Ich kann schreiben, habe aber keine Ressourcen, mich selbst zu vermarkten, deshalb wollte ich immer meine Texte sprechen lassen. Für wen habe ich denn geschrieben in all den Jahren? Für viele, von denen ich nur weiß, dass ihnen die Präsentation im Buchhandel gut genug gefallen hat, um das Buch zu kaufen. Ein Autor sagte mal, stellt euch einen riesigen Platz vor, auf dem die Leute stehen, die euer Buch gekauft und zum größten Teil auch gelesen haben. Doch ist das Schreiben bekanntlich schon immer ein einsames Geschäft gewesen, so dass ich nicht weiß, ob denn den Lesern das Buch auch gefallen hat. Ich selber schreibe so gut wie nie Rezensionen, habe auch nie so viele erhalten wie viele meiner historischen Autorenkollegen, ich mag keine Liebesromane, wie schon gesagt, und ich mag auch keine zehn Seiten langen Dialoge. Deshalb tue ich mich immer schwerer damit, zielgruppengerechte Romane abzuliefern. Eigentlich bin ich schon seit Langem, wenn nicht schon seit dem dritten Buch, im falschen Genre unterwegs, nämlich dem der historischen Liebesromane. Wer oder was hat mich nur dazu gebracht? Es war der Mister mit der Verkaufswaage in der Hand. Ich mag nicht so schreiben, wie es für historische Romane vorgeschrieben ist. Deshalb schreibe ich gerade so, wie mir der schreiberische Schnabel gewachsen ist, und es bringt von Tag zu Tag mehr Spaß. Ich erfinde mit meinem Testleser neue Szenen, wo die alten nichts taugten, lege seine Worte in den Mund der Protagonisten. Jeden Tag, jeden Abend bin ich außerordentlich glücklich, wenn ich meine Seiten geschrieben, wenn ich durch langes Nachdenken beim Autofahren, bei der Hausarbeit, auf dem Sofa und am Computer die Fortsetzungsszenen meines Romans ausgedacht und niedergeschrieben habe. Nein, ich lasse mir von niemandem mehr sagen, was ich zu schreiben habe oder was ich zu tun habe, um das von mir Geschriebene zu verbreiten. Es war ein Fehler, zwei Romane auf einmal herauszubringen, das können nur absolute Profis. Ich kann nichts tun außer schreiben, und will auch nichts anderes tun. Für wen habe ich ganz konkret geschrieben, was weiß ich, was fällt mir da ein? Für Autorenfreunde erst, für meinen Partner, für einen Sprachwissenschaftler, für einen Theologen, einen Archivar, für Lektoren, Kolleginnen, für Männer und Frauen, die an einem bestimmten historischen Thema interessiert waren, für Freunde des Pilgerns, auch literarisch interessierte Jounalisten, für Blogleser, Leser, die meine früheren Bücher schon gern gelesen haben, Krimi-und Thriller-Fans, meine Geschwister, meinen Sohn, Freundinnen in Pforzheim und Saarbrücken, für meinen Testleser bei Wien, viele Jahre lang schon und künftig wohl für jeden, der sich von meiner Art des Schreibens, das meiner Art des Lesens von Büchern entspricht, gern in eine andere Welt entführen lässt, so wie ich mich durch mein Schreiben und Lesen gern in andere Welten entführen lasse, die das Leben hiezunieden etwas lichtvoller und duftiger machen können.
2 Kommentare:
Das sehe ich genauso. Es ist wichtig, dass man das schreibt, mit dem man sich identifizieren kann. Und so wie du dich für historische Orte und Personen interessierst, ist das ganz genau deine Welt.
Liebe Grüße
Annette
Ich habe es jetzt wieder, beim Lesen eines der historischen Romane aus der Bücherei, gemerkt: Das ist einfach nicht mein Ding! Das einzige, was ich gelernt habe, was wirklich gut für mich war: mal länger als 220 Seiten durchzuhalten bei einem Roman
Liebe Grüße
Christa
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