Mittwoch, 11. Juli 2018

Von Schlitz nach Spalt

Was im Titel wie eine Gratwanderung in den Felsen klingt, war in Wahrheit eine dreitägige Rundtour durch deutsche Lande. Nicht immer bekleckert man sich bei solchen Touren mit Ruhm, aber immer bereichert es die Erfahrungen. Man lernt eben nie aus, und wirklich "vernünftig" wird man offensichtlich auch nicht in seinem Leben. Irr- und Lehrreise von Süd nach Nord nach Ost nach Süd.

Aufgrund der Wetterlage und weil am Samstag keine tonnenschweren Lastwagen unterwegs sind, beschlossen wir spontan, nach Flensburg zu fahren. Dort haben wir eine kleine Ferienwohnung nahe der Krusau in Kupfermühle, wo mein Vater früher eine Kupfer - und Messingfabrik geleitet hat. Es sind fast 900 Km bis dorthin, die früher immer, etwa zu Weihnachten und an Geburtstagen, problemlos zu bewältigen waren. Hinter Fulda merkten wir, dass es langsam Nachmittag wurde und das Ziel heute eben nicht mehr problemlos zu erreichen sein würde. Zumal in Hamburg eine mehrstündige Sperrung des Elbtunnels geplant war. Mein Partner meinte sich zu erinnern, dass wir schon einmal in Schlitz gewesen seien, einem kleinen Ort auf dem Vogelsberg. Waren wir aber nicht, dafür waren wir beeindruckt von dem mittelalterlichen Erscheinungsbild und dem Schloss.
Marktplatz von Schlitz

Alsfeld
Schlosshotel Schlitz

Im Schlosshotel fand eine geschlossene Gesellschaft statt, trotzdem durften wir einchecken. Das Zimmer wie immer viel zu klein, aber alles edel und neuwertig mit Blick auf den Fluss und das Städtchen. Abends besuchten wir Alsfeld, das wir aus dem hessischen Fernsehen kannten und immer schon mal besuchen wollten. Und waren überwältigt von dem geschlossenen Stadtbild und dem kunstvollen alten Fachwerk überall. Zurück in Schlitz, konnten wir den Abend bei einem Bier und Musik der Bigband von HR3 genießen - die zufällig dort im Schlossgarten spielte. Am Rande gestand uns ein Althippie, der zu den Roadies gehörte, dass er eigentlich auch lieber Rockmusik hören würde. Oben im Schlosshotel ging das Fest der Gesellschaft eben seinem Höhepunkt entgegen. Ein Graf aus einem Hochadelsgeschlecht lade hier alljährlich zum Familientreffen, erklärte uns die freundliche Bedienung. Nachher würden sie alle zum Kaffee auf die Terrasse hinauskommen, aber wir könnten uns gern auf die Bank an der Seite setzen und etwas trinken. Derweil sie drinnen auf ihr Dessert warteten, fragte mein Partner die Bedienung ganz frech, ob sie nicht ein paar von den Krebsen übrig hätten. Die wir dann auch formvollendet serviert bekamen. Ist ja nicht viel dran an den Dingern, und die Finger riechen danach stundenlang, aber es war ein großartiges Erlebnis. Später kamen die Herrschaften, um sich dem legeren Teil des Abends zu widmen. Die Kaffeetassen blieben unangerührt, und man hörte schon mal ein "Hau weg!" Alles in allem waren wir aber sehr positiv vom Verhalten dieser Menschen eingenommen, keine Pöbelei, kein Streit, kein lautes Wort. Ein lustiger Abend bis spät in die Nacht, unvergesslich.

Am zweiten Tag fuhren wir schon um 8 Uhr los. Wieder ein heißer Tag. Die Auswirkungen der Dürre machten sich immer mehr bemerkbar. Wochenlang hatte es hier nicht geregnet, oft sah man die Leute zum Himmel schauen und klagen. Der Ort Fritzlar (auch ein "Sehnsuchtsort") empfing uns eher enttäuschend, der Dom war geschlossen, und auch sonst war nicht viel los. Bei Hannover ereilte uns dann der Super-Gau. Ewig lange Baustellen und Staus nervten solange, bis wir beschlossen, unser ursprüngliches Ziel aufzugeben. Stattdessen wandten wir uns gen Osten. Erinnerungen an Weimar und Goethes Gartenhäuschen, an die Wartburg, Gotha, Erfurt und das Bachstädtchen amen auf. Quedlinburg, voller Kulturtouristen, war sehr schön und beeindruckend. Der Dom thront ganz oben mit Weitblicken in die verdorrte Landschaft. Die Quedlinger Bratwurst mit Schalenkartoffeln war auch nicht zu verachten.
Dom von Quedlinburg

Gasse in Quedlinburg
Die Weiterfahrt dann aber schon. Wir greifen uns jetzt noch an den Kopf, dass wir nicht gleich wieder nach Hause gefahren sind. Quer durch den Harz, mit schönen Wäldern und Flüssen, aber umständlich zu fahrenden Straßen, wenig Infastruktur und vielen aufgemotzten Sehenswürdigkeiten. Fast jedes Dorf hat sein Schloss, aber als einziger von der Schlossverwalterin empfohlene Übernachtungsmöglichkeit erwies sich ein Campingplatz ohne versprochenen See und ausgebucht. So landeten wir nach vielem Hin und Her in Melsungen, einem ebenfalls sehr schönen Städtchen, das wir von der Durchreise her schon kannten.

Gleich hinter dem Eulenturm am Stadteingang landeten wir im Hof einer Pension. deren Besitzer empfing uns schon auf dem Parkplatz, erklärte, dass der Eulenturm früher Gefängnis und das Fremdenzimmer in der Pension jüdischer Betsaal gewesen sei. Gefiel mir ganz gut, mit schwarzem Gebälk, etwas geräumiger als das im Schlosshotel und preiswert. Die Stadt Melsungen ist wunderschön, doch die Gastlichkeit lässt ein wenig zu wünschen übrig. Die empfohlenen Gaststätten waren schon um 19.00 geschlossen, das von einem Wirt empfohlene hatte edle und teure Speisen auf der Karte, die aber unserem Empfinden nach aus Aldi-Zutaten hergestellt waren. Auch der abendliche Ausklang beim Bier erwies sich als kontraindiziert. Es gab nur eine einzige Kneipe, die offen hatte, dort wurde man mit de Hitparade der Volksmusik und Mallorca-Gedöns unterhalten. Also blieb nur der frühe Gang ins Bett.

Kirche St. Emmeran in Spalt
Gegen Mittag des dritten Tages wurden wir dann endlich fündig. Im Fränkischen Seenland. Nicht weit von Gunzenhausen und dem Brombachsee liegt der ursprüngliche, unverdorbene Ort SPALT, den mein Partner im Auge gehabt hatte. Hie gibt es mehrere Kirchen, sehr katholisch, sehr barock, dazu ein uraltes Brauhaus und den besten Schweinbraten an der Seite eines Wirtshauses, den wir seit langem zu uns genommen hatten. Die Sauce besteht aus reinem Fleischsaft, die Knödel habe ich beide verdrückt, obwohl ich sie früher nie gemocht habe.


 Rund um den Großen und den Kleinen Brombachsee ist eine künstliche Ferienlandschaft entstanden, die leider nicht besonders attraktiv wirkt. Durch Stauung der Altmühl hatte man sich ein gutes Urlaubsgeschäft versprochen, was wohl auch funktioniert. Aber es gibt nichts Gewachsenes, zu allen Plätzen am See führen extra angelegte Stra0en hinunter. Einzig der Natursee bei Merkendorf ist zwar verändert worden, dort gibt es jetzt alle Schwimmbadutensilien mit Café und Kindergeschrei, aber er ist noch in seinen Grundzügen zu erkennen. Auch die Wiese, auf der wir ml eine Nacht mit jungen Leuten am Lagerfeuer verbracht hatten, gibt es noch. Und das schöne Wolframs-Eschenbach, Heimatort des Wolfram von Eschenbach. Die Ferienwohnung von damals gab es nicht mehr, das Café hatte zu, und zum Übernachten gab es schon gar nichts. Inzwischen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es nicht nur die ehemaligen Orte der DDR sind, in denen nichts geboten wird, die tot wirken und wo abends um sieben die Stühle hochgeklappt werden. Wie sehr genossen wir es, in Backnang wenigstens noch - an diesem warmen Sonntagabend - in der Flaniermeile sitzen zu können und ein gutes Thai-Gericht zu verzehren! Von der vielen, teils wirklich überflüssigen Fahrerei nach einem Ferienort taten uns alle Knochen weh. Ich glaube aber, dass wir doch etwas aus der Reise gelernt haben. Man musste sich schon früher in der Kutschenzeit sehr anstrengen, wenn man reisen wollte, nur ging es da viel langsamer.

Freitag, 6. Juli 2018

Leseexemplare für Rezensenten

Von meiner Lektorin erhielt ich ein digitales Leseexemplar, das für die professionellen Leser und Leserinnen bei Netgalley gedacht ist. Netgalley funktioniert so, dass Verlage dort Neuerscheinungen einstellen. Professionelle Besucher wie Buchhändler (40%), Buchbloggerinnen und andere Rezensenten suchen sich dort ihren Lesestoff heraus, die Rezensenten (die bestimmte qualitative Anforderungen erfüllen müssen) fragen dann beim  Verlag nach einem Rezensionsexemplar. Falls es hier unter meinen Blogbesuchern BuchbloggerInnen gibt, die Interesse an einem Exemplar hätten, können sie bei mir anfragen. Demnächst erhalte ich auch noch ein paar gedruckte Exemplare per Post. Die Rezensionen werden dann auch bei Amazon, Thalia, Weltbild usw. eingestellt, so weit ich es verstanden habe. Hier sind die am meisten nachgefragten Exemplare unter der Kategorie "Krimis, Mystery und Thriller" aufgeführt. Meine Martinsmorde befinden sich auf Seite drei von insgesamt 58 Titeln und wurden achtmal positiv für das Cover bewertet.

https://www.netgalley.de/catalog/category/16/mostRequested?sort=b.reqCount&direction=desc&page=3


Samstag, 30. Juni 2018

Abenteuer am Bodensee und in der Schweiz



Der "Traum vom Süden" ist noch nicht ausgeträumt! Und es muss Fleckchen auf dieser Erde geben, die gut erreichbar sind und an denen man Abstand vom Stress und der Hektik dieser Welt finden kann. Wir wählten diesmal die Route in den Süden, an den Bodensee, das viel frequentierte schwäbische Meer. Und dort auf die Höri, die Halbinsel, an deren Ende der Rhein wieder in sein altes Flussbett zurücktritt. Schon beim Singener Kreuz lag ein Licht über der Landschaft, das sich nur in der Nähe von großen Seen und auf der Fahrt durch das Rhonetal zeigt. Erstmal sah es gar nicht gut aus. Die Ferienwohnung in Gundholzen, in der wir schon interessante und geruhsame Tage verbracht hatten, gab es nicht mehr, alles andere war besetzt. In Gaienhofen wurden wir dann fündig. Direkt hinter dem Haus von Hermann Hesse mieteten wir für zwei Tage eine Ferienwohnung mit südländisch anmutender Terrasse. Runter an den Steg, so hat es schon immer ausgesehen, wenn man irgendwo angekommen ist. Und Schwimmen an meinem Lieblingsbadeplatz. Am Abend noch ein Besuch des mittelalterlichen Städtchens Stein am Rhein, das wir schon lange nicht mehr gesehen hatten. An der Grenze zur Schweiz waren die Zollhäuschen unbesetzt. Also scheinen die Schweizer auf ihr Nachbarland zu vertrauen. Bis zur Dunkelheit wanderten wir staunend durch die Gassen und am Rhein entlang, saßen auf einer Terrasse und schauten dem Sonnenuntergang zu. Auf dem Rückweg bogen wir um eine Gasse und liefen einem Mann in die Arme, der wie ein Handwerker aus dem Mittelalter wirkte, mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Er stellte uns eine Frage, die wir lösen sollten. Was die eingravierte Zahl auf der romanischen Säule wohl bedeute? Sie begann mit einem V, und ich konnte sehr schnell sagen, dass es 1544 heiße. Daraufhin mussten wir ein Glas hiesigen Rotwein probieren, das zog sich eine lustige Schweizer Stunde auch mit anderen lustigen Gästen des Imbisses hin. Obwohl ich mich auf ein Glas beschränkte (bin keine Weintrinkerin), spürte ich es beim Weitergehen doch in den Beinen.
Am nächsten, einem sonnigen, heißen Tag, wollten wir die Schweizer Berge sehen. In der Schweiz ist es so, dass man sehr viel langsamer fährt als bei uns. Und das Verkehrsaufkommen ist auf dem Land nicht so hoch wie in Deutschland, wo man ständig im Stau steht, gedrängelt und gemobbt wird. Allerdings kommt man kaum durch, wenn man keine Vignette hat, man landet unweigerlich immer bald auf einer Autobahn. Also haben wir die in einer Tankstelle gekauft, wir werden sie dieses Jahr sicher noch für weitere Fahrten nutzen. Denn die Schweiz zeigte sich uns von ihrer besten Seite: schöne Landschaften, zum großen Teil noch unverbaut, mit freundlichen, gelassenen Menschen und gutem kulinarischen Angebot. Das aber wie eh und je sehr teuer, ein Eiskaffee kostet zum Beispiel 12,90 Euro. Sie geben es auch zu, vor allem die Mieten seien für viele Schweizer nicht erschwinglich. Da wir nun schon auf der Autobahn waren, fuhren wir die 60Km nach St. Gallen, wo ich schon immer einmal hinwollte. Eine ziemlich große Stadt, doch wir fanden fast auf Anhieb einen Parkplatz. Dieses St. Gallen hat uns umgehauen, eine quirlige, offene Stadt mit einer einmaligen Atmosphäre! Im Klosterviertel stehen mittelalterliche Gebäude mit Fresken, im gewaltigen Dom stand eine Gruppe japanischer Touristen andächtig und blickte zu den Kuppeln und den stuckverzierten Säulen und Kapitellen empor. Erfrischt und gestärkt von so viel Schönheit traten wir den Rückweg an. Von Rorschach bis Kreuzlingen-Konstanz wurde der Verkehr immer dichter, immer mehr Autos mit deutschen Kennzeichen tauchten auf. Die Landschaft war zunehmend durch Beton verwüstet. So waren wir erleichtert, als wir wieder im beschaulichen Gaienhofen ankamen. Das ist fast wie eine Faustformel: je mehr Industrie, desto mehr Autos, desto mehr Neubauten, desto mehr unfreundliche, gehetzte, drängelnde Menschen.

Und die Massentouristen gibt es natürlich auch hier, sie sitzen gern bei Sonnenuntergang auf den Terrassen und glauben, sie seien auf Mallorca. Auf unserer südländisch anmutenden Terrasse hinter dem Hesse-Haus saßen wir noch lange und quatschten darüber, was Hermann Hesse in unserem Leben für uns bedeutet hat. Heute ist er fast vergessen, wenn auch die Abiturienten sich wieder mit dem Steppenwolf beschäftigen müssen. Eines habe ich begriffen: dass die Quintessenz des "Gasperlenspiels" die ist, dass man nicht die ganze Welt retten kann, sondern immer nur einzelne. Und sich auch an Einzelne wendet, wenn man schreibt oder sonst wie in den Musen aktiv ist. Zwischendurch schien es, als sei eines der Fenster des Hessehauses erleuchtet. Da die kleine Kapelle dahinter neben der riesigen Linde und dem Brunnen angezündet und ausgeraubt wurde, kam es uns ein wenig geisterhaft-kriminell vor. Schließlich fanden wir heraus, dass es eine Spiegelung unseres eigenen Lichtes war. In mir war eine ganz große Ruhe, kein Lärm, keine Störung, kein Telefon, kein Computer, der Fernseher wurde nur für die Nachrichten angemacht. Dort hörten wir, dass die deutsche Nationalmannschaft kläglich verloren hatte und noch vor dem Achtelfinale ausscheiden musste. Im ganzen Ort war eine tödliche Ruhe eingekehrt, niemand zeigte sich auf den Straßen. Der Mond löste sich aus der Linde, hinter der er halb verborgen war, und zog seine stille Bahn über den Horizont.

Bildergalerie:
Die Terrasse

Am Untersee in Gaienhofen

Badeplatz


St. Gallen Klosterviertel

Der Dom von St. Gallen


In der City von St. Gallen


Dienstag, 19. Juni 2018

Mein Schwarzwaldkrimi "Martinsmorde" ist da!



Ein Traum ist wahr geworden: Der Schwarzwaldkrimi "Martinsmorde" erscheint am 2. Juli 2018 und ist jetzt schon bei Amazon, bei Hugendubel, bei Weltbild und anderen Shops online vorbestellbar. Im September erscheint dann die Printausgabe. Klappentext:

Der erste Fall für Lisa Faber

Die Journalistin Lisa Faber besucht das kleine Dorf Niederweiler, um für den Schwarzwaldkurier einen Artikel über die Traditionen zum Martinstag zu schreiben. Doch die Dorfbewohner begegnen ihr mit Argwohn. Als nach dem Martinsritt der örtliche Pfarrer ermordet aufgefunden wird, ist die Feindseligkeit kaum noch zu übersehen. Hauptkommissar Steidle übernimmt den Fall, doch Lisa wittert eine Story. Sie findet heraus, dass vor vielen Jahren im Dorf schon einmal ein Pfarrer verschwand. Während sie auf eigene Faust ermittelt, stößt sie auf ein düsteres Geheimnis und gerät schließlich selbst ins Visier des Täters ...
Martinsmorde bei Ullstein
https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/martinsmorde-9783958191570.html
Martinsmorde bei Amazon
Martinsmorde bei Weltbild
Martinsmorde bei Thalia

Sonntag, 17. Juni 2018

Eine Oase in der Wüste der Zivilisation

Seit Freitag  bin ich damit beschäftigt, den besten von drei Covervorschlägen für meinen Schwarzwaldkrimi herauszusuchen. Dabei wurde ich tatkräftig von erfahrenen Autorenkollegen unterstützt. Sobald ich die endgültige Vorlage habe, werde ich sie hier einstellen. Und allgemein: Nach zwei, drei weiteren Versuchen, in der Nähe von SUVs und Touristenzentren eine Oase der Ruhe und der Authentizität zu finden, waren wir gestern endlich erfolgreich. Den Namen des Gebietes möchte ich nicht verraten, weil es sonst dort möglicherweise bald vorbei ist mit der Idylle. Es hat sich in den Jahren, in denen wir uns an dieser Stelle herumgetrieben haben, nichts verändert. Ort: die schwäbische Alb.

Von einem Grillplatz inmitten blühender Wiesen schreitet man leicht ansteigend einen weißen Weg bergan. Rechts und links kein Laut außer dem Zirpen der Grillen. An einem Waldrand entlang kommt man an den Trauf, das ist der Steilabhang der Alb, durch Jahrmillionen lange Erosion entstanden. Von dem Felskopf, der mit Thymian, wilden Rosen und Hungerblümchen bestanden ist, hat man einen weiten Ausblick über die bewaldeten, unbebauten Kuppen. Zwei Falken jagen sich in der Tiefe. Außer einer liebenswerten, lustigen Gruppe von Wanderern treffen wir kaum Leute. Der Pfad führt auf den Hauptweg zurück und zu einer Keltenschanze. Im Wald stehen Hunderte Exemplare des Türkenbundes. Und auch sonst haben wir selten so viele Arten von Pflanzen und Schmetterlingen auf einem Fleck gesehen wie hier. Später gelangt man zu einem Aussichtspunkt mit Ruhebank, und zurück geht es auf dem Hauptweg zum Ausgangspunkt. Oft sind wir von der Ruhebank aus auch weitergegangen, immer am Trauf entlang bis zu einer Felsenschlucht, die steil abwärts ins Eyachtal führt.
Am Trauf der schwäbischen Alb

Türkenbund-Lilie

Kuckucksblume oder Waldhyazinthe

Gelber Enzian

Gelber Fingerhut

Kleiner Fuchs

Admiral



Freitag, 1. Juni 2018

Zwischen allen Wettern


Marktplatz in Hayingen
Nach Abgabe meines überarbeiteten Schwarzwaldkimis "Martinsmorde" erhielt ich jetzt positives Feedback vom Lektorat. Der Text konnte fristgerecht ans Korrektorat übergeben werden, nächste Woche werde ich dann die Fahnen erhalten. Das Cover ist in Vorbereitung. Zur Belohnung wollten wir am gestrigen Fronleichnamstag auf der schwäbischen Alb wandern, doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Die Gewitter dauern nun schon weit über eine Woche an, sie haben andernorts die größten Schäden angerichtet. Durch tiefhängende schwarze Wolken kämpften wir uns bis zu unserem Ausgangsort durch, nämlich Hayingen nahe Zwiefalten, wo wir früher oft ungestörte, unvergessliche Kurzurlaube verbracht hatten. Die Vermieterin der Wohnung hatte uns damals gesagt, in Hayingen scheine oft die Sonne, wenn anderswo das Wetter schlecht sei. Und so war es auch. Als wir ankamen, war alles so wie immer, die Sonne schien auf den kleinen Marktplatz. Im Gasthof "Kreuz" nahmen wir  Cappuccino und Apfelstrudel mit Vanilleeis und Sahne zu uns. Ein Moment des perfekten Urlaubsgefühls. Die Männer vom Nebentisch erzählten von den Freuden des Musizierens im Musikverein,da würden sie heute auch Stücke wie "Smoke on the Water" spielen. Ich dachte an den Roman, der in der Ferienwohnung an der Stadtmauer entstanden war. Der wurde in einem Kleinverlag in Blaubeuren veröffentlicht und liegt -total neu gefasst - bei einem Digitalverlag zur Prüfung (was mir lieber war, als ihn selbst zu publizieren). Die Musiker berichteten auch, dass die Ferienwohnung inzwischen verkauft sei. Dann schoben sich dicke dunkle Wolken vor die Sonne, und wir wussten, was das zu bedeuten hatte. Aus de Wandern würde nichts mehr werden.

Es gelang uns noch, zwei Klöster in der Nähe zu besuchen: Obermarchtal mit seinem Münster an der Donau und Heiligkreuztal, wo ich schon zwei mal Psycho-Seminare besucht hatte.  Schrecklich war der Anblick von drei Pestkreuzen vor dem tintenschwarzen Himmel. Es grummelte, es wetterleuchtete, die Schläge kamen immer näher. Und wir irrten über die Alb und wussten nicht mehr genau, wo wir uns befanden. Der Magen schmerzte vor Hunger. Schließlich erreichten wir das Tal der Lauchert, retteten uns in eine Pizzeria. Und dann ging es los und wollte gar nicht mehr aufhören.

Kloster Obermarchtal, Münster
Kloster Heiligkreuztal




Samstag, 19. Mai 2018

Nach dem Lektorat

Es war eine gute Zeit mit dem lektorierten Text meines Schwarzwaldkrimis "Martinsmorde". Gestern habe ich die letzten Verbesserungen angebracht und die Kommentare gelöscht. Wie man so sagt: Aus einem Rohdiamanten ist ein Edelstein geworden. Oder besser gesagt aus einer grob geschnitzten Holzfigur ein hübsches Schwarzwaldpüppchen mit Bollenhut :-) Spaß beiseite: Nicht nur dafür, aber auch dafür ist das Schreiben eine Beschäftigung, die immer wieder Früchte trägt. Als nächstes kommt dann das Cover, auf das ich schon sehr gespannt bin. Meine anderen (historischen) unveröffentlichten Romane passen nicht ins Verlagsprogramm, wie ich schon vermutet hatte. Dafür kann ich an dem Schwarzwaldthema dranbleiben, wenn ich möchte. Meine Journalistin aus Tübingen und der Kommissar aus Hohenstadt können weiter ihre Abenteuer erleben und ihre fälle lösen. Leitthema ist dabei "Das alte Herz" von Wilhelm Hauff. Der Vorteil dieser Art von Krimis ist der, dass ich darin sowohl -wenn auch natürlich nicht zu üppige - Landschaftsbeschreibungen mit psychologisch interessanten Charakteren verbinden kann. Als ich den Krimi schrieb, hatte ich schon drei bis fünf weitere Folgen im Hinterkopf. Also nach dem Mord am Martinstag könnten welche zu Ostern, Fronleichnam, zu Pfingsten, Erntedank und Allerseelen folgen, jeweils mit dem Ort, dem Schwarzwald, seinen Menschen und sogar dem Brauchtum verwoben.

Daneben habe ich weiter die Entwicklung mit der DSGVO verfolgt, der neuen Datenschutzverordnung der EU. Jeden Tag gibt es etwas auszufüllen und zu bestätigen. Heute kommt erstmalig in meiner Papierzeitung eine ganzseitige Anzeige von Facebook, in der die Leser geduzt und zur Zustimmung für die neue Datenschutzerklärung gebeten werden. In einer anderen, ebenfalls ganzseitigen Rubrik wird auf die wichtigsten Punkte der DSGVO hingewiesen. Es wird erwartet, dass etwa 30% aller Bürger von ihre Recht auf Einsicht und Löschung Gebrauch machen werden, und dass die Abmahnanwälte sich vor allem auf mittlere und größere Unternehmen konzentrieren werden.
Wir Blogger und Webseitenbetreiber müssen natürlich auch auf alles vorbereitet sein.

Dienstag, 8. Mai 2018

Warum ich meine Blogs nicht schließe-trotz DSGVO!

"Prolog": Zunächst einmal etwas ganz Persönliches. Ein Mensch, der mir sehr nahe steht, hat sich sein ganzes Leben lang der Digitalisierung verweigert. Er besitzt weder Computer noch Smartphone noch Handy und erledigt Behördliches per Brief oder Telefon. Unterwegs, auf der Straße, in Geschäften und Cafés spricht er die Leute an und bringt sie, wenn sie auf der gleichen Welle liegen, zum Lachen. Ich selbst habe schon Tränen dabei vergossen! Wenn sie ihm nicht behagen, gibt es schon mal Knatsch, ebenso mit den SUV-Fahrern, die meinen, ständig unsere Stoßstange knutschen zu müssen. Kürzlich hatten wir ein Treffen mit unserem gemeinsamen Anwalt, meinem Exmann. Es ging um ein Familientreffen, die DSGVO fiel dabei ein wenig unter den Tisch. Am anderen Tag bekam mein Freund einen Brief von diesem Anwalt wegen des 25. Mais. Ich habe ihm erklärt, worum es dabei geht. Auch die Anwälte müssen jetzt wegen des Datenschutzes Verträge mit ihren Klienten abschließen.
"Wieso lasst ihr euch diese Nazimethoden eigentlich gefallen?", fragte er grimmig.
"Weil über 90% aller Menschen ein Smartphone besitzen und in einer digitalisierten Welt leben! Du gehörst zu den Dinosauriern."
"Die Dinosaurier haben Jahrmillionen überlebt, die waren besser angepasst als die Menschen."
"Bis ein Meteorit kam und sie von der Erde katapultierte!"
"Was nicht erwiesen ist."

Zurück zum Thema: Warum ich meine Blogs trotz der DSGVO nicht schließen möchte. Die vergangenen Wochen kommen mir im Rückblick vor wie ein Ritt über den Bodensee. Erstmalig erfuhr ich im öffentlichen Bereich des Montsegur-Autorenforums von der Existenz der DSGVO und dem Stichtag 25.Mai 2018. Sich da durchzuwühlen hat fast alle Kraft, allen Verstand und sämtliche Nerven gekostet. Nachdem die Grundlagen erst einmal da waren, habe ich folgende Schritte gemacht. Ich habe

-mit Hilfe eines Generators der Deutschen Gesellschaft für Datenschutz eine Datenschutzerklärung erstellt.
-Die habe ich zusammen mit dem Impressum und einer Urheberrechtserklärung auf beiden Blogs verlinkt.
-Google Analytics hat mir bisher zwei Anleitungen geschickt, wie ich diese DSE anpassen kann. Google selbst hat die SSL-Verschlüsselung vorgenommen. Weiteres müsste folgen.
-Die Links zu den sozialen Medien habe ich deaktiviert. Wer meine Beiträge zum Beispiel bei FB oder Twitter verlinken will, macht das auch ohne diese Buttons.
-Im Kommentarformular habe ich gestern noch eine Mitteilung an Kommentatoren hinterlassen, dass sie meiner Datenschutzerklärung oben in der Navigationsleiste zustimmen.
-Dann habe ich mir auf Anraten von Kolleginnen den Ghostery runtergeladen, der anzeigt, welche Elemente noch stören. Bei mir waren es zwei, die ich deaktiviert habe. Ich wusste nicht, dass ich mir damit den Zugang zu meinen Blogs versperre und habe die beiden Aktivierungen deaktiviert.

Jetzt bleibt nicht mehr viel zu tun. Ebenfalls gestern stieß ich auf einen Beitrag von Petra van Cronenburg, FB und die DSGVO betreffend. Daraus habe ich wieder einmal entnommen, wie FB und andere soziale Medien mit uns Usern umgehen. Und dass die Blogs eine Nische darstellen, die an Zeiten der Geocities im Internet erinnern. Und aus diesem Grund und aus Gründen werde ich meine Blogs nicht löschen.

Der 25. Mai ist übrigens auch Deadline für mein Lektorat, dass mir vor ein paar Tagen ins Haus flatterte. Seit meinen Kleinverlagszeiten habe ich nie mehr so ein gründliches und sprachlich und inhaltlich feinschlifferiges Lektorat erhalten. Es bringt Spaß und kostet nicht viel Zeit, so dass wir weiterhin unseren Outdoor-Vergnügungen nachgehen können.



Sonntag, 29. April 2018

Hinweis auf die DSGVO

Hinweis: Dieser Blog wird gerade in Bezug auf das neue Datenschutzgesetz (DSGVO), das am 25.Mai 2018 endgültig in Kraft tritt, überarbeitet. Die verlinkte Datenschutzerklärung wird bis zu dem Zeitpunkt laufend angepasst. Nebenher läuft das ganz normale Schreiberleben weiter. Während ich der Veröffentlichung meines Buches "Martinsmorde" entgegensehe (E-Book voraussichtlich im Juli, Printbuch im September), genießen wir das anhaltend schöne Wetter, um Ausflüge, Städtetouren und Wanderungen zu unternehmen.





Dienstag, 17. April 2018

Eine Nacht im Faulturm

Wir haben das schöne Wochenende genutzt, um mal wieder in Hohenlohe auszuspannen. Ging auch flott voran, nach Crailsheim dünnten sich die Industrieanlagen aus, der Verkehr wurde weniger. Vor uns dehnten sich die Höhen mit den grauen Bauernhäusern, die Waldinseln und die Bäume mit den unendlich vielen Misteln aus. In Rothenburg ob der Tauber ging es runter ins Taubertal, da grüßten schon die Detwanger Riemenschneiderkirche und das Gasthaus mit dem fröhlichen Eierwirt. Uns stand der Sinn aber nach etwas Anderem, etwas Neuem. Beim Kaffee in einem Creglinger Bistro stellte ich fest, dass das Haus aus dem 14. Jahrhundert stammen musste, daneben stand ein uralter Turm, in dem eine Ferienwohnung zu vermieten war. Warum nicht mal in einem alten Gefängnisturm übernachten? Innen war es so romantisch-dämonisch, dass wir die 48 steilen Treppenstufen zunächst nicht beachteten, die hinauf in die Stube des Türmers führten. Der Turm bietet bis zu 6 Personen Platz, und so konnten wir uns aussuchen, an welcher Stelle der offenen früheren Zellen wir schlafen wollten.
Und so nahm das Abenteuer seinen Lauf. Nach einer schmackhaften Gulaschsuppe erkundeten wir erst einmal das Terrain rechts und links des lieblichen Taubertals.



Wir kamen an Brückenheiligen vorbei, an Madonnenstatuen, frommen Bildstöcken und der mittelalterlichen Ulrichskapelle mit heilkräftiger Ulrichsquelle, die inmitten der aufgeblühten und begrünten Landschaft stand, später untersuchten wir das Ambiente des Turmes. Da waren viele alte merkwürdige Gerätschaften an den Wänden. Wenn man aus einem der schießschartenartigen Fenster hinausblickte, sah man auf der einen Seite die mittelalterliche Stadt, auf der anderen den schäumenden Fluss (die Tauber), die an dieser Stelle über ein Wehr fließt. Das Rauschen tönte wie ein immerwährender Ventilator. Ein Gang zwischenzeitlich durch den Ort: Um zehn hatten die letzten Gaststätten geschlossen, kein Mensch bewegte sich mehr in den dunklen Gassen. Statt der Laternen hätte man auch Fackeln an den Wänden befestigen können. Also wieder hinauf in die Turmstube, 48 steile Stufen hinauf. Da saßen wir nun in aller Stille, kein Fernseher, kein Computer, kein Radio, kein CD-Player, noch nicht einmal Bücher, sondern nur ein paar Prospekte, Kartenspiele und zwei Gästebücher. Die las mein Freund mir vor; da war die Rede von glücklichen Tagen, aber auch von den 48 Stufen zum Klo hinunter und immer wieder hinunter und wieder hinauf, wenn man nur unten etwas vergessen hatte. Wie hatte der Türmer das bloß gemacht, wahrscheinlich hat er einen Eimer benutzt und ihn dann zum Fenster hinausgekippt. Ein Gespenst sollte O-Saft geklaut haben, im wurmstichigen Schrank unten sollten die Beine einer Gräfin herab baumeln. Vor allem Radler waren hier gewesen und Familien mit Kindern. Im Kühlschrank lagerten hiesiges Bier und Taubertalwein. Wir machten es uns also gemütlich, redeten die halbe Nacht über Gott und die Welt und darüber, dass es eine materiell orientierte und eine mehr künstlerisch orientierte Seite darin gibt. Und saßen schließlich kichernd vor dem Schrank mit der Gräfin und kamen uns vor wie in einem Spukschloss. Aller Lärm und alle Widrigkeiten dieser Welt waren von uns abgefallen.

Morgens blinzelte die Sonne herein, wir brachen schnell auf und fuhren weiter in dieses gesegnete Land hinein. Zunächst besuchten wir noch einmal den barocken Park von Schloss Weikersheim. Da stehen lustige, frivole Figuren, eine Art Satyr fraß sogar ein Kind! Mittags machten wir Rast in Blaufelden, einem typisch fränkischen Ort. Die Frauen hatten Picknicktische vor der Wehrkirche aufgebaut, die Männer gönnten sich drei oder vier Schoppen vor einem Gasthaus in der Sonne. Allein drei davon gab es dicht nebeneinander, da wurde fleißig zum Mittagessen eingekehrt. Es ist ein Landstrich, in dem die Menschen freundlich sind und noch aufeinander achten. Sie reden  miteinander, Smartphones habe ich keine gesehen.
In Dinkelsbühl, der "schönsten Stadt Deutschlands", wimmelte es von Touristen und Pferdekutschen, aber hier störten die Massen überhaupt nicht. Über Nördlingen und Neresheim ging es dann zurück zur Autobahn Richtung Stuttgart. Die verließen wir bei Merklingen und den Stuttgart-21-Erdaushüben, um quer über die schwäbische Alb nach Hause zurückzukehren. Nach solchen Touren fühle ich mich immer mehr erholt als früher von einer Flugreise, trotz des Muskelkaters, der sich nach dem Treppensteigen eingestellt hatte.

Die Übernachtung im "Faulturm" und im "Schlosserturm" ist ein echtes Abenteuer und für Urlauber zu empfehlen, die gut zu Fuß sind und günstige Übernachtungsmöglichkeiten im Taubertal suchen.

Sonntag, 1. April 2018

Frohe Ostern!

Hatte ich schon erwähnt, dass dieser Winter der längste und schrecklichste war, den ich jemals erlebt habe? Schrecklich nicht wegen der Tiefsttemperaturen, sondern wegen seiner Launenhaftigkeit. Jeden Tag ein anderes Wetter, drei- bis viermal Frühling und ebenso oft Rückkehr des Winters. Gestern und vorgestern haben wir den Frühling endlich erlebt, heute bläst wieder ein eiskalter Wind, ziehen immer wieder Wolken vor die Sonne, inzwischen tobt ein kalter Regensturm.

Am Karfreitag waren wir auf dem kleinen Heuberg, in einem Gebiet zwischen Schömberg und dem Neckartal. Dort gibt es Dörfer, in denen die Zeit stehengeblieben ist. Damit ist aber auch die Infrastruktur auf der Strecke geblieben - das Gasthaus verfällt, statt dessen gibt es eine alternative Milch- und Vesperwirtschaft. Der ganze Ort ist auf den Beinen Richtung Kirche.
Ammonit mit Lungenkraut beim alten Gasthaus





                                                                                                                                                           
Blaue Anemomen im Neckartal bei Weitingen
In Haigerloch dann endlich mal wieder ein Eis und Cappuccino unter freiem Himmel! Dazu ein Beuch der sehenswerten Ausstellung in der alten Ölmühle. Der surrealistische Maler Karl Hurm aus Weildorf hat dort seine Dauerausstellung. Ausgesprochen originelle und farblich sowie von den Motiven her faszinierende Bilder.

In diesem Sinne allen meinen Lesern schöne Ostertage, egal, was das Wetter für Kapriolen schlägt.

Dienstag, 27. März 2018

Mein kleines, neues Autorenleben

Heute sah ich den gelben Postwagen auf der Straßenseite gegenüber halten. Der Postbote hatte einen großen weißen Umschlag in der Hand. Das wird doch nicht etwa ... dachte ich, und wischte schnell hinaus. Und tatsächlich, es war der Verlagsvertrag! Ullstein Buchverlage stand ganz groß oben drüber. Es ist der erste Vertrag seit dem Jahr 2012, damals für die Köchin, die im Juni 2013 erschien. Zwischendurch gab es noch eine E-Mail-Vereinbarung für ein Bundle. Seitdem hatte ich zwei SP-Bücher herausgegeben, einen Roman ganz neu geschrieben und einen älteren, dessen Rechte ich zurückbekommen hatte, neu verfasst und erweitert. Dieser Vertrag brachte natürlich einen besonderen Glanz in meine Hütte, die in den letzten Wochen und Monaten meist in Regen, Schnee und Nebel gehüllt war.

Schon in den letzten Tagen hatte ich mich auf mein kleines, neues Autorenleben vorbereitet. Erst einmal machte ich drei Regalfächer mit Büchern und verstaute sie in fünf Stofftaschen. In die Säcke kamen Reiseführer mit Orten, an denen wir schon waren und zu denen wir sicher nie mehr hinfahren würden (auch aus Gründen der Verkehrsstaus), dazu Bücher, die ich gelesen hatte und nicht noch einmal lesen würde sowie alte, nicht besonders gute Abhandlungen über Orte, an denen man heute nichts mehr von dem findet, was beschrieben wird und abgebildet ist. Sie kommen alle in die öffentlichen Bücherschränke. Dann hatte ich mir schon lange vorgenommen, mir endlich einen kleineren, bequemeren Schreibtischstuhl zu kaufen. Weiß der Teufel, was mich damals geritten hat, bei Ikea einen Chefsessel zu kaufen, so groß, dass ich meist krumm und schief darin hing wie ein Autorenzwerg. Hier in der Gegend bekommt man so etwas nicht, und so fuhren wir heute nach Balingen ins Rogg&Roll. Mit viel Tamtam bekam ich meinen neuen Schreitischstuhl endlich ausgehändigt. Ging auch leicht aufzubauen, obwohl ich dabei wie immer ins Schwitzen geriet und mir eigentlich geschworen hatte, nie mehr etwas zusammenbauen zu wollen. (Das letzte war ein Badschränkchen vom Dänischen Bettenlager gewesen, bei dem eine Schraube nicht passte). Dank einer Minitaschenlampe fand ich dann schließlich das Loch für die zweite dicke Schraube, und mittels eines Hammers saßen die Rollen fest wie eingemeißelt. Jetzt sitze ich Auge in Auge mit meinem Laptop, und ich habe das Gefühl, als wäre die mehr oder weniger demotivierende Verlags- und Agentursuche der letzten Jahre in sich zusammengeschnurrt wie ein heißer Luftballon.

Freitag, 16. März 2018

Schmeck den Süden

Kloster in Haslach
Heute mal ein Eintrag ganz profan und ohne speziellen Bezug in eigener Sache. Momentan scheinen alle Autoren und Verlagsmenschen auf der Leipziger Buchmesse zu sein. Ich selbst habe die Gelegenheit ergriffen, meine drei Manuskripte nochmal auf Vordermann zu bringen. Denn sie werden zusammen mit den eingedampften Exposés noch vom Lektorat geprüft. Eigentlich ist es sehr entspannend, erstmal nichts Neues schreiben zu müssen. Am Plot für einen weiteren Schwarzwaldkrimi denke ich noch herum, aber es ist nicht eilig. Es ist Zeit, sich mal wieder dem realen Leben zuzuwenden. Der Ausflug nach Haslach im Kinzigtal war irgendwie berauschend. Bei Temperaturen von 15° und Sonnenschein flanierten die Menschen durch die Stadt und durch die weite, frühlingshafte badische Landschaft. Neben der Fachwerkstadt erweist sich das Kloster mit dem Park und der Statue des badischen Dichters und Pfarrers Heinrich Hansjakob als die schönste Meile (der wird auch in meinem Schwarzwaldkrimi erwähnt, denn ein Teil davon spielt im Kinzigtal). An den Straßenrändern zeigten sich die ersten Anemonen.

Gestern kam dann, das ist man schon gewohnt bei dem Extremklima, der Absturz in die graue Kälte. Doch alles Jammern nützt ja nichts. Was tun, fragten wir uns. Die Polarkälte wird möglicherweise noch die ganze nächste Woche andauern. Überall, bis runter nach Venedig und Marseille. Flucht ist unmöglich, auch wenn uns hier eigentlich gar nichts hält.

Um dem vollkommenen winterlichen Einrosten vorzubeugen, schwamm ich zunächst einmal meine Runden im neuen Neckarbad in Horb am Neckar. Dort gibt es einen Italiener, der eine Gaststätte betreibt, und an der Wand hängt das farbenfreudige Bild einer italienischen Hafenstadt. Die Pizza-und Pasta-Düfte regten den Appetit an, der in letzter Zeit fast vollkommen abhanden gekommen ist. Der lebensfrohe Wirt erzählte uns einiges, unter anderem, dass man nach Meran und Südtirol am besten über den Reschenpass fährt. Wir hatten beschlossen, mal wieder eine renommierte Gaststätte im Eyachtal zu besuchen. Sie gehört dem Verband "Schmeck den Süden"an und verspricht wirklich nicht zu viel. Meine anvisierten weißen Bratwürste mit dem traumhaften schwäbischen Kartoffelsalat, grünem Salat und Brot waren leider ausgegangen. Stattdessen bekam ich einen kleinen Braten mit Spätzle, Soße und Gemüse, mein Partner entschied sich für Putenmedaillons mit Rahmsoße, Früchten und Mandelreis. Und aus seinem Salat war der legendäre Kartoffelsalat schnell verschwunden. Am besten war die selbst gemachte Hollandaise, die das Gemüse umgab. Der eingeschlafene Appetit war wieder zum Leben erwacht! Ich hatte schon mal eine Liste mit guten Lokalen in der näheren Umgebung erstellt. Die sollten wir weiter ausprobieren, sammeln und zusammen mit dem gesamten Material an Wanderungen, Fahrten, Geschichten und Historischem irgendwann einmal doch noch irgendwo herausgeben.

Flößerstadt Wolfach

Dienstag, 13. März 2018

Die Elster

Leberblümchen
Als ich vorhin vom Schwimmen zurückkam, saß eine Elster auf der Straße und stolzierte mit wippendem Schwanz zum Randstein hin. Ich lebe mit diesen Vögeln schon seit mehr als siebzehn Jahren in enger Nachbarschaft. Morgens höre ich sie schon in meinem Nussbaum tschackern. Bei Wikipedia und beim NaBu kann man mehr über diese intelligenten Tiere erfahren. Offensichtlich hat die Zersiedelung der Landschaft viele dazu gezwungen, sich in Gärten und Städten niederzulassen und sich von dem zu ernähren, was Komposthaufen und Abfalleimer hergeben. Dazu Spinnen und Würmer, Vogeleier, Kleinvögel und Echsen. Sie klauen keine glänzenden Gegenstände, sondern haben eine sogenannte Objektpermanenz, das heißt, sie merken sich, wo sie etwas versteckt haben und fressen es innerhalb von zehn Tagen auf. Diese Objektpermanenz haben sie nur mit anderen Rabenvögeln, mit Hunden und Affen gemeinsam. Wenn sie sich in einem Spiegel sehen, gucken sie dahinter, weil sie einen Artgenossen vermuten, bekämpfen ihn bisweilen auch. Mein Nussbaum scheint ihnen manchmal als Schlafbaum zu dienen, denn tagsüber zeigen sie sich weniger.

Beim Anblick dieser Elster auf der Straße musste ich an das vergangene Wochenende denken, an dem ich mich verzweifelt damit herumschlug, das Elster-Formular vom Finanzamt herunterzuladen. Ich konnte es einfach nicht fassen: Schon mindestens dreimal habe ich dieses Onlineformular mühelos ausgefüllt, die Vorschau ausgedruckt und alles ans Finanzamt übermittelt. Aber es kam zwei Stunden lang immer nur das Formular von 2016, nicht editierbar. Die Passwörter für ein neues 2017 stimmten angeblich nicht. Irgendwann stand ich mit senkrecht gerauften Haaren inmitten eines Chaos und wusste nicht mehr aus noch ein. Schließlich konnte ich doch keinen Steuerberater engagieren, nur um das elende Ding herunterzuladen. Dann ging es plötzlich doch, wie von selbst. Vielleicht hatte die kluge neckische Elster ein Einsehen gehabt. Bauchschmerzen machten nur noch die Stellen, die ich nicht auf Anhieb ausfüllen konnte. Da wird die betreffende Stelle rot, und nichts geht mehr. Gestern Abend hatte ich dann das letzte fehlende Aktenzeichen gefunden, und ab ging die Elsterpost. Heute den Brief mit dem gedruckten Formular in den Briefkasten gesteckt, und fertig war die Chose.  Als nächstes kommen dann die Exposés zum Verlag.

Morgen gibt es einen Halbfrühlingstag, bevor der Winter erneut zurückkehrt. Den werden wir in Haslach im Kinzigtal verbringen. Wenn man es doch machen könnte wie die Veilchen: Eins blühte heute unverdrossen im Eiswind am Fuße des Schlossbergs. Gestern besuchten wir einen Garten im Neckartal wie in jedem Frühjahr. Hinter einem Drahtzaun blüht es da immer ganz früh ganz blau. Neben Schneeglöckchen Krokusse und die Anemone blanda (Scilla haben wir letztes Wochenende unter einer Magnolie der Neckartenzlinger St. Jakobs-Kirche gesehen, einem prächtigen romanischen Bau aus dem Mittelalter). Der botanische Garten in Tübingen war noch sehr winterlich, bis auf ein paar Märzenbecher, Alpenveilchen und Leberblümchen - an geschützter Stelle unter Buchen. Gestern im Neckartal nun wartete schon der alte Besitzer an der Straße auf uns, als hätte er gewusst, dass wir vorbeikommen. "Der Winter war lang und schrecklich dieses Jahr" sagte er.

Samstag, 10. März 2018

Neuer Verlag, neues Glück

Im Schloss Gochsheim/Kraichtal
Am vergangenen Dienstag habe ich den Verlagsvertrag zur Rückzeichnung in den Postkasten geworfen, kurz bevor ich mich unter das Skalpell des Zahnarztes begab. Im Bewusstsein, dass wieder Bewegung in das Schreiben gekommen ist, ließ sich das alles besser ertragen. Gestern fand ich einen Artikel über den Ullstein Verlag, bei dem mir klar wurde, wie der neue Leiter Gunnar Cynybulk im letzten Herbst zu diesem Verlag gekommen ist, in welche Richtung er sich entwickeln könnte und warum ich mich dort gut aufgehoben fühlen kann.

Als nächsten Schritt habe ich mir meine drei Exposés vorgenommen, die in den letzten Jahren keine Heimat fanden. Und fast scheint es mir, dass es an ihnen gelegen hat, warum keine Agentur anbeißen wollte. Ich las mir noch einmal die Exposékritik einer Agentin durch. Und da fiel mal wieder ein kleiner Groschen. Die Exposés waren überladen mit Handlung, Personen und Konflikten. Die habe ich jetzt eingedampft, den zentralen Konflikt und die zentralen Personen stehen lassen und alles, was nicht zum Verständnis beiträgt, gestrichen. Im nächsten Schritt kommt dann das Lektorat, parallell dazu ein Cover, das mir vorgelegt werden soll.

Mittwoch, 28. Februar 2018

Mein Schwarzwaldkrimi ist gelandet!

Der düstere Schwarzwald vor zwei Wochen
Es ist tatsächlich wahr geworden: Mein Schwarzwaldkrimi "Martinsmorde" wurde von einem Verlag angenommen, und zwar von Midnight/Ullstein! Der Vertrag, den ich schon im Voraus geprüft habe, wird mir demnächst zugestellt. Voraussichtlich wird das E-Book im Sommer 2018 erscheinen, das Printbuch soll im Herbst folgen. Parallel zum Lektorat wird ein Cover erstellt, das mir vorgelegt wird, weil die Autoren in die Entwicklung einbezogen werden sollen. Heute kam eine weitere Mail der Lektorin, in der sie mir anbietet, auch andere Exposés und Texte zur Prüfung zu schicken. Ich hatte nach Fertigstellung des Romans schon mehr Ideen im Kopf, drei bis fünf Folgen. Weil ein Verlag und ein paar Agenturen letztendlich kein Interesse an dem MS zeigten, hatte ich das nicht weiter verfolgt. Es gibt aber eine Idee, die ich nur noch in aller Ruhe ausführen und in Exposéform bringen müsste. Demnächst bekomme ich von meinem Sohn ein schönes Notizbuch, in das ich alles hineinschreiben kann, was mir durch den Kopf geht.

Jetzt habe ich erstmal aufgeräumt, die ganzen Papiere von der Familienforschung verstaut und die gesamte Ablage ausgemistet. Die letzte Woche war unterirdisch kalt, auf der Zugspitze herrschten gestern Nacht -30°, eine nie gemessene Temperatur um diese Jahreszeit! Beim Rausgehen pfeift mir ein so eiskalter Wind um die Nase, dass ich fast alle Aktivitäten im Freien eingestellt habe. Ich freue mich auf wärmere Temperaturen, und ich freue mich auf die schreiberischen Aktivitäten, die vor mir liegen. (Das Foto habe ich übrigens nicht weit von meiner Wohnung entfernt aufgenommen).

Montag, 19. Februar 2018

Tore und Türen

Traum vom Süden -hier: Madeira
Der Gotthard gilt als das Tor zum Süden. Ich habe es noch erlebt, dass wir bei Regen ankamen, das Auto auf die Bahn verladen wurde, dann ging es kilometerlang durch den Tunnel. Auf der anderen Seite schien die Sonne, blühte der Oleander, die Dächer der Häuser glänzten. Viele Menschen haben diesen Traum vom Süden im Kopf, und nicht Goethe war der erste, den es dorthin und zu den kulturellen Schätzen Italiens zog. Selbst die Urvölker machten sich auf den Weg nach Süden, wenn das Klima sich verschlechterte und die Nahrung knapp wurde.

Vor ein paar Tagen habe ich einen Film über ein Rentnerehepaar gesehen, das sich ein Haus in Spanien, bei Malaga, gekauft hatte und dorthin übersiedelte. Eigentlich war es eine Schnulze, die ich sonst nicht angeschaut hätte, aber Gila von Weitershausen hat so entzückend gespielt, dass es eine Freude war. Dieses Paar nun erhoffte sich die Erfüllung aller Träume ihres Lebens - einmal Granada sehen, und alles ist im Lot! Natürlich geht dann alles schief. Der Umzugswagen bleibt liegen, es gibt kein Wasser, und die deutschen Nachbarn schleppen die beiden zu einem touristischen Flamenco-Event. Ein Durcheinander ohnegleichen entsteht, Eifersüchteleien, die Partner entfremden sich voneinander und von sich selbst. Die Frau erkennt, dass sie sich ein Leben lang für andere abgerackert hat. Am Ende kehren sie nach Deutschland zurück und leben ein selbst bestimmtes Leben in zwei getrennten Wohnungen-in Augenweite.

Tore und Türen können sich also in jede Richtung öffnen, hinaus- und hereinlassen. Nachdem ich vor etwa einer Woche eine Absage wegen Überfüllung eines Verlages mit Büchern bekommen hatte, kam am Freitag eine Mail von einem anderen Verlag, der sich für meinen Schwarzwaldkrimi interessiert. Das war sehr motivierend, und seitdem glaube ich wieder daran, dass sich Tore und Türe öffnen können, auch wenn man lange Zeit glaubte, sie hätten sich alle geschlossen.

Mittwoch, 14. Februar 2018

Erntezeit und neues Leben

In grauer Vorzeit, ich habe es heute noch in den Ohren, sang die Kölner Gruppe BAB"Am Äschermittwoch is alles vorbei." Jetzt ist der Tag wieder gekommen, und die Blumenläden machen gute Geschäfte, weil auf diesen Mittwoch gleichzeitig der Valentinstag fällt. Und es ist mal wieder Zeit für eine Zwischenbilanz. Inzwischen zieht sich geradezu eine Elefantenspur von mir durchs Internet. Die dürfte aber, im Vergleich mit den Spuren anderer, eine Schmalspur sein. Die Bücher, die ich veröffentlicht habe, sind nicht verschwunden, im Gegenteil, sie breiten sich immer weiter aus. In unzähligen Shops weltweit werden sie angeboten (selbst bei Barnes&Noble in New York), täglich tauchen sie in neuen Bibliotheken auf und werden auch gelesen - leider auch von Lesern, die sich bei Umsonst-Plattformen bedienen. Ich habe alle Ideen, die ich in den letzten siebzehn, achtzehn Jahren hatte, verwirklicht. Jetzt ist irgendwie das Ende der Fahnenstange erreicht. Es kommen keine Antworten mehr, weder von Verlagen noch von Agenturen. Dafür haben sich im Virtuellen viele wertvolle Kontakte entwickelt, die genauso real sind wie die in der Wirklichkeit. Doch gab es nicht auch einmal ein Leben vor der Virtualität?

Naja, ganz draußen war ich glücklicherweise nie. Parallel zu der Parallelwelt bin ich weit herumgekommen, wie einige meiner Blogleser noch wissen werden. Das ist wiederum in das Schreiben und in die Blogbeiträge eingeflossen. Es war schon immer eine andere Welt gewesen als die der "Normalbürger", nämlich die der Literatur, der Kultur und der Natur. Ich muss nicht fasten, muss nicht auf Süßigkeiten oder das Internet verzichten, muss kein neues Leben beginnen. Statt dessen sollte ich beides besser miteinander in Einklang bringen. Durch den Hamburger Kontakt erfahre ich mehr über meine Familiengeschichte als jemals zuvor. Das ist sozusagen die Folge der Elefantenspur, die sich hinter mir herzieht. Neben dem Bücherangebot in der Welt und den Lesern wachsen auch die Besucherzahlen im Blog kontinuierlich, je nach Input.

Sonntag, 4. Februar 2018

Herrschaftliche Zeiten

Es gibt Momente, in denen ich es außerordentlich begrüße, dass es das Internet gibt. Man kann Schulfreunde wiederfinden oder etwas über seine Ahnen erfahren. So ging es mir vor etwa einer Woche, als ich mit einer sehr liebenswerten und engagierten Frau telefonisch ins Gespräch kam (der Kontakt war über den Blog zustande gekommen). Sie und ihr Mann hatten vor langen Jahren von meinem Vater eine Villa in Reinbek (bei Hamburg) gekauft und sie sorgsam renoviert. Bis es so weit war, spielten sich allerdings noch jahrelange krimireife Handlungen mit dem Vormieter ab. Durch diesen Kontakt erfuhr ich nicht nur, dass wir in dasselbe Gymnasium in Flensburg gegangen sind, teilweise dieselben Lehrer hatten und in denselben Cafés und Kneipen in dieser Stadt saßen, sondern auch, dass mein Großvater Paul Lotz zusammen mit seinem Bruder noch ein weiteres Haus in Wentorf bei Reinbek besessen hatte. Jenes Haus nun wird von einer Frau bewohnt, die ein umfangreiches, bebildertes Buch über die herrschaftlichen Villen in Wentorf geschrieben hat. Das kam gestern bei mir an, und ich habe mich gleich auf die Suche nach der Wentorfer Villa gemacht und sie entdeckt. Mein Großonkel Eduard Lotz ist 1936, als der Boden zu heiß und zu braun wurde, nach Amerika ausgewandert, mein Großvater ließ sich in Bussum in Holland nieder. Er war immer ein kritischer Geist gewesen, las alle möglichen ausländischen Zeitungen und hinterließ uns eine umfangreiche Bibliothek. Darunter waren nicht nur schöne alte Gesamtausgaben von Shakespare und Goethe, sondern auch sämtliche Klassiker und das Werk meines Schriftstellervorfahren Georg Lotz (1784-1844), der Sir Walter Scott übersetzte, im Hamburger Salon mit Heinrich Heine verkehrte und historische Romane und Novellen schrieb, die in Venedig, in England und in Polen spielten. Bei Google Books habe ich eine Stelle gefunden, die belegt, wie sich die Hamburger Schriftsteller damals gefetzt und ihre Ergüsse um die Ohren gehauen haben.

Paul Lotz ermöglichte meinem Vater vor dem Krieg einen längeren Aufenthalt in der Hermann-Lietz-Schule Abbotsholme in England, die für ihre liberale Gesinnung und ihre ganzheitliche Erziehung bekannt war. Deshalb habe ich meinen Vater auch als einen lustigen, intelligenten, etwas kauzigen, aber durch und durch mutigen und tatkräftigen Menschen in Erinnerung. Sein Halbbruder Juan H. Kaae wanderte 1934 nach Argentinien aus, wo er als Verwalter einer Estancia tätig war. Sein Platz auf der Cap Arcona ist sogar noch auf der Passagierliste zu finden. Im Jahr 1969 besuchte ich ihn, meine Tante und meine Cousine dort. Auf einer Reise in den Norden musste ich feststellen, dass es im Urwald von Misiones urdeutsche Dörfer gab und dass noch viel von den nationalsozialistischen Emigranten zu spüren war. Auch heute noch wird das Oktoberfest deutscher als bei den Deutschen in Villa General Belgrano in Cordoba gefeiert. Der Hang zur Schriftstellerei mag sich über die Generationen auf mich übertragen haben.

Das Haus in Reinbek





Donnerstag, 25. Januar 2018

Eine Frage des Alters?

Figur am Portal des Heilig-Kreuz-Münsters in Schwäbisch Gmünd
Ändert man im Lauf des Lebens seine grundsätzlichen Einstellungen? Entwickelt man, wenn man älter wird, einen Blickwinkel, den man zwangsläufig mit anderen teilt? Diese Frage stellte sich mir heute nach einer (teilweise) schönen Tour ins Remstal (Lorch, Schwäbisch Gmünd). Warum sie nur teilweise schön war, erschließt sich aus dem Folgenden. Danach kehrten wir im Luginsland in Stuttgart ein, wo wir fast immer absteigen, wenn wir in der Gegend sind. Es ist die Kinderheimat meines Lebensgefährten, der in der Nachkriegszeit in den Weinbergen herumstreifte, zur Schule ging und in den Räumen der Zeitung Tarzan-Comics verschlang. Das erste Mal war ich an einem Ostermontag 1999 in der Gegend gewesen. Wir waren einen Weg durch blühende Obstbäume ins Weindorf Uhlbach hinunter gestiegen und hatten in einem Kastaniengarten schwäbischen Rostbraten zu uns genommen, in Gesellschaft eines älteren Ehepaars, sie mit einem bezaubernden, duftigen Hut. Dieses Gasthaus Luginsland ist eine Oase im Getriebe der Stadt. Mein Partner hat hier schon als kleiner Junge Zigaretten für den Vater holen müssen, und das grundsätzliche Aussehen und die Philosophie haben sich niemals verändert. Man isst gut bürgerlich, und abends sitzen die Leute gemütlich am Stammtisch zusammen. Nach dem sehr guten Kalbsschnitzel in Rahmsoße mit Pilzen, natürlich mit Spätzle, stellte uns der Ober (eine absolute, zurückhaltend-humorvolle Koryphäe!) eine Frau vor, die in derselben Straße wohnte wie mein Partner damals als Kind. Tatsächlich stellte sich heraus, dass ein Klassenkamerad von ihm samt Frau und Sohn noch dort wohnt (nach über sechzig Jahren!) Die Frau musste sehr lachen über die Erzählungen meines Lebensgefährten. Und stimmte zu, dass der Stadtteil Luginsland nach Fellbach hin dermaßen grausig überbaut worden ist, das niemand, der damals hier gelebt hat, es wiedererkennen würde. Das hatten wir auch auf dem Weg ins Remstal gesehen. Es gibt nur noch Inseln von Feldern und Äckern zwischen den langgestreckten Industriegebieten, und hinter Schwäbisch Gmünd herrschte der Verkehrsinfarkt. Sind wir nur empfindlicher geworden mit der Zeit, würde es uns nichts ausmachen, wenn wir jünger wären? Ich glaube es nicht. Ich weiß noch, wie ich mit meinen Freundinnen im Alter von etwa elf Jahren durch die Wälder und Schluchten von Wassersleben bei Flensburg streifte, fern unter uns die blaue Flensburger Förde. Bei der Vorstellung, dass eine Schnellstraße vorbei an unserem Backsteinhaus mit dem großen Garten vorbeiführen sollte, damit die Leute schneller zum Einkaufen nach Dänemark kamen, litten wir tausend Tode. Denn in dem Garten gab es Igel und in der Ecke mit den Buchen Krause Glucken, und nachts stiegen die Rehe über den Zaun und fraßen meinem Vater die Rosenkohlköpfe weg. Im Wald dahinter gab es einen Findling oder Menhir, es gab verschlungene Wege durch dichte hohe Ilexbüsche und Blätterkuhlen, in denen man Winterschlaf halten und im Frühling wieder aufwachen konnte. Im Lauf der Jahre beobachtete ich in allen Städten, in denen ich lebte, wie immer mehr Natur und Gärten in Autoparkplätze, Industriegebiete und Kaufhäuser umgewandelt wurden. Im internationalen Kindergarten, in dem ich arbeitete, hatten wir zwei Bücher, die hießen: "Hier fällt ein Haus, dort steht ein Kran, und ewig droht de Baggerzahn" und "Alle Jahre wieder saust der Presslufthammer nieder". In Folge von Gartenschauen (wie 2012 in Nagold) schießen neue Wohngebäude in die Höhe, immer unter dem sozialen Deckmantel des bezahlbaren Wohnens. (Was sich meist schnell verflüchtigt). Die Menschen mauern sich ihre Grundlagen zu, sie versiegeln ihre Ressourcen, wundern sich über die Unwetterkatastrophen und fallen massenhaft in den Naturpark Nordschwarzwald ein, um sich von den Folgen dieses Missbrauchs zu erholen. Und das ist etwas, das wir wohl schon als Kinder erkannt haben, als wir ein Gespür für unsere Umwelt entwickelten. Heutige Kids können das vielleicht gar nicht mehr, weil sie nichts anderes kennen als Glas und Beton. Neulich habe ich sogar gedacht: Ob der Wolf, über den ja gerade so viel diskutiert wird, in einer solchen Umwelt überhaupt leben möchte? Hier ganz in der Nähe wurden ja auch schon Risse gefunden, es wurde einer totgefahren und einer erschossen. Nicht der Wolf ist eine Gefahr für den Menschen, sondern der Mensch eine Gefahr für den Wolf.

Sonntag, 14. Januar 2018

Hinterm Horizont gehts weiter



Beurener Heide (schwäbische Alb) 2013
In diesen trüben Tagen, die nicht nur gefühlt schon endlos dauern, gehen mir immer wieder zwei alte Songtexte im Kopf herum: "Here Comes the sun" von den Beatles (Abbey road) und "Hinterm Horizont geht's weiter" von Udo Lindenberg. Eigentlich ganz naive Texte, die nicht für sich alleine stehen könnten, aber unvergesslich interpretiert wurden. Beide handeln vom Dunkel in uns und um uns, das unweigerlich vom Gegenteil abgelöst wird - so ist das Gesetz der Natur. Dank seiner Mobilität kann der Mensch dem für kurze Zeit entfliehen, indem er per Jet in wärmere Länder entflieht oder, wie wir gestern, eine kurze Auszeit lang in die Sonne fährt. In Offenburg schien sie mehrere Stunden, und wir haben die Stadt ganz neu entdeckt. Viele französische Wortfetzen waren zu hören, viel badische Lebenslust war in den Straßen, den Cafés zu spüren. Sogar die Autofahrer schienen uns humorvoller und souveräner als bei uns im superschaffigen (und manchmal auch muffigem) Schwaben. Und natürlich haben wir uns wieder vorgenommen, spätestens im Februar dem Frühling entgegenzufahren. So, wie es Goethe mit seinen Ländern meinte, in denen die Zitronen blühn. Irgendwie hatte ich immer gedacht, früher hätten die Schriftsteller an der Côte d’Azur überwintert. Das stimmt aber gar nicht. In Nizza waren russische Literaten wie Gogol und Tschechow zu Gast, bedingt durch den Aufenthalt des Zaren. Thomas Mann und weitere 500 Deutsche hielten sich zwischen 1933 und 1942 teilweise in Sanary-sur-Mer, in Bandol und Le Lavandou auf. Aber nicht, weil letztere so viel Geld hatten und die Sonne genießen wollten, sondern weil sie auf der Flucht vor den Nazis waren. Im nicht so fernen Süden lässt es sich weniger gut überwintern. Im Tessin fror sich Hermann Hesse einen Ast ab und floh nach Bern, um wenigstens etwas Wärme, Gesellschaft und Kultur zu haben, Nietzsche drehte seine philosophischen Runden in Sils Maria, und Heinrich Böll lebte zeitweise in Irland, wo er sicher einen Anflug von Freiheit fand.

Nichtsdestoweniger sollen Stare, die in den Süden fliegen, weniger oft sterben als ihre Artgenossen, die im alten, dunklen Nordwinter bleiben. Was also bleibt einer Autorin übrig, die sich einfach nur nach der Sonne sehnt und auch kein größeres Projekt an der Hand hat, mit dem sie in andere Gefilde abheben könnte? Nach achtzehn Jahren des intensiven Schreibens, nach einer Zeit des Überarbeitens der letzten zu veröffentlichenden Texte ist sie zunächst einmal frei, die Welt steht ihr offen. Persönlich hat sie Wertschätzung durch die Verlage erfahren, man hat sie nie rausgeschmissen, man hat sich um ihre Werke gekümmert. Was die finanzielle Seite angeht, hat sie wie meisten Autoren eine solche Wertschätzung nicht erhalten, und auch andere Künstler und Kreative nicht. Doch das ist eine andere Geschichte, die an anderer Stelle schon diskutiert wurde. Ich versuche die Kollegen zu unterstützen, indem ich die Bücher derer kaufe, die ich schätze. Ich halte meine Augen auf. Die größte Wertschätzung aber erfahre ich von einem Verlag, der mir nach achtzehn Jahren immer noch einen Weihnachtsgruß schickt und von der Leiterin des Verlages, die Interesse an meinen vier letzten Büchern gezeigt hat. (Leider ist sie Ende des Jahres dort ausgeschieden). Sie schrieb, sie freue sich darüber, dass ich bei der Unterbringung meiner Werke auch in ihren Verlag gedacht hätte.

Ach so, ja, was bleibt einer solchen Autorin übrig? Sie wird fahren und die Sonne putzen.