Montag, 15. August 2016

Heute schon gekleckert?

In diesen Hochsommertagen sind wir als Bürger, die der Arbeitsfront entronnen sind, viel unterwegs. Da lässt es sich nicht vermeiden, bei einem Ausflug dann am Abend den knurrenden Magen füllen zu müssen. Ich gebe einmal drei Beispiele zum Besten: Neulich, im fränkischen Weißenburg, kamen wir am Nachmittag an, mit nur einem Croissant im Magen, den eine mürrische Bäckerin uns um 12.00 servierte, während die Kollegin schon draußen die Stühle mit einer Kette verriegelte. Fast zittrig vor Hunger liefen wir in einer Gaststube ein, die endlich um 18.00 geöffnet hatte. Es gab zweierlei Braten, nämlich Schweine- und Kalbsbraten mit dunkler Soße, Salat und Kartoffelknödeln. Normalerweise schaffe ich nur einen halben bis einen Knödel, diesmal waren es zweieinhalb. Und - es passierte nichts! Es ist nämlich so, dass mir manchmal ein kleines Malheur, besonders mit Soße und Salat, passiert. Schon als Fünfjährige in den Familienferien an der Nordsee musste ich mit Sonderlätzchen essen, daran erinnere ich mich noch genau. Vorgestern gab es wieder Salat, und zwar einen Kartoffelsalat vom Feinsten, in einem Gasthaus in der Nähe, das seit Jahrzehnten allerbeste Qualität liefert. Den Kartoffelsalat geben die Schwaben gern dem gemischten Salat zu, selbst wenn er als Beilage zu Linsen, Spätzle und Saitenwürstle dient. Dieser war die Beilage zu einem kleinen Schnitzel mit Pommes. Und siehe da, natürlich purzelte etwas Kartoffelsalat auf meine Hose. Besorgte Blicke meines Gegenübers. Die Flecken kann man, wenn es warm ist, später an einem Brunnen auswaschen. Und es hat auch keiner gemerkt. Drittes Beispiel: Ein Gasthaus an der Oberen Donau, das uns bisher ebenfalls nie enttäuscht hatte. Eine Salatpatte von der Reichenau, das klang gut und war dem heißen Wetter angemessen. Zu meinem Entsetzen waren der Karottensalat und der Krautsalat süß! Da steckten auch irgendwelche Obstbrocken aus der Dose drin. Dafür war der Kartoffelsalat sauer. Vor lauter Schreck fielen mir gleich bei den ersten Bissen Kartoffel- und Möhrensalatteile in den Schoß. Strafende Blicke meines Gegenübers. Doch dann musste er zugeben, dass dieser Salat wirklich verhunzt war. Doch das Kleckern, sah das nicht irgendwie behindert aus? Haben nicht schon alle rübergeschaut, weil diese Dame sich einfach nicht benehmen kann? Trotz hängender Nase gab ich der Bedienung auf die Frage, ob es recht gewesen sei, zur Antwort: Der Kraut- und der Karottensalat waren zu süß. Mit süßsäuerlicher Miene trug sie die Reste in die Küche und kam zurück mit dem Bescheid: Der Karottensalat sei mit Ananas angemacht gewesen. Andere Gäste hätten das heute schon vielfach gegessen und sich nicht beschwert. Und wieso der Krautsalat ...? Das hätte sich wohl vermischt, ein Wort gab das andere, wobei die Haltung gewahrt bleiben musste. Wir dampften ab mit dem Plan, dieses Gasthaus nie wieder zu besuchen.

Der langen Rede kurzer Sinn: Heute wollte ich herausfinden, was es mit diesem Kleckern eigentlich auf sich hat. Und stieß natürlich sofort, nein, nicht auf eine Studie, sondern auf den Erfahrungsbericht eines Journalisten, der zugibt, bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten zu kleckern. Das große Kleckern Es liege nicht an persönlicher Schussligkeit, lese ich da, sondern an der Fast-Food-Mentalität. Immer schnellschnell alles und natürlich sofort, Essen auf der Straße ist mega-in. Da könnte was dran sein, denn wenn ich früher einen Döner aß, schüttelte sich mein Sohn immer aus vor Lachen. Sollte ich die Kartoffelscheiben vielleicht lieber aufspießen, statt sie auf der Gabel zu balancieren? Und mir für Soßen und Salat einen Löffel geben lassen? Bei bäuchigen Menschen lande das Kleckergut waagerecht, bei Schlankeren meist auf der Hose, schreibt der Journalist. Und die Queen vermeide es grundsätzlich, Spagetti zu essen, womit sie sich um einen der Genüsse unserer Welt bringe. Ich habe auch aufgehört, mir weiße Soße auf den Döner geben zu lassen. Und ich werde nie wieder einen Berliner mit Messer und Gabel essen, auch wenn die Bedienung das Besteck auffordernd neben den Teller legt. Das war vor längerer Zeit im Schwarzwald. Und ja, zuguterletzt noch die Story beim Griechen, als der Saft der Zitrone, die ich hoffnungsvoll über dem duftenden Fisch ausdrückte, im Auge meines Gegenübers landete. Hahaha! Darüber lachen wir noch heute.
Wenn das Sitzen zu viel wird

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