Petra van Cronenburg hat es mal wieder auf den Punkt gebracht: Ist es nicht besser, in der Nähe seines Buches und seiner Leser zu bleiben, anstatt von Tausenden oder Millionen gekauft und wieder vergessen zu werden? Rein rechnerisch ist die Chance, nicht vergessen zu werden, natürlich schon größer, wenn man von sehr vielen Leuten gelesen wird. Aber ich weiß, was Petra meint. Und es ist auch etwas, das ich spüre. Für mich als Autor ist es zufriedenstellender, wenn ich in der Nähe meines Buches bleibe. Und ich würde sogar noch in Stück weitergehen. Nicht nur die Präsenz dort, wo das Buch angsiedelt ist, kann die Marke eines Autors entwickeln. Ich denke, es ist auch die Sprache, die einen Autor regional oder überregional, genre- und fachübergreifend zur Marke machen können. Ein Kritiker schrieb mir einmal, meinen Stil würde er unter hundert anderen wiedererkennen. Ich das nicht ein Nachteil, wenn man seinen Stil nicht verändert? Oh ja, und wenn ich meine beiden ersten Weihnachtsgeschichten anschaue, die ich vor zehn Jahren geschrieben habe, merke ich ganz deutlich, was sich verändert hat. Sprache kann reifen, mit den Jahren, mit der Übung und in der Auseinandersetzung mit ihr. Es gibt Autoren, die das weit von sich weisen, denn der Erfolg ihrer Bücher gebe ihnen recht. Es ist sicher auch nicht die Mehrheit, die auf Sprache achten würde. Manchmal sehe ich Andeutungen, zum Beispiel, dass der und er Krimi, der grad auf der Bestenliste steht, ja nicht gerade literarischen Ansprüchen entspricht, aber man erwarte von Krimis ja auch in erster Linie Unterhaltung. Dem kann ich zustimmen, jedoch wird mein Vergnügen immer wieder dadurch geschmälert, dass wenig Wert auf Sprache gelegt wird.
Heute kam der Newsletter des Tempest, in dem es wieder eine Textanalyse von Hans-Peter Roentgen gibt. Er beschreibt, welche Stellen man getrost weglassen kann, weil sie das eben Gesagte nur noch mal erklären. Etwas überspitztes Beispiel, das mir in den Kopf kommt:
"Verdammt noch mal!", brüllte er wütend. Was da passiert war, hatte ihn ziemlich aufgeregt." Ich habe gerade ein Buch gelesen, das gespickt ist mit solchen Erklärungen. Früher hätte ich vielleicht gedacht, bisschen langatmig, heute sehe ich, woran es liegt. Es verwässert die Sprache und zieht alles buchstäblich dreimal in die Länge. Ich ziehe nun sogar auch noch den Schluss daraus, dass alles der Sprache und einem Buch schadet, was zuwenig ist oder zuviel.. Zu viele Perspektiven erschlagen und langweilen mich, besonders, wenn zu viele Nebenfiguren ihr Privatleben ausbreiten, das nichts mit der Handlung zu tun hat, zu viele Erklärungen, zu viele Rückblenden. Wenn ich also von Regeln sprechen würde, die für mich als Autorin gelten, dann wären es diese. Dazu muss ich anmerken, dass die besten Bücher, die ich je gelesen habe, zum Beispiel von John Steineck, diese Kriterien erfüllen. Und dazu noch spannend sind wie ein guter Krimi.
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Montag, 20. Dezember 2010
Dienstag, 2. Juni 2009
Glückliche Autoren
Neben den gewaltigen, oft aber auch unglücklichen Figuren gibt es solche, die mit ihrem selbstgewählten Los zufrieden, wenn nicht gar glücklich sind. Der Maler Strickland in Somerset Maughams Roman ist so einer, der Familie und Beruf verlassen hat und nach Paris gegangen ist, um zu malen. Er verkauft nichts, lebt im Elend und stürzt andere mit hinein. Aber es ist das, was er gewählt hat.
"Vielleicht lebt der Schriftsteller in seinen Bösewichten eigene tiefeingewurzelte Instinkte aus, die durch die Sitten und Gebräuche der Zivilisation in die geheimnisvollen Winkel des Unbewussten zurückgedrängt worden sind. Indem er der Gestalt seiner Erfindung Fleisch und Blut gibt, flößt er einem Teil seines Selbst ein Eigenleben ein, dem er auf andere Weise nicht Ausdruck verleihen darf. Seine Genugtuung entspringt ganz einfach einem Gefühl der Befreiung." (Silbermond und Kupfermünze, S.205) Freud nannte das "Sublimation", Verwandlung des Sexualtriebes in Kunst.
Desgleichen sah ich noch einmal diesen Alten auf einer dänischen Ostseeinsel, der seine Fische räuchert und auf die Frage, was wichtig sei im Leben, antwortet: Keine Hektik, keine Termine, dort und so leben, wo und wie es einem gefällt. Wer kann das heutzutage schon, außer er ist reich oder in Rente? Ich habe am Wochenende unsere Jungen gesehen, wie sie an ihrer Karriere knabbern müssen, Einsatz ohne Ende. Und die Waren, die sich um uns stapeln: Kauf mich, kauf mich! Arbeitsdruck, Termindruck, Emaildruck, Foren, Schreibdruck, Telefon, Vertreter, Besuche, Verantwortung, Familie, Steuer, Krankenkasse, und so weiter und so fort. Aber davon könnte man mindestens die Hälfte streichen. Warum nicht einmal mitten in der Woche, wenn die Sonne scheint, einen Tag Urlaub nehmen? Ich glaube, dass ich eine glückliche Autorin bin. Ich lebe zwar nicht am Bodensee oder in der Toskana, wie es mir mein leichtsinniges Gemüt einmal vorgeträumt hat, mache keine Reisen, die mir vom Verlag bezahlt werden, aber ich lebe in einer Landschaft, in der andere Urlaub machen, kann bei der Arbeit auch mal ein paar Stunden im Garten sitzen und alles, was ich sehe und erlebe, als Recherche verwenden. Und abends gemeinsam über die Felder ziehen, die weichen, sonnengrünen Getreidefelder neben sich, die Hügel und Kuppen des Schwarzwalds, die im Abendlicht glasten. Ein Vizeweltmeister der Gegend dreht seine Loopings am Himmel,ungeachtet der Tatsache, dass viele Menschen nach dem Absturz in den Tiefen des Atlantiks verschwunden sind, derweil die Wolken kreiseln und sich fern wie Blumenkohle türmen.
Es gibt immer auch wieder unglückliche Tage, aber auch die sind häufig selbstgestrickt. Wie sagte ich einmal? Ich muss eigentlich nur sehr wenig, und was ich will, erreiche ich auf meine Art eigentlich immer.
Jetzt gehe ich S. Maugham und danach John Steinbeck lesen.
"Vielleicht lebt der Schriftsteller in seinen Bösewichten eigene tiefeingewurzelte Instinkte aus, die durch die Sitten und Gebräuche der Zivilisation in die geheimnisvollen Winkel des Unbewussten zurückgedrängt worden sind. Indem er der Gestalt seiner Erfindung Fleisch und Blut gibt, flößt er einem Teil seines Selbst ein Eigenleben ein, dem er auf andere Weise nicht Ausdruck verleihen darf. Seine Genugtuung entspringt ganz einfach einem Gefühl der Befreiung." (Silbermond und Kupfermünze, S.205) Freud nannte das "Sublimation", Verwandlung des Sexualtriebes in Kunst.
Desgleichen sah ich noch einmal diesen Alten auf einer dänischen Ostseeinsel, der seine Fische räuchert und auf die Frage, was wichtig sei im Leben, antwortet: Keine Hektik, keine Termine, dort und so leben, wo und wie es einem gefällt. Wer kann das heutzutage schon, außer er ist reich oder in Rente? Ich habe am Wochenende unsere Jungen gesehen, wie sie an ihrer Karriere knabbern müssen, Einsatz ohne Ende. Und die Waren, die sich um uns stapeln: Kauf mich, kauf mich! Arbeitsdruck, Termindruck, Emaildruck, Foren, Schreibdruck, Telefon, Vertreter, Besuche, Verantwortung, Familie, Steuer, Krankenkasse, und so weiter und so fort. Aber davon könnte man mindestens die Hälfte streichen. Warum nicht einmal mitten in der Woche, wenn die Sonne scheint, einen Tag Urlaub nehmen? Ich glaube, dass ich eine glückliche Autorin bin. Ich lebe zwar nicht am Bodensee oder in der Toskana, wie es mir mein leichtsinniges Gemüt einmal vorgeträumt hat, mache keine Reisen, die mir vom Verlag bezahlt werden, aber ich lebe in einer Landschaft, in der andere Urlaub machen, kann bei der Arbeit auch mal ein paar Stunden im Garten sitzen und alles, was ich sehe und erlebe, als Recherche verwenden. Und abends gemeinsam über die Felder ziehen, die weichen, sonnengrünen Getreidefelder neben sich, die Hügel und Kuppen des Schwarzwalds, die im Abendlicht glasten. Ein Vizeweltmeister der Gegend dreht seine Loopings am Himmel,ungeachtet der Tatsache, dass viele Menschen nach dem Absturz in den Tiefen des Atlantiks verschwunden sind, derweil die Wolken kreiseln und sich fern wie Blumenkohle türmen.
Es gibt immer auch wieder unglückliche Tage, aber auch die sind häufig selbstgestrickt. Wie sagte ich einmal? Ich muss eigentlich nur sehr wenig, und was ich will, erreiche ich auf meine Art eigentlich immer.
Jetzt gehe ich S. Maugham und danach John Steinbeck lesen.
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