Dienstag, 28. Januar 2014

Neuer Normvertrag für Autoren und Verlage

Gerade gesehen im Autorenbrief und beim Börsenblatt des deutschen Buchhandels: Neuer Normvertrag für Autoren und Verlage. Zwischen dem Verband der Schriftsteller in v.e.r.d.i und den großen Verlagen wurde ein neuer Normvertrag ausgehandelt, der den alten Vertrag von 1999 ersetzt. Bisher waren die E-Bookrechte nicht eindeutig geregelt. Die Rechte konnte man bisher nur zurückrufen, wenn ein Buch über einen längeren Zeitraum nicht mehr lieferbar war. Neu ist, dass man seine E-Bookrechte, auch wenn das Buch nur noch als E-Book erscheint, bei Unterschreitung eines bestimmtes Absatzes innerhalb von zwei Jahren zurückrufen kann. Wenn der Verlag Schadensersatzansprüche gegen Dritte hat, wird der Autor daran beteiligt. Das lasse ich einfach mal so stehen, ohne es zu bewerten. Wobei ich mich frage, was mit dem Schadensersatzanspruch gegen Dritte gemeint sein könnte.

Montag, 27. Januar 2014

Vierundzwanzig Stunden im Leben einer Frau

Gestern Abend hatte ich mal wieder so richtig Lust auf stark geschriebene Literatur, nach all den etwas dröge dahingeschriebenen Krimis mit "Plots", die als markttauglich angsehen werden. Und zog mit einem Griff meinen Stefan Zweig aus dem Regal, der mich schon mit der Erzählung "Brennendes Geheimnis" aus den Socken gehauen hatte. Nun war es wieder eine Erzählung aus diesem Band, die mir die Schuhe ausgezogen hat. In "Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau" geht es um eine Gesellschaft, die in einer Pension an der Riviera in Streit über eine Ehefrau und Mutter gerät, die am Vortag mit einem weit jüngeren Franzosen durchgebrannt ist. In der Gesellschaft befindet sich auch eine alte englische Lady, die normalerweise im Park sitzt und Bücher liest. Die vertraut dem Ich-Erzähler ihre Lebensgeschichte an. Als Witwe reiste sie durch die Welt, verloren und sinnlos, ohne irgendwo andocken zu können. Eines Abends im Spielcasino von Monte Carlo beobachtet sie die Hände der Spieler und wird auf einen jungen Polen aufmerksam, dessen wahre Leidenschaft sich über seine Hände, sein Gesicht und seine Haltung in geradezu ekstatischer Weise Ausdruck verschafft. Er setzt alles, was ihm verbleibt - und verliert. In diesem Augenblick weiß sie, dass er dem Tode geweiht ist. Sie eilt ihm nach und sieht ihn draußen auf einer Bank hingesunken. Er hat nur noch seine Pistole. Sie will ihn vor dem strömenden Regen bewahren und landet schließlich mit ihm in einem schäbigen Hotel. Die ganze Nacht hindurch versucht sie, ihn zu retten. Und glaubt das am Morgen geschafft zu haben, auch wenn sie sich noch so sehr für ihren Einsatz schämt. Er ist dankbar, er küsst ihr die Hände, sie fahren den ganzen Tag am Strand umher. Die Frau gibt ihm Geld, damit er seine Tante, die er bestohlen hat, auszahlen und nach Hause fahren kann. Sie glaubt, dass er mit dem Zug weggefahren ist, findet ihn jedoch abends am selben Platz im Spielcasino, in derselben ekstatischen Pose. Er verspricht, nur ein letztes Spiel spielen zu wollen, weist sie dann jedoch ab und schmeißt sie quasi hinaus. Sie reist überstürzt ab, fährt durch halb Europa. Später erfährt sie, dass er sich erschossen hat.

Vorhersehbar, würden die Krimirezensenten sagen. Für mich war einzig und allein nicht erklärbar, warum der junge Pole zum Spieler wurde. Dass sein Onkel immer so viel gewonnen hatte, reicht als Erklärung nicht aus. Aber das ist auch nicht nötig, denn der Kern der Geschichte ist ein ganz anderer. Neben der sprachlichen und psychologischen Brillianz ist diese Geschichte für mich nämlich eine vorweggenommene Parabel über das Helfersyndrom. Gut, die Dame war verliebt und gewann durch diese Begegnung ihrem Leben wieder einen Sinn ab. Aber sie versucht diesen Menschen zu retten und übersieht dabei, dass er sich gar nicht retten lassen will. Und damit steht sie im Verbund mit modernen Psychiatern, Psychologen, Sozialarbeitern, welche die Rettung anderer auf ihr Schild geschrieben haben. Nur wissen die meisten dieser modernen Helfer, dass eine Compliance dazu gehört. Sie würden also sagen: Wenn du da raus willst, dann nimm mein Angebot eines Entzuges an. Geh in die Klinik und werde clean. Wenn du das nicht willst, bist du nicht zu retten. In Stefan Zweigs Erzählung sind beide beides, Täter und Opfer. Und die Erzählung wäre nicht so groß, wenn sich die Frau anders verhalten hätte. Wenn sie ihm kein Geld gegeben hätte, wäre sie vielleicht von ihm bestohlen worden. Oder ein anderer. Es ist auch der Bericht über eine alles beherrschende Leidenschaft, hier wie dort. Und daran kann der Betreffende zugrunde gehen oder auch wachsen.

Samstag, 25. Januar 2014

Warum selbst renommierte Autoren selber publizieren

Noch etwas zum Thema Veröffentlichen und Self Publishing, gerade bei Buchreport vom Dezember 2013 gefunden. Der Autor Fred Breinersdorfer, seit mehr als dreißig Jahren erfolgreicher Krimi- und Politthriller-Autor, hat sich entschlossen, seinen neuesten Roman berlin.classified selbst als E-Book bei epubli zu produzieren. Was sind die Gründe, wenn sich jemand doch über Jahrzehnte kontinuierlich einen Namen gemacht hat? (Ich kenne ihn aus unserer Studentenzeit übrigens noch persönlich, von so mancher Party, und habe einige seiner Bücher gelesen.) Einmal, so zeigt das Interview bei Buchreport, wurde sein neues serielles Experiment von den großen Buchverlagen abgelehnt. Breinersdorfer meint auch, dass die Verlage darauf schauen, möglichst viele Bestseller hinzukriegen. Auf der anderen Seite, oder eigentlich passend dazu, trauen sich die meisten nicht an Experimente, sondern setzen auf die guten alten Genres. Schade eigentlich.

Dabei fiel mir ein anderer Schriftsteller ein, den ich vor langer Zeit persönlich kannte (umgekehrt erinnern sich diese Autoren natürlich nicht an mich, weil ich nicht berühmt georden bin!:-) Thomas Hürlimann, der Schweizer, hat seit fünf Jahren nichts mehr veröffentlicht, so weit ich bei Amazon sehen kann. Und es gibt auch keine E-Books seiner Werke. Und jetzt zaubere ich noch einen dritten aus dem Hut: Felix Huby, ebenfalls langjährig erfolgreicher Autor von Krimis und Schöpfer des Tatortkommissars Bienzle. Der geht so eine Art Mischweg, veröffentlicht bei Fischer, der auch die E-Books herstellt, aber es sind bisher nur zwei.

Nun könnte ich eine wilde Milchmädchenrechnung aufmachen. Und Vorsicht, in Mathe und Rechnen war ich nie besonders gut, man darf das also gerne korrigieren. Huby verkauft sein E-Book für 14.99, je nach Prozenten verdient er daran vielleicht 4,30 Euro pro Buch. Hürlimann kann ich nicht beurteilen, denn ich weiß nicht, was bekannte Literaten pro Buch bekommen und wie viel davon verkauft wird. Ein Buch von, sagen wir mal, 260 Seiten bei Epubli zu veröffentlichen kostet, oh Schreck, etwa 2500,-Euro. Ich nehme an, diese Summe zahlt man für das Lektorat. Jedes Buch der Serie kostet 2,99 als Kindle. Wenn er 1000 Bücher verkauft, bekommt er 2030 Euro, kommt also nicht voll auf seine Kosten. Was verdient nun der Durchschnitts-Verlagsautor mit seinen Büchern? Er bekommt einen Vorschuss, der erst wieder eingespielt werden muss. Von den 5 oder 6% weiterer Verkäufe sieht er dann oft nichts, weil sich alle Bücher blendend verkaufen müssten, um in die schwarzen Zahlen zu kommen. Am Verlags-E-Book verdient unser fiktiver Autor vielleicht 2 Euro, wenn es 7.99 kostet, also 2000 Euro bei 1000 Verkäufen. Bei dem Preis ist aber fraglich, ob es jemals zu 1000 Verkäufen kommt. Allerdings kenne ich vereinzelte Autoren, die auf 25 000 Verlagsebooks zu 7.99 bzw. 400 000 selbst publizierte E-Books kamen. Nehmen wir einmal an, ein Autor, der selbst ein E-Book produzieren möchte, bekäme im Tausch mit anderen Dienstleistungen ein kostenloses Lektorat. Ich glaube fast, der wäre am Besten dran. Denn wenn er 1000 Bücher für 2,99 verkauft, verdient er 70%, und das wären 2030,- Euro. Aber welcher Lektor lektoriert schon umsonst, und was könnte er dafür bekommen, das ihm nützen würde?

Geld ist nicht alles, wird nun jeder sagen. Bekommen all diese Autoren, unabhängig davon, wie sie es bewerkstelligen, denn auch Anerkennung für das, was sie geschaffen haben? Die Literaten werden in den Zeitungen besprochen und kommen ins Fernsehen. Die anderen nur dann, wenn sie Bestsellerautoren sind oder Preise gewonnen haben. Die große Masse freut sich über Rezensionen und mittlere Verkäufe. Es ist nicht leicht, heute Autor zu sein. Aber hatten unsere altvorderen Kollegen nicht auch die Qual der Wahl? Haben sie nicht auch Self Publishing gemacht, um ihr Werk überhaupt erst mal gedruckt zu sehen?

Sonntag, 19. Januar 2014

Rechterückruf mit Folgen

Vielleicht erinnert sich der eine oder der andere noch an eine kurze Diskussion, die in einem anderen Blog zum Thema "Verramschung" stattfand. Da wurde mir von einer lieben Kollegin empfohlen, meine Rechte an dem Buch zurückzurufen, das im letzten Herbst ausverkauft wurde. Das habe ich vor einigen Tagen getan. Und schon am nächsten Tag war eine Mail der Rechte- und Lizenzabteilung im Postkasten mit dem Angebot, meine ersten beiden Verlagsbücher als E-Books herauszubringen, mit Rechterückfall an mich. Ich bekomme demnächst ein sogenanntes Addendum, also einen Verlagergänzungsvertrag. Ich habe abgewogen und zugesagt, allerdings nicht ohne die prozentuale Beteiligung zu erhöhen, denn als KDP bekäme ich ja 70% Tantiemen. Ey, dachte ich, ich kann ja sogar ohne Agentur verhandeln! Es wurde mir zugesagt. Und gleichzeitig kam das Angebot, meinen Krimi dort durch das Lektorat prüfen zu lassen. Das entspricht meinem Wunschvorgehen, denn bevor ich ihn an andere Agenturen und Verlage schicke, wollte ich ihn zuerst dem Hausverlag anbieten. In der Backlist des Verlages von 2013 sind noch alle vier Titel vertreten - durch die E-Books wird das sicher auch so bleiben. Ferner habe ich noch für beide Bücher eine kurze Fehlerliste erstellt und an den Chief of E-Books gemailt. Dabei stellte ich fest, das der gavierendste Fehler aller Zeiten gar keiner war, denn das betreffende Vorhaben war nur angedacht, nicht vollzogen worden. Auf jeden Fall hat mich das alles sehr erleichtert und motiviert. Jetzt kann ich letzte Pinselstriche an den Krimi legen und mich dann neuen Projekten widmen.

Mittwoch, 15. Januar 2014

Stimme verloren?

Ich weiß aus Erfahrung, weil es mir mit anderen ebenso geht, dass Blogbeiträge über das eigene Schreiben für Leser nicht besonders interessant sind. Ich gebe trotzdem einen Kommentar zu dem ab, was in den letzten Tagen geschehen ist, weil es eine für mich wichtige Phase war und ist. Ich habe mir also meinen sogenannten Krimi noch einmal vorgenommen. Es ist ein Text, den ich mindestens zehn Jahre in mir rumgetragen hatte, bevor ich damit begann, eine Geschichte daraus zu bauen. Am Anfang war ein Mord in einem Schwarzwalddorf, real, den der Sohn einer Messie begangen hatte. Dazu zwei Kneipen in eben jenem Dorf, eine davon gut-bürgerlich, die andere eine XXL-Kneipe, in denen Hamburger-und Schnitzelberge verkauft wurden neben unzähligen Colaweizen. Drum herum die Dorfbewohner, eine eingeschworene Gemeinschaft. Und mittendrin der Martinsritt mit seiner titelgebenden Bedeutung. Allmählich wuchs diese Geschichte und geriet schließlich auf den Tisch meines Ex-Agenten, der mir noch ein paar Tipps gab.

Seitdem ist ein weiterer historischer Roman erschienen und der Anfang eines neuen geschrieben. Der Schwarzwaldkrimi geriet immer mehr in Vergessenheit. Doch alle paar Monate zog ich ihn wieder hervor, um zu prüfen, wie weit er inzwischen gereift und fortgediehen war. So auch am vergangenen Wochenende. Und ich zergrübelte mir zum wiederholten Mal den Kopf, warum die ersten Kapitel, besonders der Anfang, so komisch klangen. Da bin ich zigmal drüber, und es klang immer noch komisch. Lag es am Getöse des Social Media oder an dem des Reallebens? Hatte ich meine Stimme verloren? War ich entmutigt und desillusioniert durch die negative Entwicklung der Buchbranche? Wahrscheinlich ist keins davon der Auslöser. Ich glaube inzwischen sogar an folgenden Satz:
Das Schreiben verlernt man so wenig wie das Schwimmen oder Fahrradfahren.
Man muss sich nur ein wenig warmlaufen, um wieder reinzukommen.

Was war nun eigentlich mit diesem Anfang passiert? Irgendwann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Er war ca. drei bis vier Jahre alt, während ich den übrigen Roman im Jahr 2012 geschrieben habe. Außerdem war er noch Teilstück eines anderen Konzeptes, das nicht realisiert werden konnte. Wie sollte ich nun dieses komische Gebilde wegkriegen? Ich machte, für meine Verhältnisse, einen Quantensprung, denn ich versetzte den Anfang einfach mal in die Ich-Perspektive. Ausgerechnet ich, die ich diese Perspektive immer gehasst habe wie die Pest und Bücher gar nicht erst gekauft habe, wenn ich das mitbekam. Ich schrieb um, ließ die Teile durcheinanderpurzeln wie in einem Grabbelsack, druckte aus: Und siehe da, ein ganz neuer Roman entfaltete sich vor meinen Augen! Das Fieber hatte mich wieder ergriffen, das so lang entbehrte, und alles in meiner Umgebung änderte sich, wurde schöner, wärmer, sinnvoller, selbst die Arbeit ging mir leicht von der Hand wie selten. Das ist das Wesentliche am Schreiben. Und ich lernte daraus, dass eine Stimme sich auch verändern kann.

Samstag, 11. Januar 2014

Wann kommt denn dein Krimi raus?

Eine Szene vor zwei Tagen: Wir treffen uns mit meinem Sohn auf dem zentralen Platz der Stadt. Es ist frühlingshaft warm, nur ein eiskalter Wind macht uns etwas zu schaffen. In einem der Hauptcafés kann man sogar draußen sitzen. Mein Sohn fährt gleich anschließend nach Frankfurt zu einem Jungegesellenabschied, am Montag dann zurück nach Afghanistan. Man spricht über dies und das. Inzwischen haben sich zwei Freunde von ihm zu uns gesellt. Mein Freund holt meinen letzten Roman aus dem Auto, ich signiere ihn für meinen Sohn.
Ich freue mich schon auf deinen Krimi, meint er.
Ich weiß nicht, wem ich ihn anbieten soll. Es ist kein gewöhnlicher Krimi.
Was ist denn ein gewöhnlicher Krimi?, fragt einer seiner Freunde.
Na, ich habe von einer Kollegin gehört, dass sie mindestens zwei Morde mehr reinbauen sollte.
Den könnte man dann "Noch mehr Morde" nennen, sagt sein Freund. Alle lachen.
Und der erste Mord muss gleich am Anfang passieren, meine ich. Willst du ihn nicht mal probelesen, wenn du Zeit hast?
Den ganzen sicher nicht, aber so ein paar Kapitel ...

Seitdem habe ich mir schon wieder viele Szenarien ausgemalt. Welche Agenturen könnten dazu passen? Ach nein, die Agenturen, die ich anvisiere, wollen was ganz anderes. Soll ich ihn einfach an einen größeren Verlag wie Fischer schicken?
Oder an Emons? Haben die ähnliche Themen in ihrem Bestand? Was will ich eigentlich mit meinen "Martinsmorden"? Es gibt schon zu viele Krimis, sagen mein Freund und der Polizist, der mich beraten hat. Das finde ich auch. Auf jeden Fall werde ich obige Frage nicht beantworten können, solange ich mich nicht entscheide, ihn entweder zu kompostieren oder wegzuschicken. Wie würdet ihr entscheiden? Weg damit und dann ist Ruh oder auf den Weg bringen mit allen seinen Konsequenzen wie Warten und Absagen einkassieren?


Montag, 6. Januar 2014

Schriftsteller werden, sein und bleiben

Im öfffentlichen Bereich des Autorenforums "Montsegur" fand ich gestern einen Beitrag von Tom Liehr: Schreiben. Schreiben ist Arbeit. Aber eine großartige. Dieser Artikel erschien mir wie eine Antwort auf die Fragen, die mir zur Zeit auf den Nägeln brennen. Und auch wie eine Analyse des derzeitgen Buchmarktes und die Möglichkeiten von Autoren, egal in welchem Stadium der Entwicklung sie sich befinden. Dem habe ich eigentlich fast nichts hinzuzufügen, nur ein paar Kleinigkeiten. Was die sensationellen Erfolge einiger Self-Publisher betrifft, kenne ich zufällig eine Hintergrundsgeschichte. Bevor Nika Lubitsch ihren Mega-Ebook-Bestseller landete, hat sie jahrzehntelang geschrieben, gearbeitet, erfolgreich veröffentlicht und mit anderen Autoren eine Schreibwerkstatt betrieben. Ich würde sogar sagen, dass sie meine ersten Gehversuche hilfreich begleitet hat.

Auch ich habe meine Möglichkeiten und Fähigkeiten nach den ersten Veröffentlichungen gnadenlos überschätzt. Aber fünf Romane weiter spüre ich allmählich das, was Tom in seinem Beitrag anspricht: Dass es allmählich einen roten Faden gibt, eine Entwicklung zu Texten, die nur ich so schreiben kann. Und dass die größte Untugend angehender oder gestandener Autoren die Ungeduld ist, die ihn dazu verführen will, unausgereifte Texte vorzeitig anzubieten oder selber im Netz hochzuladen.

Samstag, 4. Januar 2014

Raus aus der digitalen Falle!

Die Weihnachts- und Silvestertage habe ich in sehr intensivem Kontakt mit realen Personen verbracht, mit kulinarischen Sinnenreizen, mit Stadt- und Einkaufstripps, Wanderungen in der Sonne und einem Besuch in Bad Wildbad im Nordschwarzwald, vielleicht eine halbe Stunde von hier entfernt. Im "Palais Thermal, einer der schönsten Thermen Europas, die ich schon immer mal besuchen wollte, war aufgrund des schlechten Wetters ein Riesenstau entstanden. Es half nichts, wir mussten in die Vitalis-Therme ausweichen, die im Vergleich mit dem maurischen Badetempel und den Fürstenbädern doch etwas karg wirkte. Aber auch sie war sinnenreizend. Am Tag darauf, gestern, fühlte ich mich leer und ausgelaugt. Irgendwie hatte ich keine Lust, den PC hochzufahren, stattdessen stellte ich lieber das Radio an. Als ich den Computer dann doch hochgefahren hatte, langweilte mich fast alles, was ich zu sehen bekam, über alle Maßen. Warum schreibe ich nicht einfach weiter?, dachte ich. Ich habe keine Lust, sagte mein Alter Ego. Es ist so sinnlos. Was war geschehen?

Heute lese ich bei meiner Blognachbarin Nikola Hotel (Verstummt) , dass sie ganz ähnlich empfunden und sich jetzt bei Facebook ausgeloggt hat. Spontan habe ich meinen Account wenigstens mal von den Favoriten gelöscht. Dann fand ich noch einen neueren Artikel der NZZ: Die Bilder und die Leere. Dessen Fazit ist zumindest, dass labile und schüchterne Menschen davon krank und depressiv werden können. "Gesunde"Menschen können nur "glücklich" damit werden, indem sie sondieren und eindeutige kommunikative Schwerpunkte setzen. Mich hat man gestern ins Auto gesetzt und in die nächstgrößere Stadt verbracht, wo wieder Gesichter, Düfte, Bücher und Kaffee an mich herangebracht wurden. Und siehe da, die paralysenhafte Erstarrung wich fast sofort, ich konnte mich wieder bewegen.

Es scheint, als sei die ganze Welt in einem Viereck erstarrt. Natürlich gehört das Fernsehen auch dazu, selbst die Zeitung, die ich in letzter Zeit nur noch oberflächlich gelesen habe, wenn überhaupt. Aber ich weiß jetzt wenigstens, woher mein zunehmendes Unbehagen kommt. Es liegt nicht an den Social Media an sich, sondern in meinem Umgang damit, auch mit den falschen Erwartungen und Hoffnungen, die ich vielleicht einmal damit verknüpft habe. Mein vorläufiges Fazit: Die Kontakte der letzten zehn, dreizehn Jahre haben mich in vielem, vor allem als Autorin, weitergebracht, auch die realen Kontakte, die daraus entstanden sind. Mindestens die Hälfte davon aber war, das gebe ich ehrlich zu, reine Zeitverschwendung, manchmal spaßig, manchmal zermürbend. Und ich will und werde in Zukunft lernen, das eine von dem anderen zu unterscheiden.

Donnerstag, 2. Januar 2014

Ab zum Staatsanwalt!

Ich hoffe, dass meine geschätzten Leser gut in das neue Jahr gekommen sind, auch wenn es zum großen Teil eine feuchtkalte Angelegenheit war. Just an Silvester nun entdeckte ein Autorenkollege eine neue Plattform für illegale Downloads, und wie nicht anders zu erwarten war, tummelten sich dort auch meine beiden letzten Bücher, zusammen mit vielen Romanen meiner Kollegen und Kolleginnen, auch von zwei meiner Blognachbarinnen, inzwischen auch jede Menge Indie-Bücher. Jeweils zwei, und für einen Cent zu haben. Der Run auf diese Portale hat offensichtlich zur Folge, dass die Verteilung nicht mehr kostenlos vonstatten gehen kann. Es kann nicht um Abmahnungen der Endverbraucher gehen, denn warum soll ein unbescholtenerLeser, der sich ein Buch für 8,99 E kostenlos runterlädt, 800 Euro Strafe zahlen? Wohl aber sollten die Betreiber erwischt werden, denn mit nur 5000 "Absaugern" eines Buches für 1 Cent (und das ist noch wenig) verdienen die allein 50 Euro. Für die Bücher, die 10 Cent kosten, wären es 500 Euro. Es geht also um Abgreifen und Abzocken. Dirk B., der das kino.to betrieb, hatte angeblich tägliche Einnahmen von 150 000 Euro. Und dafür sitzt er seit 2012 auch für 4 Jahre und 6 Monate im Gefängnis. Der Staatsanwalt will sogar Schritte unternehmen, damit daraus 15 Jahre werden. Ein paar Autorenkollegen und ich wollen jetzt einfach mal ein Zeichen gegen die Betreiber dieser Plattformen setzen. Wir erstellen eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft. Auch wenn sich das offensichtlich nur bei Megabestsellern lohnen soll. Einige große Verlage verdienen offensichtlich mit Abmahngesellschaften die entgangenen Euro zurück. Die Autoren sind die Einzigen, die dabei in die Röhre gucken.

Viele meinen, das bringe nichts mit dem Strafrecht, man müsse es nur weiter in die Öffentlichkeit bringen. Richtig, aber bisher habe ich nur Diskussionen gesehen, in denen immer wieder auch Autoren ihre Stimme erheben, aber meist nur überlesen werden. Die unzähligen momentanen Schlagabtausche über dieses Thema wirken wie ein Haifischbecken, in denen sich einige gegenseitig zerfleischen. Da wird ein Forum geschlossen, weil der Betreiber behauptet, er habe für die Piratenjäger gearbeitet, um die Daten weiterzugeben. Andere halten dagegen, dass die Betreiber selbst gehackt worden seien und man ihre Identität entlarvt hätte. Noch andere sagen, das ganze sei nur fingiert, um sich elegant aus der Affaire zu ziehen, und zurückgeblieben seien frustrierte Leser.

Aus naheliegenden Gründen kann ich die URL des illegalen Downloadportals hier natürlich nicht posten. Wer sich dafür interessiert, kann es aber leicht über Google und die Neue Zürcher Zeitung herausfinden.

Das blaue Band

Frühlingsspaziergang am Neckar Jetzt ist er endlich da, der "richtige" Frühling! Und tatsächlich liegt eine Art blaues Band üb...