Montag, 16. Mai 2011

Bilanz und Aussicht

Wenn man in Tübingen von der hinteren Neckarbrücke durch den Fußgängertunnel läuft, kommt man in die Altstadt - zum Haagtor. Am Ende des Tunnels ist Licht, eine Bahnkundin kommt mit einem röhrenen Rollkoffer daher. Danach werden Leute folgen, die den Tunnel mit vielschichtigem Käuzchenrufen beleben-und wir stimmen ein. Das Leben ist nicht leicht, das Leben ist nicht schwer, sagte Hesse. In den Buchhandlungen gibt es nicht viel wirklich Neues. Was könnte ich noch dazu beitragen? Über mein Neues könnte man schon was erzählen, aber dazu muss ich weiter ausholen.
Mit dem Schreiben von Romanen habe ich vor nunmehr 9 Jahren angefangen. Wo sind diese Bücher geblieben? Auch wenn sie aus den Regalen der Buchhandlungen verschwunden sind, müssten sie sich eigentlich auf den natürlichen Festplatten ihrer Leser befinden. Es geht also nichts verloren, nicht wirklich.

Gestern haben wir eine Fahrt ins Lautertal gemacht, es sollte eine Art Abschiedsfahrt sein. In Hayingen haben wir über 10 Jahre lang Kurzurlaub gemacht, in einer Dreizimmerwohnung in der Stadtmauer, wo auch ein Roman entstand. Um Ruhe zu finden, zu wandern, Ausflüge nach Ulm, Blaubeuren und zum Bodensee zu machen, war diese Wohnung ideal. Die Abgeschiedenheit hat allerdings auch ihre Nachteile: kein Leben in den Gassen, keine Straßencafés und kein Kulturleben, dafür musste man immer fahren. Die Wohnung wurde inzwischen dauervermietet. Ich werde nie den Aufenthalt im letzten Juni vergessen, als wir eine Nachtwanderung nach Anhausen machten, begleitet vom Duft der Wiesen und Tausenden von Nachtfaltern. Jetzt wollen wir den Bodensee für Deutschlandurlaub erkunden, den wir schon sehr gut kennen. 3 Tage kann ich im Mai noch nehmen, dann ist erstmal Schluss, der große Urlaub wird wohl nicht vor September stattfinden, und wenn, dann gern nach Spanien oder Italien. Wir feierten den Abschied von der Alb, die wir nur noch auf Wanderungen besuchen werden, in Ehingen an der Donau, bei frühsommerlichem Sonnenschein, danach besuchten wir den "Hohlen Fels" bei Schelklingen, wo eine winzige Figur aus Mammutelfenbein gefunden wurde, wahrscheinlich eine Fruchtbarkeitsstatue, Millionen von Jahre alt. Ich werde immer auf diese historischen Dinge stehen, aber keinen großen Roman mehr daraus machen wollen.
Brunnenfigur in Ehingen

Die Geschichte des "heiligen Blechle"

Eingangsbereich zum "Hohlen Fels"




Heute Morgen erhielt ich eine Mail meines Lektors aus Reutlingen: Man wolle das Lektorat so gut wie möglich machen, damit ich es einfacher hätte. Das Lektorat von der "Hure und dem Mönch" ist auch noch nicht zeitlich festgelegt, ich rechne mit beiden im Juni, wenn ich eh keinen Urlaub machen kann und eine neue Mitarbeiterin einlernen muss. So ist die Zeit gut eingeteilt. Meinen jetzigen Roman, einen vielschichtigen Krimi, habe ich gestern und heute bis Seite 115 überarbeitet, nachdem der Darling gekillt war. Dann geht es weiter im Text. Ich rechne mit gesamt einm Jahr dafür, also bis etwa Anfang nächsten Jahres.
Die Zeit in den Foren ist mir davongelaufen, also habe ich den Aufenthalt dort reduziert. Auch bei Twitter kann einem die Zeit davonlaufen. Ich habe von jemandem gehört, er halte sich einige Stunden pro Tag dort auf und komme nicht zum Lesen. So weit will ich es nicht kommen lassen, nur so viel, um ein paar Kontakte zu bekommen, die auch mir etwas bringen, zum Beispiel zu Autoren, Verlagen und zu Buchgemeinschaften und -plattformen.

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