Dienstag, 28. Oktober 2014
Das eigene Buch drucken lassen
Gestern erhielt ich von Amazon Create Space die freundliche Einladung, mein E-book doch von ihnen drucken zu lassen. Natürlich kenne ich diese Möglichkeit schon seit Langem. Es gibt ja viele Leser und Leserinnen, die ein Buch lieber mit seinem Echtgewicht in der Hand halten, ich eingeschlossen. Manchmal, wenn ich die Amazonseiten von Kollegen und Kolleginnen besucht habe, sah ich auch, dass das jeweilige Buch in gedruckter Form vorlag beziehungsweise als "Book on Demand" druckbereit vorgehalten wurde. Es schien mir so, als seien die Ebooks die weitaus gefragteren, schon allein wegen des Preises. Das gedruckte Verlagsbuch, das meinem Teufelswerk zugrunde liegt, lag heute Morgen bei einem Ranking von 1.262.754, während das E-Book ein Ranking von 3.191 verzeichnet, dazu Platz 19 bei "historische Krimis". Das Verlagsbuch kostet 14,90 E, das E-Book 3,99 E (könnte auch 2,99 E kosten). Das E-Book hat also das Verlagsbuch nicht mitgezogen (eher die E-Books der historischen Romane). Dieses Buch könnte ich sowieso nicht drucken lassen, weil ich die Printrechte nicht habe. Aber wie ist es mit künftigen E-Books? Sollte man da gleich die Druckversion anbieten oder warten, bis sich Leser melden, die es lieber in dieser Form haben wollen?
Samstag, 18. Oktober 2014
Sprung ins SP-Vergnügen?
Gestern waren wir mal wieder in Tübingen, der alten Universitätsstadt, in der ich sieben Jahre lebte und studierte und die so manchem historischen Roman von mir als Kulisse diente. Die Farben der Gebäude und des Himmels sahen aus wie frisch gewaschen, im Gerberviertel prangten späte Rosen und Kalkastern in den Gärten, der Ammerkanal führte viel dunkel gefärbtes Wasser. Ich hatte in einem Second-Hand-Buch-und Musikladen bei der Jakobuskirche drei Bände von Dostojewski sowie einige andere gute Bücher erstanden. Da war doch mal was, dachte ich, als wir vor dem Rathaus saßen, Kaffee tranken und den Mädels zusahen, die sich auf Stöckelschuhen über das Kopfsteinpflaster quälten. Im "Lamm" da gegenüber, heute eine Begegnungsstätte, tummelten sich die Studenten und die schwäbischen Dichter, an der Ecke gegenüber der alten Mayerschen Apotheke hat der Dichter Hermann Kurz gewohnt. Ja, ich hatte vor meinem Urlaub achtzig Seiten eines historischen Krimis geschrieben, und ich wollte abwarten, ob sich der Verlag wegen meines Jetztzeit-Krimis (auch mit dem Schauplatz Tübingen) meldet. Der Verlag hat mich wohl vor lauter Buchmesse vergessen. Also packte ich gestern Abend meinen historischen Krimi aus, druckte die letzten zwanzig Seiten und korrigierte. Einige Tage hatte ich es noch vor mir hergeschoben, aber jetzt hat es mich wieder gepackt! Ich beweihräuchere mich nicht gern, aber ich finde den Text frisch, abenteuerlich, spannend und teilweise auch witzig. Also mache ich da weiter. Den Jetztzeitkrimi kann ich eigentlich zur Seite legen, denn so vielen Verlage und Agenten ich ihn auch anbiete, so wird doch keiner wagen, den Genrewechsel zu vollziehen. Es wird also der ideale Kandidat fürs SP-Vergnügen sein! Einen Roman fertigschreiben und gleichzeitig einen anderen zu veröffentlichen wäre mir zu mühsam. Vielleicht kann ich nächstes Jahr beide kurz hintereinander auf den SP-Markt werfen. Dann habe ich auch bloß noch einige Monate zu arbeiten und mein Berufsleben zu einem guten Ende zu bringen.
Auf der Suche nach dem neuesten Stand beim SP fand ich den Blog der Frankfurter Buchmesse vom September, in dem Trends des Self Publishing diskutiert werden. Allein 2014 sei der Marktanteil um 35% gestiegen, die Self Publisher würden immer professioneller, mit immer besser lektorierten Büchern und aussagekräftigen Covern. Und wichtig sei es, in möglichst vielen Kanälen die Bücher sichtbar zu machen. Gleichzeitg verliert Social Media nicht seine Bedeutung. Die Buchhändler müssten den Trend erkennen und für sich und die Autoren nutzen. Irgendwo habe ich ein Vögelchen zwitschern gehört, dass die ganzen Hebammen, Hexen und Henkerstöchter bei den Verlagen nicht mehr so gefragt seien, dafür andere historische Stoffe.
Auf der Suche nach dem neuesten Stand beim SP fand ich den Blog der Frankfurter Buchmesse vom September, in dem Trends des Self Publishing diskutiert werden. Allein 2014 sei der Marktanteil um 35% gestiegen, die Self Publisher würden immer professioneller, mit immer besser lektorierten Büchern und aussagekräftigen Covern. Und wichtig sei es, in möglichst vielen Kanälen die Bücher sichtbar zu machen. Gleichzeitg verliert Social Media nicht seine Bedeutung. Die Buchhändler müssten den Trend erkennen und für sich und die Autoren nutzen. Irgendwo habe ich ein Vögelchen zwitschern gehört, dass die ganzen Hebammen, Hexen und Henkerstöchter bei den Verlagen nicht mehr so gefragt seien, dafür andere historische Stoffe.
Montag, 13. Oktober 2014
Eine Herbstreise nach Madeira
Fußreisen und Meer auf Madeira.
Mittwoch, 1. Oktober 2014
Ein Fantasyautor des 18./19. Jahrhunderts
Oder sagen wir lieber "Phantastikautor". Der Schriftsteller E.T.A. Hoffmann (1777-1822) hat mich schon seit meiner frühesten Jugend angezogen, vor allem seine "Nachtseite der menschlichen Existenz". Immer wieder habe ich einiges von ihm gelesen, zuletzt "Die Elixiere des Teufels". Jetzt fiel mir, von irgendeinem Antiquariat, eine Biografie über E.T.A. Hoffmann von Rüdiger Safranski in die Finger. Zugegeben, es war nicht immer einfach zu lesen, aber es war zehnmal spannender, über diesen kleinen, von der Natur so benachteiligten Autor zu lesen als die Ausflüge, die ich zwischendurch in die Spiegel-Bestseller-Thrillerliteratur gemacht habe. Seine Werke entstanden mehr "nebenbei", denn sein Hauptanliegen war es, große Musikwerke zu schaffen, das heißt, Texte anderer in Opern umzukomponieren. Seine "Undine" schaffte es schließlich auch, etliche Male gespielt zu werden. Nach kargen Jahren stellte sich der Erfolg ein, neben seiner Tätigkeit als preußischer Regierungsrat war er in Berlin ein gefeierter Autor und kannte alle literarischen Größen seiner Zeit. Einer Zeit, in welcher der Unterhaltungsroman in Mode kam, geprägt von der napoleonischen Besatzung und den ersten Burschenschaften, die auf die Einheit der Deutschen hinarbeiteten. So musste Hoffmann auch ein Gutachten über Turnvater Jahn erstellen, was aber zu Gunsten Jahns ausfiel. Das und einige andere aufrührerische Dinge führten dazu, ihn an eine entfernte Stelle zu versetzen, was er nicht lange überlebte. Eine vom Rücken ausgehende Lähmung machte sich wieder bemerkbar, die im Jahr 1822 zu seinem Tode führte. Noch auf dem Totenbett komponierte er Opern und diktierte die Neufassung eines Textes, die er schon lange hinausgeschoben hatte.
Sein Vorbild war die Gotic Novel des Matthew Gregory Lewis. Meine Bewunderung gilt Hoffmann nicht nur wegen seines unermüdlichen Schaffens, seines Humors, seiner überschäumenden Phantasie und seiner Verdichtungen der Nachtseite des menschlichen Lebens. Ich habe mich in seinen Texten immer irgendwie wiedergefunden, gerade weil es dort auch Mord und Totschlag, Gespenster und psychiatrisch auffällige Gestalten gibt. Letztere konnte er aufgrund der Freundschaft mit zwei Ärzten so gut beschreiben. Auf jeden Fall werde ich mich noch ein wenig mit seinen Werken beschäftigen, derweil ich weiter im 18. Jahrhundert, vielleicht auch bald wieder im 19. Jahrhundert herumwildere.
Siehe auch "Baden-Baden - eine Stadt zum Sterben schön"
Freitag, 19. September 2014
Mein Weg zur Romantik
In den letzten Tagen habe ich etwas festgestellt, das ich eigentlich schon immer gewusst habe, was aber im allgemeinen Lebensaufundab wieder verschwand. Ich bin und bleibe eine hoffnungslose Romantikerin. Wie kam es dazu, an welchem Punkt meines Lebens wurde die Weiche gestellt, und wer hat das veranlasst? In der Schule haben wir einst viele Klassiker gelesen. An einige, aber besonders an eine Schrift erinnere ich mich heute noch sehr gut. Es waren "Die Nachtwachen des Bonaventura". In meinem Langzeitgedächtnis sind ein paar Fetzen davon vorhanden geblieben: ein Sturm, der oben in den Lüften zu brausen beginnt, Wolken, die am Mond vorbei über den Himmel jagen, ein Nachtwächter, der umhergeht und auf die absurdesten Gedanken kommt, eine Braut in weißem Tüllkleid, bei deren Anblick der Betrachter an Sarg, süße Blumendüfte und Beerdigung denkt, ein Ansatz, der alles ad absurdum führt. Unser Lehrer hatte uns das Buch als Beispiel für "den Nihilismus in der Romantik" nahegebracht, nachdem wir alle Schelmenromane von Grimmelshausens "Simplicissimus" über den "Taugenichts" von Joseph Eichendorf bis Thomas Manns "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" durchgenommen hatten. Es muss mich tief beeindruckt haben, denn zwei meiner ersten Geschichten, die ich geschrieben habe, vermitteln dieses schaurig-romantische Ambiente. Aus Neugier habe ich jetzt mal geschaut, was seitdem mit diesem Werk in der Bücherwelt passiert ist und wer oder was eigentlich dahintersteckt. Und habe es auch prompt bei Amazon gefunden, mit Neuausgaben, Rezensionen, Verkaufsrängen usw. Jetzt konnte ich also noch ein wenig darüber erfahren, dass es zum Beispiel Clemens Brentano, Caroline Schelling oder E.T.A. Hoffmann zugeschrieben wurde. In Wirklichkeit steckte ein Theaterdirektor namens August Klingemann (1777-1831) dahinter. Sein Stil soll sogar den von Dostojewski beinflusst haben.
Dieses Werk beeindruckte mich im zarten Jugendalter tatsächlich so stark, dass mein erster Roman ein biografischer über den spätromantischen Dichter Eduard Mörike (1804-1875) wurde. Über Grimmelshausen kam ich ins siebzehnte Jahrhundert, machteAusflüge ins fünfzehnte und sechzehnte sowie in die Jetztzeit, bis ich nun wieder im Kern der Romantik gelandet bin, nämlich im Jahr 1786. (Die romantische Phase reichte etwa von 1777-1831). Und ich schlage mich mit allen romantischen Begriffen und Zuständen herum, die um jene Zeit prägend waren: Gespenster, Séancen, Geisterseher, Geheimgesellschaften, Willkür der absolutistischen Herrscher, Studenten im Karzer, Dichter in dunklen Verliesen, letzte Wölfe, die in den Wäldern gejagt wurden, Räuberbanden, Vorboten der französischen Revolution, fahrende Händler und Kräutermixer, Kesselflicker, Zahnbrecher und Nachtwächter, die nicht nur die Stunden ausriefen, sondern auch in viele dunkle Ecken und Abgründe schauten. Insofern ist diese Romantik für mich nicht nur ein Eskapismus, eine ideelle Flucht aus den desillusionierenden Zeiten, sondern auch eine Strömung, die sich mit den menschlichen Abgründen befasst hat. Und irgendwie scheine ich dieser Richtung verpflichtet zu bleiben, sei es im historischen Roman, im Kriminalroman oder im Sachbuch. Ein sehr gutes Buch über die Romantik hat übrigens Rüdiger Safranski geschrieben: Romantik. Eine deutsche Affäre.
Dieses Werk beeindruckte mich im zarten Jugendalter tatsächlich so stark, dass mein erster Roman ein biografischer über den spätromantischen Dichter Eduard Mörike (1804-1875) wurde. Über Grimmelshausen kam ich ins siebzehnte Jahrhundert, machteAusflüge ins fünfzehnte und sechzehnte sowie in die Jetztzeit, bis ich nun wieder im Kern der Romantik gelandet bin, nämlich im Jahr 1786. (Die romantische Phase reichte etwa von 1777-1831). Und ich schlage mich mit allen romantischen Begriffen und Zuständen herum, die um jene Zeit prägend waren: Gespenster, Séancen, Geisterseher, Geheimgesellschaften, Willkür der absolutistischen Herrscher, Studenten im Karzer, Dichter in dunklen Verliesen, letzte Wölfe, die in den Wäldern gejagt wurden, Räuberbanden, Vorboten der französischen Revolution, fahrende Händler und Kräutermixer, Kesselflicker, Zahnbrecher und Nachtwächter, die nicht nur die Stunden ausriefen, sondern auch in viele dunkle Ecken und Abgründe schauten. Insofern ist diese Romantik für mich nicht nur ein Eskapismus, eine ideelle Flucht aus den desillusionierenden Zeiten, sondern auch eine Strömung, die sich mit den menschlichen Abgründen befasst hat. Und irgendwie scheine ich dieser Richtung verpflichtet zu bleiben, sei es im historischen Roman, im Kriminalroman oder im Sachbuch. Ein sehr gutes Buch über die Romantik hat übrigens Rüdiger Safranski geschrieben: Romantik. Eine deutsche Affäre.
Mittwoch, 10. September 2014
Die Onleihe bei VG Wort
Dies ist eine Info speziell für Autoren. Wahrscheinlich jeder von uns kennt die VG Wort, die Verwertungsgesellschaft, mit der man einen Vertrag schließt und so unter normalen Bedingungen, also mit einem oder mit ein paar Büchern in den Genuss eines jährlichen Schecks der Sonderausschüttung "Bibliothekstantiemen" kommt. Nehmen wir mal mich als Beispiel. Es dauerte ganze vier Jahre, bis ich das erste Mal so einen Scheck bekam. Der reichte für uns zwei zum Pizzaessengehen. War aber trotzdem eine Freude. Die nächsten Male war es schon dreistellig. Inzwischen sind die Bücher ja längst aus den Buchhandlungen verschwunden, sind aber weiter in den Bibliotheken vorhanden. Und seit die Backlist durch Ebooks neu belebt wird, sind sie nun auch in den vielen Onleihe-Bibliotheken auszuleihen. Auf meine Frage, ob die bei der Bibliothekstantieme berückscihtigt werden, antwortete mir VGWort vor einiger Zeit, nur, wenn sie nicht DRM-geschützt seien.
Ich habe jetzt mal die Probe aufs Exempel gemacht und die Onleihe-Bibliotheksverbände der Bundesrepublik, der Schweiz und Östereichs durchforstet. Dort sind alle meine Aufbau-Bücher vertreten, und zwar nicht DRM-geschützt. Das habe ich VG Wort eben mitgeteilt-mal sehen, was sie dazu sagen. In diesen Onleihe-Bibliotheken werden die Bücher übrigens auch mit Sternen bewertet. Ganz interessant für mich, dass "Die Nonne und die Hure" sowie "Die Köchin und der Kardinal" dabei am meisten 4 oder 5 Sterne haben. Meine Kleinverlagsbücher und die Amazon KDP-Ausgaben fanden allerdings keinen Eingang in diese Portale.
Ich habe jetzt mal die Probe aufs Exempel gemacht und die Onleihe-Bibliotheksverbände der Bundesrepublik, der Schweiz und Östereichs durchforstet. Dort sind alle meine Aufbau-Bücher vertreten, und zwar nicht DRM-geschützt. Das habe ich VG Wort eben mitgeteilt-mal sehen, was sie dazu sagen. In diesen Onleihe-Bibliotheken werden die Bücher übrigens auch mit Sternen bewertet. Ganz interessant für mich, dass "Die Nonne und die Hure" sowie "Die Köchin und der Kardinal" dabei am meisten 4 oder 5 Sterne haben. Meine Kleinverlagsbücher und die Amazon KDP-Ausgaben fanden allerdings keinen Eingang in diese Portale.
Sonntag, 31. August 2014
Der Dreiundneunzigjährige, der aus dem Auto stieg ...
Heute regnet es permanent wie aus Kübeln, und ich habe unendlich Zeit für mich. Kann alles erledigen, was schon lange liegengeblieben war, kann TerraX gucken, mich mal wieder bei Facebook umschauen, was Schönes kochen und schreiben. Eigentlich ist es die Zeit des Altweibersommers, wenn morgens der Nebel aus dem Tal aufsteigt, Spinnweben in den Hecken hängen und sich das Laub allmählich bunt verfärbt. So hielt es uns gestern nicht mehr in der kalten Stube, wir landeten auf den Feldern, Wiesen und Wäldern oberhalb des Neckars bei Oberndorf (Ja, das Oberndorf mit der Waffenfabrik Heckler&Koch, über dessen Lieferungen gerade poltisch verhandelt wird). Bei der Suche nach dem Weg zum Trauf parkten wir an einer Wegkreuzung mit spätsommerlich verfärbten Gärten. Ich sah einen Mann recht schwungvoll aus einem Auto steigen. Er zückte seine Nordic -Walking -Stöcke und wanderte los.
"Ein schöner Tag zum Laufen, nicht wahr?", rief mein Begleiter ihm zu. Erst beim dritten Mal reagierte der Mann.
"I muaß laufe", sagte er. "Bin gestern aus dem Krankenhaus komme, Operationen, brauche Sauerstoff."
"Das ist recht", meinte mein Begleiter. "Nur net einroste."
Der Mann wurde gesprächig, zeigte uns einen Rundweg, den wir laufen konnten.
"Bin 93 jahre alt", gestand er stolz.
Wir waren baff. Ein Auto fuhr langsam vorbei.
"93 Jahre!", rief mein Begleiter den Insassen zu. "Wenn das kein Vorbild ist!"
Dann liefen wir los.
"Ja, ihr seid etwas schneller", sagte der Mann und stapfte voran.
Wir liefen unsere lange Runde zwischen Maisfeldern hindurch, an deren Rändern Sonnenblumen standen. Sie hatten ihre Gesichter von der Sonne abgewandt.
"Vielleicht gucken sie nur nach Osten, wo die Sonne aufgeht", vermutete ich. In den Wäldern standen massenhaft Pilze, die aus dem triefenden Moos geschossen waren. In der Ferne rotdachige Häuser und die blaue Mauer der schwäbischen Alb. Ganz unspektakulär, das alles, und doch unvergesslich. Ich habe das Buch "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" nicht gelesen, aber ich vermute, dass diesen Erdenbürger dasselbe antrieb wie unseren Wanderer: Es ist nie zu spät, noch einmal loszugehen.
"Ein schöner Tag zum Laufen, nicht wahr?", rief mein Begleiter ihm zu. Erst beim dritten Mal reagierte der Mann.
"I muaß laufe", sagte er. "Bin gestern aus dem Krankenhaus komme, Operationen, brauche Sauerstoff."
"Das ist recht", meinte mein Begleiter. "Nur net einroste."
Der Mann wurde gesprächig, zeigte uns einen Rundweg, den wir laufen konnten.
"Bin 93 jahre alt", gestand er stolz.
Wir waren baff. Ein Auto fuhr langsam vorbei.
"93 Jahre!", rief mein Begleiter den Insassen zu. "Wenn das kein Vorbild ist!"
Dann liefen wir los.
"Ja, ihr seid etwas schneller", sagte der Mann und stapfte voran.
Wir liefen unsere lange Runde zwischen Maisfeldern hindurch, an deren Rändern Sonnenblumen standen. Sie hatten ihre Gesichter von der Sonne abgewandt.
"Vielleicht gucken sie nur nach Osten, wo die Sonne aufgeht", vermutete ich. In den Wäldern standen massenhaft Pilze, die aus dem triefenden Moos geschossen waren. In der Ferne rotdachige Häuser und die blaue Mauer der schwäbischen Alb. Ganz unspektakulär, das alles, und doch unvergesslich. Ich habe das Buch "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" nicht gelesen, aber ich vermute, dass diesen Erdenbürger dasselbe antrieb wie unseren Wanderer: Es ist nie zu spät, noch einmal loszugehen.
Samstag, 23. August 2014
Amazon, mein Buchmarkt und meine Lorbeerträume
Gerade in MatthiasMattings "Selfpublisherbibel" gefunden:Warum es keinen fairen Buchmarkt gibt. Das war für mich das Klarste und Vernünftigste, was ich bisher über dieses Thema gelesen habe. Mal ganz persönlich betrachtet: Waren die Verlage bisher fair zu mir? Ja, sie haben (fast) alles erfüllt, was vertraglich ausgemacht war: Sie haben meine Bücher gelesen, lektoriert, korrektoriert, ein Cover und einen Klappentext gemacht und dafür gesorgt, dass es in die Buchhandlungen gekommen ist. Auch das eine oder andere Extra an Werbung hat es gegeben. Es gab Lektoren, zu denen ich in den Verlag oder nach Hause gekommen bin, es gab welche, die zu mir gekommen sind und wiedrum welche, mit denen ich mich nur über Emails ausgetauscht habe. Mit einigen habe ich stundenlang telefoniert. Der Vorschuss wurde immer mit den Ergebnissen der folgenden Bücher verrechnet. Absolut fair und ganz im Sinne der Verlage. Fair ist es vielleicht nicht, Autoren so lange auf Antworten und Entscheidungen warten zu lassen, aber es scheint betriebsbedingt unumgänglich. Seit ich die Entscheidungsmöglichkeit habe, selbst zu veröffentlichen, brauche ich nicht mehr so lange zu warten. Wenn ich keine Lust mehr habe, auch, wenn ich keine Lust mehr habe, Manuskripte auszudrucken und herumzuschicken, engagiere ich einen Lektor (kenne inzwischen etliche!) und eine meiner Grafikerinnen und lege los. Alles verlagert sich dann auf meine, die selbstverlegerische Seite. Das Geld für das letzte Cover war in einem Monat wieder drin. Und ich glaube, je mehr qualitativ gute Bücher ich herausbringe, desto eher wird sich das alles ammortisieren. Ich habe mit Amazon einen Alternativanbieter und könnte es auf die Dauer auch noch mit anderen Distributoren versuchen. Und selbst wenn Amazon mit unlauteren Methoden arbeitet und demnächst den Autorenanteil auf 35% senken sollte, so sind das immer noch zehn Prozent mehr als das, was ich bei Verlagen für E-Books bekomme. Alle kapitalistisch orientierten Händler haben Lockangebote, später gehen die Preise dann wieder hoch. Durch diese Änderung in den Buchmarktbedingungen habe ich jetzt plötzlich wieder Zeit. Ich muss nicht mehr viel Aufwand in die Bewerbung meiner Bücher stecken, im Gegenteil, ich habe mehr Zeit als je zuvor. Zeit zum Schreiben, zum Shoppen, zum Wandern, so das Wetter mitmacht, und Zeit zum Träumen. In Frankfurt kam der Plan zustande, zusammen mit meinem Sohn David nach Madeira zu fliegen - Anfang Oktober, wenn Land und Meer noch warm sind vom ewigen Frühling und vom langen Sommer. Dort gibt es ganzjährig Blumen und blühende Bäume, man kann Levadawandern, schwimmen, fotografieren und einfach relaxen (chillen). Dabei entdeckte ich, dass zwei meiner ersten Kurzgeschichten von 2001 (in jenem Jahr war ich nämlich erstmalig auf Madeira) mit den Titeln "Lorbeerträume" und "Der Sturm" auf Madeira spielen. Vielleicht wird mein Traum vom Wander-und Reisebuch doch noch einmal wahr. Und wann immer ich wirklich Zeit und Lust dazu haben werde, nehme ich den Anbieter, mit dem ich es am besten verwirklichen kann.
Mittwoch, 13. August 2014
Interview mit Tintenhexe: Autoren sind der Kern des Buchbetriebs!
Heute ist das Interview erschienen, das die Buchbloggerin Tintenhexe vor einigen Wochen mit mir geführt hat. Christa S. Lotz spricht über ihre historischen Romane und das Schreiben
Es hat mir Spaß gemacht, die Fragen zu beantworten, und es hat ebenso Spaß gemacht, es noch einmal durchzulesen. Und es klingt alles so schön und verlockend, dass ich gern da weitermachen würde, wo ich damals aufgehört habe. Herzlichen Dank an Tintenhexe! Im Interview mit Sabine Schäfers habe ich noch gesagt, dass ich gerade eine längere Schreibpause mache. Die ist seit einigen Tagen vorbei, der 18.-Jahrhundert-Krimi hat mich wieder gepackt, zumindest so, dass ich jeden Tag ein wenig schreibe, Tendenz steigend. Hier die letzte Frage und meine Antwort darauf, das weitere Schreiben betreffend. Die Zukunft hat ihr Licht schon vorausgeworfen, als ich das schrieb.
Was erscheint als Nächstes
von dir?
Im Juni erscheint mein E-Book „Teufelswerk“, das im Jahr 2011 als Printausgabe eines kleinen Verlages veröffentlicht wurde, unter dem Titel „Das Vermächtnis des Bischofs“. Davon wird es auch keine weitere Printausgabe geben, weil ich nur die E-Bookrechte habe. Was dann als Nächstes erscheint, ist noch offen. Wahrscheinlich ist es der Schwarzwälder Psychokrimi „Martinsmorde“ bei einem Verlag oder als selbst publiziertes E-Book. Im letzteren Fall bräuchte ich dann noch eine Designerin für das Cover, einen guten Lektor und ein Korrektorat. Dabei sehe ich optimistisch in die Zukunft, denn Autoren sind der Kern des Buchbetriebes und werden es bleiben, egal, wohin sich das Ganze noch entwickeln wird.
Letzter Eintrag: Jeff Bezos, Amazon: Jagd auf die Gazellen
Es hat mir Spaß gemacht, die Fragen zu beantworten, und es hat ebenso Spaß gemacht, es noch einmal durchzulesen. Und es klingt alles so schön und verlockend, dass ich gern da weitermachen würde, wo ich damals aufgehört habe. Herzlichen Dank an Tintenhexe! Im Interview mit Sabine Schäfers habe ich noch gesagt, dass ich gerade eine längere Schreibpause mache. Die ist seit einigen Tagen vorbei, der 18.-Jahrhundert-Krimi hat mich wieder gepackt, zumindest so, dass ich jeden Tag ein wenig schreibe, Tendenz steigend. Hier die letzte Frage und meine Antwort darauf, das weitere Schreiben betreffend. Die Zukunft hat ihr Licht schon vorausgeworfen, als ich das schrieb.
Im Juni erscheint mein E-Book „Teufelswerk“, das im Jahr 2011 als Printausgabe eines kleinen Verlages veröffentlicht wurde, unter dem Titel „Das Vermächtnis des Bischofs“. Davon wird es auch keine weitere Printausgabe geben, weil ich nur die E-Bookrechte habe. Was dann als Nächstes erscheint, ist noch offen. Wahrscheinlich ist es der Schwarzwälder Psychokrimi „Martinsmorde“ bei einem Verlag oder als selbst publiziertes E-Book. Im letzteren Fall bräuchte ich dann noch eine Designerin für das Cover, einen guten Lektor und ein Korrektorat. Dabei sehe ich optimistisch in die Zukunft, denn Autoren sind der Kern des Buchbetriebes und werden es bleiben, egal, wohin sich das Ganze noch entwickeln wird.
Letzter Eintrag: Jeff Bezos, Amazon: Jagd auf die Gazellen
Sonntag, 10. August 2014
Amazons Spähauge und ich
Gestern verschlug es uns mal wieder nach Weil der Stadt. Draußen, hinter der alten Stadtmauer, war ein kleiner Tisch mit Büchern aufgebaut. Eine große, schlanke, ältere Frau im roten Kleid durchsuchte sie mit spitzen Fingern.
"Alles schon gelesen" stellte sie mit einem Seufzer fest. "Kürzlich habe ich ein Buch in den Händen gehabt, das vor den Gefahren des Internets und des Ausspähens gewarnt hat." Es folgte ein Gedankenaustausch mit meinem Begleiter, der Handy- und Internetverweigerer der ersten Stunde ist. Unwillkürlich musste ich an Amazon denken, das auf seinem Reader feststellen kann, ob ein Leser mehr als 10% eines Buches gelesen hat - und dementsprechend mir als Autorin einen Anteil aus der Leihbücherei zukommen lässt. Werden die mich eines Tages rausschmeißen aus dem KDP-Programm, wenn ich etwas Negatives über sie schreibe? Wes Brot ich ess, des Lied ich sing - das galt sicher nicht nur für die Minnesänger und ihre hohen Herrschaften, die sie besangen! Nun ist Amazon durch seine Geschäftspraktiken ja allgemein in Verruf geraten, es gibt viel Wirbel und Unterschriftenlisten in den USA und hier, auch von den Self Publishern, natürlich pro Amazon, weil sie uns Autoren gut behandeln, viel besser als die Verlage. Eine ganz dicke Lanze bricht Nika Lubitsch mit ihrem Blogbeitrag Ich bin ein Underdog der Literaturszene - ich liebe Amazon! Und meine ganz persönliche Meinung? Amazon hat mir das Vertrauen und das Selbstbewusstsein zurückgebracht, das während einer längeren Verlagskarriere doch immer mehr auf der Strecke zu bleiben drohte.
Amazon macht die kleinen Buchhandlungen kaputt, hieß es vor Jahren. Also wurde allenthalben zum Boykott aufgerufen. Dann hat es die Ketten kaputtgemacht, avancierte also plötzlich zum Robin Hood der Buchbranche. Und schließlich bot es den Autoren, die aus welchem Grund auch immer nicht mit einem Verlag verbandelt waren, die Möglichkeit, aus der Finsternis herauszutreten und im Bücherhimmel mitzumischen. Die Notwendigkeit, einen Boykottaufruf zu unterschreiben, sehe ich nicht. Als Autorin nicht und auch als seltene Kundin nicht. Ich habe meine Bücher schon immer in Buchhandlungen, großen und kleinen, gekauft, darüber hinaus in Antiquariaten, auf Flohmärkten und aus den Bücherbäumen mancher Städte herausgezogen. Ich bin ein Mensch, der gern in Bewegung ist, der lieber aus dem Haus geht, um einzukaufen und nicht statisch auf einen Bildschirm starren will, durch Klicks eine Bestellung aufgibt und dann wartet, bis das Objekt sich durch Türklingeln ankündigt. Amazons Angebot, zwei meiner Bücher wieder neu aufzulegen, habe ich gern angenommen, und auch so verdienen sie genug an mir, denke ich. Soll ich wegen der Geschäftspraktiken jetzt das Self Publishing boykottieren? Oder große Buchhandlungen meiden wie der Teufel das Weihwasser, weil die Verlage einen Haufen Kohle für Sondertische, Plätze im Regal und das "Buch des Monats" zahlen müssen? Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, das mein Verlag 50 000 Euro für mich bei Karstadt ausgegeben haben soll.
Nun noch mal zum eigentlichen Thema, zum Ausspähen. Früher sind wir vom Verfassungschutz ausgespäht worden, wenn wir aktiv gegen Pershing-Raketen, gegen Atomkraftwerke und gegen Rechte vorgegangen sind, die den Hitlergeburtstag feiern wollten. Da hat man sich jedes Wort überlegt, das man am Telefon gesagt hat. Heute, in Zeiten der Kanzlerausspähung, muss man überlegen, was man im Internet von sich preisgibt, nicht nur, weil ein Patzer auf einen selbst zurückfallen kann, sondern auch, weil einem unter Umständen ein Strick daraus gedreht werden könnte. Mal unabhängig von merkwürdigen Reklameangeboten, die man dauernd per Mail oder per Telefon erhält. Für mich habe ich schon lange die Lösung gefunden. Ich bin ein zurückhaltender Mensch, schon immer gewesen, und lehne mich kaum noch weit aus dem Fenster oder nur dann, wenn es wirklich notwendig ist. Die Daten, die über mich kursieren, darf ruhig die ganze Welt wissen, wenn sie sich eben für diese Millionen Daten anderer interessieren würde.
Sehr interessanter Artikel zum Amazon-Streit von Holger Ehling in seinem Blog: Amazon als Angstbeißer, mit dazugehöriger Diskussion!
"Alles schon gelesen" stellte sie mit einem Seufzer fest. "Kürzlich habe ich ein Buch in den Händen gehabt, das vor den Gefahren des Internets und des Ausspähens gewarnt hat." Es folgte ein Gedankenaustausch mit meinem Begleiter, der Handy- und Internetverweigerer der ersten Stunde ist. Unwillkürlich musste ich an Amazon denken, das auf seinem Reader feststellen kann, ob ein Leser mehr als 10% eines Buches gelesen hat - und dementsprechend mir als Autorin einen Anteil aus der Leihbücherei zukommen lässt. Werden die mich eines Tages rausschmeißen aus dem KDP-Programm, wenn ich etwas Negatives über sie schreibe? Wes Brot ich ess, des Lied ich sing - das galt sicher nicht nur für die Minnesänger und ihre hohen Herrschaften, die sie besangen! Nun ist Amazon durch seine Geschäftspraktiken ja allgemein in Verruf geraten, es gibt viel Wirbel und Unterschriftenlisten in den USA und hier, auch von den Self Publishern, natürlich pro Amazon, weil sie uns Autoren gut behandeln, viel besser als die Verlage. Eine ganz dicke Lanze bricht Nika Lubitsch mit ihrem Blogbeitrag Ich bin ein Underdog der Literaturszene - ich liebe Amazon! Und meine ganz persönliche Meinung? Amazon hat mir das Vertrauen und das Selbstbewusstsein zurückgebracht, das während einer längeren Verlagskarriere doch immer mehr auf der Strecke zu bleiben drohte.
Amazon macht die kleinen Buchhandlungen kaputt, hieß es vor Jahren. Also wurde allenthalben zum Boykott aufgerufen. Dann hat es die Ketten kaputtgemacht, avancierte also plötzlich zum Robin Hood der Buchbranche. Und schließlich bot es den Autoren, die aus welchem Grund auch immer nicht mit einem Verlag verbandelt waren, die Möglichkeit, aus der Finsternis herauszutreten und im Bücherhimmel mitzumischen. Die Notwendigkeit, einen Boykottaufruf zu unterschreiben, sehe ich nicht. Als Autorin nicht und auch als seltene Kundin nicht. Ich habe meine Bücher schon immer in Buchhandlungen, großen und kleinen, gekauft, darüber hinaus in Antiquariaten, auf Flohmärkten und aus den Bücherbäumen mancher Städte herausgezogen. Ich bin ein Mensch, der gern in Bewegung ist, der lieber aus dem Haus geht, um einzukaufen und nicht statisch auf einen Bildschirm starren will, durch Klicks eine Bestellung aufgibt und dann wartet, bis das Objekt sich durch Türklingeln ankündigt. Amazons Angebot, zwei meiner Bücher wieder neu aufzulegen, habe ich gern angenommen, und auch so verdienen sie genug an mir, denke ich. Soll ich wegen der Geschäftspraktiken jetzt das Self Publishing boykottieren? Oder große Buchhandlungen meiden wie der Teufel das Weihwasser, weil die Verlage einen Haufen Kohle für Sondertische, Plätze im Regal und das "Buch des Monats" zahlen müssen? Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, das mein Verlag 50 000 Euro für mich bei Karstadt ausgegeben haben soll.
Nun noch mal zum eigentlichen Thema, zum Ausspähen. Früher sind wir vom Verfassungschutz ausgespäht worden, wenn wir aktiv gegen Pershing-Raketen, gegen Atomkraftwerke und gegen Rechte vorgegangen sind, die den Hitlergeburtstag feiern wollten. Da hat man sich jedes Wort überlegt, das man am Telefon gesagt hat. Heute, in Zeiten der Kanzlerausspähung, muss man überlegen, was man im Internet von sich preisgibt, nicht nur, weil ein Patzer auf einen selbst zurückfallen kann, sondern auch, weil einem unter Umständen ein Strick daraus gedreht werden könnte. Mal unabhängig von merkwürdigen Reklameangeboten, die man dauernd per Mail oder per Telefon erhält. Für mich habe ich schon lange die Lösung gefunden. Ich bin ein zurückhaltender Mensch, schon immer gewesen, und lehne mich kaum noch weit aus dem Fenster oder nur dann, wenn es wirklich notwendig ist. Die Daten, die über mich kursieren, darf ruhig die ganze Welt wissen, wenn sie sich eben für diese Millionen Daten anderer interessieren würde.
Sehr interessanter Artikel zum Amazon-Streit von Holger Ehling in seinem Blog: Amazon als Angstbeißer, mit dazugehöriger Diskussion!
Sonntag, 3. August 2014
Vom Scheitern und vom Neuanfang
Im Februar saß ich da mit einem Manuskript, einem Krimi aus dem 18. Jahrhundert, mit dem es weder vor noch zurück ging. Kein Esel hätte den Karren da herausholen können, worin er steckte. Schreibblockade total. Auch eine Neukonzipierung brachte nichts. Einfach keine Lust mehr. Vielleicht war ich auch nur erschöpft? Im März begann ich damit, meine E-Bookrechte am historischen Krimi "Das Vermächtnis des Bischofs" zu klären. Mit der vereinten Hilfe von zwei Autorenfreunden gelang es mir dann, im Juni das E-Book herauszubringen. Das Ergebnis sieht man hier rechts im Layout. Seitdem ist es eine Bereicherung meines Lebens, wenn ich das mal so pathetisch sagen darf. Ein Buch, das mehr meins ist als fast alle anderen, das ursprünglich niemand haben wollte und das jetzt so erfreulich sichtbar heruntergeladen wird, ein Buch, das bleibt über die Wochen und Monate, ein Buch, für das ich kaum Werbemaßnahmen anstoßen musste.
Ein Urlaub und eine Verlagsanfrage nach dem Jetztzeit-Krimi "Martinsmorde" später war es dann endlich so weit. Mir war klar, dass der Roman, den ich hatte schreiben wollen, schon fast 200 Jahre zuvor geschrieben worden war: von Hermann Kurz mit seinem "Schillers Heimatjahre. Die Wanderungen des Heinrich Roller." Da traten alle Figuren auf, die auch bei mir eine Rolle hätten spielen können: Friedrich Daniel Christoph Schubart, Herzog Carl Eugen, der Räuber Hannikel und Friedrich Schiller. Aber es gab ja auch eine Krimihandlung, die unentwirrbar schien. Ich habe mir einfach einen Ruck gegeben und zwei Handlungsstränge sowie eine weitere Figur aus dem historischen Krimi vom Februar rausgeschmissen, die Handlung an einem späteren, spannenderen Zeitpunkt eingesetzt, die ersten 35 Seiten abgetrennt, überarbeitet und die restlichen 40 Seiten als Recyclingstation gespeichert. Jetzt zählt allein wieder der Text und nicht die Verlage, die späteren Leser oder die Kritiken oder die Frage, warum man das Ganze überhaupt noch macht -warum man das alles mit sich machen lässt. Und es bleibt der Schauplatz Schwarzwald, diesmal mit dem Tübinger Schloss im Zentrum.
Mittwoch, 30. Juli 2014
Interview mit der Autorin Sabine Schäfers
Sabine
Schäfers wuchs in den 1970/80ern in der Kurpfalz auf, im Südwesten
Deutschlands. Bis 2001 war sie als Rechtsanwältin tätig und
studierte Informatik. Heute lebt und arbeitet sie als freie Autorin
am Rand des Münsterlands. Dieser Tage erscheint, nach dem E-Book
„Himmelsmacht“,
ihr zweiter Roman "Leilani. Wohin das Herz gehört". Es ist
ein spannender Jugendroman über Familie und Freundschaft, erste
Liebe und Erwachsenwerden auf Hawaii – dem Paradies auf Erden.
Und hier noch einmal das Interview
Die
Romanautorin und Schriftstellerin Sabine Schäfers lernte ich vor
einigen Monaten
kennen
und schätzen – und zwar kam der Kontakt über unsere Blogs
zustande. Seitdem hat Sabine mich schon bei vielen Dingen unterstützt
und stand mir beratend vor allem bei der Veröffentlichung meines
zweiten E-Books „Teufelswerk“ zur Seite.
Sabine
Schäfers wuchs in den 1970/80ern in der Kurpfalz auf, im Südwesten
Deutschlands. Bis 2001 war sie als Rechtsanwältin tätig und
studierte Informatik. Heute lebt und arbeitet sie als freie Autorin
am Rand des Münsterlands. Dieser Tage erscheint, nach dem E-Book
„Himmelsmacht“, ihr zweiter Roman Leilani
| Wohin das Herz gehört.
Es ist ein spannender Jugendroman über Familie und
Freundschaft, erste Liebe und Erwachsenwerden auf Hawaii – dem
Paradies auf Erden.
Liebe
Sabine, ich freue mich, dass du dich bereit erklärt hast, dich von
mir interviewen zu lassen. Dein Weg zum Buch war ein ganz eigener,
und im April des Jahres hast du deinen Mystery-Thriller
„Himmelsmacht“ erfolgreich veröffentlicht. Ein Jugendroman, ein
Thriller, ein Jugendthriller und ein Science-Fiction-Roman werden
folgen. Nun zu meiner ersten Frage:
Hat
ein bestimmtes Ereignis in deinem Leben dich dazu bewogen, zu
schreiben? Oder hast du es einfach schon immer gern getan? Welche
Bedeutung hat das Schreiben für dich?
Wie
viele Autoren war ich vor allem sehr früh Leserin. Ein Buch hatte
ich eigentlich immer in der Hand – oder auch einen Comic.
Thematisch hab ich vor wenig Halt gemacht. Götter- und Heldensagen
las ich genauso gern wie Tim und Struppi oder Wondergirl, Erich
Kästner war mir so lieb wie Mark Brandis. Meine ersten bewussten
Schreib-Erlebnisse waren meine Erlebnisaufsätze für die Schule. Die
waren immer abenteuerlich und auf Spannung getrimmt, und ich erinnere
mich noch an die Diskussion in der Klasse, ob ein Ertrinkender bei
einem Badeunfall wirklich sein ganzes Leben an sich vorbeiziehen
sieht ...
Wahrscheinlich
war es ein logischer Schritt vom Lesen über kindliche Rollenspiele
zum Erfinden von abenteuerlichen Geschichten. Sie aufzuschreiben ist
dann fast schon Notwehr, damit in meinem Kopf Platz frei wird für
neue Geschichten, die mich eigentlich ständig anspringen. Zu
Schreiben vereinnahmt einen sehr, nicht nur während des Tippens. Die
Gedanken stehen ja nie still, nicht mal unter der Dusche oder beim
Bügeln. Mit Familie und Beruf ist es schwierig, allen Erwartungen
gerecht zu werden. Es gab Momente, in denen ich glaubte, das
Schreiben aufgeben zu müssen, weil es so viel Raum und Zeit in
Anspruch nimmt. Das hat aber nie geklappt, nicht einmal kurzfristig.
Ich werde unausgeglichen und unleidlich, wenn ich nicht schreibe, das
kann niemand wollen :D
In
deinem Debütroman „Himmelsmacht“ geht es um die Fotografin
Katerina, die verhaftet und beschuldigt wird, einen unersetzlichen
Kultgegenstand gestohlen zu haben. Sie gerät in parallele
Dimensionen und wird in einen uralten Krieg hineingezogen. Schon
einmal kam in ihrem Umfeld ein Mensch grausam zu Tode, aber sie kann
sich an nichts erinnern. Wie kamst du auf diese Idee?
Wie
es das Klischee will, stammen die ursprünglichen Ideen aus einem
Traum. Bis daraus aber eine in sich schlüssige Handlung wurde,
dauerte es Jahre, in denen ich unzählige erste Kapitel verfasste und
wieder verwarf. Die heutige Fassung hat nur noch wenig
Gemeinsamkeiten mit meinen ersten Entwürfen und entwickelte sich
während des Schreibens ständig fort. Ich bin mehr Bauchschreiberin
als Planerin. Ganz ohne Vorarbeiten läuft es auch bei mir nicht,
aber in der Regel passe ich lieber einen Handlungsstrang im
Nachhinein an, als mich mit Planungsspielen aufzuhalten, die ich dann
nachher doch verwerfe.
Dein
nächster Roman spielt auf der Trauminsel Hawaii. Hast du eine
bestimmte Beziehung zu dieser Gegend?
Ja,
1992 hatte ich das ungeheure Glück, sechs Wochen auf Oahu und Maui
bei einer hawaiianischen Familie verbringen zu dürfen. Diese Zeit
mit all ihren Eindrücken und Erlebnissen werde ich nie vergessen.
Hawaii ist ein Traum an Farben, Düften und Empfindungen, die
Menschen sind liebenswert und zuvorkommend. Dazu hatte ich
ausreichend Zeit und Gelegenheit, Hawaii auch abseits der
Touristenpfade kennenzulernen. Es gibt so viel mehr zu entdecken als
Hotels und Hula-Shows. Wenn ich reise, möchte ich immer auch einen
Eindruck bekommen vom Alltag der Menschen, was sie bewegt und was sie
lieben. Ein bisschen davon konnte ich aufnehmen und in meinem Roman
einfließen lassen. Ich habe noch oft Fernweh nach den Inseln.
Wie
kam es zu deiner ersten Veröffentlichung? Was waren deine
Beweggründe, deinen Roman selbst zu publizieren?
Mit
der ›Himmelsmacht‹ bewarb ich mich seinerzeit bei großen
Agenturen und nahm am Heyne-Wettbewerb ›Schreiben Sie einen
magischen Bestseller!‹ teil. Eine namhafte Agentur forderte
tatsächlich das ganze Manuskript an, auch Heyne schickte es erst
sehr spät zurück mit der Aufforderung, weitere Manuskripte
einzureichen. Für mich war das beinahe schon der Ritterschlag, aber
letztlich wurde doch nichts draus. Also hatte ich die Möglichkeit,
das Manuskript in der Schublade verschwinden zu lassen, wie es wohl
den meisten Erstlingen ergeht, oder es selbst herauszubringen.
Ich
habe sehr lange gezögert. Sehr, sehr lange. Vor einigen Jahren noch
war Self-Publishing undenkbar, wenn man als Autor in der Branche
ernst genommen werden wollte. Ich hatte Angst, mir den Ruf zu
verderben. Mit Verbreitung der eBook-Reader und insbesondere durch
das KDP-Programm von Amazon wurden selbstpublizierte eBooks jedoch
mit einem Mal zu einer echten Option. Denn selbst wenn der Handel sie
immer noch boykottiert – die Leser nehmen sie an. Von meinem
Manuskript war ich immer noch überzeugt und nach einer erneuten
umfänglichen Überarbeitungsphase habe ich es mit der Unterstützung
eines professionellen Lektors und einer Grafikerin gewagt, den Roman
selbst herauszugeben. Darüber bin ich sehr froh!
Hast
du bestimmte Leser im Kopf, für die du schreibst?
Nun,
vor allem wohl Leser wie mich selbst :-) Ich denke, ich richte mich
vor allem an ein weibliches Publikum, das an zwischenmenschlichen
Beziehungen aller Art mehr interessiert ist als an blutrünstigen
Schlachten, welches sich aber eher für Auslegerboote und Raumschiffe
begeistern lässt als für Pumps und Handtaschen.
Woraus
ziehst du generell deine Inspiration beim Schreiben? Woher kommen die
Ideen?
Frag
mich lieber, was mein Ideen-Karussell nicht anstößt. Man muss mir
nur ein Stichwort liefern, dann geht es schon los. Ein Bild, ein
Gesprächsfetzen, eine Zeitungsmeldung – das Unterbewusstsein ist
ein Füllhorn an tollen Ideen. Letztlich sind meine Romane das
Ergebnis eines fortgesetzten Brainstormings. Und dann einfach
drauflosschreiben. Das Sortieren und Bewerten hebe ich mir für die
Überarbeitungen auf.
Irgendwann
wurde mir klar, dass ich, wenigstens im Moment, keine Fantasy
schreiben möchte, sondern die Mystery-Elemente möglichst
realitätsnah als eine Art angewandter Physik erklären. Obwohl Magie
und übernatürliche Phänomene faszinierende Möglichkeiten bieten,
empfinde ich es zurzeit als spannender, mit gegebenen oder zukünftig
denkbaren Voraussetzungen zu spielen.
Du
legst dich beim Schreiben nicht auf bestimmte Genres fest. Wie sind
deine Erfahrungen damit?
Persönlich
finde ich es sehr befriedigend und befreiend. Was die Leser meiner
bisherigen Geschichten davon halten werden, muss sich erst zeigen.
Mein kommender Hawaii-Roman unterscheidet sich schon sehr von
›Himmelsmacht‹, richtet sich aber auch an ein anderes, jüngeres
Publikum. Mehr die Gruppe junger LeserInnen, in der ich mich als
Zwölf- bis Vierzehnjährige befand. Ich vertraue einfach darauf,
dass es nicht nur die Handlung an sich ist, sondern auch meine
Stimme, die den Lesern gefällt. Und warum soll es nicht auch viele
andere Menschen geben, die wie ich ein breitgefächertes
Interessensspektrum haben?
Wie
würdest du deinen Autorenalltag beschreiben? Wo arbeitest du am
liebsten? Schreibst du auch mit der Hand?
Wenn
mein Tagesablauf es erlaubt, setze ich mich gleich morgens mit meinem
Laptop an den Wohnzimmertisch und rufe erst einmal meine Mails auf,
immer eine Tasse Kaffee in der Hand. Dann schaue ich, was sich in
meinen Lieblings-Foren tut, werfe einen Blick auf meine
Twitter-Timeline und öffne schließlich das Dokument, das gerade
Vorrang hat. Gerade jetzt ist das der Hawaii-Roman. Gespickt mit
Anmerkungen meines Lektors liegt er vor mir und muss nun erneut
geschliffen werden. Danach geht das Manuskript zurück zum Lektor.
Während ich dann auf die Antwort warte, ziehe ich mir von den
verbleibenden Projekten dasjenige zum Überarbeiten heran, das am
weitesten gediehen ist und als Nächstes erscheinen soll. Wenn ich
mit dieser Runde durch bin, lege ich es weg, um es sich setzen zu
lassen, und nehme das nächste Manuskript zur Hand, in dem noch die
eine oder andere Lücke klafft. Wenn das erneut lektorierte
Hawaii-Manuskript zurückkommt, hat das wieder Vorrang und wird
bearbeitet bis zum letzten Schliff. Und wenn mein Kopf irgendwann zu
voll ist, dann schreibe ich zur Abwechslung Blog-Beiträge,
Buchbesprechungen, denke mir Interviews aus und maile mit Kollegen
und Kolleginnen. Dieser Austausch ist mein Lebenselixier und gibt mir
die nötige Bodenhaftung. Mit der Hand schreibe ich nur Notizen in
ein kleines Buch. Ideen, Mindmaps, Zeitstränge, Fragen, die mir
helfen, wenn sich die Gedanken verknotet haben.
Kannst
du vom Schreiben leben oder hast du einen „Brotberuf“, der dich
ernährt?
Nein,
davon kann ich nicht leben. Im Moment bin ich froh, wenn die
Einnahmen meine Ausgaben decken. Aber das betrachte ich mit
Gelassenheit, schließlich ist mein erster Roman vor gerade einem
halben Jahr erschienen. Auch seinerzeit als selbständige
Rechtsanwältin war mir klar, dass ein Start-up Anlaufzeit braucht.
Wenn es nach fünf Jahren immer noch nicht mehr als die Ausgaben
deckt, ist immer noch Zeit, die Segel zu streichen. Solange arbeite
ich neben dem Schreiben auf Honorar-Basis an einer Grundschule.
Du
führst regelmäßig einen Blog und bist bei Twitter und anderswo
aktiv. Welche Bedeutung haben soziale Netzwerke für dich?
Sie
sind nicht nur Netzwerk, sondern meine Verbindung zur Welt da
draußen, die sich nicht um meinen Teller dreht. Einerseits liefern
sie Informationen und die Möglichkeit, selbst zum Info-Pool
beizutragen, andererseits habe ich hier die Möglichkeit, mir auch
mal all meine Begeisterung von der Seele zu reden, die das
nicht-schreibende Umfeld so einfach nicht teilen kann oder möchte.
Nicht viel anders als bei Modell-Eisenbahnern oder jungen Eltern,
nehme ich an. Und nicht zuletzt habe ich hier echte Freundschaften
geknüpft, die seit Jahren auf Vertrauen basieren und gegenseitiger
Unterstützung. Ohne sie wäre ich nicht, wo ich jetzt bin.
Welche
Kanäle nutzt du sonst zur Vermarktung deiner Bücher?
Sehr
hilfreich sind Leser-Rezensionen und Empfehlungen auf Leser-Portalen
bzw. die Aufnahme in deren Newsletter. Darüber hinaus plane ich für
meinen nächsten Roman eine Verlosungs-Aktion und Online-Leserunden
sowie Lesungen vor Publikum, auch virtuell in Second Life. Zurzeit
laufen die Vorbereitungen für einen Teaser-Trailer, der bei Youtube
hochgeladen werden soll. Das wird eine tolle Sache, auf die ich mich
schon richtig freue!
Welche
Genres liest du privat? Nutzt du sie zur Inspiration oder helfen sie
dir, dein eigenes Projekt für eine Weile zu vergessen?
Querbeet.
Im Ausschlussverfahren kann ich eigentlich nur sagen, dass ich keine
allzu bluttriefenden Thriller mag. Wenn ich lese, steige ich in die
Geschichte komplett ein. Es kann zwar schon mal passieren, dass mir
dabei bestimmte Schreib-Techniken auffallen, aber bewusst nehme ich
das nicht mit in die eigene Arbeit.
Wie
sieht der Werdegang eines Romans bei dir aus? Wie lange dauert in
etwa der Prozess, bis das Buch veröffentlicht ist? Wer liest deine
Romanentwürfe als Erstes?
Bei
meinem ersten Roman ›Himmelsmacht‹ dauerte es naturgemäß am
längsten. Die frühesten Entwürfe sind bald zwanzig Jahre alt, die
Geschichte lag lange brach. Erste Kapitel habe ich zu Dutzenden
geschrieben und verworfen. Erst 2006 packte ich den Wunsch, einen
ganzen Roman hinzukriegen, ernsthaft an. Mit viel Schwung schaffte
ich damals dann auch recht schnell rund hundertfünfzig Seiten –
und dann kam die Flaute. Meine erste Schreibblockade, die ein halbes
Jahr anhielt und sich erst löste, als ich das Problem von einer
anderen Seite anging und das bisher Geschriebene einfach mal
beiseiteließ. Das ist bis heute meine Methode, wenn ich
hängenbleibe: Ich springe an eine andere Stelle in der Handlung und
verlasse mich darauf, dass ich die Lücke später füllen kann.
Bisher hat das immer geklappt, am besten tatsächlich während des
NaNoWriMo (National
November
Writing
Month),
in dem ich 50.000 Wörter in 30 Tagen schreiben soll. Unglaublich,
was die Fantasie hergibt, wenn man keine Zeit für Skepsis oder
Selbstkritik hat.
Vor
Kurzem las ich irgendwo sinngemäß: Schreiben heißt Sand in einen
Sandkasten schaufeln, damit man später – beim Überarbeiten –
daraus Burgen und Straßen bauen kann. Daher schreibe ich die
Rohfassung eines Romans tatsächlich in ziemlich genau vier Wochen.
Diese Fassung lege ich dann für einige Monate weg und lese sie in
dieser Zeit auch nicht. Erst mit genügend Abstand mache ich mich ans
Überarbeiten, was ein halbes Jahr oder länger dauern kann. Und DANN
erst kommt die Lektoratsphase, die wiederum einige Monate in Anspruch
nimmt. Insgesamt schätze ich, dauert es zwei bis drei Jahre bis zur
Veröffentlichung. Das kann ich mir leisten, da ich einen Vorrat an
Romanen habe, die ich jetzt nach und nach veröffentlichen werde.
Vorher lesen sie nur ein oder zwei Testleser aus meiner privaten
Schreibgruppe.
Wie
reagierst du auf negative Kritiken?
Nach
jahrelanger Erfahrung in einem Textkritikforum, in dem nicht nur
gelobhudelt wurde oder verrissen, sondern konstruktiv am Text
gearbeitet wurde, habe ich gelernt, das spontane Gefühl von
Zurücksetzung richtig einzuschätzen. Das Ego mag nun mal lieber
gestreichelt werden als getadelt, aber manchmal ist ein Schubs in die
richtige Richtung dringend notwendig. Mit etwas zeitlichem Abstand
kann ich viel besser erkennen, ob eine Kritik gerechtfertigt ist –
und oft genug ist sie das. Dann versuche ich, es beim nächsten Mal
besser zu machen. Manchmal ist aber auch überhaupt nichts dran, dann
nehme ich mir die Kritik nicht länger zu Herzen. Allen kann man es
sowieso nicht recht machen, und jeder hat ein Recht auf eigene
Meinung.
Wirst
du oft von anderen Menschen auf deine Bücher angesprochen?
Nur,
wenn ich ihnen auf die Nase binde, dass ich schreibe :-D
Im
Ernst, die Scheu, mich als jemand zu outen, der anderen etwas
erzählen will, ist noch immer groß. Aber wenn mich tatsächlich
jemand darauf anspricht und womöglich ein Lob für meine Geschichten
hat, freue ich mich königlich.
Kannst
du etwas über deinen nächsten Roman, der Ende Juli erscheinen soll,
erzählen?
In
dem Jugendroman ab 12 darf die fünfzehnjährige Deutsch-Hawaiianerin
Lela ihren Vater endlich zum ersten Mal in seine Heimat begleiten und
verliebt sich – nicht nur in die Insel. Es wäre ein perfektes
Paradies, wenn nicht der Opa krank wäre und in der Familie alte
Konflikte aufbrächen. Unversehens soll Lela eine Seite wählen: die
ihres Vaters oder die ihrer ersten großen Liebe. Aber da haben die
anderen nicht mit ihr gerechnet!
Wenn
du Neuautoren einen Rat geben wolltest, was würdest du empfehlen?
Einen Agent oder einen Verlag suchen? Oder gleich selbst publizieren?
Das
ist eine sehr schwierige Frage, auf die es in meinen Augen keine
eindeutige Antwort geben kann. Ob man sich für den traditionellen
Weg mit Agentur und Verlag entscheidet oder seine Bücher selbst
herausgibt, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Nicht alle
haben mit den eigenen Fähigkeiten zu tun. Es wird ja gerne so
dargestellt, als hätten »gute« Autoren es nicht nötig, ihre
Bücher selbst zu veröffentlichen, weil sich die Verlage um sie
schlügen. Leider ist das nicht so. Dazu kommen die Bedingungen in
Autorenverträgen zunehmend einem Total-Ausverkauf an Rechten gleich.
Wer noch voller Enthusiasmus und in Unkenntnis der Mechanismen der
»Buchindustrie« einen solchen Vertrag unterschreibt, dem steht
womöglich ein unschönes Erwachen bevor. Dennoch kann ich nicht
uneingeschränkt jedem empfehlen, sein eigener Herausgeber zu werden.
Das setzt eine Menge Kenntnisse und Fertigkeiten und/oder Kontakte zu
Profis voraus, die beim Erstellen des Buches, des Covers, beim
Hochladen, beim Marketing und bei der Öffentlichkeitsarbeit helfen.
Ich weiß von vielen Kollegen, die einfach nur schreiben wollen,
sonst nichts. Für mich persönlich jedoch stellt sich das
Self-Publishing mehr und mehr als genau richtig heraus. Nicht nur
wegen der vielgerühmten Kontrolle über das Ergebnis, auch weil ich
in den Entstehungsprozess alle meine Stärken und Interessen
einfließen lassen kann.
Liebe
Sabine, ich danke dir für dieses Interview und wünsche dir
weiterhin viel Spaß und Erfolg mit deinen Büchern!
Donnerstag, 3. Juli 2014
Abschreckendes Cover und nichtssagender Klappentext
Gestern Abend kam ich aus dem Kurzurlaub im Fränkischen zurück. In meinem Postfach fand ich eine Nachricht von Tintenhexe vor: Sie hat meinen Roman "Die Köchin und der Kardinal" rezensiert. http://tintenhexe.blogspot.de/2014/07/rezension-die-kochin-und-der-kardinal.html.
Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn die Rezension ist sehr ehrlich, was das Cover und den Klappentext betrifft. Das Highlight sei, dass sich dahinter ein toller und spannender Roman verberge. Ich selbst konnte mich nämlich ebenfalls niemals mit den vier Covers meiner Bücher und den Klappentexten identifizieren, und beide hatten auch nie wirklich etwas mit dem Inhalt der Bücher zu tun. Sie waren dem fragwürdigen Verständnis geschuldet, dass Leser immer wieder zu dem Gleichen greifen würden, nämlich bei historischen Romanen zu Frauengestalten, die oft nicht einmal etwas mit der Epoche zu tun hatten, in denen die Handlung spielt. Meine Protagonistinnen trugen niemals rote Kleider, hatten kein Obstgebinde auf dem Kopf und waren auch nicht in eindeutiger Schräglage anzutreffen. Für einige der Titel übernehme ich allerdings die volle Mitverantwortung. Dazu passend habe ich ein Interview mit Matthias Koch, dem Leiter des Aufbau Verlages vom Januar 2014 aufgestöbert, in dem zum Ausdruck kommt, dass sich die Lektoren bei der Auswahl der Cover usw. nicht gegen ihre Vorgesetzten durchsetzen konnten.
Ich glaube nun nicht mehr grundsätzlich daran, dass Verlage am besten wüssten, welche Cover und welche Klappentexte die Leser und Leserinnen am meisten ansprechen. Die beiden Cover, die ich zusammen mit Grafikerinnen erstellt habe, entsprechen viel mehr den Inhalten der Bücher. Den Klappentext vom "Teufelswerk" habe ich erweitert, weil dort ein paar wesentliche Elemente fehlten (Die Hexenverfolgung, der Alchimist mit seinen teuflischen Plänen). Und ich habe ganz stark das Gefühl, als hätte das alles jetzt eine stärkere Wirkung, natürlich auch zusammen mit dem Preis (14.90 vs. 3.99)! Das Cover zu meinem Krimi "Martinsmorde" sollte auf jeden Fall den roten Felsen aus dem Schwarzwald enthalten und nicht aus einem weißen Hintergund, einem Messer und einem Blutstropfen bestehen.
Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn die Rezension ist sehr ehrlich, was das Cover und den Klappentext betrifft. Das Highlight sei, dass sich dahinter ein toller und spannender Roman verberge. Ich selbst konnte mich nämlich ebenfalls niemals mit den vier Covers meiner Bücher und den Klappentexten identifizieren, und beide hatten auch nie wirklich etwas mit dem Inhalt der Bücher zu tun. Sie waren dem fragwürdigen Verständnis geschuldet, dass Leser immer wieder zu dem Gleichen greifen würden, nämlich bei historischen Romanen zu Frauengestalten, die oft nicht einmal etwas mit der Epoche zu tun hatten, in denen die Handlung spielt. Meine Protagonistinnen trugen niemals rote Kleider, hatten kein Obstgebinde auf dem Kopf und waren auch nicht in eindeutiger Schräglage anzutreffen. Für einige der Titel übernehme ich allerdings die volle Mitverantwortung. Dazu passend habe ich ein Interview mit Matthias Koch, dem Leiter des Aufbau Verlages vom Januar 2014 aufgestöbert, in dem zum Ausdruck kommt, dass sich die Lektoren bei der Auswahl der Cover usw. nicht gegen ihre Vorgesetzten durchsetzen konnten.
Ich glaube nun nicht mehr grundsätzlich daran, dass Verlage am besten wüssten, welche Cover und welche Klappentexte die Leser und Leserinnen am meisten ansprechen. Die beiden Cover, die ich zusammen mit Grafikerinnen erstellt habe, entsprechen viel mehr den Inhalten der Bücher. Den Klappentext vom "Teufelswerk" habe ich erweitert, weil dort ein paar wesentliche Elemente fehlten (Die Hexenverfolgung, der Alchimist mit seinen teuflischen Plänen). Und ich habe ganz stark das Gefühl, als hätte das alles jetzt eine stärkere Wirkung, natürlich auch zusammen mit dem Preis (14.90 vs. 3.99)! Das Cover zu meinem Krimi "Martinsmorde" sollte auf jeden Fall den roten Felsen aus dem Schwarzwald enthalten und nicht aus einem weißen Hintergund, einem Messer und einem Blutstropfen bestehen.
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