Dienstag, 30. Dezember 2014

Der eigene Weg-Jahresausblick


Weihnachten sollte dieses Jahr eigentlich für uns ausfallen, wenigstens in der Form, wie sie uns von den Medien und den Massen suggeriert wird. Das Ewiggleiche an Menschen-, Verkehrs- , Konsum- und Gefühlsstaus hatte ich ja schon an früherer Stelle beschrieben. Wie stark gesellschaftliche und soziale Zwänge sein können, habe ich noch nie so sehr wie diesmal erlebt. Ich wollte dieses Fest ein wenig inszenieren wie das Weihnachtsgedicht, das ich früher vor dem Tannenbaum aufgesagt habe. Wir sind durch festlich erleuchtete Fachwerkgassen gegangen. Da standen aber keine tausend Kindlein zum Schauen, sondern sie lärmten aus den Fenstern heraus und schossen Leuchtdiaden ab. Rausgehen aus den Mauern, das wusste ich, würde das Richtige sein. Aber irgendwie konnte man all den Zwängen nicht entfliehen. Dann fuhren wir in eine mittelalterliche Stadt, sahen seltsame Tiere, die an der Außenwand des Münsters angebracht waren, Zaubermittel gegen die Dämomen, sahen den ersten Schnee auf der schwäbischen Alb und ein Märchen von einem Schloss und einer barocken Kirche, ebenfalls festlich erleuchtet in der kalten Nacht. Und endlich, Tage später, in anderer Besetzung, kamen wir heraus aus den Mauern, wanderten über eine Hochfläche, auf der uns der Wind die Nasen rot blies und die Sonne auf Schneefeldern glitzerte. Vorgebahnte Wege sind leicht zu beschreiten-wie viel schwieriger ist es, sich selbst einen Weg im Tiefschnee zu bahnen! Aber ich wusste, dass es einfacher werden würde, wenn wir erst im dichten Wald wären. Und siehe da, die Strapatze hatte sich gelohnt. Der eiskalte Wind legte sich, die Bäume schützten uns, innerhalb des Waldes begann es sogar zu tauen. Und der Weg führte zielgenau zum Ausgangspunkt zurück.

Auf der Schwelle zum neuen Jahr, mit zufriedenem Blick zurück aufs vergangene, möchte ich doch noch versuchen, eine kleine Bilanz zu ziehen. Heute Nacht träumte mir, ich würde ein Haus verlassen, das alt und verstaubt und muffig ist. Draußen waren Menschen. Aber das Fortkommen ging nicht so schnell wie gewünscht, der Bus fuhr nicht, niemand wusste so recht, wie es weitergehen sollte. Aber wir waren draußen, und die Luft war frisch und unverbraucht. So sieht es hier aus am Jahresende. Ein Blick zurück und ein Blick nach vorn. Die vorgebahnten Wege sind bequem, aber auch mit all diesen Zwängen verbunden. Sich selbst seinen Weg zu bahnen ist anstrengend und auf die Dauer allein nicht durchzuhalten. Ich brauche beides. Und aus welchen Bindungen und Zwängen sollten wir uns lösen?Aus allen, die uns lähmen und uns daran hindern, fortzukommen. Wenn der Bus nicht fährt, fährt vielleicht die Bahn, und wenn alles darniederliegt, haben wir ja immer noch unsere Beine und können laufen oder Fahrrad fahren. Alles, was im vergangenen Jahr für mich erfolgreich war, habe ich mit eigenen Händen auf die Beine gestellt. Da kamen zwei negative Meldungen gerade recht. Gestern die Absage des kleinen Publikumsverlages für meinen Krimi, heute die Ankündigung, dass der Ladenpreis des Verlagsbuches von 2011 (historischer Krimi, jetzt "Teufelswerk") ab 1.1.15 von 14,90 auf 5 Euro herabgesetzt wird. Damit nähert er sich meinem neuen E-Bookpreis von 4,49 Euro an. Sollte das ein Zeichen sein?

Ich glaube nicht, dass das neue Jahr besser wird. Die alten Strukturen sind ja noch da. Die Mauern sind da und die Zwänge. Der Zustand der Welt ist nach wie vor mehr als besorgniserregend. Aber wir können eine neue Sicht auf die Dinge entwickeln. Ich nehme mir nichts vor, fasse keine guten Vorsätze, die alsbald doch wieder von der lähmenden Gewöhnung gefressen werden. Ich möchte ausziehen aus diesem alten, vermoderten, muffigen Haus, möchte erste Schritte tun, die mich freier atmen lassen. Und in diesem Sinne wünsche ich all meinen Lesern und denen, die zufällig vorbeikommen, einen guten Start und ein Händchen für den eigenen Weg im neuen Jahr!


Mittwoch, 24. Dezember 2014

Weihnachtswünsche

Auch dieses Jahr geht jetzt seinem Ende entgegen. Ich wünsche allen meinen Lesern entspannte Feiertage und ein neues Jahr, in dem Träume verwirklicht werden und neue Impulse ins Leben kommen. Nähe, Austausch, Inspiration. Und ein starkes Lebensgefühl, "elan", wie die italienische Autorin Dacia Mairani es nennt. Bis gestern hieß es für mich noch arbeiten, jetzt liegen zwei Wochen Urlaub vor mir.

Samstag, 20. Dezember 2014

Verlage versus Self Publishing

Angeregt durch die Diskussion im vorigen Beitrag und durch das Interview mit Carla Berling möchte ich mich noch  einmal mit meinen Verlags- und meinen Selfpublishererfahrungen beschäftigen. Dazu unterteile ich das, was mir persönlich wichtig ist, in einzelne Kategorien. Es handelt sich um vier verlegte Bücher in regionalen Kleinverlagen, um vier Printausgaben in einem überregionalen, größeren Verlag sowie um zwei selbst bei Amazon verlegte Kleinverlagsbücher. Dazu kommen noch fünf Verlags-Ebooks für einen Preis von durchschnittlich 6,99-7,99 Euro. Die laufen insgesamt schlechter als mein eigenes, nur bei Thalia haben sie manchmal ganz gute Rankings.

1. Sichtbarkeit
Die gedruckten Kleinverlagsbücher waren, wenn, dann nur in regionalen Buchhandlungen sichtbar. Die vier im größeren Verlag erschienenen Romane dagegen bundesweit mit einer "Laufzeit" zwischen zwei und neun Monaten. Das erste selbstverlegte war durch eine Verschenkaktion sichtbar und wurde massenhaft runtergeladen, danach verschwand es in der Versenkung. Das zweite selbstverlegte war ein halbes Jahr lang gut sichtbar und lässt jetzt allmählich nach. (wahrscheinlich würde eine Rabattaktion es wieder nach oben spülen).Beziehungsweise sei das vor Weihnachten normal, wie ich gerade erfuhr. Die meisten E-Book-Verkäufe gebe es am 26. Dezember.

2.  Kommunikation
Die Kommunikation war bei den Kleinverlagen unterschiedlich. Bei allen dreien gab es persönliche Kontakte, viele Träume, was man alles an Marketingaktionen starten könnte, die aber alle im Sande verliefen. Die Autorenpflege war bei zumindest zweien gut (s.u.). Bei einem dieser Verlage war die Kommunikation extrem schwierig. Die Kontakte zum größeren Verlag beschränkten sich auf den Agenten und einen Lektor, wobei der Agent die Autorenpflege übernahm. Im Selfpublishing ging und geht die Kommunikation reibungslos und schnell über den Support.

3. Marketing
Alle drei Kleinverlage haben einiges fürs Marketing getan: Anzeigen, Zeitungsartikel, Rezensionsexemplare. Der große Verlag hat seine Vertreter in die Buchhandlungen geschickt, und die ersten beiden Bücher genossen Aktionen wie "Buch des Monats bei Karstadt" oder einen "Weihnachtssondertisch" bei Thalia. Beim Self Publishing habe ich für das Buch, das nicht gut lief, wesentlich mehr getan als für das, welches in meinen Augen gut gelaufen ist. Das heißt, gezielte Drumherumwerbung auf verschiedenen Plattformen brachte höchstens was für den Aufbau der Marke, dagegen eine einmalige Rabattaktion beim zweiten ein halbes Jahr oder mehr Sichtbarkeit und Verkäufe.

4. Wartezeiten
Die waren bei den Kleinverlagen nicht lang. Hatte sie schnell gefunden, die Bücher kamen einige Monate nach Beendigung der Romane heraus. (Mit Ausnahme des ersten, da der Dichtergeburtstag erst zwei Jahre später war). Beim Großverlag dauerte die Vermittlung durch den Agenten sieben Monate, bis das erste Buch veröffentlicht war, vergingen dann mindestens ein bis eineinhalb Jahre. Das Selbstverlegen lag im Schnitt vielleicht bei 2 1/2 Monaten. Ein sechswöchiges Lektorat dazugerechnet wären ca. 4 Monate. Und dann kann man sofort veröffentlichen.

5. Abrechnungen
Die Kleinverlage haben pünktlich und sauber abgerechnet, immer im Frühjahr. Es waren immer dreistellige Zahlen. Beim größeren Verlag gab es Vorschüsse in vierstelliger Höhe, jedoch kamen die Abrechnungen mit den Jahren immer später, zuletzt erst im Juni statt Ende März. Begründung: Der Vorschuss, der Buch für Buch neu verrechnet wird, war noch nicht eingespielt. Man kann sich also kein Buch erlauben, das weniger gut geht als die anderen. Bei Amazon kann man sich auf die pünktliche Zahlung verlassen. In dem halben Jahr habe ich etwa das Gleiche verdient wie mit den Kleinverlagsbüchern insgesamt. Wenn man die Agenturprovision abzieht und berücksichtigt, dass der Vorschuss auf zwei Jahre verteilt ausgezahlt wird, habe ich in dem halben Jahr so viel verdient wie mit dem Großverlagsbuch im Jahr. Dabei hatte sich mein Debütroman bei Aufbau, "Die Nonne und die Hure" innerhalb von zwei Wochen 6000 Mal verkauft, in der zweiten Auflage noch einmal 5000 Mal.

6. Inhalt, Cover, Klappentext
Den Inhalt der Kleinverlagsbücher habe ich selber bestimmt, das Cover habe ich in einem Fall selbst ausgesucht, in den anderen beiden Fällen wurden sie mir vorgelegt. Der Inhalt der Großverlagsbücher war nicht ganz frei, Happy End erwünscht und so, die Cover sah ich zunächst erst dann, wenn sie bei Amazon erschienen. Später wurden sie mir zumindest in aller Eile vorgelegt. Die Selbstverlegten trugen natürlich ganz meine eigene Handschrift, ebenso die Klappentexte. Nun ja, alle Verlage haben sie selber gemacht und mir teilweise kurz vorgelegt.

7. Lektorat
Dauerte bei den Kleinverlagen vier Wochen bis drei Monate, beim Größeren 2 1/2 Wochen bis ein Wochenende. Allerdings wurden die Texte mit der Zeit auch immer "druckreifer". Was ich bei den Kleinen gelernt hatte, zahlte sich also später  aus. Auf jeden Fall waren die ersten Lektorate sehr viel intensiver -und im persönlichen Kontakt kam viel mehr Wertschätzung rüber.

Fazit: Die Sichtbarkeit ist bei Verlagbüchern wie bei selbst verlegten Büchern vorübergehend, kann aber bei Letzteren leichter wieder hergestellt werden. Die Kommunikation ist ingesamt beim Selbstpublizieren besser. Man hat da auch nie das Gefühl, Autor zweiter Klasse zu sein, wenn ein Buch nicht so erfolgreich ist. Das Marketing ist für mich beim Selbstpublizieren leichter. Wartezeiten, für mich besonders heikel, verkürzen sich beim SP drastisch. Die Abrechnungen kamen von Amazon und den Kleinverlagen pünktlich, allerdings von Amazon monatlich rückwirkend statt einmal im Jahr. Und man kann täglich seine Verkäufe und Ausleihen einsehen. Durch Kindle Unlimited verdient Carla Berling mehr als mit den Prozenten, die sie bei Kleinverlagen bekommen hat, wie sie in einem Interview sagt. Über Cover, Inhalt und Klappentext braucht man nicht mehr zu reden. Also spricht, wenn man nicht ein alteingesessener Erfolgsautor im Großverlag ist, eigentlich alles für Self Publishing.

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Der Biss des Skorpions

Gerade ist die Weihnachtskarte meines ersten Verlages eingetroffen. Seit zehn Jahren, seit ich 2004 dort einen Roman veröffentlichte, bekomme ich diese Grußkarten zugeschickt, obwohl ich die Rechte an dem Buch schon längst zurück bekommen habe. Es zeigt mir, dass es noch Verlage gibt, die ihre Autoren regelrecht "pflegen". Um diese Zeit schreiben ja manche von uns gern ihren Jahresrückblick und ihren Ausblick auf das kommende Jahr. Ich möchte einfach nur mal sagen, wie ich mich momentan mit dem fühle, was ich mache. Gestern hat mich ein Skorpion gebissen. Ja, ich weiß, das ist der Titel eines bekannten Thrillers, aber so weit ist das Thema dann auch gar nicht weg von mir. Ich habe mir überlegt, was ich in der Zeit, in der ich auf die nächste Verlagsanwort warte, anfangen soll. Und kramte eine Idee heraus. Die schlummert schon seit Veröffentlichung dieses ersten Romans in mir. Ich war nur nie in der Lage, sie in eine passgerechte Form zu bringen. Das immer wieder neue Aufbranden von Gewalt in dieser Welt und das Wachsen des braunen Sumpfes haben mir dieses alte, immer gültige Thema wieder ins Bewusstsein gebracht. Dazu fiel mir eine Geschichte ein, die ich ebenfalls vor zehn Jahren schrieb und die von einem mysteriösen Flugzeugabsturz im südamerikanischen Urwald erzählte. Ich fing an zu recherchieren und bekam dabei immer heißere Ohren. Und schon war ich gebissen! Das Gift des Skorpions verbreitet sich langsam, aber unaufhaltsam in meinem Blut. Den ungefähren Verlauf habe ich im Kopf, die Idee ist aufgeschrieben. So viel sei verraten, dass die Geschichte in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts spielt und mit einer Reise nach Argentinien verbunden ist. In dieser Zeit wanderte mein Onkel nach Argentinien aus und betrieb als Verwalter eine Estancia. Ich war 1969 einige Monate dort und bereiste das Land bis in den äußersten Westen und den Norden. Ich erinnere mich genau daran, wie die Luft während der Überfahrt in einem Frachter nach Salz schmeckte, dass alles klebte, wie der Skunk in der Pampa aussah, wie sich das Gürteltier davon machte, höre noch das Krächzen der Papageien im Urwald, sehe den Wasserfall in die Tiefe donnern und schmecke die Sauce, die von den Gauchos zum Asado serviert wurde (Öl, Zitronensaft, Salz, Pfeffer, Chili).

Und wie war das Jahr, das unaufhaltsam seinem Ende entgegen geht? Allgemein, ich schrieb es schon, hat es mir beruflich-persönlich noch einmal einen richtigen Aufschwung gebracht. Bis April hatte ich meinen Schwarzwaldkrimi beendet und schickte ihn an meinen Hausverlag und eine Agentur. Keine Antwort des ersteren bzw. eine abschlägige der zweiten. Bis Juni war ich mit Herausgabe meines Verlagsebooks beschäftigt. Mit dem Verlauf bin ich, ehrlich gesagt, zufriedener als mit allem anderen davor. Aber es war ja auch fix und fertig lektoriert und korrekturiert. Bis Ende November, also sechs Monate lang, schrieb ich an meinem neuen historischen Krimi. Den habe ich vor  etwa einer Stunde, nach nochmaliger Korrektur des Exposés, zu einem E-Bookverlag geschickt. Bleibt noch die Frage, ob ich mich bei meinem "Teufelswerk" an einen Distributor wende oder ihn demnächst wieder bei Amazon KDP select anmelde. Es sind gerade (ohne select) keine Ausleihen mehr zu verzeichnen, dafür teilweise ein Ansteigen der Verkäufe. Der Ebookverlag arbeitet auch mit Kindle unlimited, wegen der Sichtbarkeit und Bekanntmachnung, so habe ich es verstanden.

Hier noch ein Interview mit Carla Berling, die von der Kleinverlagsautorin zur Selfpublisherin wurde: Autorin-Carla-Berling-kommt-ohne-Verlag-aus-und-setzt-stattdessen-auf-Amazon

Freitag, 12. Dezember 2014

Weihnachten, das verlorene Paradies

Nun, da das Fest der Feste wieder naht, ist es an der Zeit, mal wieder ein paar weihnachtliche Gedanken aus der Kiste zu zaubern. Es gab eine Epoche, da stand ich klein und blond und wundergläubig vor dem Weihnachtsbaum. Es war immer eine Edeltanne, oben war immer ein Stern angebracht, der Baum war immer mit Kugeln, Lametta, Geleekringeln und diesen Kringeln aus Bitterschokolade mit bunten Streuseln behangen. Einmal hing sogar ein Würstchen unten dran, für unseren schwarzbraunen Dackel, der natürlich danach schnappte, daran zerrte und schließlich den ganzen Baum umriss. Es brannten immer echte Kerzen, draußen rieselte der Schnee, mein Vater spielte Geige, meine Mutter Klavier, wir spielten rundbackig auf den Blockflöten, und mein Bruder sang. Und nachher gab es Karpfen, der aber nicht so gut ankam bei uns Kindern, später waren es Räucheraal, kleine graurosa Krabben, frisch gepult und mit dem unnachahmlichen Geschmack der Nordsee, roter Kryddersild, Glyngöresild und Makrelsalat mit viel Mayonnaise oben drauf. Ja, man wohnte eben ganz dicht an der dänischen Grenze. Dabei musste man aufpassen, überhaupt etwas vom Aal zu erwischen, die Portionen waren minimal bemessen. Am ersten Feiertag wurde eine Pute gebraten, von der jeder aber nur ein kleines Stück erhielt, da sie ja lange, man denke an die Kriegsjahre, vorhalten musste. Da stand ich nun vor dem Weihnachtsbaum und sagte mein Gedicht auf.
                           Markt und Straßen stehn verlassen,
                           still erleuchtet jedes Haus,
                           sinnend geh ich durch die Gassen,
                           alles sieht so festlich aus!
Erst viel später, als ich meinen ersten Roman schrieb, kam ich darauf, dass dieses Weihnachtsgedicht von Josef von Eichendorf stammt, dem Dichter der Romantik.
In der Zeit, als ich eine eigene Familie hatte, versuchte ich das Kinderfest perfekt zu kopieren und noch zu veredeln. Es stand wieder eine Edeltanne im Raum, wochenlang wurde vorbereitet, eingekauft, gelagert, gebacken, gekocht und eingelegt. Geleekringel inklusiv, selbstgebastelte Strohsterne und der Clou: selbst gezogene Bienenwachskerzen. Um den Kindheitstraum zu toppen, wurden dann abwechselnd zarte, kurz gebratene Stücke von der Rehkeule, nach Art des Zeit-Schmeckers Wolfram Siebeck und am ersten Feiertag die Pute serviert, die mein Vater sich jedoch unter den Nagel riss und jedem eine kleine Portion zuteilte. Wieso habe ich ihm eigentlich nicht das Tranchiermesser aus der Hand gerissen, ihm die Flügel auf den Teller gelegt und uns die Brust und die Keulen? Ich lasse mir heute noch jährlich einen Räucheraal schicken, um dieses kleine Trauma zu kompensieren.

Mein Sohn musste kein Weihnachtsgedicht aufsagen, es gab auch kein Klavier, keine Geige und schon gar keine Blockflöten.
                             An den Fenstern haben Frauen
                             Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
                             Tausend Kindlein stehn und schauen,
                             Sind so wunderstill beglückt.

Das muss man sich mal vorstellen, wenn heute die Smartphones, Tablets und Handys ins Fenster gehängt würden! Gerade lese ich ein wunderbares Buch des Reisejournalisten und Autors Rolf Neuhaus, erschienen bei Dumont: "Die letzten Tage der Wildnis. Eine Reise um die iberische Halbinsel." Darin sagt er, dass die Paradiese dieser Welt immer nur so lange Paradiese sind, bis man sie erreicht hat. Oder bis die Massen sie erreicht haben. Ein solches Sehnsuchts-Paradies scheint auch Weihnachten zu sein. Jeder trägt die Kinderbilder mit sich herum, jeder versucht, sich einen Zipfel vom Rock des Weihnachtsmanns zu erhaschen, der inzwischen mehr als alles andere zur kollektiven Konsum- und Comicfigur verkommen ist. Der Weihnachtstourismus steht mir vor Augen, in Rothenburg ob der Tauber gibt es einen berühmten Laden, in dem Japaner und Menschen aus aller Welt ganzjährig weihnachtliches Zubehör kaufen können. Sprach ich schon von den "German Weihnachtsmarkets", die sich in England zunehmender Beliebtheit erfreuen, so richtig mit Bratwurst, Glühwein und Lebkuchenherzen? Das Ende des Weihnachtsstresses kennen wir alle: Sie sitzen vereint unter dem Weihnachtsbaum, alles ist perfekt organisiert, der Braten kommt auf den Tisch oder die Würstchen mit Kartoffelsalat, wie hier in Schwaben üblich -und streiten, dass die Wände wackeln! Wahrscheinlich war das, was Eichendorf noch so romantisch beschrieb, einfacher und bekömmlicher:
                                      Und ich wandre aus den Mauern
                                      Bis hinaus ins freie Feld,
                                      Hehres Glänzen, heilges Schauern!

                                      Wie so weit und still die Welt!
Hat er vielleicht das Phänomen, das Rolf Neuhaus in seiner "Wildnis" beschreibt, vorausgeahnt? Sollte man nicht raus aus dem Haus, sich auf Reisen begeben, wandern in den Kreis der Edeltannen, anstatt sie aufzustellen, zu verkrüppeln und dann vernadeln zu lassen? Ich gebe zu, dass ich auf solch weihnachtsketzerische Gedanken komme, wenn ich die Massentannenhaltung sehe, wie sie zusammengequetscht in ihren Pferchen stehen, wenn ich die abgehetzten Gesichter sehe und die agressiven Huptöne höre. Dazwischen Glühweinduft, Bratwurstqualm und süßer klingende Glocken und Kassen. Und wenn jeder Einkauf, den man tätigen möchte, in einem Massenstau landet, selbst auf Nebenstraßen, selbst in den hintersten Winkeln, in die man sich vor der Massenhysterie flüchtet, ohne ihr entkommen zu können. Es ist Mode geworden, den Weihnachtsstress hinter sich zu lassen, indem man in die Berge, auf die Nordseeinseln, nach Rothenburg fährt oder in den Flieger nach Kreta steigt. Schon lang verlorene ehemalige Paradiese. Warum nicht essen, trinken, ein paar Kerzen anzünden, ein paar Edeltannenzweige oder einen Kirschbaumzweig aufstellen wie im 18./ 19. Jahrhundert, der mit Kringeln und roten Äpfeln behangen wird und bis zum Fest Blüten treiben soll - und dann raus in die Natur, bei jedem Wetter, ideal mit Pulverschnee natürlich, dem Paradies am nächsten! Aber Vorsicht, nicht weitersagen, das schadet der Weihnachtsindustrie und lockt vielleicht die Massen in neue, unbekannte paradiesische Winkel.

Montag, 8. Dezember 2014

Vom Glück "Ende" schreiben zu können!

Unabhängig von allen Irritationen habe ich, wie Sabine Schäfers es so schön in ihrem Blog Dies ist das Ende beschreibt, in der letzten Zeit weiter an meinem historischen Krimi aus dem 18. Jahrhundert geschrieben. Titel wird noch nicht preisgegeben. Dieser Roman hat mich die ganzen letzten Jahre begleitet, wurde dreimal neu konzipiert. Ursprünglich als Revolutionsroman einer Viererbeziehung geplant, auf süddeutschem Boden angesiedelt, ist es jetzt ein Roman in der vorrevolutionären Zeit, und es ist letztendlich eine Viererbeziehung darin zu erkennen. Die Figuren waren nämlich alle schon da, nur eine wurde rausgeworfen, eine kam neu hinzu. Eine Blogleserin namens Alexina hatte mich immer wieder ermutigt, ihn zu schreiben. Bis mein damaliger Agent den Riegel vorschob und meinte "Das geht gar nicht!" Nach der Veröffentlichung meines E-Books im Juni hatte ich mich wieder an diesen Roman gemacht. Und bin durch ganz spannende Prozesse und historisch dunkle Zeiten gegangen. Bis zum Schluss wusste ich nicht, wer von den Beteiligten sterben würde. Jetzt ist er für mich rund, und ich bin so zufrieden und happy wie immer nach Beendigung eines größeren Textes. Es ist mein neunter Roman, der zweite Unveröffentlichte.

Den Versuch, selbst ein Buch bei einem Verlag unterzubringen, habe ich nun endgültig aufgegeben. Ohne Agent wird man nicht wahrgenommen, außer bei sehr kleinen Verlagen. Der neue historische Krimi wurde bisher noch nirgends angeboten, der Jetztzeitkrimi beim Hausverlag, einer Agentur und bei Emons. Bevor ich beide selbst veröffentliche, versuche ich es mit dem Neuen wahrscheinlich noch einmal bei zwei Agenturen. Doch das ist Zukunftsmusik. Erst einmal genieße ich das Gefühl, wieder einmal etwas zu einem Ende gebracht und eine ganze Zeit mit meinen Figuren gelebt zu haben. Musik, Kochen, Aufräumen, Einkaufen, Kaffee trinken, Wandern im Schwarzwald, das ist jetzt die Devise!

Sonntag, 7. Dezember 2014

Kurzmeldung: Preiserhöhung bei Amazon

Bei einem meiner E-Books (Teufelswerk) ist der Preis von Amazon schon wegen der kommenden Mehrwersteuer  von 3% auf 19% erhöht worden. Von 3,99 auf 4,34 Euro, eine absolut schiefe Zahl. Frage: Ist das bei allen so? Und wie sollte man darauf reagieren?

Samstag, 6. Dezember 2014

Autoren wie Orchideen

Gestern las ich einen Artikel über das, was wirklich wichtig sein kann im Leben eines Menschen. Da konnte man sondieren, ob wohl das abendliche Fernsehprogramm wichtig ist und was die Leute von mir denken. Ob nicht die Beziehungen zur Familie und zu Freunden wichtiger ist als, jetzt mal frei Schnauze, das Ranking bei Amazon oder die Höhe des Bücherstapels im Buchladen. Und die Gesundheit, natürlich. Also habe ich mal über die wirklich wichtigen Dinge in meinem Leben nachgedacht. Dazu gehören, abgesehen von den oben genannten Dingen, die Arbeit mit Menschen, die in ihrer Entwicklung auf irgendeine Weise gestört sind sowie selbstverständlich das Schreiben. Für jemanden, der vom Schreiben lebt, ergeben sich ganz andere Gewichtungen. Für den kann der Bücherstapel oder das Ranking überlebenswichtig sein. Oder die Präsenz als Self Publisher in anderen Läden als dem Riesen Amazon.

Die Sichtung des einen oder anderen Distributors hat für mich ergeben, dass ich mich eigentlich bei keinem so richtig heimisch fühlen würde. Nichtsdestoweniger bin ich da weiterhin offen. Das Jahr 2014, das jetzt allmählich zu Ende geht, hat meine "Karriere" als "Hybridautorin" gefestigt. Das heißt, ich habe ein zweites Verlagsbuch selbst als E-Book herausgebracht und bin mit der Entwicklung sehr zufrieden. Die Verkäufe sind kontinuierlich, es gibt keine August-, November- oder Urlaubseinbrüche. Der finanziell erfolgreichste war allerdings der Ferienmonat Juli. Jetzt stehe ich kurz vor Beendigung meines historischen Krimis, der wie mein Schwarzwaldkrimi in keine Verlagsschubladen zu passen scheint. Den werde ich im neuen Jahr als ersten in Angriff nehmen. Werde mir einen passenden Lektor/ eine passende Lektorin suchen, eine gute Grafikerin habe ich ja schon. Die müssen natürlch auch Kapazitäten frei haben. Der historische Krimi wird an die 350 Seiten haben, der andere Krimi knapp 300.

In diese Überlegungen fiel dann wie ein reifer Apfel der Gastbeitrag des Schriftstellers und Bloggers Stefan Waldscheidt: Der Hybridautor als Modell für die Zukunft in Matthias Mattings Selfpublisherbibel. Beim Wort "Hybrid" denke ich immer zuallererst an Orchideen. Auch unsere heimischen Orchideen wie die Ragwurz können Hybriden bilden. Nehmen wir einmal die Bienenragwurz, die inmitten ihrer Blüte eine Biene nachgebildet hat, um Insekten anzulocken. Diese Ragwurz kann mutieren zu einem Mischling oder Bastard aus Bienen- und Hummelragwurz. Oder Spiegel - und Spinnenragwurz. Eine Fliegenragwurz kann breitere Fliegen hervorbringen und ist somit eine Hybride. Aber kommen wir wieder weg von der Botanik. Ein Hybridautor ist ein Misch-Autor, der sowohl bei Verlagen als auch selbst veröffentlicht. Die Vorteile beider Seiten und vor allem der Mischung hat Stefan Waldscheidt noch einmal sehr schön zusammengefasst. Es geht ja nicht um die Veröffentlichung um jeden Preis, sondern auch um Selbstbestimmung. Diese Vorteile habe ich auf sehr angenehme Weise erfahren. Vor allem kann man meist viel stärker hinter dem eigenen Cover und Klappentext stehen als hinter dem von Verlagen. Einen weiteren gewaltigen Vorteil möchte ich noch hinzufügen: Die Bücher in den Buchhandlungen verschwinden heutzutage innerhalb von ein bis zwei Monaten wieder. Am längsten lag meine Nonne und Hure dort, nämlich neun Monate. Aber das ist Schnee von gestern. Die E-Books haben zumindest die Chance, dauerhaft gesehen zu werden. In welchen Fenstern sie dann liegen, ist eine Frage der Quantität und der Vermarktung. Und das Wichtigste ist und bleibt für mich das Schreiben.

Und hier noch das Schmankerl des Tages, in aller Munde: Was ist Schreiben von Nina George, gehalten als Rede zur Eröffnung der Schreibtage 2014 in Berlin-Wannsee, veröffentlicht bei den Bücherfrauen. Super guter Artikel, in dem sich jeder Autor wiederfinden kann. Besonders auch die Kleinmacher und der Gedanke "Das will je eh keiner lesen." als Folge davon. Eine umfangreiche, spannende Lektüre für Gefühl und Verstand, eine geschichte zu dem Phänomen, wie man seinen Schreib-Raum gegen den Rest der Welt verteidigt.


Montag, 1. Dezember 2014

Stichtag 1.1. 2015: Autor verdient weniger oder der Käufer zahlt mehr

Kürzlich habe ich mal meine Termine bei KDP select angschaut. "Teufelswerk" läuft bis zum 5.12. unter KDP select und wird dann automatisch um 90 Tage verlängert, wenn ich das Häkchen nicht rausnehme. "Eduard Mörike" geht noch bis zum 29. Januar. Jetzt lese ich mich in den Stand der Erfahrungen ein, die mit anderen Anbietern gemacht wurden. Einiges haben Matthias Matting und Johannes zum Winkel zusammen getragen. Kein leichtes Unterfangen, wie mir scheint. Dazu kommen zwei weitere Neuerungen: Wie schon erwähnt, machen die unbeschränkten Ausleihen von Kindle unlimited Rabattaktionen überflüssig. Dann werden die Preise der E-Books ab 1. Januar durch die neuen Mehrwertsteuerbestimmungen erhöht. Mein Buch würde dann automatisch von einem Preis von 3,99 auf 4,63 erhöht. (bisherige MWST von 3% + 16% MWST Deutschland-19%). Dazu noch ein Artikel aus dem Literaturcafé: Was Sie ab Januar 2015 beachten müssen. Demnach müsste ich, wenn ich jetzt einen Distributor suche, meine E-Books gleich auf 4,63 Euro erhöhen-der Distributor gleicht das dann auch bei Amazon an. Dann wären die Preise in allen Läden gleich. Fragt sich nur, welcher Distributor -Bookrix, Neobooks? Bookrix sei auf Platz 1 der Selfpublisherbibel von Matthias Matting, steht da. Note 2,14.

Hier noch der Link zur Tabelle mit dem Vergleich aller Distributoren: (2013, Self Publisherbibel) Distributoren im Vergleich.


Das blaue Band

Frühlingsspaziergang am Neckar Jetzt ist er endlich da, der "richtige" Frühling! Und tatsächlich liegt eine Art blaues Band üb...