Dienstag, 20. Januar 2015

Amazon, unser großer Buch-Discounter

Vorhin schalteten wir zufällig eine Doku über einen Discounter-Check im Zweiten ein. Wie gut sind unsere Lebensmittel? So etwas schaue ich mir liebend gern an, weil es immer was zum Lachen, zum Staunen und zum Lernen gibt. Sternekoch Nelson Müller hat jeweils im Supermarkt, im Fachhandel und in den Discountern wie Netto, Aldi, Lidl und Penni eingekauft, um die Lebensmittel zu checken und jeweils identische Menüs daraus zu bereiten. Wer die Sendung versäumt hat und sie sich gern noch einmal ansehen möchte, kann das mit dieser Aufzeichnung tun. Aldi, Lidl und Co. Es gibt bestimmte Dinge, die man im Discounter kaufen kann - wie Kaffee, Nudeln, Tiefkühlware. Die Finger lasse ich schon lange von Fertigprodukten, weil da getrickst und getäuscht wird, dass es kracht! (siehe die Scheibletten, die nur einen Rest an echtem Käse enthalten oder den Vanillepudding, wo alles drin ist, nur keine Vanille). Enthalten sollte man sich auch des frischen Fleisches, des Fischs und der Nudelkreationen aus den Kühltheken. Sie befanden sich beim Test zwar am Rand der Frische, fielen beim Essen jedoch stark ab im Geschmack. Ja, das weiß ich doch schon sehr lange, dass alles Abgepackte nicht schmeckt! Je weniger Zutaten auf der Liste, desto naturbelassener die Lebensmittel.

Später ging es dann um die faire Herstellung. Ein Landwirt erzählte, dass eines Tages Aldi an ihn herangetreten sei, damit er massenweise Eier für den Discounter produziert. Er hatte dann vergrößert und schuftete wie verrückt. Eines Tages kam Aldi daher und gab dreißig% weniger für die Eier. Seitdem schuftet der Landwirt weiter und weiter und wäre heute ruiniert, wenn er nicht wieder verkleinert hätte und heute an verschiedene kleinere Betriebe liefern würde.
"Erst hat er uns abhängig gemacht", erzählt der Landwirt, "um dann mit niedrigeren Preisen zuzuschlagen". Aha, dachte ich, auch wenn Amazon als Discounter Ware liefert, die dem der Buchläden in nichts nachsteht, entzieht er jetzt doch seinen Produzenten, den Autoren, einen Teil der Basis. Plötzlich ist eine Flatrate da, und wir bekommen nur noch den halben Preis für unsere Ware. Sollten wir nicht auch viele kleinere Händler beliefern, anstatt uns von einem Monopolisten mit riesiger Marktmacht abhängig zu machen? Ich habe doch sonst oft die Spürnase. Im Discounter habe ich schon echt gute Schnäppchen entdeckt, was mir in dieser Sendung bestätigt wurde: Das Schweizer Rösti von Aldi ist super, auch wenn es in Stuttgart oder Hamburg hergestellt wurde, die Spezialitäten aus den Ländern sind immer dann gut, wenn sie aus dem wirklichen Herkunftsland kommen-die griechischen weit besser als die Thai-Suppen und Eintöpfe, die den thailänischen Köchinnen nur ein Kichern abringen können. Und auch der alpenländische Schnaps sei nicht zu verachten. Zunehmend sehe ich auch Bücher in den Supermärkten und Discountern, meist superbillig. Discounter sind Flatratemaker, die immer billig suggerieren, obwohl wir das mit unseren Steuergeldern subventionieren. Amazon subventioniert mit den Tantiemen der Autoren. Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen. Nur das Lektorat, das Korrektorat, das Marketing und das professionelle Cover hat es nicht mitgeliefert. Wenn ich doch diese Spürnase für gute Dinge habe: Warum finde ich diese vielen kleineren Abnehmer nicht für meine "Ware Buch", für die ich ebenso lange und sorgfältig gearbeitet habe wie viele der Lebensmittellieferanten?

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