Freitag, 1. Mai 2015

Resilienz - was uns stark macht gegen Stress, Depressionen und Burnout

Das Wort Resilienz ist noch nicht so weit verbreitet wie die inzwischen gesellschaftlich anerkannten Gegenbegriffe Burnout oder Depressionen. Die sind in den letzten Jahren durch bekannte Persönlichkeiten salonfähig geworden. "Resilienz" kommt vom lateinischen Verb "resilire", was so viel bedeutet wie "zurücksetzen", "abprallen". Der Begriff ist mir in unserer letzten Supervision wieder begegnet. Schon vor Jahr und Tag hatte ich im wunderschönen Kloster Heiligkreuztal ein Wochenendseminar darüber absolviert. Das hatte mich mit dieser notwendigen psychischen Widerstandskraft so weit aufgetankt, dass ich eine ganze Weile davon zehren konnte. Später habe ich mir zwei Bücher zugelegt; über eins von ihnen wird im folgenden Artikel gesprochen.
 http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/resilienz-die-unsichtbare-kraft-13339688.html
Demnach ist Resilienz keine Gabe, die uns in die Wiege gelegt wurde. Besondere genetische und soziale Faktoren in der Kindheit begünstigen zwar die Stehaufmännchen-Mentalität, aber es könne ein jeder lernen, seine Ressourcen zur Resilienz zu stärken. Bei dem Artikel in der FAZ vom Januar würde ich aber bemängeln, dass sich Unternehmen nicht überlegen, wie sie die Arbeitsbedingungen stressärmer gestalten könnten, sondern die Angestellten vermehrt durch Resilienztrainings daran anpassen. Wie dem auch sei, es tut jedem gut, sich gegen Schicksalsschläge und negativen Stress jeder Art zu wappnen.

Wie geht man nun aber dabei vor? Es gibt ernstzunehmende Tests, mit denen jeder seine psychische Widerstandskraft und seine Schwachpunkte erkennen kann. Die kann er dann gezielt bearbeiten und stärken. Oder er ruft sich ins Gedächtnis, welche Schwierigkeiten er schon mit Resilienz gemeistert hat. Beim "Abprallen" von Stress, der durch starke Belastungen entsteht, scheinen mir unter anderem Humor, sowie die Fähigkeit zur Verdrängung und Ablenkung eine große Rolle zu spielen. Das mag manchen verwundern, hat man doch früher in der Psychotherapie so sehr darauf gesetzt, das Verdrängte an die Oberfläche zu holen, um es bearbeiten zu können. Aber wir gestalten unseren Alltag ja nicht als Psychoanalyse. Mir sagte mal einer von den Therapeuten, man müsse immer wieder den Deckel draufsetzen, wenn es zum Überdruck im Topf kommt. Sonst zischt der Dampf heraus und richtet womöglich Schaden an. Auch die Fähigkeit zur Kommunikation, sich Hilfe zu holen, sind dabei wichtige Faktoren. Und für sich selbst zu sorgen. In letzter Zeit habe ich selbst bemerkt, was mit den inneren Bildern passiert, wenn man sehr starken Belastungen ausgesetzt ist (zum Beispiel dem Besuch auf einer Station, auf der Patienten künstlich am Leben gehalten werden). Die Bilder brennen sich ein, aber je mehr man sich ablenkt, desto schneller verblassen sie wieder. Nebenbei gesagt: Ich habe mich heute mit einem Ausflug ins Museum der Alltagskultur in Waldenbuch, durch die sozialen Medien und mit dem Korrektorat meines Romans abgelenkt. Und mit den Themen "Resilienz" und "Achtsamkeit" (letzteres beinhaltet auch Entschleunigung) möchte ich mich weiter beschäftigen-habe schon ein paar junge und ältere Menschen getroffen, die ebenfalls großes Interesse an dem Thema haben.

Christina Berndt: Resilienz. Was uns stark macht gegen Stress, Depressionen und Burnout

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