Sonntag, 11. Dezember 2016

Früher war alles besser-oder?

Gerade hat die Deutsche BahnAG angekündigt, die Schlaf - und Liegewagen abschaffen zu wollen. Und mal wieder die Preise zu erhöhen. Da kamen ein paar Bilder in mir auf, die mich davon überzeugen, dass es früher durchaus besser, aber auch schlechter gewesen ist. Nehmen wir doch mal das Beispiel mit der Bahn. Da gibt es bei mir die allerabenteuerlichsten Kindheits-, Jugend und Erwachsenenerinnerungen. Die Fahrt mit dem Dampfzug über den Nordostseekanal, das Spucken und Fauchen, der Dieseldreck, aber auch die herrlichen Ausblicke und der Wind, der einem am offenen Fenster um die Nase wehte. Die Fahrt über die Alpen an den Gardasee, inzwischen war ich zwölf Jahre alt, so grandios, dass ich die Eindrücke heute gern noch verwende. Aber um von Tübingen nach Hause, an die Ostsee zu kommen, musste ich während des Studium 12-14 Stunden in Kauf nehmen. Da waren die Schlaf - und Liegewagen gerade recht. Auch später noch spielten sich lustige Szenen in den Gängen vor den Kojen ab. Da wurde gefeiert und gequatscht, und der Schaffner wollte mir nicht glauben, dass einer meiner Begleiter mein Sohn sein sollte. Früher hatte man noch viel Zeit beim Umsteigen, konnte sich sogar fremde Städte anschauen und was Ordentliches zum Beißen kaufen. Denn die Bahn-Gastronomie war schon immer eine der Übelsten, vergleichbar etwa mit der in heutigen deutschen Autobahnraststätten. Ich denke nur an die angetrockneten Spagetti und die Bockwurst aus der Dose in der Erbsensuppe. Dazu später noch. Da tat man gut daran,  seine eigenen Leberwurstbrote auszupacken und den anderen damit etwas vorzurascheln. Es war sogar möglich, Ideen zu Romanen zu entwerfen und dies und das zu schreiben. Heute muss man in handyfreie Abteile gehen, um halbwegs Ruhe zu haben. Gespräche finden nicht mehr statt, jeder ist froh, auf sein Smartphone starren zu können. Die meisten pennen, lesen oder schälen Apfelsinen, denn danach riecht es in der letzten Zeit am häufigsten.

Der Alleinunterhalter Christoph Sonntag ist ein Experte auf dem Gebiet: Früher war alles besser. Erst kürzlich trat er in "Sonntag am Freitag" mit dem Thema "Bahn" in den Ring". Jaja, die Erbsensuppe und ihre Folgen. Dafür, dass wir in Großraumglaskästen gesperrt werden und alle Ausdünstungen und menschlichen Bedürfnisäußerungen in der Nase haben, hat es früher überall nach Urin gerochen. Urin und Diesel. Die Älteren unter den LeserInnen erinnern sich sicher: Während des Aufenthaltes auf den Bahnhöfen ist der Toilettenbesuch nicht gestattet. Heute hat man oft Mühe, das WC überhaupt zu finden und wenn man es gefunden hat, ist man froh, bald wieder draußen zu sein, so verdreckt und verstopft sind sie. Die Fahrkarte kaufte man im Bahnhof, heute druckt man sie im Internet schneller aus, als der Beamte am Schalter gucken kann. Angst vor Anschlägen musste man früher nicht haben, und es gab mal Zeiten, da waren die Züge noch pünktlich. Insgesamt muss festgehalten werden, dass die Bahn ihr Ziel, eine Alternative zum Autofahren zu werden, nicht erreicht hat, auch wenn man bald in zwanzig Minuten von Stuttgart nach Ulm wird fahren können. (Was macht man eigentlich mit der eingesparten Zeit?) In Paris, so hört man, sieht man zur Zeit den Arc de Triomphe nicht mehr vor lauter Smog. Die Maßnahmen, die Fahrverbote haben nicht gegriffen, denn sehr viele sollen sich nicht daran halten. Die gute alte Bahn entspricht dem guten alten V Käfer, der die ersten Urlauber über die Alpen nach Italien brachte und lief und lief. Die neue Bahn und der neue Autoverkehr sind neue Geisseln, die das Leben, so finde ich, nicht gerade angenehmer machen.

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