Sonntag, 3. Februar 2013

Bücher auf der grünen Wiese

Gestern, in Tübingen. Beim Gang vom Uhlanddenkmal durch die Platanenallee wird das ganze Ausmaß des Desasters sichtbar: ein Hochwasser, das ich dort noch nie so erlebt habe! Die Leute stehen auf der Neckarbrücke und schauen sich das Spektakel an. Wir kämpfen uns die Neckargasse hoch, trinken einen Kaffee beim Italiener. Im modernen Antiquariat in der Hirschgasse steht ein Schild. (Hier wurde auch meine Mörike-Printausgabe noch an den Leser gebracht)
                       
Verehrte Kunden, steht da sinngemäß. Viele Leser kaufen ihre Bücher jetzt im Internet oder auf der grünen Wiese. In Reutlingen, Stuttgart, Esslingen sind die Einkaufsmöglichkeiten besser als in unserer Stadt. Deswegen gehen wir jetzt online. AUSVERKAUF! 50% auf die Hälfte des Preises!
Ein Stück weiter vorne: Der Rimpo ist umgezogen, der traditionelle Platten-und CD-Laden, von der Ecke Hirschgasse/ Marktstraße ganz hinten in die Ammergasse, viel kleiner und enger alles jetzt.

Es fängt an zu regnen, alles ist grau und kalt. Schnell weg, durch den Tunnel zurück zum Auto. In der Parkanlage leuchtet es gelb unter den Bäumen. Die ersten Winterlinge, wie immer in Tübingen, denn der nächste Frühling kommt bestimmt, irgendwann. Auf der Rückfahrt durch das Neckartal sehen wir riesige Seen, wo einst Wiesen und Äcker waren. Reißende Fluten wälzen sich über das Land, vor Imnau ist die Straße wegen Hochwassers gesperrt. Also die steile Straße den Berg hinauf. In Schwalldorf tanzen die Narren auf der Straße, da dürfen wir nicht durch. Also ausweichen und oben weiter Richtung Horb.Wie närrisch bunt und grau ist doch die Welt!




Kommentare:

PvC hat gesagt…

Starker Text, liebe Christa! In einer Momentaufnahme so viel "Welt" gezeigt!
Herzlichst,
Petra

Christa S. Lotz hat gesagt…

Danke, Petra. Es lag sogar noch mehr "Welt" drin: Am Uhlanddenkmal nämlich standen ein paar Schüler und fotografierten es. Auf unsere Frage meinten sie, sie müssten ein Referat über ihn schreiben. Wer er denn sei, ob sie das wüssten? Ein Dichter! Und was noch? Ein Forscher. Nein, ein Politiker, saß in Frankfurt in der Paulskirche. Sie lachten verlegen.