In der einen Woche ohne die Routine der Arbeit habe ich eine erstaunliche Erfahrung gemacht: Die Zeit verging viel langsamer, ohne dass dadurch Langeweile aufgekommen wäre. Ich hatte plötzlich für alles Zeit, selbst zum Wäscheaufhängen, so richtig mit Wäscheklammern, zum Einkaufen und zum Relaxen. Termine sind die größten Zeitfresser. Die kann ich mir jetzt selber setzen. Wann ich das Haus verlasse, wann ich zum Schwimmen gehe, wann ich mein Ebook noch einmal überarbeite und wann ich es herausgebe. Wann ich in den Urlaub gehe. Alle Lebensbereiche waren um diese paar Stunden Arbeit aufgebaut gewesen, ständig war ein Druck zu spüren, der andere wichtige Dinge an sich gesogen und beschleunigt hat. Vielleicht ist doch etwas dran den Worten eines"positiven Psychologen", der die These aufstellt, dass Routine die Zeit beschleunigt, das Ausfüllen ihrer einzelnen Momente dagegen verlangsamt. Er führt als Beispiel einen Forscher an, der sich zwei Monate lang in einer Höhle einschließen ließ, Routinearbeiten verrichtete und hinterher angab, die gefühlte Zeit sei e i n Monat gewesen. Viele Menschen empfinden die Beschleunigung auch zunehmend mit dem Älterwerden. Liegt es daran, dass die Restzeit des Lebens sich zunehmend verkürzt? Nein, sollte man denken, für ein Kind müsste die Zeit doch rasen, bei allem, was es neu lernt und erlebt. Aber nichts in meinem Leben kommt mir länger vor als die ersten zwanzig Jahre. Ob es Kinder und Jugendliche heute auch noch so erleben? Oder hat sich die Welt an sich nicht beschleunigt und reißt alle, jung und alt, in ihrem Strudel mit? In dem Artikel schlägt der Autor vor, sich etwas für die Restzeit seines Lebens vorzunehmen, egal auf welcher Stufe man sich befindet. Etwas zu ändern, etwas zu machen,was man noch nie gemacht und was man noch nie gewagt hat. Es muss ja nicht endgültig sein, man kann es zunächst mal für dreißig Tage ausprobieren.
Wie die Zeit vergeht und Sie sie verlangsamen können.
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Donnerstag, 11. Juni 2015
Donnerstag, 6. November 2008
Zeitfresser
Eigentlich habe ich jede Menge Zeit. Zeit, um meinen Beruf auszuüben und dort innovativ fortzuwirken. Daneben hatte ich in den letzten Jahren Zeit, etwa sechs Romane zu schreiben, von denen vier veröffentlicht wurden/werden. Na gut, die Freizeitgestaltung konnte ich mit Recherchen verbinden und darf mich glücklich schätzen, dass mich jemand dabei begleitet hat. Doch wie jeder von uns weiß, steckt das Teufelchen im Detail. Die normale Alltagsbewältigung ist es nicht, die steckt man doch locker weg. Es sind eher Dinge wie etwas, das mir gestern widerfuhr:
Auf dem Weg zur Sparkasse und zur Arbeit schlitterte ich in eine Polizeikontrolle rein. Der Mann wartete geduldig, bis ich feststellte, dass ich zwar den Führerschein dabei hatte, den Fahrzeugschein jedoch nicht fand. Sowas macht mich immer ganz kribbelig. Er wollte dann den Personalausweis sehen. In solchen Situationen denke ich immer an die Nacht vor langer Zeit, in der ich kichernd mit einer Freundin durch die Stadt lief und sie den Polizisten auf der anderen Straßenseite zurief: Haben Sie ihren Personalausweis dabei? Nein? Dann gibt es Sie nicht!)
Der ist abgelaufen, meinte er, den muss ich einziehen. Ich hätte auch noch einen Reisepass, versuchte ich mich rauszuwinden. Die sind fast immer abgelaufen, meiner auch, war die lakonische Antwort. Also, Sie müssen morgen zum Rathaus ihres Wohnortes gehen und einen neuen beantragen.
Als ich weiterfuhr, stellte ich fest, dass der Fahrzeugschein doch da war, er steckte nur an einer Stelle, an die ich ihn nie stecke.
Also gut, heute schief geparkt am Marktplatz meines Ortes, weil da seit Monaten eine Baustelle ist und durch den Matsch zum Rathaus gelaufen. Sehr verständnisvoll, die Dame, aber ohne neues Lichtbild keine Antragstellung. Ich stelle mir gerade vor, wie das wäre in der Phase der Fahnenkorrekturen. Dazu noch diverse Ansprüche meines Jobs, die ich in der Freizeit erledigen muss, gar nicht anders erledigen k a n n.
Ja, ja, dachte ich, du musst dich einfach nur besser organisieren. Schließlich hast du das Schreiben, dass der Ausweis bald abgelaufen ist, schon vor einem Monat bekommen und schlicht vergessen. Feste Schreibzeiten einführen. Aber die werden von der Realität ständig eingeholt. Wie wäre es mit je einem Kalender für die beruflichen (habe ich schon), persönlichen und Schreib-Belange? Ganz groß aufgehängt an einem Platz, wo ich dann bloß noch jeden Tag hingucken muss.
Oder ich reduziere wirklich radikal meine Anwesenheit in Foren und Blogs, das sind sehr angenehme Zeitfresser, ich gebe es ja zu.:-)
Auf dem Weg zur Sparkasse und zur Arbeit schlitterte ich in eine Polizeikontrolle rein. Der Mann wartete geduldig, bis ich feststellte, dass ich zwar den Führerschein dabei hatte, den Fahrzeugschein jedoch nicht fand. Sowas macht mich immer ganz kribbelig. Er wollte dann den Personalausweis sehen. In solchen Situationen denke ich immer an die Nacht vor langer Zeit, in der ich kichernd mit einer Freundin durch die Stadt lief und sie den Polizisten auf der anderen Straßenseite zurief: Haben Sie ihren Personalausweis dabei? Nein? Dann gibt es Sie nicht!)
Der ist abgelaufen, meinte er, den muss ich einziehen. Ich hätte auch noch einen Reisepass, versuchte ich mich rauszuwinden. Die sind fast immer abgelaufen, meiner auch, war die lakonische Antwort. Also, Sie müssen morgen zum Rathaus ihres Wohnortes gehen und einen neuen beantragen.
Als ich weiterfuhr, stellte ich fest, dass der Fahrzeugschein doch da war, er steckte nur an einer Stelle, an die ich ihn nie stecke.
Also gut, heute schief geparkt am Marktplatz meines Ortes, weil da seit Monaten eine Baustelle ist und durch den Matsch zum Rathaus gelaufen. Sehr verständnisvoll, die Dame, aber ohne neues Lichtbild keine Antragstellung. Ich stelle mir gerade vor, wie das wäre in der Phase der Fahnenkorrekturen. Dazu noch diverse Ansprüche meines Jobs, die ich in der Freizeit erledigen muss, gar nicht anders erledigen k a n n.
Ja, ja, dachte ich, du musst dich einfach nur besser organisieren. Schließlich hast du das Schreiben, dass der Ausweis bald abgelaufen ist, schon vor einem Monat bekommen und schlicht vergessen. Feste Schreibzeiten einführen. Aber die werden von der Realität ständig eingeholt. Wie wäre es mit je einem Kalender für die beruflichen (habe ich schon), persönlichen und Schreib-Belange? Ganz groß aufgehängt an einem Platz, wo ich dann bloß noch jeden Tag hingucken muss.
Oder ich reduziere wirklich radikal meine Anwesenheit in Foren und Blogs, das sind sehr angenehme Zeitfresser, ich gebe es ja zu.:-)
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