Heute war ein Tag, an dem man am liebsten die Wände hätte hoch - und runtergehen mögen. Einzig postitiv war das französischen Wahlergebnis gestern um 20 Uhr. Gott sei Dank haben die Franzosen sich darauf besonnen, dass sie einmal eine Revolution gehabt haben und immer als eine freiheitliche und lebensfreudige Nation galten. Ihr Ja zur Europäischen Gemeinschaft ist ein Fanal für andere Länder, es den Briten nicht gleich zu tun. Weniger erfreulich der Wahlausgang in Schleswig-Holstein, meinem Geburtsland. Schade, dass die Kanzlerin dadurch wieder Auftrieb erhält. In der Zeitung las ich, dass ein Grund der SPD-Abwahl der gewesen sei, dass sich viele Schleswig-Holsteiner nicht mehr mit der vehementen Zunahme der Windspargel abfinden wollen.
Heute war der dritte graue, kalte und nasse Tag. Die Winter werden immer nasser, hat der Wetterfrosch gestern in der Sendung über Naturkatastrophen in Baden-Württemberg gesagt. Und die Winter dauern bis in den Mai hinein, fügte ich im Stillen hinzu. Dagegen erweisen sich die Sommer als zunehmend heisser, und es gibt keine drei Tage, in denen Wetter oder Temperatur konstant bleiben. Konstant allenfalls im Miesen. Man wird allmählich ganz rammdösig vom ewigen Stubenhocken. Auch wenn man sich fest vorgenommen hat, jeden Tag eine große Runde zu laufen, kehrt man gleich an der Haustür wieder um. Es ist so boooaring, die Engländer haben dieses überaus passende Wort dafür erfunden. Gerade hatte ich mich aufgerappelt, um eine Tour ins Nördlinger Ries zu planen (es soll drei Tage lang etwas mehr Licht geben), da bekam ich einen Anruf, der Wagen hätte einen Platten und stehe in der Werkstatt. Stress und Gerenne. Aber bei jedem Unglück gibt es ja auch eine Kehrseite. Als Ersatzwagen bekamen wir einen schwarzen Mercedes der B-Klasse, in dem es sich wunderbar gleiten lässt. Erinnert mich an den Tag, als uns bei Pfullendorf einmal das Auto verreckte. Es war ein schöner, klarer, warmer Tag. Der wildfremde Autohändler übergab uns vertrauenvoll einen Eos Cabrio, und wir sausten mit wehenden Haaren hinunter zum Bodensee. Alle Leute blieben stehen und guckten. Morgen bekommen wir den alten schon wieder, da wird es also nichts mit Bodensee, Nördlingen oder Wemding.
Ich möchte aber die Gelegenheit nutzen, hier in kürzeren Abständen über "kleine und große Fluchten" zu berichten, die uns kurzzeitig wegbringen vom Alltag, vom Verkehrsgedrängel, üblen Zeitgenossen, schlechten Nachrichten, Computergedöns und Buchmarktkatastrophe. Fangen wir an mit dem Schwarzwald, den wir vor ein paar Tagen besuchten. Er ist eines der Gebiete, die mit am frühesten für den Tourismus erschlossen und dadurch auch bald mehr oder weniger verdorben waren. Die Kuckucksclocks, Bollenhutpüppchen und Rennbahnen, sich immer weiter ausdehnende Städte und Supermärkte und leider auch die energienotwendigen Windspargel haben der reizvollen Gegend ihren hässlichen Stempel aufgesetzt. Aber es gibt sie noch, die stillen Winkel. Fährt man einfach mal in ein unscheinbares Seitental hinein, kann man den Schwarzwald erleben, wie er ursprünglich vielleicht einmal gewesen sein mag. Falls jemand die Tour nachfahren und -laufen will, bitte eine Mail an mich schicken. Wir haben es nämlich kürzlich erlebt, dass wir eine Wanderung aus der Zeitung nachgegangen sind (im Eyachtal), und als wir dort ankamen, waren doch viele dem Ruf gefolgt. Nicht, dass einmal Heerscharen dort einfallen und das noch Unberührte zerstören.
In einem Dorf in diesem Tal steht an einem Bach eine alte Mühle. Der Schwarzwaldverein hat sie restauriert und im ganzen Tal bis hinauf bis zu den Höhen einen wunderschönen Wanderweg angelegt, mal am Bach mit dem glasklaren Wasser entlang, mal durch den Wald, dann wieder über Wiesen.
Im Dorf stand eine alte Bäuerin in einem etwas erhöhten Garten und hackte Unkraut. Mein Begleiter sprach sie auf den schönen Garten an, was sie zu einem Dauergrinsen verleitete. So etwas bekommt sie sicher nicht jeden Tag zu hören. In dem Tal ist es so warm, dass der Ginster schon anfängt zu blühen.
Nach einer kleinen Wanderung auf dem wunderbaren Weg ging es hinauf bis auf 900 Meter Höhe. Hier sanken die Temperaturen dann von 21° auf etwa 15°. Aber es gibt einen super Ausblick auf den Schwarzwald, wie wir ihn aus Hochglanzprospekten teilweise noch kennen, aber kaum mehr wiederfinden.
Zum Abschluss landeten wir in einem Kurort nahe Schramberg, wo ich eine sonnige Ecke mit einem Italiener entdeckte. Schwarzgekleidete, fröhliche Handwerksburschen saßen davor, tranken Bier und aßen Pizza. Also ließen wir uns ebenfalls Spagetti Bolognese und Piccata alla Milanese bringen. Dieses Auftanken musste drei Tage reichen. Als nächstes plane ich kleine Berichte über den Besuch des Taubertals bei Rothenburg und über einen Nachmittag in der Schillerstadt Marbach.
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Montag, 8. Mai 2017
Montag, 29. April 2013
Es steht eine Mühle im Schwarzwälder Tal
Kriegt man hier was zu essen?, fragt mein Begleiter.
Freilich, meint der Mann, seit 40 Jahren, warm oder kalt. Das Kochen überlasse ich inzwischen meiner Frau. Wenn wir mal nicht mehr sind, ist das vorbei.
Auf der kleinen Speisekarte neben dem Eingang und auf einer Tafel stehen die Speisenangeschrieben: Schnitzel mit Pommes und Salat, Bratwürste mit Kartoffelsalat, Zwiebelrostbraten, Wurstsalat, das Übliche halt. Drinnen alles wie dazumal, eine gemütliche Gaststube, ein Tisch besetzt mit Einheimischen, die fast erschrocken hochfahren, als sich die Fremden in ihrem Reich einfinden.Wir bestellen kurzentschlossen die Schnitzel. Das Eis ist schnell gebrochen, die Wirtin fragt nach, ob wir auch Kartoffelsalat zum Schnitzel haben wollten. Der ist dann aber schon reichlich auf dem Salatteller. Den können nur die Alteingesessenen im Schwarzwald, auf der schwäbischen Alb und im Unterland so machen. Das Schnitzel ist dermaßen zart, die Pommes dünn und die Soße so gut, dass ich sie noch Stunden später auf der Zunge spüre. Sollen wir noch einen Schnaps für die Verdauung bestellen?, fragt mein Begleiter mich.
Die Soße war besonders gut, kommentieren wir, als die Wirtin die Teller abräumt.
Das ist auch keine Plastiksoße, die mache ich selber, meint sie verschmitzt. Darf ich Ihnen noch einen Schnaps anbieten?
Was für einen haben Sie denn?
Obstler oder Zwetschgenschnaps. Den habe ich für die Gäste selbst geschenkt gekriegt.
Der Gästeschnaps ist in Schwaben doch immer der, den man unliebsamen Verwandten anbietet, denke ich bei mir. Er ist dann aber ausgezeichnet. Wie erwartet, wird die Rechnung mit einem Kugelschreiber auf Papier geschrieben.
Dieser Schwarzwaldtag war einer der besten, die ich seit Monaten erlebt habe! Heute ging er mir noch einmal durch den Kopf, die Mühle im Schwarzwälder Tal fiel mir ein. Wenn ich ein Buch über den Schwarzwald geschrieben hätte, würde ich solche geheimen kulinarischen Orte nicht erwähnen. Das Tal und die frühere Mühle sind auf keiner Homepage zu finden. Sie sind morgen vielleicht schon nicht mehr da in dieser Form. Ich würde die Landschaften erwähnen, die Städte, die Flora und Fauna, Berge, Wasserfälle und Museen, Bauernhöfe und Wanderungen in dunkle Täler und über luftige Höhen, würde den Kelten und Römern nachspüren und mir vorstellen, wie die Menschen hier über Jahrhunderte gehaust haben. Wenn ich mir den Schwarzwald vorstelle, sehe ich Tannen und rote Felsen, Farne und Moose, Schluchten und vornehme Bäder, den Holländer Michel und Kurparkanlagen. Und die Schriftsteller und Philosophen, die dort gelebt oder es bereist haben, gewandert sind und darüber schrieben, wie Mark Twain, Hermann Hesse und Martin Heidegger und nicht zu vergessen der Volksschriftsteller und Pfarrer Heinrich Hansjakob.
Für Autoren: Wann ist Self Publishing der richtige Weg?
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