Montag, 13. April 2015

Neue Zielgruppen? Ein Blick über den großen Teich

In den letzten Tagen habe ich entdeckt, dass es im United Kingdom und in den USA eine Interessengruppe von Schülern, Studenten, Hausfrauen und kulturbegeisterten Menschen zu geben scheint, die mein Ebook "Teufelswerk" suchen, verschlingen, sich davon berühren lassen, es drei- oder neunmal lesen, um immer wieder Neues zu entdecken. Ihr Leben habe sich dadurch verändert, heißt es, es sei ein Meisterwerk, das beste Buch, das man je gelesen habe! Ein Hype, und überhaupt das beste Buch von mir. Da erscheint immer wieder jemand, der andere bittet, ihm eine billigere Möglichkeit zu nennen, an das Buch heranzukommen. Jedesmal wird dann davor gewarnt, eine Piratenplattform aufzusuchen, weil man sich dort Viren einfängt, ins Gefängnis kommen könnte und den Autor nicht unterstützt. Schließlich hätten wir, die Autoren, Jahre unseres Lebens, Zeit, Recherchen und Geld in unsere Bücher gesteckt. Ich hätte mich ja schon öffentlich beklagt, dass man mir meine Bücher kostenlos runterlädt. (Unsere Aktivitäten sind also nicht unbeachtet geblieben!). Zitat: "Please support the author of the book you want. If you want the individual author to write more books you should really pay them, instead of commiting to piracy that could very well land you in jail for a long time." Als Alternative wurde dann eine Onlinebibliothek genannt, wo man für wenig Einsatz die Bücher ausleihen könne. Nur: Das schlägt sich bei mir überhaupt nicht nieder, ich bekomme keinen Cent - und in den letzten drei Monaten gab es nur einen einzigen Verkauf ins Vereinigte Königreich!

Jeder Autor hört es gern, wenn man seine Bücher gern liest und sie liebt. Dieses Bewusstsein kann er aber abhaken, wenn er es nirgends in seinen Abrechnungen entdecken kann. Diese Zielgruppe wünscht sich offenbar, dass ich meine Werke günstiger anbiete. Das kann ich aber nicht, ohne mir selbst zu schaden. So wird es für das nächste Buch "Nacht des Wolfes", einen Kriminalroman aus dem 18. Jahrhundert, wohl wieder eine 99-Cent-Aktion für eine Woche geben, danach gilt der reguläre Preis wie für das "Teufelswerk". Ein paar hundert Euro habe ich schon hineingesteckt in das neue Buch, das Korrektorat wird demnächst abgeschlossen sein, dann kommen noch Kosten fürs Cover und für die Vermarktung, die müssen sich ja wieder einspielen. Das "Teufelswerk" war ein Verlagsbuch, das von einer Agentur angeboten, überall abgelehnt und später in einem Kleinverlag veröffentlicht wurde-mit mäßigem Erfolg. Ich habe es selbst noch einmal mit neuem Cover und Klappentext herausgegeben und bin mit der Sichtbarkeit und den Verkäufen bisher zufrieden gewesen. Das Verlagsbuch wird nun nach dreieinhalb Jahren für 5,-Euro verramscht, bei einem ursprünglichen Preis von 14,90. Es selbst zu veröffentlichen war die beste Möglichkeit, noch einmal neue Zielgruppen zu erschließen, diese Bilanz kann ich nach einem Dreivierteljahr ziehen.

Noch ein Hinweis in eigener Sache: Bei Travel Card werden meine Bücher als "Reiseliteratur Christa S. Lotz" geführt, teilweise nicht verfügbar, in einem Fall für 3,99 Euro statt 6,99 Euro wie vom Verlag festgesetzt. Was soll ich nun davon halten?

Kommentare:

Alex hat gesagt…

Gratulation zum Erfolg jenseits des großen Teiches. Ich würde mich "von und zu" Schreiben. Das ist doch phantastisch. Ich hoffe, dass sich manche Lektoren von Großverlagen bald ordentlich ärgern. Weiterhin viel Erfolg, wünscht Alex

Christa S. Lotz hat gesagt…

Schön, mal wieder von dir zu hören, Alex! Damals hatte eine Lektorin vom Wunderlich Verlag großes Interesse daran, hat ihn aber dann doch nicht genommen. Ist auch gut so, denn in den Jahren seitdem konnte er noch ordentlich reifen. Ich erinnere mich übrigens an deinen Pragroman und die Umstände, denen er ausgesetzt war. Jetzt erscheint er also als Ebook und von dir selbst als Print, gratuliere ebenfalls! (In Alexanders Blog "Stzkrumen" nachzulesen). Dir auch viel Erfolg wünscht
Christa

Sabine hat gesagt…

Ja, da kann ich mich doch nur anschließen, das ist fantastisch, Christa! Ich möchte laut Hurraaa rufen, und tu das hier einfach mal :)
Und Alex winke ich auch mal gleich zu - und Toitoitoi!

Liebe Grüße
Sabine

PvC hat gesagt…

Liebe Christa,
zu deiner Shopfrage (sowas würde ich nie öffentlich fragen): Das führt auf Amazon und wird also von denen direkt gespeist. Kannst du durch einen Klick selbst herausfinden. Viele Firmen haben nebenher einen Amazon-Partnershop, sei's um Stichworte und Klicks fürs SEO zu produzieren (darum stimmen die dann nicht unbedingt), sei's, um Geld zu verdienen. "Die Nonne und die Hure" kostet bei Amazon natürlich den Normalpreis, ist aber derzeit gebraucht ab 3.99 zu haben.

Mit den frohlockenden Fans in Übersee wäre ich bei der Bewertung vorsichtig. Was man so bei Google auf Anhieb findet, sind "umkleidete" Amazonshops oder Billigheimer-Portale. Letztere gibt's inzwischen für alle Themen, oft unter dem Vorwand des Lernens (weil da in den USA die Urheberrechte lascher sind als unsere!) - und da geht's nur drum, möglichst billig Bücher abzugreifen. Oder versteckt und durch die Blume kostenlos zu verteilen. Wer sowas nutzt, weiß, wie's funktioniert ;-) In England sind Clubs für Gratisbücher etc. absolut hip.

Wenn's *echte* Fans mit Kontaktmöglichkeit sind, sprich sie doch an und mach ein wenig PR?

Herzlichst, Petra

Christa S. Lotz hat gesagt…

Sabine: Danke schön, und dir auch weiterhin viel Spaß und Erfolg!

@Petra: Du hast recht, das mit dem Shop hätte ich auch selbst herausfinden können. Und mir ist auch bewusst, dass das Portale sind, an dessen Webseiten oder Emailadressen der Besucher man gar nicht herankommt. Deshalb auch immer der Verweis darauf, die Autoren zu unterstützen und nichts umsonst runterzuladen, um sich nicht strafbar zu machen. Für mich war es allerdings ein Vorbeimarsch, die Kommentare zu lesen, auch die paar negativen."Das Buch war schrecklich, aber ich musste es zu Ende lesen!"
Oder "In einem der Charaktere habe ich mich wiedererkannt. Ich träume davon, mit der Autorin zu sprechen."
Da hätte sie nur in meinen Blog zu schauen brauchen, dann hätte sie gewusst, was ich von solchen Sprüchen halte, nämlich: Davon kann ich mir nichts kaufen bzw. kein neues
Ebook herstellen. Das mit dem Lernen bestätigt ein Senior, der meinte: "Dieses Buch ist wichtig für die Jugend." Und so weiter,"habe bis 4.00 morgens gelesen","konnte die Tränen nicht zurückhalten", das hat mich schon nicht kalt gelassen. Wenn schon sonst niemand etwas sagt,dann wenigstens diese. :-) Und eins habe ich auf jeden Fall daraus gelernt: Auch in Übersee werden deutsche Ebooks gelesen!

Herzlichst
Christa

PvC hat gesagt…

Liebe Christa,
jetzt bin ich ehrlich gesagt etwas verwirrt. Wenn diese Leute solche Kommentare geben, dann HABEN sie ja dein Buch gelesen, ergo irgendwie kaufen müssen? Und selbst wenn Leute via Kindle Unlimited oder über andere seriöse, offizielle Kanäle (!) ausleihen, dann werden von solchen Fans immer welche irgendwann auch kaufen oder weiterempfehlen und andere kaufen.
Ich würde da andersherum denken und die Zitate als Leserstimmen nutzen für die Öffentlichkeitsarbeit!
Herzlichst, Petra

Christa S. Lotz hat gesagt…

Offensichtlich werden die Bücher aus einer Online-Bibliothek ausgeliehen, und das wird dort auch empfohlen. Klar, dass ich dann nichts davon merke. Ja, eigentlich könnte ich das sogar zu Werbezwecken nutzen, in etwa:
User in Soundsoforum hat das und das darüber gesagt.


Herzlichst
Christa

Alex hat gesagt…

Ich habe zwar einen Ebookreader und kindle Software auf dem Tablet, muss aber sagen, dass ich nicht weiß, wie das mit der Online-Ausleihe überhaupt funktioniert.
Allerdings habe ich auch so noch genug zu lesen..

Christa S. Lotz hat gesagt…

Bisher hatte ich offensichtlich falsche Vorstellungen über die Onleihe zum Beispiel bei Amazon. Ich dachte, man könne da monatlich tausende ausleihen, gegen eine Gebühr. Jetzt habe ich es mir bei KDP select einmal genau durchgelesen. Man kann ein Buch im Monat frei ausleihen und dabei aus 800 000 Titeln wählen. Das geht bei Kindle E-Ink über "all categories", bei Kindle fire über den Bookshop. Ist offensichtlich nicht so gut angekommen, wie sich Amazon erhofft hatte - das merke ich auch am Verhältnis zu den Verkaufszahlen, die seit Januar wieder gestiegen sind. Als Self Publisher bekomme ich einen Obolus davon, und die Ausleihe macht sich auch im Ranking bemerkbar.

In der englischsprachigen Onlinebibliothek kann man offensichtlich auch frei ausleihen, oder aber man zahlt 70 Pence pro Buch, wie ich gesehen habe. Meine Bücher sind außerdem in vielen deutschen Onlinebibliotheken. Davon habe ich aber null komma nada,weil die VG Wort das nicht in ihre Tantiemenverteilung aufgenommen hat. Sie teilten mir mit, dass nur DRM-befreite Bücher vergütet werden. Inzwischen sind die meisten DRM-befreit, aber es rührt sich immer noch nichts. Fazit: Diese Bibliotheken und Foren sind ein Mittel, um bekannter zu werden, was den Verdienst betrifft, guckt der Autor in die Röhre. Das wissen viele
nicht, die sagen: Oh, kann ich ja ausleihen, damit unterstütze ich den Autor.

PvC hat gesagt…

Liebe Christa,
nur der *deutsche* Autor guckt in die Röhre, weil es die VG WOrt nicht nur nicht fertigbringt, Bibliothekstantiemen aus der deutschen Onleihe abzuführen. Sie schafft es außerdem nicht, endlich E-Books anzuerkennen und mit ausländischen Systemen Verträge abzuschließen. Nur deshalb gehst du leer aus!

In anderen Ländern läuft das viel besser. Hier in Frankreich haben z.B. die Verwertungsgesellschaften längst einen Vertrag mit youtube - ergo werden die Künstler für Aufrufe dort bezahlt. Und so ist das auch mit Bibliotheken im Ausland.
Die LeserInnen im Ausland, die darauf hinweisen, dass die AutorInnen beteiligt würden, haben also recht. Sie wissen nur nicht, dass die VG Wort der Zeit hinterher hinkt. Bei der sollte man sich beschweren, nicht bei den LeserInnen. ;-)
Herzlichst, Petra

Christa S. Lotz hat gesagt…

Liebe Petra,

ich habe mal ein bisschen bei der VG Wort und anderswo recherchiert. Bei der VG Wort hat sich nichts verändert-Tantiemen kriegt man nach wie vor nur für Verlagsbücher, die in Bibliotheken stehen und unter bestimmten Aufrufbedingungen für Blogbeiträge und andere Texte im Internet. Dann habe ich eine Stellungnahme des Deutschen Bibliotheksverbandes gefunden. Da geht es scheinbar immer noch darum, dass Ebooks den Printbüchern gleichgestellt werden sollten und die Bibliotheken das Recht haben müssten, sich mit Ebooks zu versorgen, denn bisher müssen die Verlage offenbar ihr Einverständnis dazu geben. Die größte E-Bibliothek sei übrigens die Onleihe, bei der ich
auch überall meine Verlagsbücher finde.

Herzlichst
Christa

PvC hat gesagt…

Das stimmt auch nicht so ganz, liebe Christa, die VG Wort schüttet sehr wohl auch für *Druckwerke* im Selfpublishing Bibliothekstantiemen aus, Voraussetzung natürlich, dass diese in den Referenzbibliotheken vorkommen und pro Jahr in einer Mindestmenge verkauft werden. Nur erreichen die meisten Selfpublisher die Mengen nicht. (Ich habe die Zahlen leider nicht mehr im Kopf, erinnere mich an irgendetwas zwischen 500 und 800, aber das ist eher geraten als gewusst).

Immer mehr deutsche Bibliotheken wenden sich außerdem vom rigiden System der Onleihe ab (die von dir gennnten Gründe), zumal ihre Kundschaft auch nach Büchern von Selfpublishern verlangt. Die meine etwa kooperiert mit Ceebo - ergo können hier *alle* E-Books verliehen werden, die via Distributor auch bei Ceebo landen - egal, ob Verlag oder SP.

Herzlichst,
Petra