Dienstag, 12. Januar 2021

Der Blick nach vorn - 2021

 Heute hatte ich endlich einmal wieder Muße, in anderen Blogs zu schmökern und bin gleich auf einen sehr menschlichen Artikel in Petra van Cronenburgs Blog gestoßen.

Das Jahr der Heilung

Petra fragt sich unter anderem, was dieses Jahr der Pandemie eigentlich mit uns gemacht hat. Dass es uns verändert hat, und sie überlegt und bemerkt, dass es Ansätze zu einem allmählichen Ausstieg aus der Entfremdung gibt, neue Möglichkeiten, das Leben auf diesem gebeutelten Planeten zu gestalten. Wenn ich an die Zeit um Weihnachten herum denke, sehe ich Parallelen zu dem Bericht. An Heiligabend sind wir -nach dem traditionellen Coq au Vin - trotz des Schmuddelwetters durchs Dorf gelaufen. Einmal in Richtung Spielplatz, vorbei am Dorfplatz mit dem neuen Backhäuschen, das Murmeln der Steinach im Ohr. Vor einem der hingeduckten Häuser hatte jemand eine Tonne mit Holzscheiten befüllt, die jetzt lustig und wärmend loderten. Ein paar Kinder fuhren auf ihren Rollern herum, eine Dame führte ihren Hund spazieren. Wir wechselten ein paar Worte mit ihr. Dann ging es in die andere Richtung. auf das einzige Fabrikchen zu, das dieser Ort zu bieten hatte. Jedes dritte Haus war festlich mit Lichtergirlanden geschmückt, mit Weihnachtsbäumen und sonstigem Glanz. Wir überlegten bei jedem Haus, wer wohl da drin wohnen mochte und wie es ihnen ging. An Silvester haben die Nachbarn bloß ein paar Böller gezündet, es klang wie ein Maschinengewehr. Nur eine einzige verlorene Rakete habe ich in der Ferne gesehen. Ja, ich mag dieses globale Verschwendungs-Freudenfeuer in der Regel auch nicht und habe es doch schmerzlich vermisst. Es gab wahrlich keinen Grund zum Feiern, aber man hätte dieses verdammte Jahr auch mit Rasseln und Weihrauch verabschieden können!

Ja, und es sind Kontakte zustande gekommen, auch mit Fremden. Nie werde ich die Schülerin vergessen, die sich neben mich im Freien auf eine Bank setzte und mir ihr Leid in der Berufsschule mit den Masken klagte und von ihrem Leben mit der Großmutter erzählte. Der Sommer in der Stadt mit dem Fahrrad, als alles wieder so halbwegs normal erschien. Heute musste ich  mein Auto in die Werkstatt bringen. Zurück an meinen Wohnort fuhr mich eine junge Frau-in einem desinfizierten Mercedes-Bus-, ich hinten, sie vorn am Steuer. Sie hätten keine Kurzarbeit, sagte sie, es seien alle da, und sie sei froh, dass sie überhaupt arbeiten könne. Manchmal, wenn ich mal wieder zu Hause bin, gucke ich aus dem Fenster wie diese alten Damen mit den weißen Ringellöckchen, die ich früher immer so belächelt habe. Ich beobachte, was draußen vor sich geht, wer vorbeidefiliert, mit oder ohne Sportstöcke. Wann die Arztfamilie von gegenüber spazieren geht, wann sie kurz auf den nächsten Hügel zum Schlittenfahren düst. Umgekehrt werde auch ich beobachtet, wenn ich zum Einkaufen losziehe oder meinen Partner besuche. Manche Nachbarn sehe ich nur noch selten. Aber ich höre es, wenn der Sohn Trompete spielt oder auf dem Schlagzeug herumtrommelt. Aber das wird alles immer seltener. Die alte Frau mit dem Rollator, die es sich bei gutem Wetter nie nehmen ließ, herumzufahren und die Frühlingsprimeln und Krokusse in meinem Garten zu bewundern oder auch mal auf ein Schwätzchen stehenzubleiben, hütet bei den Wetterverhältnissen lieber das Haus. Was wohl aus der anderen alten Damen geworden ist, die letztes Jahr beim Metzger neben mir stand? Mit der ich mich über das Rentendasein unterhalten habe, während sie einen Fünfkilobrocken Rindfleisch kaufte. Das Weihnachtsessen für die ganze Familie! Ja, es ist still geworden, und viele werden über zunehmende Antriebslosigkeit klagen.

Ich spüre diese Zermürbung ebenfalls. Aber ich weiß aus meiner beruflichen Zeit noch sehr gut, was hilft, wenn man angeschlagen ist. Nicht nur Ausschlafen, Erholen und Auftanken sind wichtig, sondern auch ein geregelter Tagesablauf. Für sich selber sorgen mit gutem Essen, interessanten Büchern und Filmen, Spaziergängen, Telefonaten und digitalen Kontakten. Nicht zu viele Nachrichten gucken, aber immer informiert sein. Auch wenn das nicht direkt nützt wie in dem Fall, dass das südafrikanische Virus jetzt im Zollernalbkreis angekommen ist. Es nützt nur zu wissen, dass ich selbst Teil dieses globalen Prozesses bin, bei dem sich Menschen auf der ganzen Welt dem gleichen Ziel verschrieben haben, nämlich diese Pandemie zu besiegen.




Und es sei eine humanitäre Leistung ungeahnten Ausmaßes, so hörte ich kürzlich in einer Sendung, dass sie sich dem Ziel verschrieben haben, ihre Alten und vulnerablen Gruppen zu retten. Ich habe auch noch eine ganz persönliche Methode gefunden, damit umzugehen. Immer, wenn ich Filme über Landschaften, Städte, Kunstschätze, Kirchen, Klöster sehe, wenn ich lese oder auch Wandersendungen sehe, habe ich so ein kleines Gefühl von Verlorenheit im Bauch. Selbst Wörter wirken als Trigger. Ich sehe das alles vor mir und sage mir dann, dass ich das alles, alles gehabt und gesehen habe. Bis ich mir die Fotos ansehe oder auch wieder schreibe, wird wohl noch eine Zeit vergehen.
Die Birnau am Bodensee

Bodensee



Leberblümchen am Donau-Wanderweg

Schloss Lindich bei Hechingen

Wanderung auf der schwäbischen Alb

Der Blautopf bei Blaubeuren

Alte Kapelle bei Grüningen

Schloss Bronnen

Küchenschellen

Hier bei uns ums Eck (Walddorf)

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