Mittwoch, 17. April 2019

Das Cover für den neuen Krimi ist da!

Gestern erhielt ich vom Verlag das Cover für meinen zweiten Schwarzwaldkrimi "Tod am schwarzen Fluss" und habe es heute in eine JPG-Datei umgewandelt. Den Verlagskollegen habe ich zugestimmt, dass es sehr stimmig ist. In dem Krimi geht es um geheimnisvolle Morde im Tal der Großen Enz, um ein Tagebuch aus den letzten Wochen des Weltkrieges und natürlich um den Schwarzwald. Was mit einer harmlosen Wanderung und den Ostertraditionen beginnt, entwickelt sich zu einem Kampf um Leben oder Tod. Der Wolf spielt zwar eine untergeordnete, aber tragisch-symbolische Rolle.

Dienstag, 2. April 2019

Kreative Werke als Gemeineigentum?

Steile Weinbergtreppe bei Herrenberg
Kürzlich habe ich an einer Diskussion über die Bücherflut teilgenommen, die über die Menschheit hereingebrochen ist. Man findet sie überall, an jeder Ecke, diese ausrangierten Bücher, die oft keiner mehr haben will. Die Antiquariate sind voll davon und die Bücherkisten bei den Adventsbasaren, sie quellen aus öffentlichen Bücherschränken, und manchmal stehen sie einfach so an der Straße "zum Mitnehmen." Auch online gibt es viele solcher Angebote. Ich kannte einen Laden, der sozial in Not geratenen Menschen eine Arbeitsmöglichkeit bot. Der musste irgendwann ein Schild an die Tür hängen mit den Worten: "Bücher in Kisten vor die Tür stellen verboten!" Ja, es gibt zu viele Bücher, und es gibt zu viele Autoren, die zu viele Bücher schreiben. Aber unabhängig davon gibt es zu viele Leser*innen, die meinen, kreative Menschen machten sich aus Jux und Tollerei jahrelange Arbeit mit Recherchen, Lektorat, Korrektorat und allem, was mit dem Schreiben eines Buches zusammenhängt. Das gilt auch für alle anderen Kreativen. Kreativität gehöre allen, war jüngst offiziell von einem Mitglied der Piratenpartei zu hören.

Im Gegensatz zu den Büchern, die kaum noch einer haben will, floriert der Piratenhandel mit neueren Verlagsbüchern weiterhin grandios. Gerade bin ich erschrocken, als ich bei Google nach langer Zeit mal wieder meinen Titel "Martinsmorde" aufrief. Anfangs tauchten da Buchhandlungen auf, in denen
der Titel vertrieben wurde, dazu Onleihe-Links, die den Krimi meinen historischen Romanen zuordneten und die auch fleißig ausgeliehen wurden. Inzwischen gibt es Dutzende von Anbietern, die es herunterladen und umsonst anbieten. Es waren mindestens zwanzig! Bei einer solchen Seite stand dabei:

Kostet normalerweise 3,99 Euro, jetzt können Sie eine Kopie umsonst beziehen!

Gestern habe ich das Lektorat meines neuen Schwarzwaldkrimis beendet und ans Lektorat geschickt. Es war eine hochbefriedigende, glückliche, anstrengende und langwierige Arbeit von einem dreiviertel Jahr. (Die Ideenfindung kann man noch mit zwei Monaten hinzurechnen.)
Die Lektorin schaut noch mal drüber, dann kommt er ins Korrektorat. In zwei Wochen gehe ich das noch mal durch, und vor Erscheinen korrigiere ich die Fahnen. Es wird beworben und bei Netgalley vorgestellt, da lesen Buchhändler, Blogger und andere Rezensenten mit. Viele Autoren machen auch Leserunden und vermarkten ihre Bücher im Netz. Ich bin immer wieder fassungslos, wie solche Raubkopierer zu einer solchen Einstellung kommen können! Dann müsste in deren Augen ja auch der Bäcker seine Brötchen umsonst hergeben, weil die Allgemeinheit die noch dringender braucht als Bücher. Ich verlinke hier mal auf meine Kollegin Annette Weber, die in etwa den klugen Satz gesprochen hat: Wenn sie in meinen Schuhen gehen, würden sie es begreifen.
http://annette-weber.blogspot.com/2019/03/gedanken-zum-urheberrecht.html

Dienstag, 19. März 2019

Das blaue Band

Frühlingsspaziergang am Neckar

Jetzt ist er endlich da, der "richtige" Frühling! Und tatsächlich liegt eine Art blaues Band über der Landschaft. Auf dem Ringmauerweg in Horb kann man ihn besonders früh und intensiv erleben. Oberhalb der Altheimer Straße steht die guterhaltene Wehrmauer mit drei Türmen. Der hier entlangführende Weg bringt den Besucher zu einer Hangheide, auf der von April bis Juli verschiedenartige Orchideen und andere seltene Pflanzen blühen. Im zeitigen Frühjahr ist die steile Wiese mit Küchenschellen übersät, und weiter oben, auf dem Kugler Hang, findet man Kugelblumen. Zuerst erscheint das Helmknabenkraut, in Mengen, die anderswo selten zu finden sind, die Fliegen-, Bienen- und Spinnenragwurz, die Bocksriemenzunge und das Zweiblatt. Später dann, ab August, folgen Fransenenzian und deutscher Enzian. Hinzu kommen Kalkaster, Dost, Silber-und Golddisteln. Vor dem 17. Jahrhundert wurde hier Weinbau betrieben, davon zeugen noch Steinriegel und verfallende Mauern. Bis 1966 wurde das Gebiet als Schafweide genutzt. Das jetzige Naturschutzgbiet ist nicht auf natürliche Weise entstanden. Bittere Pflanzen und Büsche wie der Wacholder, der deutsche Enzian und eben die Orchideen widerstanden der Fresswut der Schafe. So konnte ein Gebiet entstehen, das 145 Pflanzen- und 110 Tierarten beherbergt. Natürlich ist so ein einmaliges Gebiet, dabei so dicht an den Siedlungen, stark gefährdet.
Duftende Veilchen

Traubenhyazinthen

Blaue Anemone
Kuhschellen




Sonntag, 24. Februar 2019

Vom Sterben der Dörfer

Das beste Buch, das ich in der letzten Zeit gelesen habe, war die "Mittagsstunde" von Dörte Hansen. Es handelt vom langsamen Verfall eines Dorfes und seiner Bewohner, von Schuld, Versöhnungswillen, dem Nachhall von rauschenden Festen und einer unzerstörten Natur, die mit dem Erscheinen der Landvermesser in den 60er, 70er Jahren ebenfalls der Zerstörung anheimfiel. Vom Leben der Bauern und Wirte, der Verstrickung von Familien und dem "bisschen Mensch", der einer unzerstörbaren alten Welt entgegensteht.

Danach konnte ich erst mal kein anderes Buch mehr in die Hand nehmen, vor allem wegen der Sprachgewalt der Autorin, wegen der Metaphern, die mich vollkommen in den Bann geschlagen haben und wegen der Brandaktualität der Geschichte. Ich selbst beobachte ja schon seit Einführung des Euro im Jahr 2002, wie die Gastwirtschaften den Berg hinab gegangen sind. Anders als in Bayern, wo man heute noch fast überall in den Biergärten seinen Schweinsbraten und seine Brotzeit bekommt, muss man hier im Schwarzwald, im Neckartal und auf der schwäbischen Alb lange suchen, bis man etwas halbwegs Genießbares zu vernünftigen Preisen bekommt. In den 80er Jahren konnte man zum Beispiel von Nagold nach Tübingen fahren und hat in jeder Dorfwirtschaft ein paniertes Schnitzel mit Pommes bekommen. Auch wenn die Soße wahrscheinlich aus der Tüte war, vermisse ich das heute sehr. Wir müssen oft auf die Italiener und Chinesen ausweichen. Die Dörfer und kleineren Städte verödeten immer mehr, es gab immer weniger Einkaufsläden, die Wirtschaften haben nur noch an bestimmten Tagen geöffnet, und das dann nur für den Gesangverein. Dörte Hansen hat das in ihrem Buch sehr gut erklärt. Die Alten kommen kaum noch zu den Stammtischen s oder trauen sich bei den Extremwettern (und wegen der Kriminalität) nicht mehr aus dem Haus. Die Väter der jungen Familien, die von der Stadt aufs Land gezogen sind, gehen mit ihren Sprösslingen tagsüber ins Schwimmbad und abends nicht mehr in die Kneipe. Von daher werden die lieblos hochgezogenen Siedlungen um die Dörfer herum und die Supermärkte, die eilig für sie hingeknallt werden, auch nicht zur Wiederbelebung der Dörfer und kleinen Städte beitragen. Im Bayernfernsehen sah ich heute einen Bericht über verwaiste Plätze mit Holzbänken ohne Lehnen, auf denen niemand sitzt, und Schirmakazien zum Schattenspenden, an denen Landfrauen eilig vorüber radeln. Die neu geschaffenen Dorfläden schreiben rote Zahlen, weil es im Discounter billiger ist. Doch es gibt Ansätze, die Probleme anders zu lösen. Zum Beispiel, alte Gebäude nicht abzureißen, sondern zu sanieren und damit Wohn- oder Raum für kulturelle Aktivitäten zu schaffen. Eine Gemeinde in Bayern hat ein Kloster gekauft und will ein Bildungszentrum einrichten - was dem Ort wieder mehr Attraktivität verleihen soll.
Hier ein Video zu den neuen Ortsmitten in Bayern:
https://www.br.de/mediathek/video/unter-unserem-himmel-neue-ortsmitten-in-bayern-av:5c3f10ca7de1420018a72708

Auch viele alte Schwarzwaldbäder bieten einen traurigen Anblick. Einige wie Bad Wildbad haben Glück. Die Rossini-Festspiele und das Thermalbad hätten es nicht mehr retten können. Die haben jetzt ihre Hängebrücke und den neuen Freizeitpark oben auf dem Sommerberg. Es gibt auch Städtchen, die allein ihrer wertvollen historischen Substanz wegen nicht verbaut und von Industrieanlagen umzingelt werden. Rothenburg, Dinkelsbühl und Stein am Rhein zum Beispiel, Letzteres haben wir kürzlich besucht. Dort herrschte am Abend nach Abzug der Touristen eine lockere, entspannte Stimmung, die Fahrt durch das Stückchen Schweiz war ein Hochgenuss an unverbauter, unversiegelter und nicht von Autos plattgefahrener Landschaft.


Samstag, 26. Januar 2019

Wintertal

Da hilft alles Jammern und Klagen nichts: Die Sommer sind nicht mehr, was sie mal waren, die Winter sind feucht, ekelhaft nass, kalt und drückend grau, Frühling und Herbst gibt es in dieser Form nicht mehr. Das sagte uns schon vor fast zwanzig Jahren eine Signora oberhalb des Gardasees, bei der wir eine traumhafte Wohnung mit Oleanderterrasse und Blick auf das blauglitzernde Wasser gemietet hatten. Die kleinen Paradiese sind längst verschwunden wie zum Beispiel Kochel am See. Der war noch schöner als der Gardasee, man konnte auf einem Felsenweg und durch Moore wandern, barocke Prachtkirchen und fromme Klöster besuchen, in den Klöstergärten Schweinebraten essen und abends vor der Kneipe sitzen und Bauern auf ihren Treckern vorbeituckern sehen-mit wehendem Gamsbart auf dem Filzhut. Wenn es einmal regnete oder ein Gewitter gab, saß man auf dem Balkon und schmökerte die halbe Nacht. Das ist jetzt auch vorbei, denn kürzlich las ich in der Zeitung: Deutschland ist inzwischen nach Spanien das beliebteste Urlaubsland, in Kochel am See stehen sie Stoßstange an Stoßstange.

Wie gesagt, es hilft nichts, wir haben den Klimawandel mit aller Schuld und allen Folgen für alle. Die Braunkohleausstiegsverhandlungen, ob 2030 oder jetzt, sind nur ein Pflästerchen für das, was ich schon in den 80er, 90er Jahren las: Es ist für alles fast schon zu spät. Auch damals gab es schon Klimaschutzkonferenzen, wenn ich mich recht entsinne. Und zum Glück waren die letzten Paradiese da noch nicht entdeckt.

Da sitze ich nun und schaue hinaus in den grauen, trüben, kalten Tag. Mache einen Test, aber ich habe keine Winterdepression. Mir geht es immer so in dieser Jahreszeit. So dunkel es draußen ist, so dunkel wird es drinnen. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Und es ist Jammern auf sehr hohem Niveau, denn andere Leute haben kaum das Geld für die dringendst benötigten Dinge. Ich langweile mich nur in diesem Wintertal, denn meinen neuen Roman habe ich vor zwei Tagen an die Lektorin geschickt - und jetzt habe ich einfach nichts mehr zu tun. Es ist so langweilig, als Rentnerin im Winter nichts zu tun zu haben.

Während ich dies schreibe, hat sich draußen vorsichtig der Himmel aufgezogen. Ein paar hellblaue Flecken und ein Schimmer von Sonnenlicht brechen durch. Zeit, doch mal wieder rauszugehen.

Das Cover für den neuen Krimi ist da!

Gestern erhielt ich vom Verlag das Cover für meinen zweiten Schwarzwaldkrimi "Tod am schwarzen Fluss" und habe es heute in eine ...