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Sonntag, 14. Dezember 2025

Weihnachtsmärkte

 In meiner Kindheit und Jugend war ich nie auf einem Weihnachtsmarkt, so weit ich mich erinnere. Obwohl es die ja schon seit dem Mittelalter gibt, zum Beispiel in Bautzen, Dresden oder Nürnberg. Geschichte der Weihnachtsmärkte. In den letzten 30 Jahren haben wir viele Weihnachtsmärkte in der Umgebung besucht, in Horb, Herrenberg, Rottenburg, Calw, Freudenstadt, Stuttgart, Pforzheim, Ergenzingen, Neubulach und Ulm. In Nagold stand ich einmal stundenlang mit Kollegen und Kolleginnen des Vereins für soziale Integration am Stand, um Spielzeug und Vogelhäuschen aus der Holzwerkstatt zu verkaufen. Meine Hände und Füße waren eiskalt gefroren, und vor uns strömten die Besucher vorbei, mit Glühweingläsern in der Hand, und natürlich blieb kaum einer mal bei uns stehen. So verkaufte ich mein erstes veröffentlichtes Buch auch nur ein einziges Mal an eine Klientin. Trotzdem war es ein Erlebnis, das mal aus der Standes-Perspektive zu sehen! Es hat sich inzwischen aber etwas verändert. Ich erinnere mich an die intensive Stimmung in Wildberg mit den Schafen im Turm unten und den Garagen in der Fachwerk-Oberstadt, die liebevoll hergerichtet waren.  Später wurde es dann überall immer voller, so dass man kaum noch vorankam, auch kommerzieller. Dann kam Corona und alles war dicht, danach war der Hunger der Menschen auf das Event so groß, dass die Massen kaum noch zu bewältigen waren. Vor allem die Schlangen vor den Buden mit Roter Wurst vom Grill und Pommes stauten sich immer länger.

Vor ein paar Tagen habe ich einen Bericht über den Anschlag auf den Breitscheidplatz-Weihnachtsmarkt im Jahr 2016 gesehen. Parallel dazu wurden Besucher im Fernsehen gefragt, wie groß ihre Angst vor Anschlägen wäre. Die Mehrheit vertraut auf die Sicherheitsvorkehrungen, und das tue ich eigentlich auch. Und nicht deswegen bin ich zwischendurch hinter den Buden durchgelaufen, sondern weil kein Durchkommen mehr war. Leider war ja in Bayern offensichtlich ein Anschlag geplant, an dem kleineren Ort Dingolfing Geplanter Anschlag Dingolfing(neben dem terroristischen Anschlag in Sidney).

 Wir haben dieses Jahr die Besuche ziemlich eingeschränkt. Ich mag keinen Glühwein, dafür bin ich eine Liebhaberin der Würste vom Holzkohlengrill. Nachdem ich die leckere Thüringer Bratwurst nie mehr gefunden hatte, war ich jetzt allein auf die Rote aus. Nur zu diesem Zweck bin ich letzte Woche auf den Nagolder Weihnachtsmarkt gegangen, wo kaum ein Durchkommen war. Neben der traditionellen Eislaufbahn war diesmal auch ein Riesenrad aufgebaut, mit dem 6000 Kinder fuhren, die Besucherzahlen sind auf 20 000 gestiegen, was früher einmal die Gesamteinwohnerschaft von Nagold war! Die Wurst hat auch gut geschmeckt, und ich musste nicht einmal anstehen. Gestern dann noch der kleine, wirklich gemütliche Markt in Schietingen, zwischen Brotbackhaus, alter Schmiede und dem kleinen Bach Steinach, wo unter anderem die Nachbarn einen Stand mit Kürbissuppe bewirteten. Diese kleinen Abstecher sind mir inzwischen genug. Weihnachten kann kommen, auch wenn es nicht mehr vom Lichterglanz der Kindheit, der Familie, dem Räucheraal und den dänischen Köstlichkeiten in Flensburg  überstrahlt ist.

Montag, 24. April 2023

Abenteuer im tristen Alltag

Nach dem langen Winter haben wir inzwischen Ende April -und es fühlt sich teilweise immer noch winterlich an. Was kann man tun, um nicht ständig nur zu jammern und zu klagen? Wir haben die Sonnenstunden genutzt, um an besonders schönen Stellen zu wandern oder auch nur spazierenzugehen. Ganz in der Nähe, am Ufer der Nagold in der Schäferlaufstadt Wildberg.
Gestern dann brachen wir bei schönstem Sonnenwetter auf, stiegen bei einer Hütte aus und schickten uns an, einen Waldrandspaziergang anzutreten. Von Süden her näherten sich langsam dunkle Wolken, aus denen in der Ferne blaugraue Vorhänge zur Erde wehten. "Da drüben regnet es schon", sagte mein Partner. Ich lief los, er folgte, blickte sich aber immer wieder um. Zwei E-Bikefahrer hetzten an uns vorbei. Schon fielen die ersten Tropfen. Wenn es nun nichts wurde mit dem Spazierengehen (und von wegen falsche Kleidung), dann musste es doch wenigstens ein Sonntagskaffee sein.

In Herrenberg war alles besetzt. Richtung Autobahn befielen uns mal wieder Zweifel an der Menschheit. Ein endloser Strom von PKWs kam uns von der Stuttgarter Seite her entgegen. Wo waren die alle gewesen? Im Schlosspark von Ludwigsburg, im Blühenden Barock? In der Wilhelma, auf dem Frühlingsfest Cannstatter Wasen? Die neue Baustelle von Stuttgart 21 besichtigen? Hatten wir alles schon gesehen, lange bevor die Welt begann Kopf zu stehen. Bevor wir auf der Autobahn eingeklemmt werden würden, stoppten wir an der großen Bäckerei. An der Tür stand: Bitte Ticket ziehen! Upps? Eine andere Tür stand offen, es hielten sich drinnen und draußen noch mindestens 50 Personen auf, Stand 16.45. Die Bedienung deutete auf ihre Uhr. "Wir haben schon geschlossen. Kaffee to Go können Sie noch haben." Und wo den dann trinken? Draußen, wo ein eisiger Wind die Regentropfen vor sich her fegte?

 Wie es das Schicksal manchmal will, landeten wir dann doch noch auf der Autobahn. Sofort standen wir in einem riesigen Stau und stellten uns auf mehrere Stunden Wartezeit ein. Schöner Sonntagsspaziergang, das! Rechts sah ich eine schmale Straße, die zu einer Fabrik führte. Oje, wenn wir da abbogen und die Straße in der Fabrik endete. In diesem Moment bog ein Fahrzeug auf die Straße ab und wir hinterher. Nach endlosem Ritt durch die Pampa kamen wir auch wieder in ein Dorf. Dort aber tote Hose wie überall. Rettungsanker war dann unser Italiener in Ergenzingen. Die Wolken hatten sich verzogen, wir setzten uns auf die Terrasse und schlürften unsere Latte. Ein Pulk von lachenden älteren Damen in Wanderkleidung strömte aus dem Lokal, ein Radfahrer stellte sein Gefährt an die Brüstung und begann ein nettes Gespräch. Er war gebürtig aus Bietigheim, wo auch Bundespräsident Heuss und die Gruppe "Pur" herkamen. Dann waren die Wolken wieder da, es blitzte und donnerte, und ein Schwall kalten Wassers trieb uns in den Innenraum. Hier roch es nach Knoblauch und Oregano, und Pizza Salami. In einem Kreis von netten Menschen beschlossen wir diesen verdrehten und abenteuerlichen Tag.

Sonntag, 31. Juli 2016

Die Wiederentdeckung des Savoir Vivre

Wenn einer für eine Weile das Tosen der großen Städte und des röhrenden Netzes verlässt, kann er auch ganz in seiner Nähe etwas entdecken und erleben. Unlängst besuchten wir wieder einmal unsere Nachbarstädtchen Wildberg und Neubulach. Das Wildberger Kloster Reutin (Museum) mit lauschigem Park und einem Kräutergarten ist ein Ort der Stille. Nur einige aufgeweckte Kinder spielten am kleinen See, zeigten uns die Kaulquappen und einen winzigen Frosch, der daraus hervorgegangen war. Die Burg Wildberg ist eine guterhaltene Ruine aus dem Mittelalter. Von hier aus hat man einen großartigen Blick ins Nagoldtal. Auf dem Weg nach Neubulach, einem alten Bergarbeiterstädtchen, kamen wir an der Lochsägemühle vorbei, deren Mühlrad noch in Betrieb ist. Vom darüber gelegenen Stausee stiegen zwei Wanderer herab. Es war ein Rentnerehepaar, er Sarde, sie waschechte Schwäbin. Sie genießen das Leben, das sah man ihnen an. Von Mitte Mai bis Mitte Juni und von Mitte September bis Mitte Oktober fahren sie in den Urlaub - nach Sardinien, nach Südtirol und zu weiteren schönen Zielen, die in der Nebensaison günstiger und nicht so überlaufen sind. Das und anderes hat uns dazu angeregt, nächste Woche mal wieder ins Fränkische zu fahren. Dort ist es menschenleerer und alles geht etwas lässiger zu, man kann wieder ein, zwei Tage durchatmen.