Mittwoch, 21. Dezember 2016

Angst ist ein schlechter Ratgeber

Eigentlich wollte ich mich erst zu den Geschehnissen äußern, wenn die Hintergründe klarer sind. Da sind ja schon andere vorgesprescht und haben sie zum Wahlkampfthema gemacht. Auch ich habe geweint, eine Kerze angezündet, an die Opfer und ihre Angehörigen gedacht und konnte nicht begreifen, woher ein solcher Hass kommen kann. Habe drei Tage lang Hintergrundberichte, Interviews und Einschätzungen gesehen und die sozialen Medien nur am Rande gestreift. Irgendwo habe ich gelesen, dass schuld nur derjenige sei, der den Lastwagen gesteuert hat. Und eine ganze Riege von Leuten, die es bis heute eben doch nicht geschafft hat, miteinander zu kommunizieren, sei es bei den Erkennungsdiensten hier oder mit anderen Ländern, und die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Und es stimmt, dass die Betroffenheit immer am größten ist, wenn es das eigene Land betrifft. Absolute Sicherheit kann es nicht geben, hörte ich aus dem Mund vieler, die dazu befragt wurden. Es kam sogar das Beispiel eines Journalisten, der erzählte, Kollegen von ihm hätten nach den Anschlägen  in Paris Fahrräder mitgenommen, um nicht die U-Bahn benutzen zu müssen. Dabei seien einige von ihnen im Verkehr umgekommen.

Ich begrüße es, dass so viele Leute gesagt haben, sie wollten sich nicht einschüchtern und sich ihre Art zu leben nicht nehmen lassen. So war es auch in Paris. Ich habe keine Angst, aber das mulmige Gefühl der meisten. Sprachlos macht mich die Einsicht, dass wir nicht Monate oder Jahre, sondern wahrscheinlich Jahrzehnte mit diesen Anschlägen leben werden müssen. Und dass es sich nicht auf Metropolen beschränkt, sondern auch auf dem Land passieren kann-inzwischen werden sogar die kleinen Hirsauer Klosterspiele geschützt.

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