Sonntag, 26. April 2009

Heuschnupfenzeit

Alljährlich im April und Mai sollte ich verreisen in Gegenden, wo keine mitteleuropäischen Pollen fliegen. Oder ich müste mich ins Haus einsperren, alle Fenster schließen und nach Möglichkeit auch keine Sachen essen, auf die ein Bluttest einmal eine 40%ige Allergie erbracht hat, als da sind: Weizen, Kartoffeln, Roggen. Aber das wäre für eine Wanderratte und Reisende wie mich keine Alternative. Also, Augen zusammengekniffen und raus. Ich hab mal einen Mann gesehen, der mit einem Imkernetz vorm Gesicht durch die Botanik gelaufen ist. Ich selbst war früher schon mit einer Taucherbrille im Wald. Gestern war es wieder besonders schlimm. Das Auto war rundherum gelb. Die Augen brannten und waren knallrot. Ein Allergiemittel, das ich besitze, wirkt zwar ein wenig, macht aber hundemüde. Also müssen wir immer wieder Brunnen suchen, um den aggressiven Staub auszuwaschen, und abends die Haare unter den Leitungsstrahl halten. Es gibt Schlimmeres, aber es ist sehr, sehr lästig.
Hat einer von meinen Lesern schon mal einen Dorfbrunnen gesucht und festgestellt, dass manche Orte drei haben, viele aber gar keinen? Oder versucht, Grundnahrungsmittel zu vermeiden, obwohl in bestimmt der Hälfte allen Essens Weizen drin ist? In der Wirtschaft kriegt man kaum etwas ohne Spätzle oder Pommes. Und Dinkelbrot, auf das ich früher ausgewichen bin, schmeckt einfach scheußlich! Also habe ich es aufgegeben, die Allergene zu meiden, leide im April und Mai still vor mich hin und kann von Glück sagen, dass es nicht 100%ig ist.

Donnerstag, 23. April 2009

Analytisches und kreatives Schreiben

Thomas
setzt sich in seinem Blog mit der Frage auseinander, ob analytisches Schreiben, zum Beispiel fürs Studium, und kreatives Schreiben sich nicht gegenseitig ausschließen.
Ich habe ja auch mal eine Diplomarbeit geschrieben, die ich eben noch einmal in die Hand nahm. Das, was da drin steht, ist stilistisch und inhaltlich dem, was ich jetzt schreibe, so diametral entgegengesetzt wie ein Milchstraßensystem dem anderen. Ich könnte das heute nicht mehr lesen. Und dann die vielen soziologischen und psychologischen Fachausdrücke!
Ich glaube allerdings, dass sich beide Arten zu schreiben einander annähern können, und sei es erst im Laufe eines Lebens.
Von Kollegen und Chef wurde in den letzten Jahren bemerkt, dass sich meine Entwicklungsberichte und sonstigen Schreiben verändert hätten. Sie seien jetzt so richtig dynamisch! Also dramatisch aufbereitet, sozusagen.

Montag, 20. April 2009

Bilder aus Bebenhausen


Alice hat mich gerade dazu angeregt, einmal darüber nachzudenken, was eigentlich aus unseren Figuren wird, nachdem sie in die Welt hinausgezogen sind. Ich selbst finde sie meist an den Schauplätzen wieder und sehe sie vor mir, wie sie sich bewegen und ihr Leben meistern und gestalten, leiden und sich entwickeln. Einen finde ich auf jeden Fall immer wieder, auch in meiner nächsten Umgebung. So auch gestern bei einer Wanderung vom Kloster Bebenhausen ins Goldersbachtal. Ob jemand von den vielen Besuchern, den Professoren in schwarzen Mänteln, die Hände auf dem Rücken gefaltet, das Schild an dem Haus hinter der Mauer gesehen hat: "Hier weilte Eduard Mörike vom 6. Juni bis 25. Juli 1874." Und hier entstand 1863 das Gedicht "Bilder aus Bebenhausen".

Hinter den licht durchbrochenen Turm, wer malt mir dies suesse,
Schimmernde Blau, und wer rundum das warme Gebirg? -
Nein! wo ich kuenftig auch sei, fuerwahr mit geschlossenen Augen
Seh ich dies Ganze vor mir, wie es kein Bildchen uns gibt.


Vom Kloster Bebenhausen, wie auch Maulbronn Weltkulturerbe der Menschheit, führt einer der schönsten Wanderwege rund um Tübingen ins Goldersbachtal, in den Schönbuch hinein. Er beginnt oberhalb des Klosters und läuft zunächst durch den Wald mit Blick hinab auf den mäandernden Bach. Der Bärlauch hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr ausgebreitet, und so ist er auch hier massenhaft vertreten. Ein Knoblauchduft liegt in der Luft. Wir pflücken ein Sträußchen, für Nudelsuppe und Bärlauchpesto. Der Weg geht hinab zu einem Teich, der von den Mönchen als Fischweiher angelegt wurde. Hier müsste man mal unter der Woche herkommen, wenn nicht so viele Leute die Gegend bevölkern. Trotzdem ist die Ruhe vollkommen. Der Wanderweg bewegt sich auf eine Hütte mit Grillstelle zu. Dort ist ein Tor angebracht, um das Wild vor dem Ausbrechen aus dem Gehege zu bewahren. Auf dem Rückweg sehen wir, in welch vollkommener Harmonie dieses Kloster in die Landschaft gebaut worden ist. Ich sehe Eduard und Wilhelm Waiblinger, den Feuerkopf, von Tübingen her den Berg heruntersteigen, ins Gespräch über die Liebe vertieft, die für Eduard nie "ein Haus" hatte. Ein Häher rätschte, und im Wald leuchtete rot der Aaronstab. Man kann auch auf dem Radweg zurückgehen, immer dem anderen großen Bach, dem Goldersbach, folgend. Nach Tübingen hin gibt es einen Wanderparkplatz, der auf einen geologischen Lehrpfad führt, da kann man mit etwas Glück beim Steineklopfen etwas finden. In Bebenhausen gibt es verschiedene Wirtschaften. Eine erreicht man bei der Rückkehr auf dem Radweg. Es ist eine Pilgerherberge mit Biergarten, in der es alle Kaffeespezialitäten und preiswerte Gerichte gibt.

Dienstag, 14. April 2009

Die Kuriere der Zarin

Oder noch besser: Die Kurierinnen der Zarin? Mir fällt da kein Gold mehr aus der Krone, aber ein Szenario ein.
Was wäre, wenn es ein Komplott gäbe? Die Zahnreinigungsspezialistinnen empfehlen ihren PatientInnen elektrische Zahnbürsten. Die erschüttern die Mäuler wie ein Kompressor und verursachen Entzündungen. Die Notärzte, wenn sie denn mal erreichbar sind, setzen ihre Patienten als Kuriere ein, das heißt, die Rezepte müssen nachträglich zur Apotheke gefahren werden, dann müssen die Patienten wieder fahren, um die Bestätigungen zu holen, dass sie die Abwrackprämie von 10 Euro schon gezahlt haben und müssen die wieder zum anderen Arzt fahren. Das alles nutzt die Autos ab und dafür kriegen sie eine Abwrackprämie, damit sie neue Autos kaufen. Für die wiederum braucht man neue Straßen. Und diese Straßen führen nicht mehr in die Landschaften, zu denen man ursprünglich wollte, sondern direkt in die Supermärkte und Häuser, um mehr elektrische Zahnbürsten, Autos und Waschmaschinen kaufen zu können. An den Straßen versteckt man immer mehr Blitzer, die Abzockprämie, damit es sich auch lohnt. Was jucken den Staat deine Zähne? Das ist Privatsache.

Montag, 13. April 2009

Wanderungen und Ausflüge





Immer an den Feiertagen verreckt das Auto oder wenn es dann mal heilt bleibt, verreckt ein Zahn! Das heißt, seit gestern morgen bin ich notarzt-und aphotekenmäßig unterwegs, schlucke Penicillin und Schmerztabletten mit einer Dickbacke, wie ich sie seit einem Bienenstich vor Jahren nicht mehr hatte. Das konnte uns natürlich nicht hindern, unsere Tripps zu machen.Meine Empfehlungen:

Steinhausen bei Biberach, die schönste Dorfkirche der Welt

Blaubeuren mit dem Blautopf, dem Unterschlupf der schönen Lau. (Hier entstand u.a. mein zweiter Roman "Aufbruch nach Blaubeuren!)Höhlentaucher wie Hasenclever haben endlose Höhlensysteme entdeckt, die sich möglicherwiese bis zum Bodensee erstrecken sollen. Nach einem Tauchunfall befährt er die Gänge und Katakomben mit einem Schlauchboot. Hier kann man sehr schöne Wanderungen machen, zum Beispiel beginnt gleich hinter dem Blautopf ein Pad, der auf die Höhe und dann rund um das Blautal bis zur Ruine Rusenschloss führt. Einem Paar aus Ludwigburg, das wir im "Waldhorn" trafen, empfahlen wir auch noch den Aachtopf bei Engen und den Federsee.

Ebenfalls empfehlenswert für Naturfreunde ist die Pfullinger Wieseoberhalb von Reutlingen-Pfullingen. Da steht auf engstem Raum vom zeitigen Frühjahr bis zum Herbst alles da, was das Herz zu sehen begehrt. Frühlingsenzian, Orchideen, Traubenhyazinthen, Herbstenzian,echte Schlüsselblumen.

Die beiden letzten Tipps wären die von Mörike so genannten Wolkenstühle bei Bad Urach und das Zisterzienserkloster Bebenhausenbei Tübingen.

Dienstag, 7. April 2009

Romane schreiben/ Wie finde ich einen Verlag?

Ich könnte auch schreiben: NICHTS NEUES! Aber, so könnte man dagegen halten, jeder Tag ist neu, ist einmalig, ist ein Tag vom Rest deines Lebens! Aber das wird nicht jeder so empfinden. Die Medien bringen jeden Tag neue Schreckensmeldungen, die Menschen in L'Aquila machen sich um nichts Sorgen als um ihr nacktes Leben, in Straßburg werden die Brandstifter dingfest gemacht und in Afghanistan hat offensichtlich eine Rakete Frau Merkel verfehlt. Derweil sei der Talboden der Krise erst im September erreicht. Die meisten Menschen lassen sich durch kaum etwas noch aufschrecken, sie zanken weiter, waschen ihre Autos, lesen Bild und gucken Daily Soaps. Oder sie fragen das Netz, wie man einen Roman schreibt und ihn, viel wichtiger, an den Verlag bringt. Wenn man das eingibt, findet man Millionen von Links, viele von Druckkostenzuschussverlagen. Es gibt sogar ein Unterforum eines Forums, das heißt: "Selbstzweifel-Forum für Schriftsteller".
Darüber könnte ich heute ein wenig schreiben, nein, nicht über Selbstzweifel, denn die habe ich mir gütlichst ausgetrieben:-)Wie kommt ein heutiger Autor tatsächlich an einen Verlag? Zunächst einmal möchte ich das, was ich noch vor ein paar Jahren propagiert habe, revidieren, nämlich, dass man nur einen Schuss frei hätte. Wenn man natürlich mit dem ersten Buch gleich einen Megaseller erwartet, ist man verratzt. Wenn mich heute ein Nachwuchsautor fragen würde, wie er zu einem Verlag kommt, würde ich kurz und schmerzlos raten:

-Nie etwas zahlen
-Das Manuskript nicht zu früh rausschicken
-Verlage oder Agenturen sorgfältig auswählen
-Sich darüber klar werden, warum und für wen man schreiben will, daraus ergibt sich dann auch die Frage Groß-oder Kleinverlag, Agent oder Self-Made-Suche
-Sorgfalt bei der Bewerbung
-Sich darüber im Klaren sein, dass "es" mit der ersten Veröffentlichung nicht aufhört
-Sich mit anderen austauschen,ggfs. ausgewählte Testleser, wenn man damit zurechtkommt
-Sich darüber im Klaren sein, dass man nur das reproduzieren kann, was man sich im Laufe eines Lebens angelesen (und erlebt) hat
-Und schließlich: Überarbeiten, sich weiterentwickeln, nicht aufgeben!
(Es fehlt sicher noch eine ganze Menge)

Das blaue Band

Frühlingsspaziergang am Neckar Jetzt ist er endlich da, der "richtige" Frühling! Und tatsächlich liegt eine Art blaues Band üb...