermittelt, der Verlag lektoriert, den Buchhändlern vorgestellt und herausgebracht hat, auf ihre Plattformen stellen und sich dann noch öffentlich damit brüsten, mit ihren millionenschweren Downloadzahlen allmählich die Verlags - und Buchhandelsbranche zu zerstören. Und dabei könne man ihnen nicht auf die Schliche kommen. Ich glaube, ich brauche hier keinen Link zu setzen, um damit, wie beim letzten Mal, große Aufmerksamkeit zu erregen. Ist es für einen Autor in dieser Situation nicht folgerichtig, wenn er sich sagt: Für eine solche Ausbeuter-und Ignorantenwelt schreibe ich nicht mehr?

Erstens ist bekannt, dass ein Streik, wie und wo auch immer, nur wirken kann, wenn sich ihm alle anschließen. Zweitens schneidet sich der Autor ins eigene Fleisch, denn er beraubt sich selbst einer seiner zentralen Ausdrucksmöglichkeiten. Und er beraubt die Leser, denen es auf etwas anderes ankommt, entscheidender Möglichkeiten. Ich gebe zu, dass mich schon manchmal ob dieser Umstände Unlust befiel. Doch die währte nie lange. Wie schon erwähnt, ziehe ich meine Projekte weiter durch, in einem Tempo, das mir genehm ist und mir gut tut. Die sammle ich in einem Pool und entscheide irgendwann, ob ich sie auf die gefahrvolle, aber doch so wunderbare Reise schicke.

Donnerstag, 22. August 2013

Trauma und Zwang

Stephen King sprach einmal davon, dass es wie die Entdeckung eines Fossils sei, wenn ein Autor auf eine Idee stoße, die vielleicht schon lange in ihm vergraben ist. So ein Erlebnis hatte ich heute beim Schwimmen. Die Begriffe "Trauma" und "Zwang" gingen mir im Kopf herum, psychische Realitäten, mit denen ich Zeit meines Berufslebens zu tun hatte und habe. Allmählich entwickelten sich vor meinem geistigen Auge eine Täter - und eine Opferpersönlichkeit, die ich mit meinem lange gehegten Traum von einem Psychothriller in Verbindung brachte. Solche Momente sind übrigens mit die schönsten in einem Autorendasein! Mit diesem Thema könnte ich eine Menge von dem, was ich hautnah erlebt habe, verarbeiten. Bei einem Trauma, einer seelischen oder körperlichen Verletzung, kann das Ich die unerträglichen Bilder ins UB verbannen. Derjenige kann scheinbar normal weiterleben, doch wirken die verdrängten Mächte weiter und können durch einen Trigger, ein Schlüsselerlebnis, wieder zum Vorschein kommen. Es entwickeln sich eine postraumatische Belastungsstörung oder auch Zwänge, die der Angstabwehr dienen. Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist viel verbreiteter, als man denkt. "Heil" wird ein Betroffener nur, wenn es ihm (mit psychotherapeutischer Hilfe) gelingt, zum Ursprung des Traumas vorzudringen. Man gackert bekanntlich nicht über ungelegte Eier, nur soviel sei verraten: Beginnen soll der Thriller in Hamburg.

In der nahen Zukunft werde ich also mehrgleisig fahren. Der 18. Jahrhundert-Roman, möglicherweise Krimi- und Sittengemälde in einem, soll weiter langsam wachsen. Den Schwarzwaldkrimi werde ich im September noch einmal überarbeiten und derweil die Story um den Psychothriller reifen lassen.

Dienstag, 20. August 2013

Nachhaltige Begegnung in Maulbronn


Das UNESCO-Weltkulturerbe haben wir am Wochenende mal von einer ganz anderen Seite erlebt. Wir sind nämlich nicht, wie all die anderen,  durch das Tor ins Klosterdorf hineingegangen, sondern hinter dem Turm in den Weinberg hinaufgeklettert. Da war es ganz schön schwül, aber je höher wir hinaufkamen, dsto besser wurde es mit dem Wandern. Am Wegrand standen Skabiosen, Mohn und Weinstöcke mit schon blauen Trauben. Oberhalb vom Kloster geht der Lehrpfad dann weiter. Wir wollten über den "Tiefen See" zurück und fragten einen älteren, bunt gekleideten Wanderer nach dem Weg. Dort hinten geht es weiter, meinte er, und begleitete uns eine Strecke lang. Er sei Vorsitzender des Albvereins, erfuhren wir von ihm, schon 44 Jahre. Ach, und ich hätte den Albvereinskalender mitgestaltet? Verbeugung, fast ein Handkuss. Mann, ist das lange her! Was hatte ich damals gewollt? Mehr schreiben, ich weiß es noch genau, und genau das habe ich dann ja auch getan. Oh, Romane täte ich auch schreiben? Mir war es, als hätte er sich dabei irgendwie bekreuzigt. Sind Romanautoren in der Öffentlichkeit so etwas wie Heilige? Man wird offensichtlich als etwas anderes angesehen, schreiben wird mit "berühmt" assoziiert, so scheint es mir. Später, am "Tiefen See", bei einer Rast am Kiosk, wurde mir dann einiges klar. Die Masse der Menschen läuft nach dem "Ruido de la gente", nach dem Lärm der anderen. Aber nicht, weil sie nur zu blöd oder sensationsgeil sind, sondern weil viele es nicht besser kennen. Ich habe gemerkt, wie viele Menschen auf bestimmte Themen in meinen Blogs anspringen, wie groß also die Sehnsucht nach einem nachhaltigeren Leben sein muss. Darin könnte die Aufgabe des Schriftstellers liegen, Menschen mit dem anzusprechen, was ihrem Dasein ein wenig mehr Entspannung, Freude und Sinn verleiht.
                                                        


Sonntag, 18. August 2013

Es ist so einfach, mal abzuschalten!

Im Donautal
In den Krimis und Thrillern bedaure ich immer die Ermittler und Ermitterinnen, die ständig nachts von ihren Handys wachgeklingelt werden und zu schaurigen  Tatorten müssen. Sie schütten literweise Kaffee in sich hinein, vergessen ständig zu essen und plagen sich mit Schuldgefühlen wegen ihrer Scheidungskinder. Darüber hinaus werden sie von ihren Vorgesetzten gemobbt und am Ende vom Mörder ins Visier genommen. Bei meinem letzten landete die Ermittlerin doch tatsächlich in einem Brunnen, aus dem sie nicht mehr rauskam. Und musste schwimmen bis zur Erschöpfung. Was ist mein Job doch für ein Zuckerschlecken dagegen, was für ein Spaziergang! Mein Handy ist nur an, wenn ich mit dem Zug unterwegs bin. An den Wochenenden gilt die Devise: Nix wie weg, da ist dann alles abgeschaltet. Und so kommt man auch tatsächlich dazu, seine Akkus wieder aufzuladen. Und auch abseits der Touristenströme, es gibt sie noch, diese Plätze.

Samstag, 17. August 2013

Wann wird Kommunikation zum Zwang?

Wie Zwänge (das heißt in meinem Fall: Zwangserkrankungen) das Leben einengen, wenn nicht zur Hölle machen können, zur Hölle für sich selbst und andere, konnte ich in den letzten Tagen und Wochen erleben. Zudem bin ich ich, ebenfalls seit Wochen, allein an meinem Arbeitsplatz, da die Kollegin für längere Zeit ausgefallen ist. Ich brauche mich also nicht zu wundern, dass ich oft müde und erschöpft und mit meinem neuen Roman noch nicht über Seite 46 hinausgekommen bin. Manchmal mache ich zum Spaß diese kleinen klinischen Tests zu Depressions,-Zwangs- oder Angststörungen. Und immer ist das Ergebnis das gleiche: Ich solle Belastungen und Stress abbauen, gefährdet sei ich kaum. Jemand wie ich solle Dinge tun, die aufbauen. Gucken wir doch mal, was da so möglich ist. Abgesehen vom unvermeidlichen Stress am Arbeitsplatz, bei dem man sich aber immer Hilfe holen kann, gibt es folgende Situationen. Und es ist sicher leicht zu entscheiden, ob sie eine Belastung darstellen oder das erschöpfte Ego aufbauen. Was davon ist nun belastend, was baut auf?
Nach Rankings der eigenen Bücher gucken
In einem Autorenforum interagieren
Bei Facebook usw. aktiv mitmachen
Sich die Probleme anderer Leute anhören
Extra-Aufgaben übernehmen
Sein Buch vermarkten
Sich mit Computerproblemen rumschlagen
Emails schreiben (ich habe gehört, das sei eigentlich so anstrengend, dass man hinterher eine Pause machen sollte)

 WANN WIRD KOMMUNIKATION ZUM ZWANG?

Dagegen:
Schwimmen, Eisessen, Kaffeetrinken, wandern gehen
Ein gutes Buch lesen
Gespräche führen, gute Filme und Berichte ansehen
Städtetouren
Gartenarbeit
Fotografieren
Hausarbeit, Kochen?
Schreiben
Seinen Frust in eigenen Blog loswerden, die Blogs anderer Autoren lesen

Montag, 12. August 2013

Klasse statt Masse


Am Wochenende mussten wir erfahren, dass es immer schwieriger wird, einen wirklich schönen und nicht überlaufenen Platz zum Wandern zu finden. Am Samstag stießen wir durch Zufall auf ein Gebiet, das zwar erschlossen, aber nicht spektakulär und deshalb noch fast gänzlich einsam war. Von einem Wanderparkplatz der schwäbischen Alb aus konnte man verschiedene beschilderte Routen wählen. Es ging zunächst in Richtung Fernmeldeturm, dann nahm uns ein natürlicher Fichtenmischwald auf. In der Hütte oben hatten sich gotische Menschen im schwarzen Outfit versammelt, die von Heidelberg kamen und eine Nacht ordentlich feiern wollten. Sie erinnerten mich an die Schwarzgekleideten  aus meinem Krimi, waren friedlich, naturliebend und gesprächig. Wie in einem riesigen Park standen die Fichten und Tannen auf der Wiese. Außer ein paar Fahrradfahrern begegnete uns niemand mehr.

Wie anders war es am Tag darauf oberhalb des Donautals! Dort drängten sich die Menschen im Wanderheim "Rauer Stein", von dem man allerdings eine grandiose Aussicht ins Durchbruchtal der Donau hat, noch schöner
vom Eichfelsen. Auf dem Rückweg benutzten wir einen Weg abseits der Autobahn, die mit Kinderwagen, Hunden und Wanderern überfüllt war. Eigentlich ist es ja egoistisch, eine Landschaft für sich haben zu wollen, aber ich bin überzeugt davon, dass jede Gegend, die von Massen überrollt wird, letztendlich ausverkauft ist. Die Wege werden breiter und mountainbikegerecht. Erst kürzlich mussten wir ausweichen, weil sämtliche Traufwege wegen einer Rallye gesperrt waren. Und wer hat die veranstaltet? Nicht etwa der Albverein, sondern die Sparkasse! Und bei der Suche nach einem Ausflugslokal mussten wir erleben, dass schon bei der Anfahrt Aggressionen entstanden. Die Pizza beim Italiener ist für mich ehrlicher als eine Massenabfütterung, womöglich mit eingelegten Steaks und Zutaten, die den Grundgeschmack des Lebensmittels verschleiern.

Fast bin ich versucht, das Klasse-Masse-Prinzip auf den Buchmarkt zu übertragen. Angeblich sollen viele Verlage nur noch Thrillerautoren unter Vertrag nehmen, weil alle anderen Genres ausgeblutet seien. Ich habe gerade einen Thriller gelesen und fand da nicht viel Neues außer den üblichen Morden und Verletzungen, denen eine internationale Mordermittlungscrew ausgesetzt war. Danach hatte ich nichts mehr zum Lesen. Schaute verzweifelt in mein Regal und fand einen Band Erzählungen von Stefan Zweig. Der fesselte mich schon mit dem ersten Satz. Die Geschichte eines Zwöfjährigen, der versucht, das "brennende Geheimnis" zwischen seiner Mutter und einem Hotelgast zu entdecken und der die beiden auf alle nur erdenkliche Weise stört. Sehr dicht das alles, viel innere Monologe und erlebte Rede und viel, viel spannender als der Thriller! In Zukunft möchte ich noch achtsamer sein mit dem, was ich wo unternehme und was ich lese. Und was ich schreibe. Nein, es muss nicht abseits von Genres sein, dazu lese ich die viel zu gerne. Aber es muss dichter sein, die Plätze, an denen wir wandern, müssen gewachsen, intakt, und nicht mit einer Jahrmarktsbude der Eitelkeiten verstellt sein, an denen sich einige Wenige eine goldene Nase verdienen wollen.

Donnerstag, 8. August 2013

Wieviel Mut braucht man, um heute Schriftsteller zu sein?

Zwei Interviews mit Schriftstellern fielen mir heute Vormittag in die Hände:
Einmal das mit Nina George im Buchreport "Man braucht Jahre, um über Nacht den Durchbruch zu schaffen"  und Alexander Pfeiffer "Wieviel Mut braucht man, um heute Schriftsteller zu sein?", Buchmarkt vom 21.06.13. Die eine hat den Durchbruch geschafft, der andere wartet noch darauf. Die Einschätzungen ähneln sich, die Bedingungen haben sich, wie schon lange bekannt, rapide verschlechtert. Der Beruf des Schriftstellers sei ein kränkender, sei ein Risiko mit viel Selbstverantwortung und Freiheit. Man müsse schussfest sein. Und beim Schreiben selbst ist man immer einsam, möchte ich hinzufügen, zumindest einsam an realen Figuren. In seiner selbstgeschaffenen Welt ist man allerdings mehr aufgehoben als anderswo. Beide kommen zu dem gleichen Schluss: Was ist es, das Autoren trotz miesester Bedingungen, ewigem Klinkenputzen bei Verlagen und Agenturen und oft miesen Verkäufen dazu treibt, immer weiter zu schreiben? Es ist der Drang, Geschichten zu erzählen, wie Nina George es ausdrückt, alles, was seit Kindesbeinen auf sie eingestürmt ist, zu verarbeiten und in eine Form zu bringen. Es klingt also nach Selbstverwirklichung, sei aber auch eine Dienstleistung. Alexander Pfeiffer urteilt dabei über die Self Publisher: Er habe Bücher, deren Rechtevertretung durch die Verlage abgelaufen waren, an E-Book-Distributoren gegeben, glaube aber nicht, dass sich durch Self Publishing per se nennenswerte Erlöse erzielen lassen. Hier irrt der Wiesbadener Schriftsteller, wie ich meine. Ich kenne sehr wohl Beispiele, und nicht nur aus den USA!

Was kümmert es denn eine Autorin, die keine Vollzeitschriftstellerin ist, warum man Mut dazu braucht, heute Schriftsteller zu sein? Wenn man sich einmal die negative Seite betrachtet, hat das Schreiben einiges an Frust gebracht, an nervtötender Warterei, an Kränkung und an Ringen um die eigene Stimme. Es hat den Verlust anderer Interessen mit sich gebracht, hat die Brotarbeit gestört und vorübergehend zu Schulterverspannungen und einem Mausarm geführt. Auf der anderen Seite hat es das Leben geradezu verdoppelt, hat zu glücklichen Momenten, Tagen, Wochen, Monaten und Jahren verholfen, die ohne das Schreiben gar nicht zu erreichen gewesen wären! Und es hat Kontakte gebracht, die mir hier auf dem Land früher völlig unmöglich gewesen wären. Die Eigenschaften, die Nina George nennt: Erzähltechniken, Empathie, Psychologie, Bildung, Sitzfleisch, Geduld, Risikobereitschaft, Abwerfen der Eitelkeit sind ebenso auch Grundvoraussetzungen meines Psycho-Berufes. Ich muss mich in meine Klienten einfühlen, muss sitzenbleiben, wenn es ihnen schlecht geht, muss Geduld haben, wenn es Jahre und viele Kämpfe dauert, bis sich etwas ändert. Ich muss das Risiko zum Experiment haben und muss es hinnehmen, wenn so ein Experiment auch einmal scheitert. (Bei der Eitelkeit bin ich mir nicht so sicher, ob die jemals auszurotten ist). Auf jeden Fall war es zwingend (wie das Virus, von dem Pfeiffer spricht?), dass ich sowohl einen therapeutischen Beruf als auch den Nebenberuf als Romanautorin ergriffen habe.

Dienstag, 6. August 2013

Heiße Tage in Frankfurt

Frankfurt, Eiserner Steg
Es ist schon ein Wagnis, bei diesen Temperaturen ein Wochenende in einer der Metropolen zu verbringen. Aber es hat auch seinen besonderen Reiz. Vor Antritt der Reise immer die bange Frage: Wird es bei den Zügen Verspätungen geben? Fällt wieder die Klimaanlage aus? Ich erinnere mich genau an die Fahrt vor genau einem Jahr nach Hamburg, als ich mit einem Bummelzug quer durch Deutschland zuckelte. Es war heiß, und es gab keine Getränke und nichts zum Essen. Schlussendlich bekam ich aber von der Bahn einen Ersatz dafür. Diesmal klappte alles wie am Schnürchen, nur der Zug von Pforzheim nach Karlsruhe war total vermüllt. Der Boden im Fahrradraum klebte von verschüttetem Bier. Selbstredend, dass ich niemanden in einem Buch geschweige denn in einem Reader lesen sah. Zum Ausgleich konnte ich dann wenigstens einen Blick auf mein Buch in der Karlsruher Bahnhofsbuchhandlung werfen, ebenso in Frankfurt. Möglich, dass es der letzte Blick auf eines meiner Bücher in einer Buchandlung sein wird, deshalb habe ich ihn mal festgehalten.
Einchecken im Hotel Bristol, alles wohlbekannt. Den Nachmittag verplauderte ich mit Sohn und Schwester in einer Gartenwirtschaft. Gegen die Hitze gab's Rhabarberschorle. Den Abend verbrachten wir in einer Osteria am Westhafen, doch weder vom Kanal noch vom Main her kam das geringste kühle Lüftchen. Wagenradgroße Pizze, alles gerammelt voll mit Leuten. Anbetracht der Hitze begnügte ich mich mit Minestrone und Carpaccio.
Die Frankfurter verstehen schon zu leben, es ist eine ganz andere Welt.
Auf dem Eisernen Steg hängen Tausende von bunten Hängeschlössern mit Namen, die Junggesellenabschiede werden immer mehr, und bei einem Gang am Main entlang stößt man auf eine riesige Menge von Leuten, die einfach nur dasitzen, feiern und es sich gut gehen lassen. Dann sitzen wir in  einer Beach-Lounge, die heißen Füße im kühlen Sand vergraben, es ist alles nur ruhig und entspannt.
Spiegelbild der Palme auf dem Tisch
Am Schluss noch ein Absacker an der Hotelbar. Der nächste Tag war noch heißer, es zogen dunkle Wolken auf, die sich jedoch bald wieder verzogen. Das legendäre Frühstück hat an Umfang (es gibt nicht mehr diese exotischen Sternfrüchte und Co., vom Roastbeef kann ich nur noch träumen.) Doch es ist noch umfangreich genug, und genossen im Bambusgarten nach wie vor einmalig. Nun fand auch noch ein Fest statt, sodass wir den Treffpunkt mit der weiteren Familie lange und zunehmend panischer suchen mussten, denn es war alles abgesperrt. Die Hauptwache war nicht wiederzuerkennen. Es wurde ein langer, heißer Nachmittag auf einem Schiff und in einem weiteren Garten. Leider scheint Frankfurt weder über Brunnen noch über Temperaturanzeigen zu verfügen. Dafür feierte hier die ganze Welt, ließ sich kreischend durch die Luft wirbeln, fotografierte und begeisterte sich an Römer, Schiffen und Gartenwirtschaften. Keiner hatte ein Buch, fast jeder ein Glas in der Hand. Irgendwann platzte mir fast der Schädel. Ein Krimi von Arne Dahl half mir über einiges hinweg. Als ich schließlich in Pforzheim in die Kulturbahn stieg und die Tannenwälder und den Fluss an mir vorüberrauschen sah, wurde mir kühler zumute. Und richtig, hier im Schwarzwald hatte es gewittert und war auf 22° runtergegangen. So richtig heiß und voll von Eindrücken kehrte ich zufrieden in meine Landwelt zurück. Das grüne Notizbuch packte ich wieder aus, denn es war schier unmöglich gewesen, irgendetwas darin zu notieren.



Donnerstag, 1. August 2013

Sommerloch

Nun liegt der Monat August in seiner ganzen jungfräulichen, heißen Breite vor uns. Früher sagte man dazu immer "Sommerloch" oder "Sauregurkenzeit". Das heißt, die meisten Leute sind im Urlaub, die Daheimgebliebenen machen es sich an den Badeplätzen, in den Cafés und an den Grillstellen gemütlich. Oder sie ernten ihre Träuble, ihre Kirschpflaumen und Gurken, um sie einzuwecken oder Tortenböden damit zu belegen. In den sozialen Medien geschieht nichts wirklich Neues, und auch ich habe im Augenblick nichts Neues zu sagen. Der August wird ein Urlaubsmonat, auch wenn mein Urlaub schon einige Zeit hinter mir liegt. Gestern Abend konnten wir endlich einmal wieder über die Höhen laufen, ohne dass einem die Sohlen verbrannten oder Bäume auf den Kopf fielen. Ich spiele sogar schon wieder mit dem Gedanken an Freiluftschreiberei. Am Wochenende ist ein Besuch in Frankfurt angesagt. Dann kann ich nur hoffen, dass nicht wieder wie letztes Jahr die Klimaanlage im ICE ausfällt und es nichts mehr zum Trinken gibt.
Siehe auch: Räubergeschichten

Das blaue Band

Frühlingsspaziergang am Neckar Jetzt ist er endlich da, der "richtige" Frühling! Und tatsächlich liegt eine Art blaues Band üb...