Samstag, 13. März 2010

Schwarzwälder Gaumenfreuden

Am Donnerstag abend durfte ich anlässlich einer Betriebsfeier Schwarzwälder Delikatessen im Gasthof Adler in Nagold genießen. Diesen Hotel-Gasthof kenne ich schon seit ca. 30 Jahren, einen Familienbetrieb, und wenn sich auch überall die Preise erhöhen, so hat sich die Kochkunst in diesem gemütlichen Betrieb ebenfalls sehr gesteigert. Es gab wahlweise Flädlesuppe vom Feinsten (ich weiß noch, wie ich einmal aus Spanien zurückkam und mich auf dieses Süppchen stürzte), ein Vorspeisenbuffet mit Spargeln in Schinken, geräucherten Schwarzwaldforellen, Salaten, Eiern mit Schrimps, gefüllten Kalbsbraten mit Spätzle oder Zanderfilet mit Reis, zum Nachtisch Eis, Tiramisu, Erdbeeren und exotische Früchte. Daran musste ich gestern abend beim "Nachtcafé" von Wieland Backes denken, und auch heute morgen beim Recherchieren Schwarzwälder Spezialitäten. Ein Filmemacher aus Österreich berichtete im Nachtcafé, er sei sehr einsam, wenn er nachts in seinem Zimmer sitze- und was biete sich anderes an, als dann zu essen? Bei seiner Reise nach Stuttgart habe er Maultaschen vorgesetzt bekommen, diese Teigwaren mit Fleisch, sehr kalorienhaltig, und überhaupt seien doch die Fernsehköche und Medienmacher schuld daran, dass vor allem die Deutschen so übergewichtig seien. Eine dünne Powerfrau hielt ihm entgegen, dass alles eine Sache der Disziplin sei, man müsse nur Krafttraining machen und von seinem Sofa herunterkommen. Das brachte den Filmemacher noch mehr in Harnisch. Er lasse sich das nicht vorschreiben, wo bliebe da die Lebensqualität mit Quarkshake zum Frühstück, und überhaupt wolle er doch nur geliebt werden, auch mit seinen Filmen. Susanne Fröhlich (Moppel-Ich) schlichtete immer wieder mit ihrer fröhlichen Stimme, dass ein wenig Speck und Schwimmringe am Bauch zu einer höheren Lebenserwartung beitrügen, und man dürfe alles essen, nur nicht im Übermaß. Die Gesellschaft schreibe vor, wie man auszusehen habe, und eine ganze Schlankheitsindustrie verdiene sich dumm und dämlich daran!
Ja, auch ich habe in meiner Jugend Diätzeitschriften und - Bücher gekauft, obwohl ich nicht mehr wog als jetzt (guter Bereich des Bodymaßindex). Und heute kann ich ab und zu schlemmen und kasteie mich auch nicht mit Tofu und Extremsport. Die Schwarzwälder Köstlichkeiten, die ich heute anlässlich meines Berichtes über die Klosterstadt Alpirsbach im Schwarzwald recherchiert habe, können meinen Appetit anregen und machen auf diese Weise nicht dick. Schwarzwaldeisbombe und Kirschtorte, Schwarzwälder Schinken, Schäufele, badische Leber, Schlachtplatte und so weiter und so fort. Die Recherchierzeit verging in Windeseile, und so ist dieser Bericht schon fertig, innerhalb eines Tages, denn wir haben die Gegend ja erst kürzlich besucht. Neu war mir, dass diese Hahn&Henne-Teller, -Becher, -Tassen und -Eierbecher, die ich seit meiner Kindheit liebe, aus Zell am Harmersbach, nahe Offenburg kommen.
Da ich meist etwas beifüge, das mit dem Schreiben an sich zu tun hat: Meine Romane und Bücher kamen bei der Feier natürlich ebenfalls zur Sprache. Wann ich denn Zeit zum Schreiben hätte, fragte eine Kollegin. Meine Pilgerin verschenkte ich an den Jubiliar. Und ein Exkollege lud mich zu sich ein, damit wir darüber sprechen können, "wie man denn einen Roman schreibt."

Kommentare:

Petra hat gesagt…

Liebe Christa,
du solltest für dieses Blog Entschädigunggelder an deine Leser zahlen müssen, denen du schon zum labbrigen Frühstückstee (ich als Kaffeetrinker) derart den Mund wässrig machst! Das ist ja nicht zum Aushalten lecker! Theoretisch müsste unter dem Schnee ja irgendwann der Spargel sprießen...

Ich habe in letzter Zeit viele Fotos von der vorletzten Jahrhundertwende und aus den 1920ern gewälzt, vor allem die Frauen aus letzteren haben ja den Ruf, so irre knabenhaft schlank gewesen zu sein. Das waren sie auch, während des Ersten Weltkriegs, wenn sie hungern mussten. Und der Rest? Um in so ein historisches Charlestonkleid zu passen, darf frau noch einige Schwarzwälder-Torten konsumieren!

Es ist erschreckend, welche Klappergestelle in einer Gesellschaft als Schönheitsideal propagiert werden, die tagaus tagein Nahrungsmittel vergeudet und vernichtet.

Zu dünn darfst du mit deinem neuen Genre gar nicht werden. Ich hatte mal eine Frau im Publikum bei der Elsass-Lesung, die mir gestand, sie sei eigentlich nur aus Neugier gekommen, ob da wieder so ein schauderhafter Hungerhaken übers Essen schreibe. Bei künftigen Bewerbungen um Genüsse Bodymassindex bereithalten ;-)
Herzlichst,
Petra

Christa hat gesagt…

Hihi, ich dachte mir schon, dass du Appetit bekommst!:-)Mich können diese Klappergestelle, seit Twiggy, auch nicht überzeugen.
Wie heißt noch dieser Margarine-Spruch?
"Ich will so bleiben, wie ich bin!"

Herzlichst
Christa