Montag, 13. Februar 2012

Maulbronn im Winter und die Schlegler

Sagt man nicht, ein Täter kehre immer wieder an seinen Tatort zurück? So geschehen gestern im Kloster Maulbronn, das an diesem Wintertag etwas weniger zahlreich besucht war als sonst an Sonn - und Feiertagen. Wenn man vom Parkplatz am kleinen Friedhof in den Weinberg hinaufsteigt, sieht man uralte Weinbergmauern, teilweise aus dem 14. Jahrhundert, die fast ohne Mörtel oder Lehm zusammengefügt sind, bis zu 5m hoch.




Vom "Tiefen See", im Sommer eine Badeanstalt, gelangt man oberhalb des Klostergeländes zurück. Die Mauern strahlen schon ein wenig Wärme ab. Über eine halsbrecherisch steile Treppe geht es zurück ins Klostergelände mit Kameralamt, Wirtschaftsgebäuden, Buchhandlung und Apotheke.


 Und hier ist der Torturm, Eingang zum Kloster. Das ist sozusagen der Tatort, denn dort beginnt mein dritter Roman, ein Bauernkriegsroman, der nie das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Er reift immer noch im Keller meiner Dateien.
Auf der Rückfahrt haben wir das Schleglerschloss in Heimsheim besucht, das zufällig geöffnet war und eine Bilderausstellung zeigte. Die war aber weniger interessant als die drei übereinander liegenden Rittersäle, deren Decken von mächtigen Holzstreben gestützt werden. Viele Fensternischen zum Sitzen und Hinausträumen bzw. zum Beobachten der feindlichen Heere im 14. Jahrhundert. In einer dieser Nischen saß ein älterer Herr, wahrscheinlich einer der Künstler. Mit wehmütigem Ausdruck beobachtete er uns, wie wir die Bilder anschauten. Unten steht ein mächtiger Kamin, den ich nicht genau datieren konnte. Wäre ein schöner runder Tag gewesen, wenn nicht die gute Gastronomie inzwischen so rar gesät wäre. Es geschah uns nämlich Folgendes, und ich sage natürlich nicht wo:

 Mit gemischten Gefühlen betraten wir einen Gasthof der etwas gehobenen Klasse, weil wir bei der Kälte nicht ewig suchen wollten. Solche Entschlüsse wurden schon manchmal bereut! Ich bestellte Wiener Zwiebelfleisch mit Bratkartoffeln. Einfach, weil es Erinnerungen an Wien wachrief, mit den Kaffeehäusern, André Heller, eben dem Zwiebelfleisch, Leberln und Krügerln. Das Fleisch hatte die Konsistenz von Gallert, wie Beinscheiben, die Bratkartoffeln waren halb weiß und allem mangelte es an Salz. Dazu eine komische, gedrückte Atmosphäre. Zuhause kramten wir Hedwig Maria Stuber und andere Kochbücher heraus, Frau Stuber macht das Zwiebelfleisch zum Beispiel mit Stücken aus der Lende. Für den Preis hätten wir auch in die Klosterschänke von Maulbronn gehen können!

Einkehrtipp: "Café Max" in Ölbronn-Dürrn, auf demWeg nach Maulbronn. Die besten Kuchen weit und breit, in der warmen Jahreszeit Terrasse, schöner Ort in den Weinbergen
Anfahrt: Autobahn KarlsruheStuttgart, Ausfahrt Pforzheim-Bauschlott-Maulbronn
             Autobahn Pforzheim-Stuttgart, Ausfahrt Weil der Stadt, Heimsheim

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