Freitag, 15. Januar 2010

Das Wesen der Literatur

In einer Zeit, in der täglich so viel passiert, so viel Wandel stattfindet, auch beruflich sich Neuerungen abzeichnen, die für hochfahrende Gefühle sorgen und mich wenig schlafen lassen, bin ich immer froh, wenn ich mich auf eine Insel flüchten und
der Realität zumindest stundenweise entfliehen kann. So geht es mir mit meinem Roman, in dem die Abgründe gerade immer mehr Gestalt annehmen, und so ging es mir auch mit dem Buch über die Tübinger Dichter, Philosophen, Politiker und Schriftsteller. Eines ist ihnen allen gemeinsam: Dass sie, oft schon in jungen Jahren, immer veröffentlicht hatten. Dass sie sich mit sich selbst, der Welt, oft auch mit der Religion und der Vergangenheit auseinandersetzten.
Da ich selbst sieben Jahre in der Fachwerkstadt am Neckar studiert und gelebt habe, hatte ich natürlich einen besonders bildreichen Bezug dorthin. Und es gab vielmehr Schriftsteller, Gelehrte und Dichter, als ich je gewusst hatte. So konnte ich auch den Werdegang und die Freundschaften meines ehemaligen Universitätsprofessors Andreas Flitner zusammen mit denen von Walter Jens verfolgen. Am nächsten stehen mir nach wie vor alle, mit denen sich Peter Härtling beschäftigt hat: Hölderlin, Mörike, Waiblinger,Hauff, Kerner. Darüber hinaus, was nur die Tübinger betrifft, Hesse, Graf Eberhard im Bart als "Herrscher". Und ich glaube, dass die Herangehensweise auch etwas ähnlich ist-ich nenne es mal "Identifikation". Der Autor des Buches erwähnt Theodor W. Adorno, der geschrieben habe, Literatur und Kunst seien der Wirklichkeit entronnen, dabei von ihr durchdrungen. Ebenso der vom Autor erlebte Augenblick. Dazu die letzte Strophe eines Frühlingsgedichtes von Mörike.

"Ich denke dies und denke das,
Ich sehne mich und weiß nicht recht nach was:
Halb ist es Lust, halb ist es Klage;
Mein Herz, o sage,
Was webst du für Erinnerung
In golden Grüner Zweige Dämmerung?
Alte unnennbare Tage!"

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