Dienstag, 2. April 2019

Kreative Werke als Gemeineigentum?

Steile Weinbergtreppe bei Herrenberg
Kürzlich habe ich an einer Diskussion über die Bücherflut teilgenommen, die über die Menschheit hereingebrochen ist. Man findet sie überall, an jeder Ecke, diese ausrangierten Bücher, die oft keiner mehr haben will. Die Antiquariate sind voll davon und die Bücherkisten bei den Adventsbasaren, sie quellen aus öffentlichen Bücherschränken, und manchmal stehen sie einfach so an der Straße "zum Mitnehmen." Auch online gibt es viele solcher Angebote. Ich kannte einen Laden, der sozial in Not geratenen Menschen eine Arbeitsmöglichkeit bot. Der musste irgendwann ein Schild an die Tür hängen mit den Worten: "Bücher in Kisten vor die Tür stellen verboten!" Ja, es gibt zu viele Bücher, und es gibt zu viele Autoren, die zu viele Bücher schreiben. Aber unabhängig davon gibt es zu viele Leser*innen, die meinen, kreative Menschen machten sich aus Jux und Tollerei jahrelange Arbeit mit Recherchen, Lektorat, Korrektorat und allem, was mit dem Schreiben eines Buches zusammenhängt. Das gilt auch für alle anderen Kreativen. Kreativität gehöre allen, war jüngst offiziell von einem Mitglied der Piratenpartei zu hören.

Im Gegensatz zu den Büchern, die kaum noch einer haben will, floriert der Piratenhandel mit neueren Verlagsbüchern weiterhin grandios. Gerade bin ich erschrocken, als ich bei Google nach langer Zeit mal wieder meinen Titel "Martinsmorde" aufrief. Anfangs tauchten da Buchhandlungen auf, in denen
der Titel vertrieben wurde, dazu Onleihe-Links, die den Krimi meinen historischen Romanen zuordneten und die auch fleißig ausgeliehen wurden. Inzwischen gibt es Dutzende von Anbietern, die es herunterladen und umsonst anbieten. Es waren mindestens zwanzig! Bei einer solchen Seite stand dabei:

Kostet normalerweise 3,99 Euro, jetzt können Sie eine Kopie umsonst beziehen!

Gestern habe ich das Lektorat meines neuen Schwarzwaldkrimis beendet und ans Lektorat geschickt. Es war eine hochbefriedigende, glückliche, anstrengende und langwierige Arbeit von einem dreiviertel Jahr. (Die Ideenfindung kann man noch mit zwei Monaten hinzurechnen.)
Die Lektorin schaut noch mal drüber, dann kommt er ins Korrektorat. In zwei Wochen gehe ich das noch mal durch, und vor Erscheinen korrigiere ich die Fahnen. Es wird beworben und bei Netgalley vorgestellt, da lesen Buchhändler, Blogger und andere Rezensenten mit. Viele Autoren machen auch Leserunden und vermarkten ihre Bücher im Netz. Ich bin immer wieder fassungslos, wie solche Raubkopierer zu einer solchen Einstellung kommen können! Dann müsste in deren Augen ja auch der Bäcker seine Brötchen umsonst hergeben, weil die Allgemeinheit die noch dringender braucht als Bücher. Ich verlinke hier mal auf meine Kollegin Annette Weber, die in etwa den klugen Satz gesprochen hat: Wenn sie in meinen Schuhen gehen, würden sie es begreifen.
http://annette-weber.blogspot.com/2019/03/gedanken-zum-urheberrecht.html

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