Mittwoch, 19. Dezember 2012

Versuchter, "wahrhaftiger" Jahresrückblick einer Autorin

Da die Tage jetzt nicht nur dem Weltuntergang entgegen galoppieren, sondern auch der längsten Nacht und dem Jahresende, wird es Zeit, sich einmal kurz auf das vergehende 2012 rückzubesinnen.

°Im letzten Winter - es war eine Zeitlang eisig kalt, wenn ich mich richtig erinnere - so etwa ab Mitte Januar schrieb ich meinen letzten historischen Roman mit Namen "Die Köchin und der Kardinal". Die Recherchen dazu waren schon in den Monaten zuvor gelaufen und liefen nebenher. Es ist der Abschluss einer Quadrologie in rot und grün, die zehntausenden offensichtlich zu vergnügten, unterhaltsamen und nicht anspruchslosen Stunden verholfen haben. Es war ein Flow, ein Schreibrausch, der monatelang, bis etwa Anfang, Mitte Mai anhielt. Da war der Roman aber noch nicht überarbeitet.

°Am 8. Mai bin ich Facebook beigetreten, ermuntert von Autorenkollegen eines Forums. Seitdem habe ich sehr nette und interessante Kontakte bekommen. Selbst mit meinem Sohn in Afghanistan läuft die Kommunikation jetzt besser als über Skype und Handy. Im Moment bin ich gerade dabei zu lernen, mich nicht von jedem Thema, das mich interessiert, "vereinnahmen" zu lassen. Ich staune jeden Morgen, wenn ich reinschaue, wieviele der Leute im Chat sind!

°Im Job ging es kontinuierlich aufwärts. Die schwächeren Klienten bekamen immer häufiger die Hilfebedarfsgruppe 3, was mit zusätzlich externen Weck - und Putzdiensten einherging, Tendenz steigend.

°Am 11. Juni gab es einen unerwarteten Todesfall in der Familie. Die Monate darauf pendelte ich zwischen Frankfurt, Hamburg und Cuxhaven hin und her, es gab unglaublich viel zu erledigen, eine Achterbahnfahrt ohnegleichen.

°Bis dann am 7. Juli der Vertrag für den historischen Roman kam, mit dem Zusatz, bis Ende Juli sei er abzugeben. Ich erbat mir über den Agenten eine Fristverlängerung bis Ende August, die auch gewährt wurde. Abgegeben habe ich ihn dann am 1. August.

°Ende August nahm ich das Projekt "Eduard Mörike. Ein Leben auf der Flucht" als Kindle Edition in Arbeit. Es erschien am 2. September, ungesehen von der Welt, nur von einigen wohlgesonnenen Autoren begleitet, mit Konvertierungsmängeln behaftet. Die Verschenkaktion verlief so stürmisch, dass ich ein paar Tage richtig selig war. Seitdem laufen nachhaltigere Aktionen.

°Im Oktober kam ein neues Projekt hinzu, ein Schwarzwaldkrimi, abgesegnet von meinem Agent, der diesen Genresprung unerwartet mit mir unternahm. Für diesen Roman habe ich keine ungeteilte Zeit. (Sechs Wochen lang musste ich ihn unter dem Getöse des Wärmedämmungseinbaus, der Dachsanierung und dem Einbau einer neuen Heizung schreiben.) Der historische Roman erscheint im Juni 2013, also muss ich im Frühjahr mit dem Lektorat rechnen. Ich habe mir insgesamt ein Jahr Zeit gelassen, um ihn fertig zu schreiben. Er muss auch nicht unbedingt veröffentlicht werden. Es bringt mir einfach Spaß, es in diesem neuen Genre zu probieren.


°Momentan ist Adventszeit, zeitgleich dazu läuft mein Krimi. Fünf Tage vor Weihnachten. Und zwei Tage vor Weltuntergang. Was würde ich noch machen, wenn sie tatsächlich unterginge? Es ist alles geordnet, der Krimi zwar noch unvollendet, aber es existiert ein Exposé. Diesmal haben wir nur zwei Weihnachtsmärkte besucht, in Weil der Stadt und in Ehingen, die sehr schön und individuell waren. Ich habe kein Weihnachtszeug für die Wohnung gekauft, nicht gebacken und keine großen kulinarischen Einkäufe gemacht. Es gibt eine Fondue Bourgignonne am Heiligabend, alles andere ist offen. Aber selbst wenn keine großen Famlienclans mehr bestehen, gibt es doch Missverständnisse hier, Fehlinformationen dort. Die Haut ist dünn und gestresst, wer wann wie mit wem wohin an den Feiertagen? Dazu die Weihnachtskrisen unserer Bewohner, die eine globale Weihnachtskrise zu spiegeln scheinen. Warum sind wir nur dem Beispiel unserer Vermieter nicht gefolgt, die einfach zwei Wochen nach Spanien fahren? Weil wir Weihnachten so lieben? Zugegeben, es hat seine schönen Seiten. Die Traditionen reichen vom Fackelfeuer in Altensteig über die Turmbläser in Herrenberg und heiligabendliche Gänge durch Straßen mit Häusern, in deren Fenstern die Tannenbäume glänzen. Und was uns ebenfalls abhält, wegzufahren: Der Weihnachts- und Feiertagsstrress auf den Straßen. Dann genießen wir einfach die Ruhe, die unweigerlich am Mittag des Heiligen Abends eintreten wird, warten auf die Raunächte, stehen  Silvester wieder am nachbarlichen Feuer und blicken auf ein Jahr zurück, das bewegter war als alle anderen davor!

Kommentare:

meineschreibblockadeundich hat gesagt…

Liebe Christa,

das liest sich nach einem anstrengenden, arbeitsreichen, aber auch erfolgreichen Jahr!

Ich wünsche dir und deiner Familie frohe Weihnachten und für 2013 alles Gute!

Herzlichst
Marie
(die nächstes Jahr wohl auch von der Weihnachtsbäckerei Abstand nehmen wird)

Christa S. Lotz hat gesagt…

Danke, Marie, wünsche ich dir ebenfalls! Ich freue mich schon auf die "arbeitslosen" Tage zwischen den Jahren und auf ein neues, etwas weniger anstrengendes, dafür ebenso arbeitsreiches, genussvolles, erfolgreiches Jahr 2013!

Herzlichst
Christa

PvC hat gesagt…

Liebe Christa,
ich wünsch dir Abstand und Ruhe zwischen den Jahren und dass es im nächsten Jahr immer spannend weitergeht auf deinem Weg zu "deinem Ding", was immer du auch schreiben magst.
Herzlichst,
Petra

Christa S. Lotz hat gesagt…

Liebe Petra,

ja, es ist absolut spannend auf diesem Weg! :-) Dir wünsche ich ebenfalls Ruhe und Abstand und neue Kraft für das neue Jahr und das weitere Schreiben!

Herzlichst
Christa