Dienstag, 6. August 2013

Heiße Tage in Frankfurt

Frankfurt, Eiserner Steg
Es ist schon ein Wagnis, bei diesen Temperaturen ein Wochenende in einer der Metropolen zu verbringen. Aber es hat auch seinen besonderen Reiz. Vor Antritt der Reise immer die bange Frage: Wird es bei den Zügen Verspätungen geben? Fällt wieder die Klimaanlage aus? Ich erinnere mich genau an die Fahrt vor genau einem Jahr nach Hamburg, als ich mit einem Bummelzug quer durch Deutschland zuckelte. Es war heiß, und es gab keine Getränke und nichts zum Essen. Schlussendlich bekam ich aber von der Bahn einen Ersatz dafür. Diesmal klappte alles wie am Schnürchen, nur der Zug von Pforzheim nach Karlsruhe war total vermüllt. Der Boden im Fahrradraum klebte von verschüttetem Bier. Selbstredend, dass ich niemanden in einem Buch geschweige denn in einem Reader lesen sah. Zum Ausgleich konnte ich dann wenigstens einen Blick auf mein Buch in der Karlsruher Bahnhofsbuchhandlung werfen, ebenso in Frankfurt. Möglich, dass es der letzte Blick auf eines meiner Bücher in einer Buchandlung sein wird, deshalb habe ich ihn mal festgehalten.
Einchecken im Hotel Bristol, alles wohlbekannt. Den Nachmittag verplauderte ich mit Sohn und Schwester in einer Gartenwirtschaft. Gegen die Hitze gab's Rhabarberschorle. Den Abend verbrachten wir in einer Osteria am Westhafen, doch weder vom Kanal noch vom Main her kam das geringste kühle Lüftchen. Wagenradgroße Pizze, alles gerammelt voll mit Leuten. Anbetracht der Hitze begnügte ich mich mit Minestrone und Carpaccio.
Die Frankfurter verstehen schon zu leben, es ist eine ganz andere Welt.
Auf dem Eisernen Steg hängen Tausende von bunten Hängeschlössern mit Namen, die Junggesellenabschiede werden immer mehr, und bei einem Gang am Main entlang stößt man auf eine riesige Menge von Leuten, die einfach nur dasitzen, feiern und es sich gut gehen lassen. Dann sitzen wir in  einer Beach-Lounge, die heißen Füße im kühlen Sand vergraben, es ist alles nur ruhig und entspannt.
Spiegelbild der Palme auf dem Tisch
Am Schluss noch ein Absacker an der Hotelbar. Der nächste Tag war noch heißer, es zogen dunkle Wolken auf, die sich jedoch bald wieder verzogen. Das legendäre Frühstück hat an Umfang (es gibt nicht mehr diese exotischen Sternfrüchte und Co., vom Roastbeef kann ich nur noch träumen.) Doch es ist noch umfangreich genug, und genossen im Bambusgarten nach wie vor einmalig. Nun fand auch noch ein Fest statt, sodass wir den Treffpunkt mit der weiteren Familie lange und zunehmend panischer suchen mussten, denn es war alles abgesperrt. Die Hauptwache war nicht wiederzuerkennen. Es wurde ein langer, heißer Nachmittag auf einem Schiff und in einem weiteren Garten. Leider scheint Frankfurt weder über Brunnen noch über Temperaturanzeigen zu verfügen. Dafür feierte hier die ganze Welt, ließ sich kreischend durch die Luft wirbeln, fotografierte und begeisterte sich an Römer, Schiffen und Gartenwirtschaften. Keiner hatte ein Buch, fast jeder ein Glas in der Hand. Irgendwann platzte mir fast der Schädel. Ein Krimi von Arne Dahl half mir über einiges hinweg. Als ich schließlich in Pforzheim in die Kulturbahn stieg und die Tannenwälder und den Fluss an mir vorüberrauschen sah, wurde mir kühler zumute. Und richtig, hier im Schwarzwald hatte es gewittert und war auf 22° runtergegangen. So richtig heiß und voll von Eindrücken kehrte ich zufrieden in meine Landwelt zurück. Das grüne Notizbuch packte ich wieder aus, denn es war schier unmöglich gewesen, irgendetwas darin zu notieren.



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