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Freitag, 4. Dezember 2020

Plötzlich Hotspot

 Jetzt ist unser Kreis Calw auch ein Hotspot geworden, neben Pforzheim, Karlsruhe und weiteren Städten und Kreisen in Baden-Württemberg. Unsere Nachbarländer und viele Millionen Menschen haben das ja schon erlebt. Man weiß nie, wie es dazu kam, aber ich las in der Zeitung, dass der Oberbürgermeister unserer Nachbarstadt Nagold erschrocken war, wie viele Leute sich kürzlich beim "Weihnachtsbaumleuchten" und der langen Einkaufsnacht in den Geschäften drängten. Darüber hinaus gibt es neue Infektionen in Altenheimen der Umgebung. Für uns ändert sich nicht viel, selbst wenn eine nächtliche Ausgangssperre kommt. Wir gehen nachts schon lange nicht mehr aus. Das Leben hat sich in einem bestimmten Rhythmus eingespielt und umfasst in der Regel so 20 bis 30 Quadratkilometer Stadt und Land. Man ist enger zusammengerückt, redet mit Nachbarn und alten Bekannten, und auch Weihnachten wird kaum anders verlaufen als sonst. Ich habe mir ein Adventssträußchen aus dem Garten zusammengebastelt, aus Edeltannenzweigen, Kirschlorbeerblättern und Hagebutten, und noch ein paar mattrote Kugeln und Silbersterne drangehängt. Kerzen in einer Schale drapiert. November und Dezember waren schon immer Monate, in denen ich mich mehr zu Hause aufhielt als anderswo. Ich pendle zwischen meinem Wohnort, dem Supermarkt und dem Ort, an dem mein Partner wohnt. Doch so wie im Frühling, im Sommer und im Herbst zu wandern, Fahrrad zu fahren, irgendwo eine Kleinigkeit zu essen oder einen Kaffee zu trinken - das vermisse ich schon. Die Natur noch mehr als die Kultur, denn letztere kann ich auch digital oder beim Bücherlesen erleben. Gute Filme sehen. Einige unserer besten Sendungen sind manchmal die von Markus Lanz. Und inzwischen sind die Städte schon wieder geisterhaft leer, wie ich kürzlich zusammen mit meinem Zahnarzt feststellte.

Ursprünglich hatte ich richtig Angst vor diesem Corona-Winter. Jetzt ist er da, und ich weiß, dass es für alle hart ist. Für viele extrem. Doch weil dieser Winter da ist, habe ich auch keine Angst mehr. Die Pandemie ist Alltag geworden, so war es stellenweise auch im Krieg. Wie man dem entgegensteuern kann, indem man rausgeht und sozusagen einen anderen Blick auf seine Umgebung wirft, hat Petra van Cronenburg vor ein paar Tagen in ihrem Blog beschrieben. Schönheit. Der andere Blick

Sonntag, 27. September 2020

Herbst in der Krise



Der Sommer war sehr groß, sehr heiß und trocken. Hat uns über die Krise hinweggetröstet. Dem Klima einerseits genutzt durch weniger Emissionen, andererseits durch Dürre der Natur geschadet. Nun stehen uns Herbst und Winter bevor, und alles wird noch ein wenig kritischer. Die Kultur ist größtenteils auf der Strecke geblieben. Diese Jahr sollte dem schwäbischen Dichter Hölderlin gewidmet sein. Von ihm stammt der Spruch:

Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch.

Und das unvergessliche Gedicht vom Neckar:

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne;
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm' ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

Friedrich Hölderlin, 170-1843





Sonntag, 13. September 2020

Schreiben in Zeiten der Pandemie


 Über welche Zeit scheibt ein Romanautor in Zeiten der Pandemie? Beschränkt er sich auf alles, was vor dem Januar 2020 geschah? Mein jetziger Roman spielt im Sommer 2019. Mit Masken, Abstandspflicht, Ausfüllen von Kontaktdaten in den Cafés und Restaurants sowie den Reisebeschränkungen hätte er nicht funktioniert. Ich weiß nicht, wie man weiterhin Romane schreiben kann. Alles vordatieren? Tun, als wenn nichts wäre? Erstmal bin ich erleichtert, dass ich heute, nach einem halben Jahr Arbeit an meinem Roman, mit dem Korrekturexemplar fertig geworden bin. Meine Situation ist ja sehr privilegiert. Andere Kollegen sind da viel stärker betroffen, besonders durch Ausfall von Lesungen u.a. Ein mir bekannter süddeutscher Schriftsteller musste sich einen neuen Verlag suchen, so las ich in einer Zeitung. Die Frankfurter Buchmesse wurde kürzlich doch noch abgesagt, nachdem sie lange für Mitte Oktober - in abgespeckter Hallenform und vor allem digital - stattfinden sollte. https://bit.ly/2GRzQhX

Das Schreiben ist seit zwanzig Jahren zu meinem Lebensalltag geworden. Unvorstellbar, wie die langen Herbst-und Wintermonate in der Pandemie ohne das zu überstehen sind. Aber ich kann mich auch in andere Richtungen orientieren. Da die kulturellen Angebote eingeschränkt sind und mein geliebtes Schwimmen nur noch mit digitalem Code und abgezählt in Bahnen stattfinden kann, sind das kaum noch Alternativen. Sie gehen mehr ins Digitale, in die Medien und den Austausch in Foren.






Sonntag, 16. Juni 2019

Ver-Reisen, Urlaub, Tourismus

Kürzlich las ich in meiner Zeitung, dass es bestimmte Gebiete dieser Erde gäbe, auf die sich der Massentourismus konzentriere und sie auch zerstört habe. Vielerorts überlege man sich schon, ob man nicht Quoten erstellen solle, weil die Venezianer und Barceloner keinen  bezahlbaren Wohnraum mehr bekommen, denn es wird alles an Touristen vermietet. Als Erstes fallen einem da Orte wie Venedig, die Insel Mallorca, der Louvre und viele andere ein. Hier eine Liste mit den 25 berühmtesten Reisezielen:https://fritzguide.com/reiseziele-die-der-tourismus-zerstoert-hat/
Da ich selbst in meinem Leben sehr viel gereist bin, habe ich diese Entwicklung mit zunehmender Sorge verfolgt. Und eigentlich kann ich von Glück sagen, dass ich den Eiffelturm, den Louvre, den Parthenon von Athen, Mallorca, Dubrovnik, Pompeji, Barcelona und die Ruinen von Delphi in einer Zeit besucht habe, in der das noch halbwegs zivilisiert möglich war. Aber schon die Mona Lisa konnte ich vor langen Jahren schon nicht mehr aus der Nähe sehen, weil unzählige Touristenköpfe sie verdeckten. In Venedig war Anfang dieses Jahrtausends kein Besuch des Markusdoms möglich, wir mussten auf den Dogenpalast und die Gemäldegalerie ausweichen. Schloss Neuschwanstein konntest du selbst im Regen vergessen. Die Iguazu-Wasserfälle hatte ich schon mit 19 Jahren gesehen, den Londoner Tower mit 18, den Salto Angel in Venezuela in den Neunziger Jahren vom Flugzeug aus. Auf Madeira im Oktober wanderten wir mit unzähligen anderen Leuten auf den Wegen. Die blaue Grotte in Capri wurde mit etwa zehn Booten befahren. War alles einmalig, doch zu welchem Preis, wenn man die Besucherzahlen anschaut!


Madeira, Capo de Sao Vicente
Wenn man viele der schönsten und berühmtesten Orte dieser Welt gesehen hat, kann man ja eigentlich auch zu Hause bleiben. Oder? Wenn dieses Wörtchen "wenn" nicht wäre. Wenn einem die Decke auf den Kopf fällt, weil man zwar an einem Ort wohnt, an dem andere Urlaub machen (Schwarzwald), diese Gegend aber sukzessive ebenso massiv zerstört wird wie die anderen Touristenorte auch. Nicht nur durch den Tourismus. Durch Flächenverbau, Bodenversiegelung, Industrieansiedlungen, neue Straßen und rapide zunehmendem Verkehr. Es gibt aber Orte, die wie Rückzugsgebiete sind. Man muss sie nur kennen. Hier einige Beispiele von Ecken, die sich ihren ursprünglichen Charme bewahrt haben.
Versteckte Stellen am Bodensee

Burg Wildenstein im Donautal

Der Blautopf in Blaubeuren (nicht ganz so "totbesucht" wie der Mummelsee im Schwarzwald)

Idylle im Garten des Schlosses Lindich bei Hechingen

Dom in St. Gallen

Jagdschloss in Hirsau

Figuren am Eulenturm in Hirsau

Hohenzollernblick

Ein ursprünglicher Traufweg der schwäbischen Alb

Mittwoch, 11. April 2012

Meine Blogs als Grundfesten des Schreibens?

Habe mich mal umgesehen, wie man denn das Kulturgut "Buch" und andere wertvolle Güter der Menschheit auch sonst noch unter die Leute bringen könnte, unbhängig vom Selbst-Publizieren und Publiziertwerden in Tauschbörsen. Dabei stieß ich auf das Projekt "Digitale Bibliothek Deutschland". Rechtliche und finanzielle Probleme behindern bis jetzt den Ausbau, heißt es da. Dabei dreht es sich vor allem um "vergriffene und verwaiste Bücher." Verwaist bedeutet, dass man bei 30% und mehr der vergriffenen Bücher den Urheber nicht mehr ausfindig machen kann. Nichtsdestotrotz soll im Jahr 2012 diese Bibliothek ans Netz gehen. Das ist sicher eine gute Recherchequelle, für die man nicht extra zahlen müsste. Ich müsste nicht wie bisher unzählige Bücher für Recherchen kaufen, sondern könnte online stöbern, ohne mir um Urheber- und Verwertungsrechte Gedanken machen zu müssen.

Allerdings kann es nicht Ziel eines Autors sein, für die Gemeinschaft zu schreiben, also dafür, dann in dieser Bibliothek, für jeden zugänglich, zu stehen und zum Weltkulturerbe zu gehören. Früher, in grauer Vorzeit, hatte man die wertvollen Güter doch auf Mikrochips gespeichert, wenn ich mich recht erinnere - und in Bunkern gelagert, falls mal so ein richtiger Weltkrieg oder sonstiger Untergang stattfinden sollte. Mein Ziel ist es, Bücher an Menschen zu verkaufen, die das, was ich schreibe, gern lesen. Sei es digital oder gedruckt. Und zwar zu Lebzeiten. Bei mir deuten alle Zeichen darauf hin, dass ich das weiterhin im Zusammenhang mit Verlagen tun werde, auch wenn sich noch so viel ändert zur Zeit. Wenn es dazu kommt, dass das Schreiben von vornherein als kostenloses Allgemeingut angesehen wird, mag ich wohl keine Romane mehr schreiben. Anders ist es mit den Blogbeiträgen. Im Nachbarblog habe ich gestern die Statistiken angesehen und registriert, dass die beliebtesten Kategorien Wanderungen und "Mörike und das liebliche Taubertal" sind, im Schreibteufelchen "Auf Wolframs Spuren", "Mein Buch der Bücher" und "Auf Mörikes Spuren". Aus diesen Beiträgen könnte ich natürlich mal ein E-Book machen und den vergriffenen Mörike hinterherschieben. Aber wozu eigentlich? Es wird ja auch so gelesen, die Besucherzahlen der "Orte zum Reinschmecken" entsprechen ja inzwischen fast denen des Schreibteufelchens. Dort aufräumen könnte ich mal, ja, nur die besten Sachen stehen lassen. Und was hindert mich daran, ebendort meinen "Eduard Mörike. Ein Leben auf der Flucht" sukzessive, in Fortsetzungen, zu veröffentlichen? Hat man doch früher auch gemacht, den Vorabdruck eines Werkes in Zeitungen und Zeitschriften. So hätte ich doch eine schöne Onlinezeitung, die mir Besucher und zufriedenes Schaffen ermöglichen würden.

Sonntag, 29. März 2009

Eisriesen im Schwarzwald

Um diese Zeit wird wohl niemand im Schwarzwald Urlaub machen wollen, es sei denn, er schlittert auf den schweren Schneemassen herum, die alles in Höhen über 500m bedecken. Aber uns zog es hinaus, nach Tagen der Klausur und des Eingeschlossenseins hinter den Vorhängen aus Regen und Schnee. Es verschlug uns in den Süden, an die Wutachschlucht, die bei besseren Wetterverhältnissen zu den schönsten Wandergebieten des Südschwarzwaldes gehört, mit einmaliger Flora, zum Beispiel dem Blauen Eisenhut. Auch das Scheffelhaus und die Scheffellinde standen noch wie ehedem. Da das Markgräfler Land mit Badenweiler und Staufen, dem Fauststädtchen, schwer zu erreichen waren, begnügten wir uns mit dem zugefrorenen Schluchsee und den imposanten Abteien St. Blasien und St. Trutbert. Auf dem Weg ins Münstertal mussten wir mindestens 7 Mal weit runter und wieder hoch (das war ein Navigationsfehler von mir gewesen), und die Riesen um den Feldberg und den Belchen herum standen in abweisender, schneeiger Einsamkeit. Mit fiel Georg Büchner ein und sein "Lenz":

"Den 20. Jänner ging Lenz durchs Gebirg. Die Gipfel und hohen Bergflächen im Schnee, die Täler hinunter graues Gestein, grüne Flächen, Felsen und Tannen.
Es war naßkalt; das Wasser rieselte die Felsen hinunter und sprang über den Weg. Die Äste der Tannen hingen schwer herab in die feuchte Luft. Am Himmel zogen graue Wolken, aber alles so dicht - und dann dampfte der Nebel herauf und strich schwer und feucht durch das Gesträuch, so träg, so plump.
Er ging gleichgültig weiter, es lag ihm nichts am Weg, bald auf-, bald abwärts. Müdigkeit spürte er keine, nur war es ihm manchmal unangenehm, daß er nicht auf dem Kopf gehn konnte."

Bald hatten wir uns verirrt. Wir wussten nicht mehr, wo Norden und Süden war, denn Wolken und Nebel hingen eisgrau über den Matten. Ende September hatte ich einmal eine Wanderung mit meinem Vater auf den Belchen gemacht. Das ging ganz schön steil hinauf, und oben herrschte dicker Nebel. Bei guten Sichtverhältnissen jedoch hat man phantastische Ausblicke, auch vom Feldberg und vom Blauen. Soll ich erzählen, wie es gestern endete? Eine Irrfahrt im Dunkeln, über Staufen bis Freiburg, auch hier verloren wir die Orientierung. Endlich fanden wir den Eingang zum Elzach - und Kinzigtal. Vorbei an Waldkirch, wo es sehr spannende Hexentänze während der Fasnet geben soll. Immer vertrauter und wärmer wurde es, trotz der Dunkelheit. In Elzach, dem malerischen Flecken, empfahl uns ein lustiger Herr eine Wirtschaft, die "Krone". Er hatte nicht zu viel versprochen: Die saure Leber war köstlich, ebenso der Wurstsalat, den man mit Brägele (Bratkartoffeln) oder Pommes bekommen kann.
Damit ist mein Urlaub zu Ende, morgen beginnt eine harte Arbeitswoche.

Montag, 9. Februar 2009

Von der Würm zur Pestarztmaske

Am Freitag fand in unserer Stadtbücherei ein Flohmarkt statt, auf dem wir für wenig Geld hochwertige Bücher erstehen konnten. Darunter war auch ein Bildband über die Kreise Calw und Enztal. Nachdem der Samstag alle Aktivitäten hatte ins Wasser fallen lassen, machten wir uns gestern auf, um mal wieder was zu "erleben". Es war so kalt und grau, dass die Wanderlust in den Stiefeln steckenblieb. Aber es gibt ja auch noch andere Dinge. Von Bad Liebenzell ging es hinauf ins Obere und Untere Heckengäu, von Monakam hinüber nach Neuhausen im Würmtal. Vorher schlossen wir Wetten ab, welche Kirchen wohl geschlossen sein würden. Es ist nämlich so, dass in unseren evangelischen Gegenden entweder größere Schätze zu verwahren sind oder der Vandalismus größer sein muss. Auch der Deutschlandwanderer, der ein Buch über seine Wege schrieb, berichtet, dass erst im Bayerischen, in den katholischen Gegenden, die Kirchen offen waren.

Die Würm, die durch ein schönes Tal vom Schönbuch nach Pforzheim fließt, wo sie zusammen mit der Nagold in die Enz mündet und die wiederum in den Neckar, hat allerdings nichts mit der Würmeiszeit zu tun, wie ich jetzt erfuhr. Diese Eiszeit ist nach einem Fluss in Bayern benannt. Ein Radweg führt von der Schmuckstadt Pforzheim (das leider im Krieg fast vollständig zerstört und nicht mehr aufgebaut wurde, wie sie es jetzt in Frankfurt nachträglich vorhaben) über Weil der Stadt bis in die Gegend von Herrenberg.

http://www.fahrrad-tour.de/WUERMTAL/Wuerm.html

Bevor man nach Neuhausen kommt, liegt linkerhand das Naturschutzgebiet Büchelberg. Da kann man stundenlang wandern unter uralten Eichen und Föhren, über Heiden und Wacholderwiesen. Ich erinnere mich an blauen Himmel, Wärme, Schafe, Pilze, Hagebutten und Silberdisteln. In Neuhausen steht eine wunderbare kleine Kirche, die erste, deren Seitenpforte nicht verschlossen ist. Uralt und später barockisiert. Diese Kirchen könnten es gut mit denen in Oberschwaben aufnehmen, entnahm ich einem Prospekt. In Mühlhausen entdeckten wir das versteckte Fachwerkschloss eines Ritters der von Gemmingen (die "Schlegler"). Die Kirche in Tiefenbronn mit dem berühmten Moseraltar ist allerdings immer zu. Dafür ist das Schloss der "Schlegler" in Heimsheim aus dem 14. Jahrhundert eine steinerne Wucht. Schließlich noch Mönsheim mit der Diepoltsburg und einer Kelter. Ein Ort ist schöner als der andere, ganz vergessen neben den Industriegebieten und der Autobahn Stuttgart-Karlsruhe. An den Wirtschaften hängen Schweinsblasen draußen und weisen darauf hin, dass man hier gut und günstig essen kann. Schließlich Weil der Stadt, Geburtsort Keplers, das wir in - und auswendig kennen, mit dem Weihnachtsmarkt, dem Faschingstreiben und immer wieder einfach so. Nicht zuletzt tauchte der dicke Österreicher auf dem Brunnen schon in einem Roman von mir auf, ebenso das kleine Kloster hinter der Kirche. Wie wär's jetzt mit einer Latte Macchiato? Ein neuer Italiener preist Latte und Capuccino mit Croissant an. Die Brüder sind gottfroh, dass noch jemand kommt. Sie zeigen uns alte Fotos von Venedig, die neben Masken aller Art an den Wänden hängen. Stolz holt der eine einen Karton mit original venezianischen Masken heraus. Und da ist sie, die Pestarztmaske, die bald wieder von Bedeutung für mich sein wird. Wir dürfen sie anprobieren; die beiden erzählen von der Heimat, die genauso feucht sei, wie es hier überwiegend geworden ist. Dass ich ein Buch über Venedig geschrieben habe, wie mein Freund erzählt, geht ihnen allerdings zu einem Ohr hinein und zum anderen wieder hinaus. So etwas kommt einfach nicht vor. Und ich finde es in solchen Momenten auch überhaupt nicht mehr wichtig.