Sonntag, 26. Oktober 2008

Das Mittelalter und andere Epochen

Manchmal machen mein Partner und ich uns den Spaß, die Frage aufzustellen:
In welcher Epoche hättest du am liebsten gelebt, und was wärst du dann gewesen? Er sagt regelmäßig: 19. Jahrhundert, weil die Welt der Dichter da noch in Ordnung war-sie hatten persönlichen Umgang miteinander, kannten ihre Verleger und vor allem war die Umwelt noch nicht so versaut. Oder die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts mit ihren Aufständen und Aufbrüchen.
Ich selbst hätte vielleicht gern im 15. oder 16. Jahrhundert gelebt, allerdings als jemand, für den Bildung möglich war. Eine italienische Kurtisane? Ja, jemand, der schreiben konnte wie Tullia d'Aragona. Oder eine einflussreiche Nonne wie Hildegard von Bingen(11. JH). Ein Abt wie Wahlafried Strabo (9.JH) oder Katharina von Bora, die entlaufene Klosterfrau und Gattin Luthers.
Im 19. Jahrhundert wäre ich gern im Garten von Justinus Kerner in Weinsberg gesessen, tafelnd, redend, umgeben von Dichtern und klugen Köpfen der Zeit.

Kommentare:

Petra hat gesagt…

Schönen Gruß an deinen Freund: Im 19. Jhdt. war die Umwelt so versaut, dass wir uns das kaum vorstellen können! Die sozialen Bewegungen gegen Ende des Jahrhunderts resultierten nicht nur aus der Armut und Verstädterung, sondern zum Großteil auch aus den Folgen jener Umweltzerstörung.
Im 19. Jhdt. gab es Sittenwächter und Zensur in der Literatur - und wenn man sich nicht dran hielt, hockte man wie Oscar Wilde ganz schnell im Gefängnis. Im 19. Jhdt. durften nur Männer Literatur lesen, für Frauen erfand man Massenschund, um sie dumm zu halten. Exzessives Lesen anspruchsvoller Literatur bei Frauen galt als Geisteskrankheit.

Die Frage ist: Will ich in der realen Zeit leben oder in meiner Vorstellung davon?
(Eine Menge "echtes" 19. Jhdt. gibt's übrigens in meinem Buch "Das Buch der Rose")

Herzlichst,
Petra

Christa hat gesagt…

Natürlich sind es romantisierende Vorstellungen, wenn man sich zurückversetzen will. Sie sollen ja auch nur helfen, dem manchmal tristen Alltag zu entfliehen.:-)

Ich glaube,exzessives Lesen anspruchsvoller Literatur von Frauen gilt auch heute noch als eine Art Geisteskrankheit oder zumindest Andersartigkeit.
(Dein Buch steht übrigens auch schon bei meinen Vormerkern)

Herzlichst
Christa