Dienstag, 10. September 2013

Der verdammte Mausarm!

Ich kenne Sehnenscheidenentzündungen von früher her. Einmal hackte ich zwei Stunden den Boden im Garten um, was zu einer Entzündung im rechten Arm führte.Wochenlang konnte ich kaum eine Kaffeetasse halten. Der Arzt verschrieb Mobilat und Schonung. Nach ein paar Wochen war das wieder weg, aber ich habe den Arm nie wieder so plötzlich und so stark belastet. Denn es kann jederzeit wieder aufreten. Vor einem Jahr trat es dann wieder im rechten Arm auf. Damit hatte ich mehr als zehn Jahre lang die Maus bedient. Wechselte also auf den linken Arm, woraufhin die Beschwerden verschwanden. Zudem war der Nacken so sehr verspannt, dass ich beim Autofahren kaum noch den Kopf drehen konnte. Das habe ich allmählich weggekriegt, indem ich beim Schlafen die Lage wechselte und das Verhalten vor dem PC veränderte. Einen Einbruch gab es aber beim letzten Lektorat im April. Da korrigierte ich an einem einzigen Wochenende einen 430-Seiten-Roman, 20 Stunden am Stück. Seitdem tut`s im rechten Oberarm weh, weil ich ihn zu stark aufgestützt hatte. Es wird nur besser, wenn ich ihn gar nicht benutze. Das Schreiben habe ich in kleine Portionen verteilt, mache viel mit links. Man kann sogar im Stehen schreiben, was sehr erleichternd ist! Hat jemand noch andere "Rezepte", außer, den gesamten PC-Platz ergomanisch umzugestalten?

Kommentare:

Annette Weber hat gesagt…

Das kenne ich leider auch zu gut. So schlimm wie du hatte ich es vor zwei Jahren, und weil es einfach nicht besser wurde, habe ich mir eine Kortison-Spritze ins Ellbogengelek hauen lassen. Ich bin überhaupt niemand, der der Schulmedizin positiv gegenüber steht, schon gar nicht Kortison, aber ich war einfach fix und fertig. Danach - schwupps, war es verschwunden. Bis heute.

Christa S. Lotz hat gesagt…

Das lässt hoffen, Annette, und ich hatte mir schon gedacht, dass es darauf hinauslaufen würde. Meine Schwester hatte es vor einiger Zeit, sie musste allerdings zusätzlich noch Krankengymnastik machen. Also irgendwann demnächst werde ich mich auch dazu durchringen. Herzlichen Dank für den Tipp!

Grüße
Christa

PvC hat gesagt…

Abgesehen von der adäquaten medizininischen Behandlung und Schonung würde ich mich von vornherein gegen einen solchen Lektoratswahnsinn wehren und menschlichere Zeiträume verlangen. Schließlich wirst du ja nicht mal für diese Maloche bezahlt.

Und im schlimmsten Fall: ein Spracherkennungsprogramm. Man kann theoretisch alles auf dem Computer mit Sprache steuern und vor allem seien Texte in den Computer diktieren (sogar via externem, kompatiblem Diktaphon aufspielen).
Allerdings braucht es einige Zeit, bis der Computer einigermaßen fehlerfrei auf die eigenen Sprache trainiert ist und man sich daran gewöhnt hat, da können zwei Monate ins Land gehen ...

Gute Besserung wünscht Petra

Christa S. Lotz hat gesagt…

Liebe Petra,

gegen diesen Lektoratswahnsinn hat der Arm sich sozusagen gewehrt ...Bei Kleinverlagen hatte ich immer mindestens zwei, drei Monate Zeit. Ich weiß auch nicht, warum das immer so eng sein muss. Aber da ist ja momentan meilenweit nichts in Sicht!:-) Ich weiß jetzt, wie ich weiter vorgehen kann und glaube und hoffe, dass der Arm nicht mehr weh tut (ist eigentlich nur bei bestimmten Bewegungen), bis ein Spracherkenungsprogramm funktionieren würde. Danke dir auch für die Rückmeldung!

Herzlichst
Christa

PvC hat gesagt…

Liebe Christa,
es ist auch bei Konzernverlagen anders möglich, indem man klipp und klar und sehr harsch sagt, sie sollen sich gefälligst rechtzeitig drum kümmern und dir eine Mindestzeit von XX geben, weil du noch einen Beruf hast.

Du musst wissen, dass die Lektorinnen, die im Verlag sind, das typische schlechtbezahlte Angestelltenleben haben, also von Urlaub zu Krankheit zu Mutterschutz hüpfen (ich vergröbere hier absichtlich), aber keinen blassen Schimmer haben, unter welchen Bedingungen Autoren arbeiten. Dazu jonglieren sie als Halbmanager außerdem mit zig Projekten gleichzeitig und du bist nur eine Nummer, die sich deshalb laut melden muss.

Und das alles muss man ihnen einfach immer wieder einbläuen, muss seine Rechte fordern. Automatisch bekommt man sie nämlich nicht.
Wenn sie dich verlegen wollen, müssen sie auch was für DICH tun und dich nicht ausbeuten!

Weißt du, wie mir die Augen aufgingen?
Ich belam auch mal so eine Fahnenkorrektur für maximal zwei Tage. Da sträubte ich mich, weil ich einen anderen Eilauftrag hatte, rief an, dass ich das in 14 Tagen abgeben kann oder gar nicht.

Weißt du, was die Antwort war! Ja, dann könnte ich mir auch drei Wochen Zeit nehmen. Sie hätet das nur so eilig vorgezogen, damit sie ein anderes Projekt fertig machen kann und in Urlaub gehen. Die Frau ist in Urlaub gegangen, ich habe DANACH abgegeben ... und im Verlag ist NICHTS explodiert!

Herzlichst, Petra

Christa S. Lotz hat gesagt…

Diese Geschichten sind immer wieder so herrlich, Petra! Ich als Autorin weiß ja auch nicht genau, unter welchen Bedingungen der Lektor/ die Lektorin arbeiten. Letztes Jahr habe ich sogar einen ganzen Monat Abgabeaufschub bekommen, bin aber rechtzeitig zum Termin fertig geworden. Es ist natürlich auch der Druck, unter den ich mich selber setze: muss fertig werden! Aber natürlich wäre es am Besten, wenn so geplant wird, dass niemand unter Druck geraten muss. Ich habe ja schon mal berichtet, dass einige Lektorate ausgerechnet immer auf meinen Urlaub fielen, auch wenn ich ihn laut und rechtzeitig genug angekündigt hatte. Wahrscheinlich wollten die gleich darauf Urlaub machen. Eile ist eigentlich grundsätzlich nicht geboten, abgesehen von den "Sachzwängen": Es gibt bei unseren Büchern schließlich keine Millionen Fans, die gierig darauf warten, dass es endlich kommt! :-)

Herzlichst
Christa

Anni Bürkl hat gesagt…

Abhilfe und Vorbeugung (!) schafft jede Art von Abwechslung beim Arbeiten: PC und Laptop, Sofa und Schreibtisch, aufspringen, spazierengehen, Polster schlagen ;-), Wut rauslassen usw.

Und zu den Terminsachen: nix ist in Stein gemeißelt. Ich habe mal als Fast-Ghost /sehr erweiterte Lektorin wg. Krankheit des Autors ein Buchprojekt übernommen, das dank Entgegenkommen der Druckerei usw. trotzdem lt. Zeitplan rauskam.

Lustig war, als ich ein Projekt während einer Reise vom Lektorat zurückbekam. Ich lese grundsätzlich kein Internet dann. Und das Mail las ich daher, als der Termin zur Rücksendung vorbei war ... haha. Auch dieses Buch ist planmäßig rausgekommen.

Man muss REDEN, was geht - und was nicht.

Christa S. Lotz hat gesagt…

Das mit Abhilfe und Vorbeugung mache ich jetzt mehr denn je, Anni. Ich habe sogar überlegt, ob ich nicht zwischenzeitlich mal wieder zum guten alten Schreiben mit der Hand zurückkehren sollte ...Und das mit der Reise habe ich auch schon erlebt. Einmal kam das Lektorat, während ich im Urlaub war. Da bekam ich es später nochmal zur Durchsicht, und das Buch erschien wie geplant. Man sollte das Ganze eben viel gelassener angehen! :-)

Anni hat gesagt…

Schreiben mit der Hand ist sehr schön, such mal die schönen Stifte & Büchlein ... ein Genuss. :-)