Heute einmal ein Zwischenthema, etwas spezieller für die Liebhaber alter Rockmusik und für Anrainer des nördlichen Schwarzwaldes. Dafür kulturell super und nachhaltig entspannend! Wenn die einzige gute Nachricht der letzten Zeit darin besteht, dass Basti ein sensationelles Tor geschossen hat, muss ich mir ernsthaft überlegen, ob es nicht noch andere Dinge gibt, die dem geplagten Individuum zu mehr Ruhe und zu mehr "positivem Denken" verhelfen (außer dem Schreiben, natürlich).
Am Samstag waren wir zu einer Rock - und Bluesveranstaltung im Schwarzwald eingeladen. Mein Freund, der Drummer, hatte vor einiger Zeit einen Musikerkollegen wiedergetroffen, mit dem er vor 30 Jahren Musik gemacht hat. Sie hatten sogar als Vorgruppe von Wolle Kriwanek gespielt. Im strömenden Regen erreichten wir das Festspiel-Haus der Kulturwerkstatt Simmersfeld. Diese Werkstatt hat eine Erfolgsgeschichte hinter sich. Schon 1983 von einigen engagierten Bürgern gegründet, wurde im Jahr 2004 ein eigenes kleines Festspielhaus gebaut. Dreiunddreißg Jahre Kultur in einer Gegend, die nach den Römern eher von Räubern, Wölfen und Bauern bevölkert wurde, die mehr auf den eigenen Schinken im Rauch schauten als nach anderen Menschen. Auch heute noch besteht die Kultur häufig darin, Touristen in einer entsprechenden Tracht und mit entsprechenden Preisen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Aber es gibt natürlich noch viele ähnliche Ansätze wie diese Kulturwerkstatt. Eigentlich war der Abend als Open Air geplant gewesen, doch zum Glück gab es eine halb überdachte Terrasse, unter der die Würstchen gebraten werden konnten. Die Musiker von der Rock- und Bluesband Dr. Gonzo spielen ebenfalls schon seit mehr als 25 Jahren zusammen, einige gingen, neue kamen hinzu. Die zweieinhalb Stunden waren für mich ein Vorbeimarsch. Endlich mal wieder eine Musik, bei der Füße und Hände unwillkürlich zu zucken beginnen! Ein Haufen E-Gitarren mit wechselndem Einsatz, eine Akustikgitarre, Bassgitarre, Schlagzeug, K-Board, Saxophon und ein bisschen Percussion. Wunderbar die Slapstick-Einlagen mit einem fiktiven Udo Lindenberg und der "Polizei"! Glückliche Gesichter, ein wunderbar entspanntes Gefühl, Vergessen des allgemeinen Chaos ringsum. Unter anderem Lieder der sechziger bis achtziger Jahre von Eric Clapton, Free, Bad Company, "Summer in the City" von The Loving Spoonful, und eigens für meinen Drummer ein Bluesharp - Solo von John Mayell. Letzterer hat gerade mit 80 wieder eine Platte herausgebracht, wie ich erfuhr. Die "alten Rocklegenden" haben Bestand, wie es scheint. In der Literatur ist es u.a. der Schwabe Felix Huby, der seit seinen 30er Jahren Bücher veröffentlicht, unter anderem die Bienzle-Folgen im "Tatort". Jetzt hat er einen Folgeband zu den "Heimatjahren" herausgegeben: Lehrjahre in Blaubeuren. Trotz der Fußball-EM waren ca. 50 Leute nach Simmersfeld gekommen, das Nischenpublikum per se und eine eingeschworene Gemeinschaft. Die Gruppe tritt am Samstag, den 16. Juli 2016 beim Musiksommer auf dem Saumarkt Altensteig um 21.30 wieder auf. Sie haben auch noch ganz andere und eigene Stücke im Programm. Hier auch noch ein Hinweis auf die Veranstaltung "Calw rockt" am 24 Juni 2016 auf dem Marktplatz, seit vielen Jahren initiiert vom Hessefan Udo Lindenberg. Mein persönlicher Tipp: Rock mal wieder, um dich von den Anstrengungen des Schreibens und den Qualen des Nicht-Schreibens zu erholen!
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Montag, 13. Juni 2016
Sonntag, 29. Mai 2016
Von der Wiederentdeckung des "Eigen-Sinns"
| Winkel in Aach beim Aachtopf |
Dann las ich in Annette Webers Blog über den Druck, den äußere Umstände auf uns ausüben, uns in Panik versetzen können und uns daran hindern, das zu tun, was wir eigentlich am liebsten tun würden. Das mit dem Rasenmähen kenne ich beispielsweise zur Genüge. Gerade hat man erst gemäht, schon bringen die schwülfeuchten Tage die Gräser dazu, wieder in die Höhe zu schießen. Ringsumher hört man das Gesumm der Elektrorasenmäher, und ausgerechnet mein Rasen steht als einziges Schandbild in dieser wohlanständigen Siedlung! Eigentlich habe ich keine Lust, schon wieder mit dem Kabel herumzutanzen und dabei zu merken, wie mir der Schweiß aus allen Poren bricht. Es gibt ja genügend anderes zu tun, zu gießen, zu jäten, einzukaufen, zu putzen, spazierenzugehen, Blogeinträge und anderes zu lesen und zu verfassen. Ein Bericht für die Zeitung über den Trauma-Vortrag musste redigiert und abgesendet werden (dafür kam er gestern auch in professioneller Aufmachung). Die äußeren Umstände, die Forderungen, die unsere Umgebung an uns stellt, hindern uns daran, uns dem Eigentlichen zu widmen - wenn wir wissen, woraus es eigentlich besteht!
Die nächsten beiden Einträge kamen von Sabine Schäfers, die sehr eindrücklich über die Rollenklischees nachdenkt, die von Verlagen an Autoren herangetragen werden. Und von Petra van Cronenburg mit einem hervorragenden Artikel über kreative Prozesse und alle damit verbundenen Überlegungen und Umstände wie dem Scheitern und dem Neuanfang. Den Ausführungen, die mich direkt angesprochen haben, kann ich nichts Weitergehendes hinzufügen. Aber sie und alle anderen brachten mich dazu, jetzt gleich ebenfalls einen Beitrag schreiben zu wollen, mit dem ich mich bei meinen BlognachbarInnen bedanken will. Auch bei Alice Gabathuler, deren Blog ich seit Jahren verfolge. Sie hat zusammen mit anderen einen Verlag gegründet, was ich mit allergrößtem Respekt vermerke.
Während meiner langjährigen Arbeit mit psychisch labilen, vulnerablen, das heißt besonders verletzbaren Menschen habe ich manchmal einen Klienten oder eine Klientin gefragt, was sie denn früher, in ihrer Jugend, besonders gern gemacht hätten. Und bei manchen von ihnen scheint das auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein, oder sie haben selbst in sich Ressourcen entdeckt, die sie ausleben und damit ihre Krankheit positiv beeinflussen konnten. Viele von ihnen malen, eine hat sogar im Landtag an einer Ausstellung teilgenommen und wurde ins Fernsehen eingeladen. Andere züchten Blumen, tischlern oder kochen göttliche Gerichte wie Kürbissuppen, tschechische Linsengerichte oder polnische Fleisch-und Kohlrouladen. Ein Mann, der kurz bei uns zu Gast war, hat einen köstlichen Eintopf nur aus Rinderknochen, Meersalz und Gemüse hergetellt, besser als mit jeder Fertigbrühe. Und das hatte er sich bei seiner Freundin abgeguckt. Man muss nur die inneren und äußeren Stimmen und Sätze wie "Das schaffe ich nie" oder "Was bringt das denn überhaupt?" abschütteln und einfach das machen, was einem in den Sinn kommt. Ohne zu überlegen, was dabei herauskommen, für wen man es tun und von wem es beachtet werden könnte. Eine Geschäftsidee daraus zu entwickeln - wie mit dem Schreiben oder anderen kreativen Tätigkeiten - erfordert dann noch einmal ganz andere Schritte. Wenn man mich übrigens fragen würde, was ich selbst gern in meiner Jugend gemacht habe: Es waren das Schreiben, das Fotografieren, Lesen, Malen, Wandern, Kochen, Reisen, nächtelange Gespäche mit Freunden, Abtanzen in Kneipen und -Träumen.
| "Weißes Waldvögelein", Orchidee der schwäbischen Alb, 26.5.16 |
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