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Samstag, 23. Mai 2026

Eden und die Tragödie des einsamen Wals

 


Gestern Abend habe ich mir ein paar Notizen zu einem Buch gemacht, das ich gerade lese: "Eden" von Marc Elsberg, ein spannender Öko-Thriller, der es genauso in sich hat wie "Das fahle Herz des Sommers". Darauf gekommen bin ich durch eine Sendung von Denis Scheck. Einzig etwas eckig zu lesen sind die vielen Anglizismen und der fast zu schnelle Perspektivenwechsel. Also. Es ist ein informativ aufbereiteter Thriller, der Kampf zwischen Geldhaien und den Bewahrern unserer Welt. Ich wusste nicht, dass der brasilianische Regenwald vor allem für riesige Sojafelder gerodet und niedergebrannt wird, die bei uns und überall an Rinder, Schweine und Hühner verfüttert werden. Zwischendurch denke ich immer an Dinge, die mir in den letzten Jahren aufgefallen sind. Warum sind so viele Vögel verschwunden, Salamander, Regenwürmer? Warum fliegen so viel Milane, die am liebste Ass fressen? Die Schwalben, sind weg, Spatzen begegnen mir nur noch beim Bäcker draußen, wo sie auf die Tische geflogen kommen, um nach Brosamen zu schnappen. Auch Tauben watscheln gurrend und neidisch herum. Ich weiß jetzt, warum der Wal in die Ostsee geschwommen ist: Weil das Plankton im Atlantik immer mehr abnimmt! Überwärmung, Plastik, extreme Fischerei. Hier im Schwarzwald sah ich vorgestern noch meilenweit geusnde Bäume, Buchen und Weitannen, und die Vögel hörte man bis ins Auto hinein zwitschern.

" Bis 2050 wollen wir klimaneutral sein, aber die weltweite Plastikproduktion soll sich bis dahin vervierfachen!! In jedem Kaff muss man heute 30 fahren, derweil die Flugzeuge und Ozeanriesen unbehelligt weiterfahren, obwohl sie vor den Autos die größten Umweltverschmutzer sind. Und seit ich weiß dass für die Shrimpanzucht jeden Tag Mangrovenbäume abgeholzt werden, sind die von meinem Speisezettel gestrichen. Ich habe noch ca. sieben Stunden Lesezeit vor mir, mal sehen, was ich sonst noch alles erfahre! Die Fische, die Wale und Kraken sind ja schon an die Oberfläche gekommen.

                    


                                          

Donnerstag, 25. Januar 2018

Eine Frage des Alters?

Figur am Portal des Heilig-Kreuz-Münsters in Schwäbisch Gmünd
Ändert man im Lauf des Lebens seine grundsätzlichen Einstellungen? Entwickelt man, wenn man älter wird, einen Blickwinkel, den man zwangsläufig mit anderen teilt? Diese Frage stellte sich mir heute nach einer (teilweise) schönen Tour ins Remstal (Lorch, Schwäbisch Gmünd). Warum sie nur teilweise schön war, erschließt sich aus dem Folgenden. Danach kehrten wir im Luginsland in Stuttgart ein, wo wir fast immer absteigen, wenn wir in der Gegend sind. Es ist die Kinderheimat meines Lebensgefährten, der in der Nachkriegszeit in den Weinbergen herumstreifte, zur Schule ging und in den Räumen der Zeitung Tarzan-Comics verschlang. Das erste Mal war ich an einem Ostermontag 1999 in der Gegend gewesen. Wir waren einen Weg durch blühende Obstbäume ins Weindorf Uhlbach hinunter gestiegen und hatten in einem Kastaniengarten schwäbischen Rostbraten zu uns genommen, in Gesellschaft eines älteren Ehepaars, sie mit einem bezaubernden, duftigen Hut. Dieses Gasthaus Luginsland ist eine Oase im Getriebe der Stadt. Mein Partner hat hier schon als kleiner Junge Zigaretten für den Vater holen müssen, und das grundsätzliche Aussehen und die Philosophie haben sich niemals verändert. Man isst gut bürgerlich, und abends sitzen die Leute gemütlich am Stammtisch zusammen. Nach dem sehr guten Kalbsschnitzel in Rahmsoße mit Pilzen, natürlich mit Spätzle, stellte uns der Ober (eine absolute, zurückhaltend-humorvolle Koryphäe!) eine Frau vor, die in derselben Straße wohnte wie mein Partner damals als Kind. Tatsächlich stellte sich heraus, dass ein Klassenkamerad von ihm samt Frau und Sohn noch dort wohnt (nach über sechzig Jahren!) Die Frau musste sehr lachen über die Erzählungen meines Lebensgefährten. Und stimmte zu, dass der Stadtteil Luginsland nach Fellbach hin dermaßen grausig überbaut worden ist, das niemand, der damals hier gelebt hat, es wiedererkennen würde. Das hatten wir auch auf dem Weg ins Remstal gesehen. Es gibt nur noch Inseln von Feldern und Äckern zwischen den langgestreckten Industriegebieten, und hinter Schwäbisch Gmünd herrschte der Verkehrsinfarkt. Sind wir nur empfindlicher geworden mit der Zeit, würde es uns nichts ausmachen, wenn wir jünger wären? Ich glaube es nicht. Ich weiß noch, wie ich mit meinen Freundinnen im Alter von etwa elf Jahren durch die Wälder und Schluchten von Wassersleben bei Flensburg streifte, fern unter uns die blaue Flensburger Förde. Bei der Vorstellung, dass eine Schnellstraße vorbei an unserem Backsteinhaus mit dem großen Garten vorbeiführen sollte, damit die Leute schneller zum Einkaufen nach Dänemark kamen, litten wir tausend Tode. Denn in dem Garten gab es Igel und in der Ecke mit den Buchen Krause Glucken, und nachts stiegen die Rehe über den Zaun und fraßen meinem Vater die Rosenkohlköpfe weg. Im Wald dahinter gab es einen Findling oder Menhir, es gab verschlungene Wege durch dichte hohe Ilexbüsche und Blätterkuhlen, in denen man Winterschlaf halten und im Frühling wieder aufwachen konnte. Im Lauf der Jahre beobachtete ich in allen Städten, in denen ich lebte, wie immer mehr Natur und Gärten in Autoparkplätze, Industriegebiete und Kaufhäuser umgewandelt wurden. Im internationalen Kindergarten, in dem ich arbeitete, hatten wir zwei Bücher, die hießen: "Hier fällt ein Haus, dort steht ein Kran, und ewig droht de Baggerzahn" und "Alle Jahre wieder saust der Presslufthammer nieder". In Folge von Gartenschauen (wie 2012 in Nagold) schießen neue Wohngebäude in die Höhe, immer unter dem sozialen Deckmantel des bezahlbaren Wohnens. (Was sich meist schnell verflüchtigt). Die Menschen mauern sich ihre Grundlagen zu, sie versiegeln ihre Ressourcen, wundern sich über die Unwetterkatastrophen und fallen massenhaft in den Naturpark Nordschwarzwald ein, um sich von den Folgen dieses Missbrauchs zu erholen. Und das ist etwas, das wir wohl schon als Kinder erkannt haben, als wir ein Gespür für unsere Umwelt entwickelten. Heutige Kids können das vielleicht gar nicht mehr, weil sie nichts anderes kennen als Glas und Beton. Neulich habe ich sogar gedacht: Ob der Wolf, über den ja gerade so viel diskutiert wird, in einer solchen Umwelt überhaupt leben möchte? Hier ganz in der Nähe wurden ja auch schon Risse gefunden, es wurde einer totgefahren und einer erschossen. Nicht der Wolf ist eine Gefahr für den Menschen, sondern der Mensch eine Gefahr für den Wolf.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Irrenhaus

Der Blogbeitrag Vollidioten von Petra van Cronenburg drückt genau das aus, was ich seit Längerem empfinde: Noch nie wurden die Geschicke der Welt von so vielen selbstverliebten Sandkastenspielern und Vollidioten bestimmt wie heutzutage. Dazu kommt noch der größte Massenmord in der Geschichte der USA, begangen von einem Rentner-Millionär und Waffenfetischisten. (Dass der Vater Bankräuber gewesen sein soll, erhärtet nicht unbedingt die Erbtheorie, sondern eher das schlechte Vorbild der Gewalt). Ich gehe sogar einen Schritt weiter: mit der Annahme, dass die Welt nicht nur eine der Vollidioten, sondern ein komplettes Irrenhaus ist, in dem sich die Insassen selbst und gegenseitig die Äste absägen. Ich brauche nur einmal die Zeitung von heute aufzuschlagen und an die Nachrichten der letzten Zeit zu denken: Im vergangenen Jahr wurden im Südwesten täglich fünf Fußballfelder Landschaft für Baumaßnahmen vereinnahmt, weniger zwar als noch vor fünfzehn Jahren, aber genug, um die Gegend immer unbewohnbarer zu machen. 150 Millionen Plastikmüll treibe in denMeeren, sagt die Sprecherin der Tagesschau gerade. Mehr Plastik als Fisch. Die Nachrichten sind mehr und mehr Gewaltnachrichten. Und solche vom Zurückschlagen der Natur. Abspaltung statt Gemeinsamkeit beim Bewältigen globaler Probleme. Die wahren Irrenhäuser sind übrigens diejenigen, in denen Menschen Schutz vor den Irren der Welt geboten wird.

Doch ich sehe auch Gegentrends.Tausende von neuen Parteimitgliedern, ein junger Mann, der mit seinem Fahrrad und hölzernem Wohnanhänger durchs Ländle radelt, neue Initiativen gegen Gewalt und Armut. Naturschutz und Nachhaltigkeit, Aufklärung und Besonnenheit, Biotope. Künstler, die schon immer auf diese Problme hingewiesen haben und nur von wenigen gehört wurden. Ein Förster hat ein Buch über Bäume geschrieben, das weltweit zum Bestseller wurde und immer noch ist. Spontan fällt mir das Lied "Keep out, we are toxic" von Snowie White ein-Außerirdische, die unseren Planeten besuchen wollen und mit diesem Ruf empfangen werden. Die Frage ist berechtigt: Was für Bücher soll man für eine solche Welt noch schreiben? Man kann sie schreiben, um diejenigen zu unterstützen, die unter den gegenwärtigen Zuständen leiden. Man kann sie schreiben, um gegenwärtige Zustände zu dokumentieren und in Zusammenhang mit vergangenen zu bringen.

Man kann Initiativen persönlich oder finaziell unterstützen. Man kann mit wachen Augen und Ohren und Nase durch die Natur gehen, dem nachspüren, was sie ist und was sie braucht. UNS AUF JEDEN FALL NICHT! Sie bricht sich Bahn durch Stein und Beton und wird uns überleben.