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Mittwoch, 21. Mai 2014
Interviews und Rezensionen
Immer, wenn man denkt, alles trete auf der Stelle und es werde sich nichts mehr ändern, geht irgendwo ein Türchen auf, wie ich selbst und wir alle es schon erlebt haben. Gestern kam die Anfrage von einer Buchbloggerin wegen eines Interviews; sie möchte auch gern rezensieren, weil ihr meine historischen Romane sehr zusagen. So werden wir das Interview mit Sabine Schäfers jetzt veröffentlichen, und ich werde die Printversion des E-Books und ein weiteres verschicken. Gut, dass die Verlage früher immer so reichlich Belegexemplare geschickt haben! Das nächste Interview wird dann voraussichtlich im Juli erscheinen. Da ich schon am berichten bin und die Nachricht hier ein wenig kurz ist, noch ein denkwürdiges Erlebnis: Ich lese gerade ein Buch, das wir auf dem hiesigen Bücherflohmarkt erstanden haben. Es heißt "Schillers Heimatjahre. Die Wanderungen des Heinrich Roller" und wurde von Hermann Kurz, (1813-1873), einem Freund und Weggenossen Eduard Mörikes, verfasst. Und es ist genau der Roman, den ich früher immer schreiben wollte! Er ist in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts angesiedelt, und alle Figuren, die mir aus dieser Zeit ans Herz gewachsen sind, tauchen auf, alle Schauplätze, auf denen wir unterwegs sind, werden detailreich beschrieben. Es ist ein 1000seitiger Entwicklungsroman - den brauche ich also nicht mehr zu schreiben! Hermann Kurz ist übrigens ein Autor, den ich erst vor einiger Zeit für mich entdeckt habe. Den "Sonnenwirt", die Lebensgeschichte des Räuberhauptmanns Johann Friedrich Schwan, die wiederum Friedrich Schiller zu seinen "Räubern" inspiriert hat, habe ich mit dem größten Vergnügen gelesen. Hermann Kurz ist heute fast vergessen. Und er hat als freier Schriftsteller in Stuttgart und Tübingen, wo er zuletzt als Unterbibliothekar wirkte, kein leichtes Leben gehabt.
Montag, 25. März 2013
Erfolgsautoren einst und jetzt
Den Bogen zur heutigen Zeit schlägt für mich ein Blogbeitrag von Schreibkraft, im letzten Juli geschrieben: Autoren dürfen jammern, aber sich nicht beschweren.
Dienstag, 12. Januar 2010
Ein Talent setzt sich durch
Diesen Wahlspruch von Autoren habe ich seit Jahren im Ohr gehabt und habe auch an ihn geglaubt. Dann und wann musste ich ihn wieder revidieren: Manchmal dachte ich, hier und da hat sich nicht unbedingt ein Talent durchgesetzt, sondern ein "Modethema". Wobei die entsprechenden Autoren durchaus hochtalentiert sein können! Mein Zweifel schleicht sich wieder ein, seitdem ich das Tübinger Dichterbuch lese (und es ist für mich so spannend, das ich die Schlafenszeiten vergesse!)Nehmen wir einmal den Schriftsteller Hermann Kurz, den heute kaum einer kennt. Immerhin wird ihm und seiner Tochter Isolde Kurz ein Kabinett im Museum der alten Buchdruckerstadt Reutlingen gewährt. Dieser Hermann Kurz also war ein kompromissloser Autor, der seinem Onkel, dem Pfarrer Mohr, sagte: "Lieber tot sein als Vikar!" Daraufhin machte er sich nach Stuttgart auf, wo er zwischen 1836 und 1844 "grausame Jahre" als Schriftsteller und Übersetzer verlebte. Georg Cotta, der Verleger, lehnte seinen schon angenommenen Roman"Heinrich Roller" aus Loylität gegenüber dem Königshaus ab. Erst sechs Jahre später kam er bei Franckh in Stuttgart heraus und wurde ein Misserfolg.
Mit seiner Familie lebte er nach vielen Irrungen und Wirrungen in der Neckarvorstadt in Tübingen, in einem kalten, zugigen Haus. Die Familie war bei den Tübingern nicht angesehen, weil sie "anders" war. Hermann Kurz mischte Essig in sein Wasser, damit es ein wenig wie Wein schmeckte, rauchte Zigarren aus Erdbeerblättern und aß Brotsuppe. Sein Talent verkümmerte immer mehr. Die Ideen der 48er Revolution zogen ihn an (was er mit seiner Frau teilte). Mit seinem Freund Eduard Mörike verkrachte er sich, als er ihm auf dem Stuttgarter Schlossplatz sagte, ein Schriftsteller müsse Farbe bekennen und dürfe nicht aus seinem Schneckenhaus heraus dichten. Doch auch die Ideen der Revolution wurden zerschlagen. Während Schriftsteller, die heute vergessen sind, große Karriere machten, waltete ein "Unstern" über Hermann Kurz' Leben, der immer zwischen alle Leserinteressen und Moden fiel. Schließlich bewarb er sich untertänigst um die Stelle eines zweiten Unterbibliothekars im Schloss Tübingen und wohnte mit seiner Familie nahe des Marktplatzes, in einem Haus, das selten die Sonne erreichte.
Vor dem Lärm der Stadt flüchtete er sich in zwei Hinterzimmer. Er starb nach einem Sonnenstich, den er sich bei der Enthüllung des Uhland-Denkmals geholt hatte. Isolde Kurz, seine vielverprechende, aufmüpfige Tochter zog dann allerdings später die falschen Schlüsse, indem sie als Schriftstellerin unter den Nazis Karriere machte.
Mit seiner Familie lebte er nach vielen Irrungen und Wirrungen in der Neckarvorstadt in Tübingen, in einem kalten, zugigen Haus. Die Familie war bei den Tübingern nicht angesehen, weil sie "anders" war. Hermann Kurz mischte Essig in sein Wasser, damit es ein wenig wie Wein schmeckte, rauchte Zigarren aus Erdbeerblättern und aß Brotsuppe. Sein Talent verkümmerte immer mehr. Die Ideen der 48er Revolution zogen ihn an (was er mit seiner Frau teilte). Mit seinem Freund Eduard Mörike verkrachte er sich, als er ihm auf dem Stuttgarter Schlossplatz sagte, ein Schriftsteller müsse Farbe bekennen und dürfe nicht aus seinem Schneckenhaus heraus dichten. Doch auch die Ideen der Revolution wurden zerschlagen. Während Schriftsteller, die heute vergessen sind, große Karriere machten, waltete ein "Unstern" über Hermann Kurz' Leben, der immer zwischen alle Leserinteressen und Moden fiel. Schließlich bewarb er sich untertänigst um die Stelle eines zweiten Unterbibliothekars im Schloss Tübingen und wohnte mit seiner Familie nahe des Marktplatzes, in einem Haus, das selten die Sonne erreichte.
Vor dem Lärm der Stadt flüchtete er sich in zwei Hinterzimmer. Er starb nach einem Sonnenstich, den er sich bei der Enthüllung des Uhland-Denkmals geholt hatte. Isolde Kurz, seine vielverprechende, aufmüpfige Tochter zog dann allerdings später die falschen Schlüsse, indem sie als Schriftstellerin unter den Nazis Karriere machte.
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