Donnerstag, 18. Juli 2013

Und wieder eine arme Seele geködert!

Es gibt doch diese Wochenblättchen, die einem immer am Mittwoch oder Donnerstag in den Briefkasten geworfen werden. Gestern zeigte mein Freund wild gestikulierend auf das Foto einer jungen Frau, die glücklich lächelnd ein Buch in die Höhe hielt, und sagte: Die ist aus ...gleich hier um die Ecke und hat einen Mystery Thriller geschrieben! Warum bist du nicht in der Zeitung?
Weil ich nicht will, habe ich gesagt. Heute flatterte das Blättchen auch in meinen Briefkasten, und ich schaute mir das einmal näher an. Bei Nennung des Verlags schrillten bei mir alle Alarmglocken: Ja, es ist ein Druckkostenzuschussverlag. Ich würde niemanden verurteilen, der darauf reinfällt. Wer weiß, wieviele Absagen die junge Frau von Verlagen und Agenturen bekommen hat, bevor sie bei Google auf die verheißungsvollen Worte stieß: Verlag sucht Autoren! Vor elf Jahren gab mir der Buchhändler im Kloster Maulbronn sechs Adressen von Verlagen, die ich alle anschrieb. Einer davon verlangte 4000 DM Druckkostenzuschuss, weil er das verlegerische Risiko nicht tragen könne. Ich überlegte hin, und beim Her war mir schon klar, dass es nicht angehen kann, wenn man für seine Arbeit auch noch bezahlen soll. Hätte ich es getan, wäre ich wahrscheinlich auch froh gewesen, das Buch bei zwei Provinzbuchhändlern ausstellen zu können und Mitternachtslesungen zu machen. Vielleicht hätte ich mit viel Initiative 1000 DM verdient, sind 3000 DM Verlust. Und wie hätte ich das dem Finanzamt plausibel machen sollen?

Zeitungsinterviews habe ich damals auch gegeben, groß mit Bild und Buch in der Hand, neben dem Computer, im Garten, auf dem Sofa. Sie schreibt und schreibt, unermüdlich, wie sie ist, hieß es da. Das führte aber eigentlich nur dazu, dass ich überall mit großen Augen angeguckt wurde, weil sich jeder überlegte, wo er mich wohl schon gesehen haben könnte. Eine Lesung gab es schon zu dem Thema. Nie wieder habe ich so viel Zeit und Energie hineingesteckt wie bei meinem ersten Buch! Jetzt bin ich nicht mehr unermüdlich, sondern mir meiner Grenzen bewusst. Ich habe einen Strich gezogen und mich vorläufig auf die eigenen Füße gestellt. Nach einer Durststrecke habe ich jetzt das Gefühl, dass diese Füße tragen können. Man muss nur seine inspirierenden Lieblingsbeschäftigungen aufspüren. Und so kam es heute im Bad zur Lösung eines Knotens. Ich wusste nicht, warum ich über den Anfang meines neuen Romans nicht hinauskam. Dann entdeckte ich den Fehler: Die Biographien meiner Hauptfiguren waren nicht stimmig! Das habe ich nun geändert und merke, dass es wieder zu fließen beginnt.

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