Dienstag, 20. August 2013

Nachhaltige Begegnung in Maulbronn


Das UNESCO-Weltkulturerbe haben wir am Wochenende mal von einer ganz anderen Seite erlebt. Wir sind nämlich nicht, wie all die anderen,  durch das Tor ins Klosterdorf hineingegangen, sondern hinter dem Turm in den Weinberg hinaufgeklettert. Da war es ganz schön schwül, aber je höher wir hinaufkamen, dsto besser wurde es mit dem Wandern. Am Wegrand standen Skabiosen, Mohn und Weinstöcke mit schon blauen Trauben. Oberhalb vom Kloster geht der Lehrpfad dann weiter. Wir wollten über den "Tiefen See" zurück und fragten einen älteren, bunt gekleideten Wanderer nach dem Weg. Dort hinten geht es weiter, meinte er, und begleitete uns eine Strecke lang. Er sei Vorsitzender des Albvereins, erfuhren wir von ihm, schon 44 Jahre. Ach, und ich hätte den Albvereinskalender mitgestaltet? Verbeugung, fast ein Handkuss. Mann, ist das lange her! Was hatte ich damals gewollt? Mehr schreiben, ich weiß es noch genau, und genau das habe ich dann ja auch getan. Oh, Romane täte ich auch schreiben? Mir war es, als hätte er sich dabei irgendwie bekreuzigt. Sind Romanautoren in der Öffentlichkeit so etwas wie Heilige? Man wird offensichtlich als etwas anderes angesehen, schreiben wird mit "berühmt" assoziiert, so scheint es mir. Später, am "Tiefen See", bei einer Rast am Kiosk, wurde mir dann einiges klar. Die Masse der Menschen läuft nach dem "Ruido de la gente", nach dem Lärm der anderen. Aber nicht, weil sie nur zu blöd oder sensationsgeil sind, sondern weil viele es nicht besser kennen. Ich habe gemerkt, wie viele Menschen auf bestimmte Themen in meinen Blogs anspringen, wie groß also die Sehnsucht nach einem nachhaltigeren Leben sein muss. Darin könnte die Aufgabe des Schriftstellers liegen, Menschen mit dem anzusprechen, was ihrem Dasein ein wenig mehr Entspannung, Freude und Sinn verleiht.
                                                        


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