Donnerstag, 19. August 2010

Blogout

Merkwürdig, gestern wurden die Eingänge dieses Blogs noch gestürmt, heute ist alles tot und still. Ausgebloggt, wie wäre denn das? Zumal ich ja mit den Rohlingen des Projektes fast durch bin, die Bücher bald erschienen sind und was nicht erscheint, war eben nur ein Schein am Kometenhimmel der Autorin.
"Kunst geht nicht in die Breite, sondern in die Tiefe", sagte ein Lehrer Rembrandts zu ihm, als sein Freund möglichst große Bilder malte, weil sie sich besser verkauften. Woran ich dabei wohl gedacht habe?
Nein, ich habe keine guten Vorsätze wie Heinrich. Ich sage nicht: Ich schreibe
NIEmehr dicke Bücher! Dicke Bücher machen den Leser glücklich, heißt es, ja, ich lese manchmal auch gern dicke Bücher, aber der Autor wird beim Schreiben dünn und fadenscheinig, und er schwitzt. Und ich sage auch nicht, ich kaufe NIEmehr dicke Bücher, weder an den Stangen der Buchkaufhäuser noch im Antiquariat. Und nicht, dass ich auch keine extrem dünnen Bücher schreiben und kaufen werde, ich denke da an Tannöd. Die Breite eines Buches, eines Bildes, eines Themas, eines Menschen ist so breit wie die Intention, die der, die das Betreffende jeweils hat. Die Tiefe eines jeden ist so tief wie das Wasser, in welches das Lot geworfen wurde. Wie war das noch mit der Mathematik? Wenn wir Breite und Tiefe haben, muss es sich um einen Hohlkörper handeln. Rätselfrage: Was ist nun in der Mitte drin?

Kommentare:

Rabenblut hat gesagt…

Dabei denke ich an die Pralinen von Forest Gump: Man weiß nie, was man erwischt.
Natürlich sagt die Dicke eines Buches nichts über die Qualität aus. Ich selber lese gerne dicke Bücher, weil ich dann länger etwas davon habe.;-)
Ich möchte die neugewonnenen Freunde nicht schon nach zweihundert Seiten wieder verlieren.
Aber sicher ist die Gefahr der Schwallerei größer, wenn ich mehr Seiten zur Verfügung habe. Kürzen tut wohl den meisten Geschichten gut, fällt mir aber sehr schwer. Ich übe noch...

Liebe Grüße,
Nikola

Christa hat gesagt…

Die Dicke der, in diesem Fall historischen, Bücher hat die Literaten im Fernsehen schon mal dazu verleitet, von "Schinken" zu reden. Na gut, dann schreibe ich eben Schinken, dachte ich, da hab ich wenigstens lange etwas davon...
Bei mir ist es nämlich gerade umgekehrt: Ich habe zu "dünne" Bücher (ca.375 S.)für dieses Genre geschrieben und hatte Schwierigkeiten, sie dicker zu machen. Üben hat geholfen. Aber ich schreibe jetzt Bücher, die so dick werden, wie sie sein sollen.:-)

Liebe Grüße
Christa

Petra hat gesagt…

Ich habe gerade einen "Schinken" voll Kunst und Hochliteratur übersetzt (668 Seiten ohne Anhang, kein Roman), das nennt man in der Branche "Brikett".
Einen Vorteil haben solche Bücher: Man kann sie zur Not als Türstopper benutzen ;-) An den Heizwert glaube ich weniger...
Herzlichst,
Petra

Rabenblut hat gesagt…

Aber solche Briketts als Türstopper oder Festbrennstoff zu benutzen fände ich doch sehr betrüblich.;-)
Mir fallen noch andere Vorteile ein:
1. Sie stützen die anderen Bücher im Regal.
2. Mehrere aufeinander gestapelt sind sehr nützlich, wenn man keine Leiter zur Verfügung hat.
3. Man kann mit ihnen nach Frechdachsen werfen, wahlweise auch nach Ehemännern, Schwiegermüttern o.ä.
4. Man kann mit ihnen Blumen pressen.
5. Falten in Teppichen wegdrücken
6. Andere Dinge beschweren, die der Wind sonst forttragen würde
7. Andere beeindrucken, die höchstens die Bild lesen
8. Die Regalwand bunter gestalten

Diese Liste ist beliebig erweiterbar.
Liebe Grüße,
Nikola

Christa hat gesagt…

Das mit dem Pressen von Blumen ist gut, als Kind habe ich
diese dicken Bücher deswegen geliebt!
Gerade habe ich mal nach meinen dicksten Büchern geguckt:
Das dickste und größte ist eins über Salvador Dali, gefolgt von Krieg und Frieden
Simplizissimus
Göttliche Komödie
Grimms Märchen
Dem Medicus
Dem Namen der Rose
und dem Duden.
Dagegen nimmt sich "Die Säulen der Erde" fast schmal aus. Alle stützen und sind zu schade zum Verheizen.:-)
LG
Christa

Rabenblut hat gesagt…

Habe auch mal nachgeguckt, dabei festgestellt, dass meine dicksten Bücher Bildbände oder Chroniken sind, gefolgt von Sachbüchern über das Mittelalter. Meine dicksten Romane sind hauptsächlich historisch (Rebecca Gablé, Ken Follett, Noah Gordon (also ähnlich wie bei Dir), Helga Glaesener, Andrea Schacht usw.). Dann erst kommt Fantasy.
Beim Durchschauen ist mir außerdem aufgefallen, dass die Bücher, die ich mehrmals gelesen habe, eher dünn sind. Was soll mir das sagen? Bin ich etwa lesefaul? Es sind witzige und spannende Romane, die mir meine Mutter vererbt hat und die heute keiner mehr kennt. Schade.
Liebe Grüße,
Nikola

Musette hat gesagt…

"Beim Durchschauen ist mir außerdem aufgefallen, dass die Bücher, die ich mehrmals gelesen habe, eher dünn sind. Was soll mir das sagen? Bin ich etwa lesefaul?"

Nee, sondern daß die "Schinken" auf gradezu grauenhafte Weise aufgebläht sind - und man sie deshalb nach einmaligem Lesen satt hat.

Christa hat gesagt…

Interessant!

@Nikola: Von Helga Glaesener und Andrea Schacht habe ich auch was, aber nicht so dick. Tolkien wäre der breiteste, wenn er alles in einem Band geschrieben hätte. Das, Eco und
Follet habe ich schon zweimal oder sogar dreimal gelesen. Nur an "Krieg und Frieden" habe ich mich noch kein zweites Mal herangetraut, eher an die Bildbände, aber die sind eher hoch und schwer als dick.

@Musette:
"Nee, sondern daß die "Schinken" auf gradezu grauenhafte Weise aufgebläht sind - und man sie deshalb nach einmaligem Lesen satt hat."
Kann ich von mir nicht so sagen. Im Kochbuch von H.M. Stuber z.B. lese ich immer mal wieder, und damit könnte man auch jemanden erschlagen.:-)

Christa

PvC hat gesagt…

Zu Punkt 2 @Nikola:
Ich möchte mir nicht auf einer schlechten Schmonzette die Haxen brechen, zumal heutzutage die Buchrücken gleich ausbrechen. ;-)

"Dicke" Bücher sind natürlich relativ, mein fettestes ist Heine, die Gesamtausgabe in nur zwei Bänden. Auch mit den Sammlungen von Gogol, Tolstoi oder Dostojewskij könnte ich jemanden erschlagen. Aber die konnten alle schreiben, so gut, dass man ihre Einzelwerke in einem Band noch einmal extra sammelt.

@Christa
Ich glaube auch nicht an Lesefaulheit. Jede Geschichte hat einen Atem und dafür gibt es eine optimale Länge. Gute Romane machen genau da Schluss. Und dann gibt es wirklich diese Bücher, von denen Musette spricht, die erst dann Schluss machen, wenn der Lektor auf seine Wunschseitenzahl kommt, die angeblich die Leser alle verlangen. Das rächt sich immer bitter am Roman - und letztendlich am Autor.

Herzlichst,
Petra

Christa hat gesagt…

"Ich glaube auch nicht an Lesefaulheit. Jede Geschichte hat einen Atem und dafür gibt es eine optimale Länge. Gute Romane machen genau da Schluss. Und dann gibt es wirklich diese Bücher, von denen Musette spricht, die erst dann Schluss machen, wenn der Lektor auf seine Wunschseitenzahl kommt, die angeblich die Leser alle verlangen. Das rächt sich immer bitter am Roman - und letztendlich am Autor."

Das sind die Bücher, bei denen ich immer fieberhaft auf die Restseitenzahl gucke und immer schneller werde, damit sie endlich, endlich zu Ende sind - denn wegschmeißen möchte ich sie nun auch nicht!
Gott sei Dank hat mir noch niemand bescheinigt, dass meine Bücher aufgebläht seien, aber ich habe einmal von Tricks gehört, wie man das machen könne. Und das merkt der Leser natürlich und quittiert es mit Gähnen.

Herzlichst
Chrisa

Musette hat gesagt…

"Das sind die Bücher, bei denen ich immer fieberhaft auf die Restseitenzahl gucke und immer schneller werde, damit sie endlich, endlich zu Ende sind

*Lach!* Sehr treffend beschrieben, so kenne ich es auch. Und genau solche Bücher meinte ich.