Donnerstag, 27. Juni 2013

Best of Verlagsabsagen-Zeit und Geld

Gestern Abend, ja, es war Müßiggang angesagt, habe ich mir einmal die Verlagshomepages von Diogenes und Hanser angeschaut. Da stand unter "Manuskripteinsendungen" bei beiden, man solle keine Gedichte, Kurzgeschichten, Horror, Fantasy und Reiseberichte einschicken. Per Email solle man es erst gar nicht versuchen, sondern ein Exposé und 30 Seiten Leseprobe senden. Vor Ablauf von vier Monaten werde man nicht dazu kommen, das Manuskript zu prüfen. Das erinnert mich an die Kontakte, die ich mal zu zwei Lektorinnen dieser Verlage hatte. Sie baten mich, zu schicken, weil sie alles prüfen müssten. Dann habe ich nie mehr etwas von ihnen gehört. Papierausdrucke, das kenne ich überhaupt nicht mehr. Und dann das Warten: Ob ich noch einmal Lust darauf hätte? Ich denke: nein! Dazu passend kam der Artikel von Steglitz Mind, in dem Nikola Hahn das Versenden von Manuskripten und die Verlagsabsagen mit dem Verkauf selbstgestrickter Socken vergleicht. Sehr vergnüglich zu lesen, und es steckt ein wahrer Kern darin. Best of Verlagsabsagen.

Dazu muss ich sagen, dass ich nie böse, witzige oder niederschmetternde Absagen bekommen habe, sondern neben Standdartabsagen eigentlich nur hilfreiche. Die erste kam von Klett-Cotta. Die schickten das MS zurück mit den Worten, dass es in Teilen sehr schön geschrieben sei, aber, um mal bei dem Beispiel mit den Socken zu bleiben, an einigen Stellen die Farbe zu dick aufgetragen und es auch mit Verbesserungen durch Strickmaschine nicht verkaufsfähig wäre. Da hatte ich gleich zu Anfang etwas begriffen: Ich musste mich noch mal ein paar Monate lang auf den Hosenboden setzen! Im Juni 2002 war das MS fertig, im September sagte ein Verlag zu, es zu veröffentlichen, allerdings unter dem Vorbehalt eines umfangreichen Lektorats. Es gab noch ein richtig nettes Treffen in Lahr mit dem Verleger und zwei Lektoren, und das Lektorat wurde persönlich im Verlag abgewickelt, und dann wurden Briefe und Telefonate ausgetauscht. Meine späteren Lektoren habe ich nur per Email kennengelernt. 2004 erschien das kleine Werk.

Jahre, einen veröffentlichten Roman und zwei Schubladenbücher später habe ich mich dann bei Agenturen beworben. Auch hier gab es Standardabsagen und hilfreiche Worte. Die bezogen sich meist auf Schwächen des MS bzw. auf das Zuviel an Lektorat, das es benötigen würde. An dieser Stelle hatte ich begriffen: Bücher zu schreiben, kostet viel Zeit und Übung. Sie zu veröffentlichen, kostet noch mehr Zeit und sie kosten die Verleger Geld.

Jahre, sieben veröffentlichte Romane später, habe ich mich von meiner Agentur getrennt. Seitdem befinde ich mich in einem Prozess. Ich weiß, was ich alles nicht mehr will,und ich weiß, was ich will: weiterschreiben. Ich will nicht mehr warten, hoffen und bangen, zweifeln und mir sagen lassen, was zu tun sei. Was dabei herauskommt, ist noch nicht abzusehen. Eins steht auf jeden Fall fest: Sollte ich dereinst unter die Self Publisher gehen, kostet das auch Zeit, Lektorat und Geld. Aber die Produktionsbedingungen bestimme ich, und ich bin dann auch ganz allein schuld am Erfolg oder Flopp.

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