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Dienstag, 16. Juni 2026

Kleine Reise über die Alb



Seit gestern, den 15.Juni 2026, ist unser Montségur Autorenforum wegen Wartungsarbeiten geschlossen. Nach 20 Jahren engagierter Mitarbeit habe ich das auch nicht bedauert, sondern mich in die Frühsommersonne hinausbegeben. In Ebingen auf der Schwäbischen Alb gibt es ein schönes Museum, das wir auch schon mal besucht haben. Neben Werken von Otto Dix und anderen läuft gerade eine Fotoausstellung "Metamorphose. Die schwäbische Alb im Wandel der Zeit." 
Schwäbische Alb im Wandel der Zeit Die haben wir uns bisher nicht angeschaut, denn wir kennen die Alb von Mössingen bis Aalen, von Reutlingen bis Ulm, jede Burg, jedes Schloss, jede Stadt, viele Dörfer, Wanderwege, Seen, Pflanzen, Höhlen, Wasserfälle und Gasthöfe, von denen die meisten inzwischen geschlossen haben, dank Corona und Nachfolgende. Unsere letzten Spaziergänge fanden auf dem Burgenweg oberhalb von Reutlingen und auf de Irrenberg statt. Da waren die Traufwege ausgetrocknet und durch Fahrradrallyes extrem verbreitert, um jeden Ort herum waren weiße Einheitshäuserblocks und Fabriken wie Legosteine emporgewachsen, und wir hatten schließlich die Lust am Aufenthalt dort verloren.

Am letzten Samstag wurden wir eines Besseren belehrt. Eigentlich wollten wir in unsere Lieblingsstadt Reutlingen, die urigste, mittelalterlich-großstädtische Reichsstadt, wo wir aber keinen Parkplatz fanden. So fuhren wir wie einst durch die weiten Felder und Wälder, immer wieder gesäumt von Tälern, Felsen und altgebliebenen Dörfern. Ich war bass erstaunt, wie grün und gesund alles aussah in diesem Kaiserwetter. In Zwiefalten achten wir halt, so lange waren wir nicht dort gewesen, und ich hatte schon oft die Bilder von Barockkirchen vor meinem inneren Auge. Nach Kaffee und Eis machten wir uns zur Kirche hinüber, die, obwohl so oft gesehen, ganz neu auf mich wirkte. Über Hayingen, wo mein Roman "Hexenkinder" anfängt und wo wir zehn Jahre oder mehr einen Teil unseres Urlaubs verbracht haben ---unvergesslich!, gelangen wir zu Kloster Obermarchtal, wo der Storch immer noch über dem Eingangstor klapperte. Der einst wunderschöne Biergarten, wo es den besten Braten und andere Spezialitäten gab, ist wie so oft in letzter Zeit nicht mehr einladend, mehr Schickimicki mit allseits reservierten Plätzen. Dann Ehingen an der Donau, wo alles noch so war wie früher, nur schöner. Der Brunnen am Marktplatz, die Kirchen, das große italienische Café und die ganz andere Offenheit und Beschwingtheit der Menschen. Wir haben einen Teil des Glaubens an die Überlebenskraft der Welt, der Natur und auch der Menschen zurückgewonnen.

Donnerstag, 26. Januar 2017

Aufruhr im Schwarzen Wald

Gestern las ich im Schwarzwälder Boten, dass gerade in Loßburg, nicht weit von Freudenstadt und vielleicht eine halbe Stunde von hier entfernt, ein Tatort-Krimi gedreht wird. lossburg-lena-odenthal-froestelt-in-oedenwald. Ich mag die Tatorte mit Lena Odenthal, deshalb las ich mit wachsendem Vergnügen, dass seitdem der absolute Hype in dem Ferienort ausgebrochen sei: Allein 80 Fernsehleute seien dort einquartiert, eine Menge Feriengäste und Schaulustige kamen dazu, und alle bibbern in der eisigen Kälte. Lustig, dachte ich, mein noch nicht veröffentlichter Schwarzwaldkrimi spielt ja ebenfalls dort, in einem fiktiven Ort namens Schwarzenberg nahe Loßburg. Wir hatten einstmals eine kleine Wanderung in der Gegend gemacht, was mich zu dem Krimi inspirierte. Scheint also eine Gegend zu sein, die es faustdick hinter den Ohren hat.

Heute nun machten wir unseren traditionellen Bummel in der Hessestadt Calw und landeten unter anderem beim kleinen Osiander. Zu meinem Erstaunen entdeckte ich zwei Exemplare meines letzten Verlagsbuches "Die Köchin und der Kardinal" im Regal. Nach dreieinhalb Jahren ist es normalerweise schon längst verschwunden. Die Buchhändlerin, mit der wir ein wenig über das Tessin geplaudert hatten, erklärte das mit diesem Hype, der Schwarzwald sei gerade wieder sehr im Kommen. Ein schönes Beispiel dafür, dass Bücher immer mal wieder hochgespült werden können. Hier noch ein Hinweis auf das sehenswerte Museum des Ortes, in dem man u.a. Alemannengräber,  eine alte Schulstube, Trachten, steinzeitliche Werkzeuge und Kuckucksuhren betrachten kann.
Museum Altes Rathaus Loßburg