Samstag, 13. April 2013

Auszeit-Ideen für Autoren

 Eine Autorin steht vor der Entscheidung, eine Auszeit vom Schreiben zu nehmen. Sie kann aber nicht einfach wegfahren und die Seele baumeln lassen, weil sie einen Beruf hat, der sie ernährt. Welche Möglichkeiten gibt es für sie? Was hat sie früher, vor dem Schreiben, gemacht? Was habe ich gemacht, als ich siebzehn war? Natürlich habe ich geschrieben, und sei es auch nur ein Tagebuch oder Artikel für die Schülerzeitung. Dann habe ich so Heftchen gebastelt, mit eigenen Sprüchen und ausgeschnittenen Bildern. Ich habe fotografiert, bin gern geschwommen und habe die ersten Pommesfrites-Parties gefeiert. Bin stundenlang durch die grünen Wälder oberhalb der Ostsee gewandert, zusammen mit unserem Collie. Habe Igel und einen jungen Kauz durchgefüttert, der aus dem Nest gefallen war. Zusammen mit Freunden und Verehrern Kartoffeln auf einer Tonne gebraten, die mit glühenden Kohlen gefüllt war. Bücher verschlungen, wo immer ich mich befand. Und stundenlange Gespräche geführt, über die Eltern, die Schule, die Liebe, Gott und die Welt. Jedes Jahr gab es eine Urlaubsreise, mit siebzehn war ich in Kärnten, mit achtzehn in Wales. Auf der Flensburger Förde sind wir herumgerudert und bei einem Sturm umgekippt. Sind mit dem Fahrrad zu den dänischen Schlössern gefahren, haben Softeis und Rumkugeln gefuttert. Ins Kino und zum Tanzen ins Ruhetal nach Glücksburg sind wir gegangen. Und haben den Traum von einem glücklichen Leben geträumt, der für mich damals noch darin bestand, eine Familie zu gründen und Buchhändlerin zu werden. Mein Vater hatte sogar bei Thalia in Hamburg nachgefragt, aber da man nur 1000 DM verdiente nach der Lehre, hat er mir abgeraten. Ob er recht gehabt hat?

Heute bin ich eine erfahrene Sozialtherapeutin und Romanautorin. Damals gab es keine Computer für jedermann, keine Foren, keine Blogs und so weiter. Hätte ich mir jemals vorstellen könne, mit meinem Sohn auf Facebook zu kommunizieren? Aber vieles von dem, was ich damals gemacht und gemocht habe, mache und mag ich heute noch. Und das eine oder andere, woran ich mich erinnere, könnte mir durchaus als Auszeit-Idee dienen!


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