Donnerstag, 24. April 2014

Verschenkte Zukunft für Autoren?

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 Eigene Stimme oder Orientierung am Markt?

Ich sitze hier und warte darauf, dass mein Auto von der Inspektion zurückkommt. Heute wird einmal mit dem Bus zur Arbeit gefahren. Früher habe ich mich insgeheim über solche Situationen gefreut, denn dann konnte ich die Zeit zum Schreiben nutzen und hatte keine Gelegenheit zu entkommen. Die Sonne strahlt von einem tiefblauen Himmel, aber wenn ich vor die Tür trete, sehe ich immer nur den Rasen, der bald gemäht werden muss und höre das Bumbum des Fußballs, den der Nachbarssohn gegen die Garagentür bolzt. Natürlich kann man auch Geschirr spülen, putzen und die Wäsche in den Schrank räumen, aber alles das hat nicht so einen hohen Glückswert wie das Schreiben. Also gehe ich mal wieder ein bisschen surfen, denn es gibt nichts zum Schreiben, Überarbeiten, Korrigieren, Plotten oder Planen. Die Zahl der Kommentare bei Blogger habe ich schon gestern nach einer Stunde nicht hingekriegt (der Code existiert nicht), also gebe ich nach einer weiteren Stunde auf. Sonst ist nichts los. Es ist so langweilig, wenn man nicht schreibt! Mein E-Book ist gerade in Österreich in der Konvertierungsphase, wenn das nicht klappt, muss ich es vielleicht wieder zurückstellen. Ist ja auch nicht schlimm, denn was erwartet mich als E-Book-Autorin schon? Gerade habe ich eine neue Downloadplattform entdeckt mit meinen neuen E-Books drauf. Zwischen 39 und 76 Leser haben sich jeweils für mein geschenktes Buch bedankt. Es waren aber nur die Bücher aus dem größeren Verlag. Plattformen geben Nischenprodukten keine Chance! Oder kaufen sie sie etwa, um ihnen eine Chance zu geben und dafür die großen Verlage und deren Autoren zu schädigen? Dann stieß ich, nun schon zum dritten Mal, auf den Blogbeitrag von Nikola Hahn Amazon ist nicht das Problem, mit Verweis auf einen Artikel im Buchreport vor etwa einer Woche. Die Buchhändlerin Martina Bergmann hat es gut auf den Punkt gebracht: Beliebigkeit verkauft sich nicht! Man solle flugs historische Romane über den 1. Weltkrieg einkaufen, denn nächstes Jahr um die Zeit werden diese Romane remittiert sein. Die Buchhandelsbranche und die Verlage brauchten sich nicht darüber zu wundern, wenn sie ihre Autoren an Monopolisten verlieren und ebendiese Autoren auch von Erzählalgorithmen abgelöst werden könnten. Dann bricht sie eine Lanze für die Breite und Tiefe der Sortimente, für literarische Vielfalt und eine Gegenwartskultur, die dieses Namens würdig sei. Es gibt einige Kommentare dazu, von denen abwechslungshalber der von Spiegelbest nicht der Schlechteste ist. Er weist nämlich darauf hin, dass mit den selbst publizierten E-Books das Problem nicht gelöst sei

Schluck. Ich bin gerade dabei, mich diesem Monopolisten, der KrakeAmazon, auszuliefern. Ich dachte, ich stelle mein E-Book dann, wie schon das erste, bei  KDP select ein. Da kann ich, wenn ich auch nichts mehr verschenken möchte, doch kurzfristige Werbeaktionen mit Preissenkungen machen, die das Buch wieder ein wenig hervorspülen würden. Habe mich da auf breiter Schiene informiert. Wenn es in den drei Monaten einigermaßen laufen sollte, kann ich es bei einem Distributor wie Xinxii oder Neobooks unterbringen, die es auch in Läden wie Thalia und Hugendubel sichtbar machen. Außer bei Epubli darf man es dann trotzdem bei Amazon selbst einstellen, um die 70% kassieren zu können. Ja, ich sehe, mit den E-Books ist das Problem auch nicht gelöst, und Amazon ist nicht allein schuld an dieser Entwicklung. Da möchte ich mich doch gern an meinen letzten Blogbeitrag erinnern. Denn genau da war doch von Nachhaltigkleit und Kulturschaffenden die Rede, die sich nicht an Trends orientieren und von Erzählalgorithmen weit entfernt sind. Uff! Und jetzt kann ich in die Sonne rausgehen, auf der Terrasse mein nebenher gebrutzeltes Essen verzehren, mich an den Blumen freuen, die noch nicht gemäht sind, über die Stille am Garagentor frohlocken und von meinen nächsten Büchern träumen, die sicher von 300, 500 oder 1000 Lesern gefunden werden, unabhängig davon, wohin sich unsere Geizistgeil-Gesellschaft noch entwickelt.

Kommentare:

Sabine Schäfers hat gesagt…

Liebe Christa,

aus deinem Beitrag spricht so viel ungeduldige Erwartung, Bangigkeit und Trotz - man möchte dir glatt guten Mut zurufen. Ich freue mich schon darauf, dich jubeln zu hören, wenn alles gar nicht so schwierig ist, wie du es dir in dunklen Stunden ausmalst :-)

Herzliche Grüße
Sabine

Christa S. Lotz hat gesagt…

So ist es, Sabine, ich möchte wieder in die Gleise kommen, ich möchte, dass der Zug endlich weiterfährt! :-)

Herzliche Grüße
Christa