Heute kommt der zweite Teil der Lebensbaustellen.
2. Das Schreiben und die Natur
Beides hat die letzten siebzehn Jahre meines Lebens stark bestimmt. Zehn Romane sind dabei herausgekommen, acht davon veröffentlicht, dazu eine Anthologie und ein schwäbischer Alb-Kalender. Aber immer, wenn man denkt, da kommt jetzt nichts mehr, kommt dann doch noch was. Wie erwähnt, kam mein zweiter Kleinverlagsroman auf mich zurück und ist seither in Bearbeitung. Erst ein Crash durch falsches Speichern zeigte mir, dass der Roman noch mal ganz neu konzipiert werden muss. In dieser Sache beschäftige ich mich gerade mit den Hexenprozessen in Wasserburg, die dort zwischen 1589 und 1675 fast ununterbrochen stattgefunden haben. Auch vor Kindern machten die Denunziationen keinen Halt. Es erinnert manchmal an das Treiben in den sozialen Medien - nämlich fake news und Hasskommentare entsprechend dem Nachbarschaftsgeklatsch und Anhängen übler Verdächtigungen. Eine Hexenjagd sondergleichen! Vielleicht ist das jetzt dann mein letzter Roman. Aber man soll ja nie nie sagen. Vorstellen könnte ich mir noch ein Ratgeberbüchlein, Rentner und kein bisschen weise oder so und ein (virtuelles?) Büchlein über die Natur und die Poesie. Mein ursprünglicher Antreiber in Sachen Schreiben. Übrigens steigen die Besucherzahlen dieses Blogs ins Immense, sobald ein poetisches Thema auftaucht, allen voran die Franzosen tummeln sich dann hier en masse. Besonders beliebt sind Themen wie "romantische Wege", "Die blaue Blume", "Rainer Maria Rilke", überhaupt Gedichte, dann "Im Oktober", "Altweibersommer" aber auch "Lebensbaustellen" und "Ostern". Da kommen schon mal 13 000 Klicks auf einen Beitrag. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das alles Roboter sind.
Abtrieb für die Schreiblust gibt es durch den Abbau der Midlist und durch Überfüllung im Self Publishing-Sektor, auch wenn das nicht alles Neuerscheinungen sein müssen. Auftrieb gab mir die Ankündigung des Verlages, im November 2017 noch einmal ein E-Book-Bundle zweier meiner Romane aufzulegen (siehe oben rechts). Wenn ich es hinkriege, ist dann auch mein derzeitiges Projekt "Hexenkinder" verwirklicht und kommt rechtzeitig mit dem historischen Schwarzwaldbuch "Die Köchin und der Kardinal" und "Die Pilgerin von Montserrat" heraus. Anregungen und Erholung aus der Natur holen wir uns nach wie vor - sofern die extremen Wetterverhältnisse es zulassen - bei Orchideenspaziergängen und Albwanderungen.
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Montag, 29. Mai 2017
Samstag, 8. Oktober 2016
Im Oktober
Der Oktober war in diesem Jahr ein Einschnitt. Nicht nur, was den Abschied vom Sommer und den Hinauswurf ins Kalte, Trübe betrifft. Am letzten Wochenende besuchte ich das Autorentreffen in Oberursel und war so angetan und inspiriert wie lange nicht mehr. Aber es war nicht nur ein Kokon, der alle eingehüllt hätte, sondern öffnete auch manches Auge für die Situation der Autoren in dieser Zeit. In Frankfurt Hauptbahnhof kehrte die Realität mit aller Macht zurück: Die Live-Festnahme zweier Männer in einem Zug mitsamt Koffer, ein Terroralarm mit schwerbewaffneten Polizisten. Und die Kälte wurde immer unerbittlicher. Jetzt liege ich seit Tagen mit einer schweren Erkältung darnieder, umgeben von Tees, Unmengen von Papiertaschentüchern, Büchern und Kreuzworträtseln. Auf der Suche nach Oktobergedichten habe ich eins von Erich Kästner gefunden, den ich bisher mehr mit "Emil und die Detektive", "Pünktchen und Anton" usw. identifiziert habe. Spricht für diese Stimmung und gefällt mir sehr gut!
Der Oktober
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Was vorüber schien, beginnt.
Chrysanthemen blühn und frieren.
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Und du folgst ihr wie ein Kind.
Geh nur weiter, bleib nicht stehen.
Kehr nicht um, als sei's zuviel.
Bis ans Ende musst du gehen,
hadre nicht in den Alleen.
Ist der Weg denn schuld am Ziel?
Geh nicht wie mit fremden Füßen
und als hättst du dich verirrt.
Willst du nicht die Rosen grüßen?
Lass den Herbst nicht dafür büßen,
dass es Winter werden wird.
Auf den Wegen, in den Wiesen
leuchten, wie auf grünen Fliesen,
Bäume bunt und blumenschön.
Sind's Buketts für sanfte Riesen?
Geh nur weiter, bleib nicht stehn.
Blätter tanzen sterbensheiter
ihre letzten Menuetts.
Folge folgsam dem Begleiter.
Bleib nicht stehen. Geh nur weiter,
denn das Jahr ist dein Gesetz.
Nebel zaubern in der Lichtung
eine Welt des Ungefährs.
Raum wird Traum. Und Rausch wird Dichtung.
Folg der Zeit. Sie weiß die Richtung.
"Stirb und werde!" nannte Er's.
Erich Kästner, 1899-1974
Der Oktober
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Was vorüber schien, beginnt.
Chrysanthemen blühn und frieren.
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Und du folgst ihr wie ein Kind.
Geh nur weiter, bleib nicht stehen.
Kehr nicht um, als sei's zuviel.
Bis ans Ende musst du gehen,
hadre nicht in den Alleen.
Ist der Weg denn schuld am Ziel?
Geh nicht wie mit fremden Füßen
und als hättst du dich verirrt.
Willst du nicht die Rosen grüßen?
Lass den Herbst nicht dafür büßen,
dass es Winter werden wird.
Auf den Wegen, in den Wiesen
leuchten, wie auf grünen Fliesen,
Bäume bunt und blumenschön.
Sind's Buketts für sanfte Riesen?
Geh nur weiter, bleib nicht stehn.
Blätter tanzen sterbensheiter
ihre letzten Menuetts.
Folge folgsam dem Begleiter.
Bleib nicht stehen. Geh nur weiter,
denn das Jahr ist dein Gesetz.
Nebel zaubern in der Lichtung
eine Welt des Ungefährs.
Raum wird Traum. Und Rausch wird Dichtung.
Folg der Zeit. Sie weiß die Richtung.
"Stirb und werde!" nannte Er's.
Erich Kästner, 1899-1974
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