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Montag, 1. Juni 2026

Unsere schöne neue Welt

 


Den Thriller "Eden" von Marc Elsberg habe ich inzwischen ausgelesen. Wie gesagt habe ich darin viel über den heutigen Zustand der Welt erfahren. Dass das Fleisch nicht mehr schmeckt, weil die Tiere, Schweine, Rinder und Hühner mit Soja aus Brasilien gefüttert werden, das auch bald vertrocknen wird. Früher hat man die Schweine zur Eichelmast in die Wälder getrieben, und das Fleisch schmeckte nussig-zart. Schon als Kind zählten Kotelett und Tatar zu meine Lieblingsgerichten (neben Grießbrei), und ich sehen mich nach den alten Wirtschaften in Bayern und Baden-Württemberg, wo man früher die besten Schnitzel und Schweinebraten mit Knödeln bekam, im Schatten unter Kastanien oder Linden! Hute esse ich kaum noch Fleisch, weil die Rouladen auch nach Stunden nicht weich werden. Früher sind sie von der Gabel gefallen. Heute kriegt man selbst beim Metzger nur noch zähe Ware. Und neulich waren die Möhren von Edeka hart wie Stein. Die Fische verenden, immer mehr Feuersbrünste und Überschwemmungen verwüsten unsere Welt. Derweil die Konzerne und die Industrie immer weitere Gewinne einstreichen. In Portugal, so sah ich es kürzlich in einem Bericht, hat man Eukalyptusbäume aus Australien eingeführt, die alle anderen Arten verdrängt haben und wie Zunder brennen. Das, was Elsberg beschreibt, ist schon lange da. Am Schlimmsten ist die Erwärmung. Grauenvoll die Schilderung von der Wasserverteilung!

Jetzt weiß ich auch, was Denis Scheck mit dem Sandsturm gemeint hat, der in dem Roman über Brandenburg und Berlin brauste. Das war allerdings ein so genialer Twist, dass ich dem Buch dann doch noch 4 Sterne gegeben habe. Einzig das Infodumping war manchmal so nervig, dass ich es zweimal aus der Hand gelegt habe-fand ich auch in den Kommentaren bestätigt. Großes Thema, die Umsetzung blieb manchmal dahinter stecken. Sehr schön waren die Szenen in der schwedischen Holzhütte.

Donnerstag, 13. April 2017

Bücher, nicht Boote

Letztes Jahr habe ich mich in eine Liste eintragen lassen und mich bereit erklärt, Autorenexemplare von meinen Büchern an die Initiative "Autoren helfen" zu schicken. Die Paten genannten Unterstützer spenden Geld für die nachhaltige Flüchtlingshilfe, geben dann ihre Lieblingsgenres an und erhalten von Autoren gespendete und signierte Bücher. Hinter diesen vielseitigen Aktionen steht das fünfköpfige Kernteam bestehend aus Kathrin Lange und ihren Kolleg*innen Lisa-Marie Dickreiter, Antje Wagner, Ursula Poznanski und Andreas Wilhelm. Gestern war es dann soweit. Es war wie ein innerer Vorbeimarsch, neun Bücher zu signieren, zu verpacken und von der Landpost an Leserinnen aus Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart, Berlin usw. zu verschicken! Diese hier waren die Favoriten:

 

Samstag, 31. Dezember 2016

Blick nach vorn

Einen Jahresrückblick zu schreiben fällt in diesem Jahr nicht leicht. Am liebsten hätte ich mich auch davor gedrückt. Im Laufe dieses Jahres kamen die Terroranschläge immer näher, selbst die Stadt, in deren Nähe ich wohne, blieb nicht ganz davon verschont. Eine junge Frau entging nur knapp der Vergewaltigung durch einen Asylbewerber. Es gab verheerende Kriege, Überschwemmungen, Hitzewellen, den Brexit und immer wieder die Flüchtlingsfrage.

Persönlich war es kein schlechtes Jahr für mich. Ich konnte endlich einmal meine Autorenkollegen von Montsegur in Oberursel kennenlernen. Als neugebackene Rentnerin bin ich richtig angekommen. Seit Mitte Oktober machten meine Oberarme Probleme, das zwang mich dazu, mein Selbstausbeutungsverhalten am Computer usw. neu zu überdenken und meine Lebensweise zu korrigieren. Der neue Roman ist geschrieben bis auf den Schluss. Es gab viele schöne Erlebnisse und Begegnungen in diesem Jahr 2016.

Das neue Jahr wird nicht besser werden als das alte. Der ganze Problemkomplex wird überschwappen in die nächsten Monate. Aber jeder kann seine Haltung dazu ändern. Auch andere hatten und haben sich dazu Gedanken gemacht. Hölderlin schrieb in einem seiner epischen Gedichte: Wo aber Gefahr ist, wächste das Rettende auch. Das hat etwas immerwährend Tröstliches, auch wenn es vielleicht in einem anderen Zusammenhang gemeint war. Reinhold Messmer, so las ich heute in der Zeitung, geht nie einkaufen, er kümmert sich nur noch um seine Museen. Ein paar Gedanken steuert auch der Psychologe Robert Koch-Wichmann bei, der uns zeigt, wie wenig selbstverständlich eigentlich alle täglichen Ereignisse und Errungenschaften sind: Nichts ist selbstverständlich. 
Ich wünsche allen Leser einen guten Übergang und die richtigen Entscheidungen im nächsten Jahr!

Mittwoch, 6. Juli 2016

Auf den Spuren der Vergangenheit

Kürzlich haben wir einen Abstecher nach Meersburg am Bodensee gemacht. Diese Stadt ist wie ein Gedicht des Südens, mit alten Bürgerhäusern, Kirchen, Türmen, Palmen, Blume und dem alles durchdringenden Blau des Wassers. Und so trifft man auch überall auf Historisches, nicht zuletzt auf die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, die einige wichtige Jahre ihres Lebens im Meersburger Schloss verbracht hat und dort auch gestorben ist. Ich hatte einmal vorgehabt, über sie zu schreiben und kenne deshalb das Innere des Schlosses schon sehr gut. Für die vielen Touristen mag es ein Event sein, nach Meersburg und auf das Schloss zu gehen. Die meisten werden gar  nicht wissen, dass die größte deutsche Dichterin hier gelebt hat. Aber selbst diese Touristen scheinen sich von "alten Gemäuern" angezogen zu fühlen, sieht man sich einmal den Zulauf in Rothenburg, in Dinkelsbühl und anderen historischen Stätten an. Es weht ein Duft von Vergangenheit herüber. Wenn ich mir überlege, was ich in den letzten zehn, zwanzig Jahren gemacht habe, dann war es eine permanente Spurensuche. Spuren von Menschen, die einmal gelebt haben, von großen und kleineren Ereignissen, auch von Verbrechen, die manchmal erstaunlich denen heutiger Zeiten ähneln. Alles wiederholt sich in der Geschichte. Vielleicht ist es die Sehnsucht nach Beständigkeit, die dahinterstecken könnte? Nach dem Wissen darüber, woher wir kommen und wohin wir gehen?

Auf der anderen Seite gibt es neben der Zersörung von historisch gewachsenen Dingen auch die Sehnsucht nach unberührter Natur, nach Abenteuer und Selbst-Erfahrung. Warum sonst sollten Zehntausende auf den schwimmenden Pontons des Verpackungskünstlers Christo auf dem Iseo-See gewandelt sein? Warum ist das zweite Buch des Försters Peter Wohlleben (von 2014) "Die Gefühle der Tiere" wieder auf Nr.1 der Spiegelbestsellerliste gelandet? Irgendwo scheint doch eine Sättigung eingetreten und der Wunsch nach dem Einfachen, das uns umgibt, nach Sinneserfahrung, entstanden zu sein. Bekanntlich habe ich mich mein Leben lang in der Natur, in einer historisch gewachsenen Umgebung und unter offenen, zugewandten Menschen immer am wohlsten gefühlt. In meinen Träumen gab es Industriegebiete und alte Städte mit intakter Umgebung. Aus den einen bin ich geflohen, die anderen waren "Heimat", in der man sich entfalten konnte. Genau, Heimat ist wie schon mal gesagt von einem Unwort zu einem Begriff mutiert. Alte Werte neu belebt. Es wird geheiratet wie nie zuvor, in Baden-Württembeg engagiert sich jeder zweite ehrenamtlich. Es ist eine Antwort auf die Ereignisse der Welt. Ich selbst mache jetzt bei der Aktion "Autoren helfen" mit, werde jeden Monat eins von den vielen Belegexemplaren meiner Bücher, meiner Spurensuche, an einen Paten der Flüchtlingsorganisation schicken.