Mittwoch, 30. Mai 2012

Der Autor-armes Würstchen oder Held?

Haus von Peter Thumb (bedeutender süddeutscherKirchenbauer) in Hilzingen
Eine absolute Bestsellerautorin berichtete einmal, auch sie müsse manchmal ein hallbes Jahr auf einen Vertrag warten. Was für sie gilt, gilt noch viel mehr für mich: Das würde bedeuten, dass ich spätestens im Oktober wissen muss, ob mein letztes Projekt nun vom Verlag übernommen wird oder nicht. Bekomme ich keinen Vertrag, stehe ich da mit meinem unlektorierten Manuskript. Das könnte ich dann für ein paar tausend Euro lektorieren lassen und selber als E-Book veröffentlichen, in der Hoffnung, die Kosten auch nur ansatzweise wieder hereinzubekommen. Bekomme ich einen Vertrag, bekomme ich auch ein Lektorat, einen Vertreter, der es in die Buchhandlungen trägt und einen Platz auf dem Stapel/ dem Regal. Wenn ich Glück habe wie schon zweimal, verkauft es sich in kurzer Zeit, eine 2. Auflage erscheint. Dann wird es stiller ums Buch, es taucht noch vielerorts im Internet auf und in den Plattformen, wo man es sich umsonst runterladen kann. Doch diesmal wird die Auflage kleiner sein, die Buchhändler wissen nicht so genau, wie sich das Kaufverhalten der Leser und Leserinnen entwickelt. Aus eigenen Beobachtungen weiß ich, dass man gern zu dem greift, was vorne steht oder zum "Weinkrimi, Wein ist immer gut." Soll das ewig so weitergehen? Was ist mit meinem untergegangenen ersten Roman? Ich merke, ich wiederhole mich. Aber ist Schreiben nicht an sich eine Wiederholungstat?

Das ist Jammern auf höchstem Niveau, bekomme ich zu hören. Du hast alles erreicht, was du wolltest! Wenn du so weitermachst, wirst du noch ausbrennen, dazu hast du doch in deinem Stammberuf ausreichend Gelegenheit! Nein, ich will nicht ausbrennen. Ich will einfach nur schreiben. Wenn ich nur renne und mache und jetzt ganz schnell E-Books herstelle, nur um den Zug nicht zu verpassen, bin ich ein armes Würstchen, denn ich verliere dabei Zeit und Geld. Wenn ich weiter beobachte und schaue, dass ich mein nächstes Buch plane und schreibe, bin ich zumindest jemand, der sich von den Strukturauflösungen allenthalben nicht schrecken lässt. Wenn ich nur auf die Verlage baue, werde ich wahrscheinlich ein armes Würstchen sein und bleiben. Wenn ich mehrgleisig fahre, könnten ich - und andere - einen Gewinn davon haben.