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Dienstag, 17. April 2018

Eine Nacht im Faulturm

Wir haben das schöne Wochenende genutzt, um mal wieder in Hohenlohe auszuspannen. Ging auch flott voran, nach Crailsheim dünnten sich die Industrieanlagen aus, der Verkehr wurde weniger. Vor uns dehnten sich die Höhen mit den grauen Bauernhäusern, die Waldinseln und die Bäume mit den unendlich vielen Misteln aus. In Rothenburg ob der Tauber ging es runter ins Taubertal, da grüßten schon die Detwanger Riemenschneiderkirche und das Gasthaus mit dem fröhlichen Eierwirt. Uns stand der Sinn aber nach etwas Anderem, etwas Neuem. Beim Kaffee in einem Creglinger Bistro stellte ich fest, dass das Haus aus dem 14. Jahrhundert stammen musste, daneben stand ein uralter Turm, in dem eine Ferienwohnung zu vermieten war. Warum nicht mal in einem alten Gefängnisturm übernachten? Innen war es so romantisch-dämonisch, dass wir die 48 steilen Treppenstufen zunächst nicht beachteten, die hinauf in die Stube des Türmers führten. Der Turm bietet bis zu 6 Personen Platz, und so konnten wir uns aussuchen, an welcher Stelle der offenen früheren Zellen wir schlafen wollten.
Und so nahm das Abenteuer seinen Lauf. Nach einer schmackhaften Gulaschsuppe erkundeten wir erst einmal das Terrain rechts und links des lieblichen Taubertals.



Wir kamen an Brückenheiligen vorbei, an Madonnenstatuen, frommen Bildstöcken und der mittelalterlichen Ulrichskapelle mit heilkräftiger Ulrichsquelle, die inmitten der aufgeblühten und begrünten Landschaft stand, später untersuchten wir das Ambiente des Turmes. Da waren viele alte merkwürdige Gerätschaften an den Wänden. Wenn man aus einem der schießschartenartigen Fenster hinausblickte, sah man auf der einen Seite die mittelalterliche Stadt, auf der anderen den schäumenden Fluss (die Tauber), die an dieser Stelle über ein Wehr fließt. Das Rauschen tönte wie ein immerwährender Ventilator. Ein Gang zwischenzeitlich durch den Ort: Um zehn hatten die letzten Gaststätten geschlossen, kein Mensch bewegte sich mehr in den dunklen Gassen. Statt der Laternen hätte man auch Fackeln an den Wänden befestigen können. Also wieder hinauf in die Turmstube, 48 steile Stufen hinauf. Da saßen wir nun in aller Stille, kein Fernseher, kein Computer, kein Radio, kein CD-Player, noch nicht einmal Bücher, sondern nur ein paar Prospekte, Kartenspiele und zwei Gästebücher. Die las mein Freund mir vor; da war die Rede von glücklichen Tagen, aber auch von den 48 Stufen zum Klo hinunter und immer wieder hinunter und wieder hinauf, wenn man nur unten etwas vergessen hatte. Wie hatte der Türmer das bloß gemacht, wahrscheinlich hat er einen Eimer benutzt und ihn dann zum Fenster hinausgekippt. Ein Gespenst sollte O-Saft geklaut haben, im wurmstichigen Schrank unten sollten die Beine einer Gräfin herab baumeln. Vor allem Radler waren hier gewesen und Familien mit Kindern. Im Kühlschrank lagerten hiesiges Bier und Taubertalwein. Wir machten es uns also gemütlich, redeten die halbe Nacht über Gott und die Welt und darüber, dass es eine materiell orientierte und eine mehr künstlerisch orientierte Seite darin gibt. Und saßen schließlich kichernd vor dem Schrank mit der Gräfin und kamen uns vor wie in einem Spukschloss. Aller Lärm und alle Widrigkeiten dieser Welt waren von uns abgefallen.

Morgens blinzelte die Sonne herein, wir brachen schnell auf und fuhren weiter in dieses gesegnete Land hinein. Zunächst besuchten wir noch einmal den barocken Park von Schloss Weikersheim. Da stehen lustige, frivole Figuren, eine Art Satyr fraß sogar ein Kind! Mittags machten wir Rast in Blaufelden, einem typisch fränkischen Ort. Die Frauen hatten Picknicktische vor der Wehrkirche aufgebaut, die Männer gönnten sich drei oder vier Schoppen vor einem Gasthaus in der Sonne. Allein drei davon gab es dicht nebeneinander, da wurde fleißig zum Mittagessen eingekehrt. Es ist ein Landstrich, in dem die Menschen freundlich sind und noch aufeinander achten. Sie reden  miteinander, Smartphones habe ich keine gesehen.
In Dinkelsbühl, der "schönsten Stadt Deutschlands", wimmelte es von Touristen und Pferdekutschen, aber hier störten die Massen überhaupt nicht. Über Nördlingen und Neresheim ging es dann zurück zur Autobahn Richtung Stuttgart. Die verließen wir bei Merklingen und den Stuttgart-21-Erdaushüben, um quer über die schwäbische Alb nach Hause zurückzukehren. Nach solchen Touren fühle ich mich immer mehr erholt als früher von einer Flugreise, trotz des Muskelkaters, der sich nach dem Treppensteigen eingestellt hatte.

Die Übernachtung im "Faulturm" und im "Schlosserturm" ist ein echtes Abenteuer und für Urlauber zu empfehlen, die gut zu Fuß sind und günstige Übernachtungsmöglichkeiten im Taubertal suchen.

Sonntag, 1. Juli 2012

Hitzereisen, der Vertrag und das E-Book

Ja, genau, eigentlich habe ich ja auch meinen Jahresurlaub abzufeiern. Das ist jetzt zwei Mal gelungen, einmal in Bodman am Bodensee, am Freitag und Samstag bis ins Fränkische hinein bei 30-34°. Die Kocherstadt Aalen ist außerordentlich gastfreundlich und hat ein Flair, das sich andere, baulisch schönere Städte nur wünschen könnten. Über den Spion, unter dem wir unseren Schweinebraten aßen, das römische Museum und den Dichter Schubart habe ich schon mal einen Bericht verfasst, den ich noch in den "Orten zum Reinschmecken" veröffentlichen werde.
Der "Spion" von Aalen


Ehrlich gesagt, war die hochgepriesene Touristenstadt Dinkelsbühl dagegen eine Enttäuschung. Ständig wurde man fast überfahren, in den malerischen Gassen und auf den schönen Plätzen war es irgendwie tot. Nur die Kirschen platzten fast vor


Dinkelsbü
Leben und Süße! Das heißeste war die Nacht in der Audi-Ingolstadt. Bei tropischen Temperaturen zogen Unmassen von Abiturienten im Anzug, weiß- oder buntgekleidete Mädchen, immer allein oder zu zweit oder in der Gruppe herum, immer auf der Suche nach einem Bier jenseits der 23-Uhr-Grenze. Die neue bayerische Biergartenverordnung hat sich nämlich durchgesetzt. Dazu kamen Nachtwächter-Führungen mit einem ellenlangen Schwanz von Leuten hinter sich und hupende Autokorsos, obwohl die Europameisterschaft doch schon den Bach hinabgegangen war. Kleine Mädchen feierten Jungesellenabschiede wie in Frankfurt, mit einem Spruch auf dem Rücken: Wir heiraten nicht, wir saufen! Drinnen in den heißen Kneipen durfte man dann die halbe Nacht lang Bier trinken. Schweißtreibend! Nun ja, das zufällig gefundene Hotel war teuer, das Frühstück dagegen exzellent. Auf der Rückfahrt verschlug es uns ins fränkische Seenland, das von Rentnerbands überflutet war. Sehr schön und eine Reise wert: Nördlingen. Es liegt inmitten des Nördlinger Rieses, in das vor Millionen von Jahren ein Meteor einschlug und die Erde um Jahrtausende verdunkelte. 1634 fand hier die Schlacht bei Nördlingen statt, ein Ereignis, das auch eine Rolle in meinem neuen Roman spielt. Durch idyllische Gassen und über schöne Plätze gelangt man zum Münsterplatz. Kulinarisch sollte man sich hier vielleicht auf die althergebrachten bayerischen Spezialitäten wie Schweinshaxe beschränken.
Nördlingen, am Münster

Markt in Nördlingen



Vor der Abfahrt hatte ich übrigens noch in den Briefkasten geschaut und siehe da, es lag ein Verträglein drin! Das habe ich jetzt eingehend geprüft und für nicht schlechter befunden als die übrigen. Jetzt gibt es weniger Belegexemplare, aber 20 Stück waren eigentlich auch zu viel, da stapelt sich noch heute manches, was ich nicht unter die Leute werfen konnte. Ich müsste jetzt also bis 1. August den Rest noch überarbeiten und dann abgeben. Erscheinungstermin: Frühjahr/Sommer 2013, vorläufiger Titel: Die Köchin und der Kardinal. Für das Mörike-E-Book habe ich jetzt eine Antwort vom Literaturarchiv Marbach: Die Nutzungsgebühren für das Mörike-Bild betragen 90 Euro. Es gibt aber noch ein gemeinfreies Foto, das ich ebenfalls nehmen könnte, eine Bleistiftzeinung aus Mörikes jungen Jahren.
Wenn ich den Vertrag unterschreibe, wird sich das E-Book noch etwa um einen Monat hinausschieben. Und Hand aufs Herz: Wer würde einen Verlagsvertrag in die Tonne klopfen? Das ist immer ein weiteres gutes Standbein.