Mittwoch, 29. April 2015

Ein Geschenk vom Postmann

Nur kurz in eigener Sache: Soeben ist das gelbe Postauto vorgefahren und hat mir das Manuskript des historischen Kriminalromans "Nacht des Wolfes" gebracht, schön verpackt wie ein Geschenk. Der Roman war jetzt einige Zeit im Korrektorat, es gibt rote Zeichen am rechten Rand und viele grüne am Linken. Und es ist wie in den Zeiten, in denen man noch dicke Romanmanuskripte mit der Post an die Verlage und Agenturen schickte! Damals war das Schreiben irgendwie noch unschuldiger, weniger beeinflusst von den Zeitläuften der Buchindustrie. Ich freue mich sehr darauf, die Anmerkungen durchzusehen und einzuarbeiten. Dann brauche ich bald eine Grafikerin für das Cover, weil meine erst im Juli wieder Zeit hat. Für Empfehlungen, hier oder per PN, wäre ich dankbar.

Montag, 20. April 2015

Der Hunger nach Aus-Zeit

Gestern haben wir eine Wanderung gemacht, die uns die Augen in bestimmter Weise öffnete. Es war ein Weg, den wir schon seit Ewigkeiten kannten und den ich nie in der Öffentlichkeit beschrieben hätte. Unser privater kleiner Geheimtipp also. Der Himmel war leuchtend blau, die Kirsch- und Birnbäume blühten, alles war grün, alle Blumen waren auf einmal da, explosionsartig über Nacht aus dem Boden gebrochen. Und es geschah etwas, das wir noch niemals erlebt hatten: Auf diesem Weg begegneten uns Hunderte von Menschen, zu zweit, in lärmenden Gruppen, zu Fuß, per Fahrrad, zu Pferde, mit Kinderwagen und Walkingstöcken. Eine Art Unbehaglichkeit stellte sich ein. Wie kamen diese Massen plötzlich an diesen Ort? Durch das Internet, meinte mein Begleiter, die rufen sich zusammen und marschieren dann los. Durch das Wetter, sagte ich, die wollen einfach alle nur wie wir das schöne Wetter und die Baumblüte erleben. Wandern ist wieder in, die Wandervogel-Verstaubtheit vergangener Tage ist passé. Man sollte an sonnigen Sonntagen, zumal im Frühling nach Monaten der Dunkelheit und Kälte, bestimmte Orte meiden.

Wir zogen weiter und mussten feststellen, dass natürlich auch alle Cafés überfüllt waren. Schließlich fanden wir einen Ort, nicht ganz so spektakulär, an dem wir, mit Blick auf die grandiose Kette der schwäbischen Alb, doch noch in aller Ruhe unsere große Runde drehen konnten. Ich habe darüber nachgedacht. Und fand soeben einen Artikel in einem Wandermagazin, der schon ein bisschen älter ist, aber genau das beschreibt, was mit dem modernen Menschen vor sich geht in einer beschleunigten Zeit, die ihn seiner inneren Stabilität beraubt. Der Hunger nach Entschleunigung. Autor ist Ulrich Grober, er hat das von mir so stark erlebte Buch "Wandern. Neue Wege zu einer alten Kunst" geschrieben. Der Hunger nach Entschleunigung soll übrigens auch junge Mneschen ergriffen haben. Zeitschriften mit Anleitungen zur Achtsamkeit, zur Handarbeit statt ständigem Kopfkino, zu Lesen statt zum Fernsehen und Computern und fürs Zusichselberkommen hätten Hochkonjunktur Zehntausende von Auflagen. Vielleicht waren all diese Mneschen , denen wir da begegnet sind, beflügelt von dem Wunsch nach Auszeit, Entschleunigung und Einssein mit der Natur und mit sich selbst. Und mussten zu ihrem Schrecken feststellen, dass Hunderte den gleichen Gedanken hatten!

Die Gedanken zur Entschleunigung sind übrigens mitnichten neu. Schon die schwäbischen Dichter, mit denen ich mich gerade beschäftige, warnten vor der Beschleunigung allen Lebens. Das fing im neunzehnten Jahrhundert mit der Industrialisierung, den Dampfmaschinen und den ersten Eisenbahnen an. Justinus Kerner, hingebungsvoller Arzt, Geisterseher, Dichter und weltmännische Gastgeber aus Weinsberg, veröffentlichte im Jahr 1852 sein "Eisenbahn-Gedicht. Darin die letzte Strophe:

                                             Fahr zu, o Mensch! Treib's auf die Spitze,
                                             Vom Dampfschiff bis zum Schiff der Luft!
                                             Flieg mit dem Aar, flieg mit dem Blitze!
                                             Kommst weiter nicht als bis zur Gruft.



Sonntag, 19. April 2015

Romantische Wege

Unterhalb des Pomeranzengartens in Leonberg
Dieser Tage kann man mal alles hinter sich und die Seele baumeln lassen! Selbst das Schreiben lasse ich dort, wo es gut aufgehoben ist. Parallel dazu habe ich ein Buch über die schwäbischen Dichter gelesen, kürzlich gefunden im wunderschönen Kloster Heiligkreuztal, einem meiner Lieblingsklöster. Und abends geht es weiter mit der Romantik: In Calw habe ich das Buch "Der Neckar. Eine Literaturreise" von Jan Bürger (Ch.Beck Verlag) erstanden. Da geht es um süddeutsche Literaten vom 16. Jahrhundert bis heute. Eine herrliche Ergänzung zu meinem neuen historischen Kriminalroman - und es verkürzt die Wartezeit, bis es zurück ist aus dem Korrektorat.

Montag, 13. April 2015

Neue Zielgruppen? Ein Blick über den großen Teich

In den letzten Tagen habe ich entdeckt, dass es im United Kingdom und in den USA eine Interessengruppe von Schülern, Studenten, Hausfrauen und kulturbegeisterten Menschen zu geben scheint, die mein Ebook "Teufelswerk" suchen, verschlingen, sich davon berühren lassen, es drei- oder neunmal lesen, um immer wieder Neues zu entdecken. Ihr Leben habe sich dadurch verändert, heißt es, es sei ein Meisterwerk, das beste Buch, das man je gelesen habe! Ein Hype, und überhaupt das beste Buch von mir. Da erscheint immer wieder jemand, der andere bittet, ihm eine billigere Möglichkeit zu nennen, an das Buch heranzukommen. Jedesmal wird dann davor gewarnt, eine Piratenplattform aufzusuchen, weil man sich dort Viren einfängt, ins Gefängnis kommen könnte und den Autor nicht unterstützt. Schließlich hätten wir, die Autoren, Jahre unseres Lebens, Zeit, Recherchen und Geld in unsere Bücher gesteckt. Ich hätte mich ja schon öffentlich beklagt, dass man mir meine Bücher kostenlos runterlädt. (Unsere Aktivitäten sind also nicht unbeachtet geblieben!). Zitat: "Please support the author of the book you want. If you want the individual author to write more books you should really pay them, instead of commiting to piracy that could very well land you in jail for a long time." Als Alternative wurde dann eine Onlinebibliothek genannt, wo man für wenig Einsatz die Bücher ausleihen könne. Nur: Das schlägt sich bei mir überhaupt nicht nieder, ich bekomme keinen Cent - und in den letzten drei Monaten gab es nur einen einzigen Verkauf ins Vereinigte Königreich!

Jeder Autor hört es gern, wenn man seine Bücher gern liest und sie liebt. Dieses Bewusstsein kann er aber abhaken, wenn er es nirgends in seinen Abrechnungen entdecken kann. Diese Zielgruppe wünscht sich offenbar, dass ich meine Werke günstiger anbiete. Das kann ich aber nicht, ohne mir selbst zu schaden. So wird es für das nächste Buch "Nacht des Wolfes", einen Kriminalroman aus dem 18. Jahrhundert, wohl wieder eine 99-Cent-Aktion für eine Woche geben, danach gilt der reguläre Preis wie für das "Teufelswerk". Ein paar hundert Euro habe ich schon hineingesteckt in das neue Buch, das Korrektorat wird demnächst abgeschlossen sein, dann kommen noch Kosten fürs Cover und für die Vermarktung, die müssen sich ja wieder einspielen. Das "Teufelswerk" war ein Verlagsbuch, das von einer Agentur angeboten, überall abgelehnt und später in einem Kleinverlag veröffentlicht wurde-mit mäßigem Erfolg. Ich habe es selbst noch einmal mit neuem Cover und Klappentext herausgegeben und bin mit der Sichtbarkeit und den Verkäufen bisher zufrieden gewesen. Das Verlagsbuch wird nun nach dreieinhalb Jahren für 5,-Euro verramscht, bei einem ursprünglichen Preis von 14,90. Es selbst zu veröffentlichen war die beste Möglichkeit, noch einmal neue Zielgruppen zu erschließen, diese Bilanz kann ich nach einem Dreivierteljahr ziehen.

Noch ein Hinweis in eigener Sache: Bei Travel Card werden meine Bücher als "Reiseliteratur Christa S. Lotz" geführt, teilweise nicht verfügbar, in einem Fall für 3,99 Euro statt 6,99 Euro wie vom Verlag festgesetzt. Was soll ich nun davon halten?

Montag, 6. April 2015

Osterspaziergang

Merkwürdigerweise erinnere ich mich an Ostern oft an eine Szene aus dem "Faust" von Goethe. Da beschreibt er ein Frühlingsszenario - und später tauchen in der Ferne Gestalten auf, die sich durch die Felder und Äcker bewegen. Das sehe ich dann manchmal um die Ostertage herum, es ist ein zeitloses Bild.
Osterspaziergang mit unseren Jungs
Die letzten Tage waren extrem, ein Auf und Ab, nicht nur beim Wetter. Wer am Samstag noch eine Kleinigkeit besorgen wollte und nicht auf einen Tante-Emma-Laden zurückgreifen konnte, der geriet, wie schon in der Weihnachtszeit, in eine wahre Hölle. Im Supermarkt drängten sich die Leute gegenseitig von den Angeboten weg. Wer auch noch einen Kaffee wollte, wurde gnadenlos abgestraft. Dazu klatschte von morgens bis abends ein eiskalter Regen herunter. So hatte sich wohl niemand die Feiertage vorgestellt. Essen und Konsumieren schien vielen das Allheilmittel gegen langanhaltenden Frust zu sein. Dabei geht es viel einfacher und kostet dazu nichts. Als die Sonne am Ostersonntag wider Erwarten herauskam, haben wir einen langen Spaziergang gemacht. Das hat den Kopf nachhaltig freigeblasen. Ich wünsche allen meinen Lesern eine schöne Restosterzeit und eine wärmere und entspannte Zeit danach!
Der Osterspaziergang -was wir von Goethes Faust lernen können

Freitag, 3. April 2015

Psychische Krankheit und Mord

Nachdem der Hergang des schrecklichen Flugzeugabsturzes nun durch die französische und die deutsche Staatsanwaltschaft -nach Auffinden der zweiten Blackbox - weiter geklärt scheint, bleiben dennoch viele Fragen offen, insbesondere die sensible Frage nach der Art der psychischen Erkrankung des Copiloten. Prof. Dr. Asmus Finzen, Arzt, Professor für Sozialpsychiatrie und Wissenschafts-Publizist, zuletzt tätig an der psychiatrischen Unviversitätsklinik Basel, hat dazu einen sehr behutsamen, aber nichtsdestoweniger treffenden Artikel in der FAZ vom 30. März 2015 geschrieben. Ich selbst lernte Prof. Dr. Finzen bei Seminaren in Tübingen kennen und absolvierte bei ihm auch meine Prüfung im Fach Sozialpsychiatrie.
Depressionen machen keinen Massenmörder.

Kurz zusammengefasst: Jeder zehnte Mensch erkrankt in seinem Leben an einer Depression. Nach der Vorstellung von Psychiatern werden Gewalttaten von Depressiven nur halb so oft begangen wie von "normalen" Personen. Depressive sind eher ängstlich, zurückgezogen, schuldbewusst und in der Regel  autoagressiv statt fremdagressiv. Psychosen werden von der Umgebung meist schnell erkannt und lassen sich auch vor Kollegen und Angehörigen nicht verbergen. Bei diesen Störungen steht der Realitätsverlust im Vordergrund und lässt die Betroffenen nicht planvoll handeln, wie es in diesem Fall offensichtlich der Fall war. Eine bipolare Störung sehe ich, entgegen den Berichten des Spiegel, nicht, weil ich keine manischen und tief depressiven Episoden erkenne. Dagegen gibt es, wie ich in einem Artikel der Zeitschrift "Psychologie heute" von 2012 las, so genannte "maligne Persönlichkeitsstörungen". Personen, die ein solches Syndrom entwickeln, sind nicht in der Lage, Empathie für andere zu entwickeln, also sich in sie einzufühlen. Der Autor zählt Personen wie Saddam Hussein, Josef Stalin und Adolf Hitler zu ihnen. "Maligne und antisoziale Persönlichkeiten" sind differentialdiagnostisch das, was man früher als "Soziopathen" bezeichnete. Solche Störungen lägen dem Handeln vieler Serienmörder zugrunde. Der Massenmörder Anders Behring Breivik, der im Sommer 2011 77 Menschen in Olso und auf der Insel Utøya ermordete, wurde zunächst von den psychiatrischen Gutachtern als "paranoid schizophren" eingestuft. Das Gutachten wurde von kompetenter Seite angefochten und in ein anderes verwandelt, nämlich in die Diagnose "narzisstische und antisoziale Persönlichkeitsstörung". Gestern äußerte ein Psychologe im Fernsehen, dass es bei solchen Taten wie in den französischen Alpen um Menschen handeln könnte, denen es um Macht geht, die Gott spielen und Herren über Leben und Tod sein wollen. Und möglicherweise den krankhaft übersteigerten Wunsch haben, beachtet, von der ganzen Welt gesehen und erkannt zu werden, wenn auch auf außerordentlich destruktive Weise. Jeder wird jetzt sagen, dass die Genauigkeit einer Diagnose nicht das geringste an dem ändert, was unwiederbringlich geschehen ist. Sie wird kein Leid eines Betroffenen verringern. Da sich aber, dieser festen Überzeugung ist Prof Dr. Finzen und dieser Überzeugung bin auch ich, die Vorurteile gegenüber psychisch Kranken weiter verstärken werden, ist es umso dringlicher, die Öffentlichkeit aufzuklären und die Diskussion zu versachlichen, anstatt sie zu verharmlosen oder gar zu verdrängen. Im Großen und Ganzen nämlich sind psychisch Kranke für andere weit weniger gefährlich als die sogenannten Normalen, die mal eben jemanden auf der Autobahn abdrängen und dessen Tod riskieren.