Mittwoch, 31. Juli 2013

Räubergeschichten

Es ist schon ein ganz neues Gefühl, in Gefilden zu wildern, die mir bis dahin völlig unbekannt waren. Hätte ich mir jemals vorgestellt, freiwillig den ersten Akt  von Schillers "Räubern" zu lesen? In der Schule mussten wir Gedichte von ihm auswendig lernen (gluck, gluck, weg war sie) oder: Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich Damon, den Dolch im Gewande: Ihn schlugen die Häscher in Bande, "Was wolltest du mit dem Dolche? sprich!"Entgegnet ihm finster der Wüterich. Und ich lese es nicht etwa in einem antiquarischen Buch, sondern beim Projekt Gutenberg des "Spiegel". Nur am Anfang war diese ganz große Freiheit da. Beim biografischen Roman musste ich mich an die Lebensdaten des Dichters halten, beim zweiten an die historischen Daten und Umstände. Diesmal gibt es nur zwei historische Ereignisse, dafür jede Menge kulturellen und stadtgeschichtlichen Hintergrund. Meine Romane habe ich alle erst fertig geschrieben, bevor ich sie angeboten habe, also gab es auch nie eine Deadline. Jetzt habe ich kein fertiges Exposé, die Handlung ist noch völlig offen, und ich kann alles verwerfen, was ich bei Kollegen und durch die Agentur gelernt habe. Es gibt keine Leser, die ich fokussiere, höchstens einen imaginären, dem ich die Geschichte erzähle. Dachte ich beim Schreiben des Krimis noch: Oh, das wird aber den eingefleischten Krimilesern nicht gefallen, entfällt diese Frage jetzt völlig. Denn ich schreibe es wirklich für mich. 

Freitag, 19. Juli 2013

Die Schmid-Lotz-Romane

Eine harte Arbeitswoche ist -nach dem Urlaub, in dem die Sonne ewig und drei Tage vom Himmel brannte -zu Ende gegangen. Wir hatten es mit den Fallen zu tun, die uns insbesondere persönlichkeitsgestörte Menschen immer wieder stellen. Jetzt ist Freitag, die Gluthitze des Tages ist einer lauen, sternklaren Nacht gewichen. Zeit, sich wieder mal die Nachrichten und später ein paar Google-Einträge anzuschauen. Zwei, eine vom Juni 2004 und vom Oktober 2012, sind jetzt wieder hochgespült worden, und ich kannte sie noch nicht. Eins war eine Besprechung im "Südkurier", in der von "liebevoll romanhafter Gestaltung" meines Mörike die Rede war, die andere aus dem Forum "Capriccio", Literatur, Nr. 53. Ich gebe schon zu, dass solche Rezensionen einem wie Butter runterlaufen und die Begeisterung am eigenen Schreiben erhöhen! Nun stelle ich fest, dass es zwei Gattungen von Romanen bei mir gibt, die Schmid-Lotz-Romane und die S.-Lotz-Romane. Beim Mörike ist durch das selbstpublizierte E-Book eine Vermischung entstanden. Die Romane der ersten Gattung werden im Feuilleton besprochen, erhalten gute Rezensionen und verkaufen sich schlecht. Die zweite Gattung verkauft sich gut und erhält wenig und gemischte Rezensionen. Heute erhielt ich eine Anfrage von Lovelybooks; ich weiß aber nicht, ob eine Leserunde zustandekommt, weil ich sie nicht bedingungslos mitmachen würde.

Am liebsten würde ich jetzt wieder alles auf einmal schreiben: "Feuer im Bauch"-mit einem feurigen, abgründigen Schmied als Vater, keinem Bauer oder Dorfschullehrer-dann das "Sintflut-Komplott" mit den realen Figuren Herzog Ulrich, Dürer, Ratgeb und Luther-und dann.

Donnerstag, 18. Juli 2013

Und wieder eine arme Seele geködert!

Es gibt doch diese Wochenblättchen, die einem immer am Mittwoch oder Donnerstag in den Briefkasten geworfen werden. Gestern zeigte mein Freund wild gestikulierend auf das Foto einer jungen Frau, die glücklich lächelnd ein Buch in die Höhe hielt, und sagte: Die ist aus ...gleich hier um die Ecke und hat einen Mystery Thriller geschrieben! Warum bist du nicht in der Zeitung?
Weil ich nicht will, habe ich gesagt. Heute flatterte das Blättchen auch in meinen Briefkasten, und ich schaute mir das einmal näher an. Bei Nennung des Verlags schrillten bei mir alle Alarmglocken: Ja, es ist ein Druckkostenzuschussverlag. Ich würde niemanden verurteilen, der darauf reinfällt. Wer weiß, wieviele Absagen die junge Frau von Verlagen und Agenturen bekommen hat, bevor sie bei Google auf die verheißungsvollen Worte stieß: Verlag sucht Autoren! Vor elf Jahren gab mir der Buchhändler im Kloster Maulbronn sechs Adressen von Verlagen, die ich alle anschrieb. Einer davon verlangte 4000 DM Druckkostenzuschuss, weil er das verlegerische Risiko nicht tragen könne. Ich überlegte hin, und beim Her war mir schon klar, dass es nicht angehen kann, wenn man für seine Arbeit auch noch bezahlen soll. Hätte ich es getan, wäre ich wahrscheinlich auch froh gewesen, das Buch bei zwei Provinzbuchhändlern ausstellen zu können und Mitternachtslesungen zu machen. Vielleicht hätte ich mit viel Initiative 1000 DM verdient, sind 3000 DM Verlust. Und wie hätte ich das dem Finanzamt plausibel machen sollen?

Zeitungsinterviews habe ich damals auch gegeben, groß mit Bild und Buch in der Hand, neben dem Computer, im Garten, auf dem Sofa. Sie schreibt und schreibt, unermüdlich, wie sie ist, hieß es da. Das führte aber eigentlich nur dazu, dass ich überall mit großen Augen angeguckt wurde, weil sich jeder überlegte, wo er mich wohl schon gesehen haben könnte. Eine Lesung gab es schon zu dem Thema. Nie wieder habe ich so viel Zeit und Energie hineingesteckt wie bei meinem ersten Buch! Jetzt bin ich nicht mehr unermüdlich, sondern mir meiner Grenzen bewusst. Ich habe einen Strich gezogen und mich vorläufig auf die eigenen Füße gestellt. Nach einer Durststrecke habe ich jetzt das Gefühl, dass diese Füße tragen können. Man muss nur seine inspirierenden Lieblingsbeschäftigungen aufspüren. Und so kam es heute im Bad zur Lösung eines Knotens. Ich wusste nicht, warum ich über den Anfang meines neuen Romans nicht hinauskam. Dann entdeckte ich den Fehler: Die Biographien meiner Hauptfiguren waren nicht stimmig! Das habe ich nun geändert und merke, dass es wieder zu fließen beginnt.

Dienstag, 16. Juli 2013

Nein, ich esse meinen Sugo nicht!

Die Kampagne, die ich mir vorgenommen hatte, ist schon im Ansatz erstickt. Ja, ich verstehe diejenigen, die selbst publizieren, immer besser! Sechs Agenturen habe ich mir rausgesucht und ebenso viele Verlage, mit denen ich mir eine Zusammenarbeit hätte vorstellen können. Und fing mit einer Agentur an, mit der ich schon einmal einen guten Kontakt hatte. Dort sollte man sich ausschließlich per Email melden. Man kann über meinen Ex-Agenten sagen, was man will, aber wenn ich ihm eine Email schrieb, konnte ich sicher sein, nach zwei Stunden eine Antwort zu haben. Dort aber scheint man nicht einmal regelmäßig das Postfach zu checken. Was so anfängt, kann auch nichts auf Dauer werden. Es kann sich nur eine Ochsentour daraus entwickeln (siehe vorigen Beitrag). Dieses Spiel habe ich nun so oft gespielt, dass es nur noch müde macht. Die Frage ist, welche Konsequenzen man daraus zieht. Aussteigen aus diesem Karussell der Eitelkeiten? Kann man das überhaupt noch, oder ist man nicht schon dabei, herauszufliegen, weil es sich immer schneller dreht?

Während meines Urlaubs habe ich einiges erlebt und auch gewisse Beobachtungen machen können. Zum Beispiel mit dem Einkehren in Gasthäuser.
Das war zugegebenermaßen ungeplant, weil es uns mal da, mal dorthin verschlug. Mindestens die Hälfte dieser Gasthausbesuche war ein Schlag in die Magengrube. Und das Groteske war: Allen anderen Gästen schien es vorzüglich zu schmecken! Oder sind die eben nichts anderes gewohnt in der McDonalds-Kultur? Der Ziehsohn einer alten Freundin sagte mal zu ihr: Brigitte, dein Essen schmeckt fast so gut wie aus der Dose! Und der alte Zeitschmecker Wolfram Siebeck nannte schon vor mehr als dreißig Jahren den deutschen Salat eine "nasskalte Beleidigung heißen Fleisches." Den Vogel schoss für uns ein Italiener in einer wunderschönen, vielbesuchten Touristenstadt ab. Bei Italienern kann eigentlich nichts schiefgehen, hatten wir uns gedacht, die können das aus dem ff. Ich bestellte mir Spagetti Napoli, etwas ganz einfaches. Es kam ein großer Teller mit dicken Spagetti, die in einer roten Soße schwammen. Schwammen! War ich bisher blind durch die Welt gegangen und hatte nicht gewusst, dass Spagetti Napoli so aussehen (und schmecken) müssen? Wieder daheim, packte mich der Ehrgeiz. Ich fand einen Artikel aus dem Stern, in dem eine Italienerin beschreibt, wie sie Spagetti Napoli macht. Wie sie den Sugo zubereitet, aus vollreifen Romatomaten, Zwiebeln andünstet, ein Zweiglein Basilikum dazu, eine Prise Zucker, Salz, Pfeffer, lange köcheln lässt und schließlich alles durch ein Sieb streicht. Und natürlich ist die Wahl des Olivenöls eine wichtige Sache. Das ist dann der Sugo, die Grundlage für viele Variationen. Ich kochte es nach und verstieg mich zu einem gewagten Vergleich: Diese Gaststättenesser sind doch wie viele Leser, die sich mit "Futter" abspeisen lassen, Hauptsache, der Magen ist voll. Ob ich eine schnellgedachte Bilanz aus diesen Erfahrungen ziehen kann? Ja, unterwegs lieber eine Brezel beim Bäcker kaufen, als sich die deutschen und ausländischen Brocken reinzuziehen, nur weil der Magen knurrt. Lieber die Romane in den Dateien schmoren lassen, als dass viele Köche sie verderben.

Samstag, 13. Juli 2013

Ochsentour bei den Verlagen

An der Wilden Enz (Schwarzwald)
Nun geht auch der schönste, längste und sonnigste Urlaub seinem Ende entgegen.
Hat mir viel Abwechslung gebracht und wenig Zeit zum Nachdenken. Trotzdem ist es an der Zeit, Entscheidungen zu fällen. Symbolischerweise sah ich gestern, im Kurpark von Wildbad, das erstemal eine junge Frau mit einem Reader auf der Bank sitzen. War das ein Wink mit dem Zaunpfahl? Heute fand ich einen Link bei Facebook. In ihrem Blog berichtet eine Kinderbuchautorin, warum sie nach 44 veröffentlichten Büchern zum Self Publishing übergegangen ist. Die Gründe waren:
1. Vorzeitige Verramschung der Bücher
2. Lange Vorlaufzeiten in den Verlagen
3. Mangelnde Information durch die Verlage, Missachtung des Autors
4. Kontrolle über Cover, Klappentext und Inhalt
5. Monatliche Abrechnung bei Amazon, bei den Verlagen jährlich

Das kann ich alles unterstreichen, obwohl ich sagen muss, dass ich eigentlich immer über alles informiert worden bin. Und es wurden nie plötzlich Abgabetermine vorgezogen oder kurz vor Fertigstellung verlangt, dass alles neu auf eine andere Altersgruppe getrimmt werden müsste. Auch Klappentexte und Cover wurden mir mit der Zeit immer mehr vorgelegt. Man kann meine Situation völlig frei, orientierungslos oder auch stark nennen. Ich habe die Wahl! Nach reiflicher Überlegung würde ich gern folgendermaßen vorgehen (und mir damit alle Optionen offenhalten):
Ich werde mir eine Liste mit Verlagen und Agenturen machen und eine Anfragerunde starten. Die Liste der Veröffentlichungen werde ich beifügen, Exposé und Leseprobe aber noch nicht hinzufügen. Ich biete den Krimi an und skizziere kurz mein neues Projekt. Wenn jemand Interesse zeigen sollte, werde ich entscheiden, ob ich dort etwas hinschicken möchte. Das ist spannend für mich und erspart mir die Ochsentour bei den Verlagen, die ich früher teilweise schon gemacht habe! Und solange ich mich nicht offiziell bewerbe, bleibt alles offen.

Mittwoch, 10. Juli 2013

Was macht einen Autor glücklich?

















Dieses Jahr hat es sich voll gelohnt, im Ländle zu bleiben. Hatten wir doch den Glauben daran, im eigenen Land Urlaub machen zu können, schon vollkommen aufgegeben. Und es wurde immer besser: Nach dem Desaster in einem fränkischen Gasthaus (man ließ dort die Gäste im Dunkeln sitzen!) landeten wir tatsächlich in Ellwangen, im fränkischen Seenland. Und dort ist die Autorin auch endlich zur Ruhe gekommen. Was braucht sie mehr als ein lebhaftes Städtchen voller Kirchen, Tore und Türme, einen Markt, einen See, ein Buch? Eine Wallfahrtskirche und ein Schloss hoch über der Stadt, wo sie der Duft der Lindenblüten empfängt? Und einen Biergarten mit alten Kastanien und einem Sonntagsbraten mit Spätzle? Nur wenn man unterwegs ist und die Augen offen hält, begegnen einem die wirklich guten Dinge.
Wieder dahoim. Seit Wochen schreibe ich nicht mehr, es sind gefühlte Jahre. Aber das stimmt ja gar nicht. Ich schreibe im Kopf, ich lese in einem Buch über die Dichter des 18. Jahrhunderts. Bei denen ging es grundsätzlich auch nicht anders zu als bei uns. Auch Goethe wurde raubkopiert, wenn er nicht schnell genug nachlieferte. Gelebt haben sie alle nicht vom Schreiben. Aber sie waren in gewisser Hinsicht freier, was ihr Schreiben betraf. Frei bin ich nun auch, frei von Vorgaben und Veröffentlichungsdruck. Ich kann herumexperimentieren wie die Autoren des 18. Jahrhunderts, die ständig ihr eigenes Leben in Szene gesetzt haben. Bis vor Kurzem hatte ich mir nicht vorstellen können, ohne Hilfe weiterzumachen, ohne dabei in ein Loch zu fallen. Und habe die Erfahrung gemacht, dass es geht. Es geht sogar ohne Beruf, nie habe ich mich so wohl gefühlt wie in dieser Zeit! Aber ich will den Mund nicht zu voll nehmen, es wird sicher wieder der Tag kommen, wo der Blick darauf ein wenig getrübt wird ...

Freitag, 5. Juli 2013

Endlich Sommer!


So müsste es immer öfter sein: ein paar Tage am Stück Sonne und Wolken und blauer Himmel und keine Verpflichtungen außer der, es sich einfach nur gut gehen zu lassen! Gestern in Reutlingen gab es einen Vorgeschmack: Auf der Suche nach dem "Faustus" von Thomas Mann stolperte mein Begleiter über einen Buchhändler, der uns wiederum zu vier Exemplaren meines Buches führte. Und er entschuldigte sich, nicht aufdringlich sein zu wollen, wenn er mich bitte zu signieren. Und da nun ein umfangreiches Hoch vom Atlantik hereinkommt, haben wir kurzentschlossen in einem Gasthaus im Bühlertal in Franken gebucht, zwischen Schwäbisch Hall und Abtsgmünd. Wie ich schon sagte, ist es ein Landstrich für Zivilisationsgeplagte, eine Oase in der Stille, mit vielen Schlössern, viel Natur, klaren Flüssen, der lebhaften Stadt Schwäbisch Hall, einer der schönsten mittelalterlichen überhaupt, Seen, Rad- und Wanderwegen sowie einer herzhaften, preiswerten Küche. In Obersontheim ganz in der Nähe wurde Daniel Friedrich Schubart geboren, Kaspar Hauser wurde in Ansbach aufgegriffen, im Jagsttal liegt das Kloster Schöntal, und hier befindet sich auch die Burg des Götz von Berlichingen. Ich habe einen Krimi von Fred Vargas und ein interessantes Werk über das 18. Jahrhundert, das Leben und seine Dichter dabei. Passend dazu wird in Hall der "Faust I" aufgeführt, während der Nachtwächter dort seine Runden dreht.

Das blaue Band

Frühlingsspaziergang am Neckar Jetzt ist er endlich da, der "richtige" Frühling! Und tatsächlich liegt eine Art blaues Band üb...