Donnerstag, 27. Januar 2011

Reich, berühmt und glücklich

Hand aufs Herz-haben Sie nicht auch schon die Schriftsteller und Buchautoren beneidet, die den ganzen Tag herumsitzen, Kaffee trinken, sich in Cafés und Parks herumtreiben, nichts Gescheites schaffen und von dem, was sie verdienen, dreimal im Jahr an die Côte d'Azur, nach Zypern und in die Toskana reisen können? Die Welt liegt ihnen zu Füßen.
Ihr schriftstellerischer Geist ist unablässig tätig. Sie sind reich, sie sind glücklich, sie sind berühmt.
Um sich diesen Lebenstraum zu erfüllen, halten es viele sogar für selbstverständlich, dass man für die Dienstleistung des Verlages, nämlich das eigene Buch herzustellen und zu veröffentlichen, eine ganze Stange Geld bezahlen muss, 3000, 4000 Euro sind keine Seltenheit. Schließlich haben das Goethe und Schiller auch getan. Nele Neuhaus hat zumindest im Eigenverlag angefangen und schreibt jetzt einen Bestseller nach dem anderen. Reich, berühmt und glücklich. Wer wollte das nicht sein, mit so minimalem Aufwand, nämlich dem, sich ein paar Geschichten aus dem Ärmel zu ziehen und sie aufzuschreiben, oder noch einfacher, ein bisschen zu recherchieren und ein Sachbuch herauszubringen. Schön wär's.
Wahr ist, dass die Recherche allein oft Monate, Jahre dauert, ebenso das Schreiben. Wahr ist, dass nach Abzug aller Kosten einschließlich Agentur, Steuern und Arbeitsaufwand für den Autor ein Minimum vom Erlös eines Buches übrigbleibt. Selbst die Vorschüsse sind nicht so lukrativ, wie sie im ersten Moment aussehen, denn mit ihnen werden alle künftigen Einbußen abgedeckt, so dass ein Autor viel verkaufen muss, um überhaupt in den Genuss der Prozentbeteiligung zu kommen, er am besten also einen Bestseller nach dem anderen schreibt. Und ebenso wahr ist, dass viele Bücher nicht nur, oft sehr schnell, den modernen Tod aller Bücher sterben, sondern auch durch Verlagsverkäufe, Änderung von Programmen oder Insolvenzen zugrunde gehen. Petra van Cronenburg hat es in ihrem Beitrag eindrücklich geschildert.

Heute habe ich mal wieder Kopfweh, und zwar nicht nur, weil ich eine Welt voller Abzocke sehe, wohin ich auch schaue. Bei uns fährt man sich das Auto kaputt, weil kein Geld für die Schlaglöcher da ist. Über die Millionen des Länderfinanzausgleichs können so die Bürger der anderen Bundesländer umsonst studieren und ihre Kinder in die Kitas bringen. Hartz-IV-Empfänger bekommen kein Wohngeld, dafür aber Leute, die in ihren eigenen Eigentumswohnungen leben, so will es das Gesetz. An den Ärmsten der Armen wird gespart, dass es kracht, und es wird den Reichsten der Reichen, den Banken zum Beispiel, in den Rachen geworfen, die uns zum Dank dreistellige Depotgebühren reinwürgen. Wir sind doch alle die Deppen der Nation, die Arbeitnehmer, die Sozialarbeiter, die Familien, die Autoren. Wir kriegen immer den Schwarzen Peter, den sonst niemand haben will. Schreibt ihr nur eure Bücher, wir waschen unsere Autos!

Und als Trostpflästerchen für diejenigen, die lieber doch nix für das eigene Buch zahlen und sich auch sonst vom Schreiben und Veröffentlichen nicht abschrecken lassen wollen, hier noch ein Video über einen der Glücklichen, die den Weg zu einem Verlag gefunden haben. Oder war es ein Eigenverlag?

Kommentare:

PvC hat gesagt…

Liebe Christa,

danke fürs Verlinken! Kleine Erläuterung zu deinem Beitrag: Einen Eigenverlag hat man nur dann, wenn man offiziell einen Verlag gründet und also auch Verleger mit allen Rechten, Pflichten und Aufgaben wird (wie z.B. Richard K. Breuer auf http://1668cc.wordpress.com/ )

Nele Neuhaus hat ihr Buch bei Monsenstein & Vannerdat herausgebracht, das ist ein "echter" Verlag, der aber neben seinem eigenen Programm Print-on-Demand anbietet (wie z.B. auch BoD u.a.). Man kauft also schlicht die Leistungen für ein bestimmtes Druckverfahren (in höheren Auflagen wird es dann Offset) - wie in jeder Druckerei.

Als Verlag erscheint die Edition des Anbieters, man selbst behält Autorenstatut (wichtig für Sozialkasse etc.) Und man muss auch selbst alle Arbeiten bis zur Druckmaschine erledigen (oder Profis damit beauftragen). Mein "Nijinsky" wird den gleichen Weg nehmen.

Nele Neuhaus hatte bereits dort mehrere hohe Auflagen erzielt, bevor ein Verlag sie übernahm.

Wer heutzutage noch auf DKZV hereinfällt, muss schön dumm sein. Zumal dort für die Summen (die z.T. viel höher liegen als in deinem Beitrag) ja gar nicht dazu veranlassen, solche Bücher wirklich herauszubringen...
Man muss nur einmal die Preise von PoD-Verfahren dagegen setzen - die einfachste (!) Version beim Massenhersteller kostet um die 50 Euro für ein Buch! Auch eine Anfrage bei der Druckerei um die Ecke wird immer unter den Preisen der DKZV liegen.

Alles in allem möchte ich dir einen Spruch weitergeben, den mir ein Freund schickte: Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

herzlichst,
Petra

Christa hat gesagt…

Interessant, was für günstige Alternativen es doch zu DKZV gibt!:-)Und wie man auch damit ins Buchgeschäft einsteigen kann.
Der Spruch deines Freundes entspricht ein wenig dem, den ich kenne: Man kann scheitern, kann umfallen, wesentlich ist es, nicht liegen zu bleiben!

Herzlichst
Christa